Weltuntergang

Au weia, die Maya, jene längst untergegangene Spiel- und Spaßgesellschaft südamerikanischer Provenienz, hatten dereinst, ohne Rücksicht auf die im Hier & Jetzt auf dem blauen Planeten herum wuselnden Generationen, den Weltuntergang für den 21. 12. 2012 prognostiziert. Das wäre nicht so schlimm, würde das Datum noch ein bisschen weiter draußen in der Zukunft liegen. Doch Schreck: es bleiben uns weniger als 1.000 Tage.

Berühmt geworden ist das merkwürdige Völkchen weniger durch ihre fast handzahm zu nennenden Pyramiden, welche im Vergleich zu den ägyptischen Gegenstücken selbst von untrainierten Weicheiern im Laufschritt genommen werden können, als durch ihre lustigen Maya-Hauben, jene kunterbunten Kopfbedeckungen, die damals wie heute den gesamten südamerikanischen Kontinent prägen und die seit dem 20. Jahrhundert von Talent freien Schneidern à la Lagerfeld aufs schamloseste abgekupfert und zu völlig überteuerten Preisen feil geboten werden.

Nun könnte man anmerken, dass diese Mayas bei der Erstellung ihrer ach so schröcklichen Prognose durch ständigen und vor allem übermäßigen Kokaingenuss so zugedröhnt waren wie Michel Friedman 2003 auf seinen Parties mit osteuropäischen Zwangsprostituierten. Doch das wäre nur eine billige Ausrede … denn die Damen und Herren Maya wussten im Gegensatz zu Pseudo-Prominenten selbst noch im größten Delirium was sie taten.

Und so war es nicht verwunderlich, dass sich knapp vor Zwanzigzwölf Horden von „sogenannten“ Historikern, Experten und Spezialisten auf den Weg machten, den Wahrheitsgehalt des drohenden Unheils zu überprüfen. Waren ihre ersten Analysen noch von wenig Zuversicht gekennzeichnet, so zaubern Politiker mit fortschreitender Stunde immer mehr Experten wie Kaninchen aus ihren Zylindern, die uns beschwichtigend erklären, die Mayas hätten mit ihrem Geschwafel nicht den Weltuntergang sondern ganz im Gegenteil eine Zeitenwende hin zum Guten, Erhabenen, kurz: zum Erleuchteten im Sinne gehabt.

Und genau das sollte uns nachdenklich stimmen!

Denn: je zahlreicher die Beschwichtigungen, umso sicherer kann von einem pünktlich stattfindenden Weltuntergang ausgegangen werden. Der Ösi hat deshalb – weitsichtig wie er ist – einen Weltuntergangscounter auf dieser Seite eingerichtet, der den geneigten Leser darüber informiert, wie viele Tage, Stunden, Minuten und Sekunden ihm bis zur Apokalypse bleiben.

Überhaupt hat sich der oesiblog für die wenige uns verbleibende Zeit so einiges vorgenommen, wie zum Beispiel die staatlich anerkannte Approbation zum Behandeln allgemeiner Fragen zum Thema Diesseits, Jenseits oder Abseits zu erlangen und den hilflos herum Irrenden, den haltlos Verzweifelten, den rastlos Suchenden und den drahtlos Telefonierenden psychisch, physisch und moralisch unter die angekratzten Fittiche zu greifen. Eine letzte Oase in der tosenden Brandung soll hier entstehen.

Für die meisten von ihnen bedeutet der 21. 12. 2012 erstmal bloß das Ende der Welt. Aber für manche bedeutet das Datum mehr. Für all jene, die das Weihnachtsfest im Beisein der „lieben“ Familie inklusive verkokelter Weihnachtsgans nicht sonderlich zu schätzen wissen bzw. für all jede, die auf der Suche nach adäquaten Weihnachts-geschenken ein jedes mal aufs Neue verzweifeln bzw. für all jene, die den anschließenden Silvesterrummel samt sinnlosem Feuerwerksgeknalle nicht ertragen, die frohe Botschaft: Sie müssen da nur noch 1 x ran!

Danach hat es sich ausgeganselt, ausgeschenkt, ausgeballert und so weiter. Und zwar endgültig.

An dieser Stelle erschließt sich wohl auch dem größten Skeptiker der immense Vorteil eines gepflegten Weltuntergangs. Das Datum bedeutet ja auch das endgültige Aus für diverse Zustände, deren vorzeitige Beendigung nie jemand jemals für möglich gehalten hätte.

Also: ihre bereits seit Jahren unglückliche Ehe … beendet, die Unterhaltszahlungen an die Ex samt an die undankbar-nichtsnutzigen Kindern … vorbei, der stressige und unterbezahlte Job … Legende, ihre drückende Schuldenlast mit der finalen Tilgung am Sankt Nimmerleinstag … geschenkt, usw. usf.

