Der Ösi wird eine Frau

… aber erst im nächsten Leben.

Es muss wohl während einer seiner unzähligen Besuche auf den Webseiten des Herrn Dino gewesen sein, als er diesen in jeder Hinsicht richtungsweisenden Entschluss getroffen hat. Ob es nun ein wie üblich schnippischer Kommentar seitens des Herrn Dino war, der ihn herausforderte, oder ob er diese Entscheidung aus seiner wie immer unberechenbaren Laune heraus traf, ist nicht bekannt, und es wird Aufgabe künftiger Generationen sein, dieser Frage nachzugehen und sie zufriedenstellend zu klären.

Natürlich spräche einiges dafür, den geplanten Umbau zur Frau noch während seiner Amtszeit Lebenszeit in Angriff zu nehmen. Allein: es ist nicht nur der prekär pekuniäre Zustand seiner Finanzen, der ihn von dem Unternehmen Abstand nehmen lässt, nein, dafür ließe sich notfalls ein eigens gegründetes Spesenkonto einrichten, auf dem die geneigte Leserschaft ihren Obolus für die nötigen Operationen entrichten könnte, nein, es ist vor allem die Stümperhaftigkeit der Schönheitschirurgen, die ihm das Fürchten lernt.

Klar sind all die Tussen, die unbeholfen beim Schönheitschirurgen antraben, um sich aufmotzen zu lassen, von Haus aus potthässlich, anderenfalls sie ja zu Hause bleiben könnten, um sich diese erniedrigende Tortour mit einhergehender Entstellung zu ersparen. Doch haben sie erst mal ihre drei Kreuze XXX – viele können seit Einführung der vermaledeiten Rechtschreibreform ihren Namen nicht mehr korrekt schreiben – unter den Vertrag gesetzt, ist es zu spät. Dem Operateur verspricht die geschlossene Vereinbarung nicht nur eine volle Kasse, sondern sichert diesem gleichfalls Narrenfreiheit in der Ausübung seiner Tätlichkeiten zu.

Vor so viel Hässlichkeit unter seinen Fingern rutscht dem einen oder anderen Körperkünstler – und glauben sie ja nicht, von denen hätte ein jeder Medizin studiert, viele sind Quereinsteiger vom Schlachthof gegenüber – schon mal das Messer, das dieser freilich Skalpell nennt, unbeabsichtigt aus. Glücklich hernach jene Opfer, die sich ein Erinnerungsfoto von vor der Operation aufbewahrt haben, wo sie zwar auch nicht die Schönsten waren, aber immerhin …

Die Raffgier der Schönheitschirurgen hat dazu geführt, dass diese nun für allerlei Geschnipsel am lebenden Objekt zuständig sind, und darüber hinaus für die geschlechtliche Umwandlung von Mann zu Frau, von Frau zu Mann, von Schäferhund zu Dalmatiner, von Kröte zu Frosch und so weiter.

Angesichts dieser Aussicht entschließt sich der Ösi, lieber auf seine Wiedergeburt zu warten, was im Klartext bedeutet, vorerst noch ein Weilchen Mann zu bleiben. Die Wiedergeburt ist die entscheidende Schnittstelle für Menschen, die einerseits mit ihrer Gesamtsituation ziemlich unzufrieden sind, andererseits nicht die Kraft oder den Willen aufbringen können oder wollen, etwas daran zu ändern. Von der Wissenschaft und der breiten Öffentlichkeit sträflich vernachlässigt, stellt sie ein probables Mittel dar, die Weichen noch vor dem künftigen Austritt aus dem Mutterleib in die gewünschte Richtung zu drehen.

Der folgende Workshop zeigt ihnen, worauf sie dabei achten sollten.

Jedem von uns ist ein gewisser Herr Petrus geläufig, zu dessen Tagesgeschäft es gehört, Neuankömmlinge an der Himmelspforte zu empfangen und sie auf etwaige Unzulänglichkeiten abzuklopfen. Aber kaum einer kennt sein Pendant, welches an der Rückseite der Himmelspforte, dem „sogenannten“ Hinterausgang, seine Arbeit verrichtet. Das Pendant ist dafür zuständig, vor allem Langzeitparadieser in ein neues Leben, Stichwort: Wiedergeburt, zu entlassen. Die Langzeitparadieser wehren sich verständlicher Weise mit Händen und Füßen gegen den Rausschmiss, der ihnen stets mit den Worten „Mach mal ’n bisschen Sommerfrische auf Erden“ angekündigt wird. Den Dialog zwischen den Parteien müssen sie sich in etwa so vorstellen:

Pendant: Mach mal ’n bisschen Sommerfrische auf Erden.
Langzeitparadieser: Bin doch gerade erst gekommen.
Pendant: Nix da. Man hat dich vor 2500 Jahren bei uns eingeliefert. Nennst du das kurz?
Langzeitparadieser: Das muss ein Irrtum sein.
Pendant: Kein Irrtum! Ich hab’s schwarz auf weiß.
Langzeitparadieser: Ich möchte bleiben.
Pendant: Geht nicht.
Langzeitparadieser: Wenn du magst, darfst du alle meine Frauen …
Pendant: Ich bin Eunuch. Übrigens der einzige hier.
Langzeitparadieser: Kann ich dir was Gutes tun?
Pendant: Geh‘ einfach.
Langzeitparadieser: Nein.
Pendant: laut Raus!
Herr mit weißem Bart: Was soll das Geschei?
Pendant: Er will nicht gehen.
Herr mit weißem Bart: Mein Gott, muss ich hier alles selber machen?!
Langzeitparadieser: Gut, dass sie kommen. Dieser Herr wollte mich gerade …
Herr mit weißem Bart: lauter als laut R-A-U-S !!!
Langzeitparadieser: kleinlaut Ich geh‘ ja schon.

