ruralis infernalis 6 (Tourismus)

Auf dem Land, so denken wir Stadtmenschen, da ist die Welt noch in Ordnung …

Knecht 1:   Jetzt hot da Baua a no Touristn g’nomma, damit a no mehr Göd vadient.
Knecht 2:   Schau, do kummt scho ana.
Tourist:       Darf ich die Herren mal was fragen?
Knecht 1:   Wir san kana Herrn, wir san Knecht.
Tourist:       Egal. Ich suche die Murmeltiere. Wo kann ich die finden?
Knecht 2:   Nirgends.
Tourist:       Was heißt nirgends?
Knecht 2:   Die gibt’s net.
Tourist:       Aber die stehen doch im Prospekt.
Knecht 1:   Im Prospekt steht vü.
Tourist:       Ja, und was ist dann mit den Jemsen, den Hirschen und dem Rotwild?
Knecht 2:   Gibt’s a net.
Tourist:       Jetzt bin ich aber sauer. Wenn es die Tiere nicht gibt, dann hätte ich
genau so gut zu Hause bleiben können.
Knecht 2:   Im Prinzip scho.
Tourist:       Das ist eine Frechheit. Das lass ich mir nicht bieten. Ich werde mich beim
Bauern beschweren. Wo finde ich den?
Knecht 1:   Zurzeit in da Karibik.
Tourist:       Unverschämtheit. Der Bauer fährt in die Karibik und lässt das Chaos
zurück.
Knecht 2:   Wir war’n eh gern mit’gfohrn oba er hot uns net lossn.
Tourist:       Das kann ich mir gut vorstellen. Was soll ich denn nun in dieser Einöde
zwei Wochen lang tun?
Knecht 1:   Des frogn wir uns a an jedn Tog.
Tourist:       Gibt es hier wenigsten Sehenswürdigkeiten?
Knecht 2:   Naa, gor nix.
Tourist:       Oder Wanderwege?
Knecht 1:   Do is ollas zua betoniert.
Tourist:       Oder kulturelle Veranstanlungen?
Knecht 2:   Die Mogd singt maunchmoi au’m Heischober drom.
Tourist:       Und wie sieht’s mit einem Internetanschluß aus?
Knecht 1:   Wos is des wieda?
Tourist:       Was gibt es hier denn überhaupt?
Knecht 2:   Schweindln.
Tourist:       Großer Gott, man hat mich beschissen.
Knecht 1:   Des sogn olli Touristn bei uns.
Tourist:       Wer ist der Mann dort in der Hängematte? Ist das auch ein verzweifelter
Tourist?
Knecht 2:   Na, des is da Baua.
Tourist:       Der Bauer? Sagten sie nicht, der wäre in der Karibik?
Knecht 2:   Scheisse!
Tourist:       Jetzt reicht es aber!
Knecht 1:   Tuan’s eam net aufweckn sonst wird’a grantig.
Tourist:       Sie da, sie Bauer, ich habe ein Wörtchen mit ihnen zu reden.
Bauer:         I had a dream in the middle of the night. The teacher was standing in the
classroom, alone and only with these red flowers in his hands. Which
flower is the right one for this day?

Fortsetzung folgt … oder auch nicht …

Advertisements

12 Gedanken zu “ruralis infernalis 6 (Tourismus)

  1. Ich kann’s auch nicht, das Englische, but it is equal.

    Wichtig ist nur der Monolog des Bauern, der den geneigten Leser quasi vom grunzenden Schweinealltag tiefster Niederung aufsteigen lässt und hinauf führt in die höchsten Spären britischer Noblesse. Evolutäre Metamorphose, sozusagen.
    Die Sprache wird hinterher gezogen, so wie Kinder manchmal ihr Spielzeug an einer Schnur hinter sich her ziehen.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s