Der Weihnachtsbaum

In der heutigen Folge von „Geschenkt durch den Alltag“ bastelt der Ösi einen Weihnachtsbaum, der in seiner Heimat feierlich Christbaum heißt.

                                            
                                           
                                     
                                 
                            
                        
                       
                           
          
                                                         

 

Klingelingeling! Der Werkstoff.

Zunächst mal geht es um die Vermeidung jener Hölzer wie Tanne, Ahorn oder subtropischer Eberesche, nicht weil wir sie schützen wollten, nein, sondern weil die von Haus aus eine gewisse Affinität zur Instabilität in sich tragen und somit unserem Ideal eines ganzjährigen Allwetterbaums aufs Schärfste widersprechen. Die sorgsame Auswahl des geeigneten Materials ist also nachgerade von entscheidender Bedeutung.

Werden sie im Unterholz wie erwartet nicht fündig, dann versuchen sie es einfach beim nächstgelegenen Schrotthändler ihres Vertrauens. Eingerostete Achsen, verbeulte Kurbelwellen und andere Köstlichkeiten warten hier unbedingt und ungeduldig auf einen neuen Eigner. Hier bekommen sie das, was wir für „unser“ Grundgerüst benötigen und die Cleveren unter ihnen, die mit einer großen Portion Verhandlungs-geschick, die lassen sich den Krempel schon mal für lau nach Hause karren.

Haben sie diese Hürde erfolgreich genommen, kann es losgehen. Überlegen sie, was sie gerne hätten und montieren sie ihre Wünsche am Bäumchen, wobei sie darauf achten sollten, das Leichte oben, das Mittelschwere mittig und das Schwere unten zu befestigen. Hüten sie sich davor, Wünsche nur halbherzig, also nicht inbrünstig, zu formulieren beziehungsweise ganz zu vergessen: vergessene Wünsche lassen sich nicht nach montieren, ebenso schlampig vorgetragene nicht in die gewünschte sondern in die entgegengesetzte Richtung eilen. Und richtig, es handelt sich dabei um ähnliche Vorgänge, die uns bereits von den selbstprophezeienden Erfüllungen bestens vertraut sind.

Klopfen sie ihre Wünsche doppelt und dreifach ab und seien sie sich absolut sicher, bevor sie sie an den Baum nageln.

Der Ösi weist Hobbypsychologen und Staatsschützer unter der Leserschaft gleich darauf hin, dass es sich beim abgebildeten Weihnachtsbaum um einen „sogenannten“ Beispielbaum handelt, also um ein fiktives Bäumchen, welches mit den Wünschen, Ängsten und Befürchtungen des Ösis überhaupt nix gemeinsam hat als höchstens das Grundgerüst. Falls ihnen für ihren Baum nix G’scheites einfällt, was durchaus möglich ist, dann nehmen sie, gegen eine geringe Gebühr, versteht sich, doch gleich diesen hier, wobei die eine oder die andere Dame wahrscheinlich nicht ohne die eine oder die andere geringfügige Modifikation des einen oder des anderen Wunsches wird auskommen können. Herren dürfen eins zu eins übernehmen, müssen aber nicht.

PS: in der Vergangenheit hat es sich immer wieder gezeigt, dass gerade die am lautesten hinausposaunten Wünsche, die am Unerfülltesten gebliebenen sind. Stellen sie also ihr Bäumchen in eine Aura stillster Verschwiegenheit, schließen sie sorgfältig ab und vergessen sie die Pflege nicht.

In diesem Sinne wünscht der Ösi seinen geschätzten Lesern ein besinnliches, fröhliches und so weiter …

In der nächsten Woche beschäftigen wir uns mit dem filigranen Zusammenbau von zweieiigen Osterhasen.

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33 Gedanken zu “Der Weihnachtsbaum

  1. Respekt!
    Sowas von gelungen aber auch … und sogar bisserl was für mich dabei (Leuchtturm, Insel und Revolver) … der Herr Ösi hat ein erstaunliches Gspür fürs Wesentliche. Naja, ein Ösi halt …
    Da kann ich jetzt den Osterhasen kaum erwarten.

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  2. Danke für die Blumen.

    Viele vergessen, dass so sein Christbaum ja auch ein Wunschbaum ist, und dann wird er womöglich noch falsch zusammengebaut. Dieses und vieles mehr wollte der Artikel in Erinnerung rufen.

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  3. Äh, ja natürlich, der Osterhase, ich äh erinnere mich. Es war eigentlich äh mehr so ein rhetorisches Dingens, verstehen sie gnä‘ Frau, ich hatte dabei nicht würklich, wie soll ich sagen äh … Die da draußen, in der freien Natur, die haben äh alles, was sie brauchen usw.

    Gut. Ich werde drüber nachdenken.

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  4. … ich bin übrigens kein Hobbypsychologe, nebenbei bemerkt… ich versuche „nur“, mir die Welt zu erklären… jeder macht das, so gut er kann… und mit den Mitteln und Methoden, die ihm in seiner Begrenztheit zur Verfügung stehen…

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  5. … damals …

    Damals hatten wir einen Kaiser, aber heutzutage sind alle viel ungeduldiger in ihrer Warterei, quasi „homo non patiensis“.

    Da hat der Ösi auch schon wieder eine Geschäftsidee:
    wir gründen ein Kaiserreich für Nostalgiker mit einem Franz Joseph, einer Sissi, einem monarchischem Prinzip und allem, was dazu gehört.

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  6. Genau das ist der Markt der Zukunft. Apps entwickeln für Smartphones und mobile Devices. Wenn du eine super Idee hast für eine Anwendung und du in der Lage bist, sie entsprechend umzusetzen, dann dürfte die Kasse ordentlich klingeln. Die Hardwareproduzenten übernehmen für dich den Vertrieb der Software in ihrem Marketplace. – Gut musst du halt sein.

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  7. Ja, liest Er denn Unsere Postings nicht? Wir warten seit Längerem auf Seine k. u. k. Majestät!

    (… Er hat Uns zu folgendem Bonmötchen angeregt: „Dialektik, wo sie keiner vermutet (8): bei der Lektüre von Stefan Zweigs „Welt von gestern“ dauernd an die DaDaEr denken müssen…„…)

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  8. Ja … doch … der Ösi tut den ganzen lieben Tag nix anderes, als eure Postings zu lesen, aber dass man auf ihn, also auf den Ösi & Kaiser wartet, ist ihm bislang entgangen.

    (… sakra, wenn er doch nur die Dialektik finden könnte …)

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  9. Also hier, bei mir, auf meinem Schreibtisch habe ich keine Entschuldigung vorliegen, dass die Dialektik hirnhautentzündet sei und meine Sakratärin weiß auch von nix. Ich fürchte, wir werden einen Elternsprechtag ansetzen müssen.

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