Das Beispiel zeigt einmal mehr, dass der Disput für den Langzeitparadieser nicht zu gewinnen ist. Im Gegenteil, er kann echt froh sein, nicht als Kaulquappe wiedergeboren zu werden und oder einem Schönheitschirurgen in die Hände zu fallen. Dabei wäre es ein Leichtes gewesen, dem Pendant durch richtiges Verhalten die eigenen Sonderwünsche zu oktroyieren. Denken sie also bei ihrem nächsten Gespräch am Hinterausgang an diese Worte und vermeiden sie so mögliche Unannehmlichkeiten bereits an der Basis.

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15 Gedanken zu “Der Ösi wird eine Frau

  1. Schade, dass der Herr Ösi nun mit dem Frauwerden doch noch warten will – ein Erfahrungsaustausch hätte enorme Auswirkungen auf das bisherige Verständnisproblem zwischen den beiden Geschlechtern, und da Herr Dino seinerseits ja bereits gewisse Mutationen in sich zu spüren wähnte, wenngleich eher vergeistigter oder gefühlsmäßiger Natur, hätte die Welt unglaublich davon profitieren können … seufz …

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  2. Wie wahr! Andererseits, und so sollten wir vielleicht diese Tatsache ernüchternd zur Kenntinis nehmen, die Erde und deren Bewohner noch lange nicht den nötigen Reifegrad erlangt haben, um in kürzester Zeit in den Genuss eines derartig tief greifenden Evolutionssprungs, quasi Zwopunktnull von Nullkommanix, zu gelangen.

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  3. Ja, das mit der Reife stimmt natürlich auch wieder. Wobei vermutlich keine Zeitspanne lang genug wäre, um den entsprechenden Grad, wofür auch immer, zu erreichen.

    (Die Ösin hat heute ihren realistischen Tag – oder es kreuzten einfach schon zu viele Minderbereifte in den Vormittagsstunden ihren Weg, wodurch in der Ösin der Wunsch heranzureifen begann, ihre Wahrnehmungsfähigkeit nach unten nivellieren zu können … )

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  4. Meiden sie, werte Ösin, gerade in dieser vorweihnachtlichen Zeit und, wenn möglich, bis weit über Ostern hinaus, Menschen, deren Entwicklungsstufe ihrem geschätzt geschätzten Gefühle nach nicht wesentlich über 0.85 auf der Richterskala hinausreicht. Wenn eine Meidung nicht machbar ist, was in Sonderfällen hin und wieder vorkommt, dann wäre eine vorübergehende Abschaltung einer Hirnhälfte – wobei Damen immer die gegenüberliegende von der eines Herren abschalten bzw. Herren die jeweils andere – so wie es der Ösi selbst im Störungsfall praktiziert, die einfachste weil schonendste Lösung. Konkret bedeutet dies die erfolgreiche und lückenlose Schredderung von unsinnigen Informationen der Umwelt, bevor diese die Großhirnrinde erreichen und schädigen können.

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  5. Was täte ich nur ohne Sie … wertvolle Tipps aus kundigen Männertasten nehme ich doch gerne an.

    Vielen Dank auch für den Weihnachtsmann mit (leider-nicht-rednosed) Rentier nebst Wünschen. Auch dir-Ihnen-euch ein wahlweise frohes, harmonisches, besinnliches Fest!

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  6. (… Deine Phantasien machen, dass Anna Lyse auf der Couch hopst als wie eine junge Springinsfeldin…)

    Wo bin ich denn schnippisch? – Ich bin einfach nur bedingt Realitäts verwendungsfähig; von Integrationsversuchen in Hominiden-Populationen wird abgeraten…

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  7. Danke schön.

    Kochen, bügeln, wienern, klappt bereits bestens … wenn bloß nicht diese verflixten Stöckelschuhe wären. Mich haut’s damit in einen jeden Schneehaufen rein. Jetzt muss ich aber weg. Hab‘ noch ’n Lehrgang Geburtstraining …

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  8. Wienern? Aber Du bist doch im Exil?

    (… what a joke, what a joke…)

    … das mit dem Bart ist übrigens nicht nur irokastisch gemeint… ich sehe in diesem Stadium der Gesichtsbehaarung einfach nur unaufgeräumt aus…

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  9. Wie deine werte Frau Nachbarin K. an anderer Stelle zum selben Thema mal anmerkte, wäre es für die Damenwelt von Vorteil wenn ein Mann zuerst Frau wäre und dann ein Mann. Also solltest du im übernächsten Leben wieder ein Mann werden. Allerdings, wer weiß schon, was in dieser fernen Zukunft sein wird. Eine schöne Lösung wäre vielleicht auch, das Geschlecht einfach immer mal wechseln zu können – möglichst ohne größeren Aufwand.

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  10. Ja, zum Beispiel mit einem einfachen Geschlechtsumwandler, der die äußerliche wie innerliche Umwandlung per Knopfdruck in etwa in der Zeit, wie ein Kabrio zum Öffnen bzw Schließen des Verdrecks benötigt, bewerkstelligen könnte.

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