Lehnen sie sich bequem zurück in ihren Ohrensessel (bzw. bei nicht Vorhandensein denken sie sich einen solchen) und genießen sie diese einzigartige Situation. Verzeihen sie und vergessen sie. Seien sie großzügig mit sich selbst und vor allem mit dem Rest der Welt.

Lassen sie z. B. Herren Westerwelle noch die paar Tage Außenminister spielen und amüsieren sie sich über sein Rumgezicke als Parteivorsitzender. Mit der FDP ist es ohnehin am 21. 12. 2012 vorbei. Spätestens. Ebenso mit allen anderen ärgerlichen und unangenehmen Vorkommnissen. – Sehen sie, sie können ja schon wieder lachen.

Wir denken, dass sie denken, so ein kleiner bis mittlerer Zwischendurch-Weltuntergang hätte auch früher schon mal nicht schaden können. Von den Vorzügen einer planetaren Grundreinigung ganz zu schweigen … Es liegt nun an ihnen, besser heute als morgen mit ihrer eigenen Tabula rasa zu beginnen und nicht erst das endgültige Ablaufdatum abzuwarten.

Den besonders Schlauen legen wir das weitgehend unbekannte Thema der Wiedergeburt ans Herz, jener Problematik, die sich mit ihrem künftigen Weitergewurstel auf einem fernen fremden Planeten in einer fernen fremden Galaxie, quasi same procedure as every year, auseinander setzt.

Kurz: es gibt für alle was zu tun. Packen Sie’s an!

Advertisements

33 Gedanken zu “Weltuntergang

  1. An dieser Stelle wagt die Ösin schüchtern, aber angesichts des beschriebenen Dräuenden doch ein wenig drängelnd anzumerken, dass die Welt noch immer auf die Anleitung für den filigranen Zusammenbau zweieiiger Osterhasen wartet …

    Gefällt mir

  2. Öm … ja … nun …

    Vorerst recht herzlichen Dank an unsere aufmerksame Leserin. Wir vom oesiblog sind stolz auf unsere Leserinnen und Leser, die mit aller größtem Interesse das Geschehen auf der Welt und vor allem hier auf diesem Blog verfolgen. Als kleines Dankeschön möchten wir Ihnen heute diesen gießfreien

    überreichen.

    Leider müssen wir die angekündigte Bauanleitung wegen technischer Probleme vorerst auf Eis legen. Der durch sphärische Einwirkung entstandene Überdruck halb leitender Zellen in beiden Osterhasenohren zwingt uns im Interesse einer gesicherten und schmerzfreien Durchführung, das Experiment auf unbestimmte Zeit zurück zustellen. Wir danken für Ihr Verständnis.

    Gefällt mir

  3. Die aufmerksame Leserin dankt und ist bewegt, dass Ihr vom oesiblog auf den tierquälerischen Aspekt des Experiments Bezug nahmt, wodurch der Ösin die Lust auf Osterhasen ohnehin erst mal vergangen ist und sie schon deshalb froh ist, dass die Zeit der Versuchskaninchen dank Maya & Co in absehbarer Zeit vorbei sein dürfte.

    Falls es aus Statistikgründen irgendwo eine Stricherl Liste gibt:
    Ich wähle die Variante mit dem virtuellen Ohrensessel …

    Gefällt mir

  4. Nein, an mich habe ich nicht gedacht, schon wieder so ein Mist Verständnis, sondern eher daran, dass geneigter Herr, nicht du, sondern der Herr mit dem weißen Bart, eventuell, nach dem endgültigen Weltuntergang das Bedürfnis hat, ein Kommentärchen einzusteuen, quasi als Epilog oder so.

    Gefällt mir

  5. Ihr Apokalyptiker seid immer so ungeduldig. Auf einen Schlag soll alles vorbei sein. Dabei ist Rom weder an einem Tag gebaut worden noch an einem Tag untergegangen.
    Guter Untergang braucht seine Zeit, sogar ein paar Zwischenphasen in denen es so aussieht als ginge es wieder aufwärts

    Gefällt mir

  6. Das war der Oberhammer vor paar Jahren: nachdem ich 333 Male darauf „hingeführt“ wurde, habe ich mir mal Kishon „angesehen“, „Balumilchkanal“; ich habe fast alles vergessen, aber in einem der Bonustracks hieß es, das im Film „genutzte“ Verwaltungsgebäude wäre tatsächlich eines und die (wirklichen) Beamten wären beim Drehen, Sinn gemäß, alle mit Begeisterung bei der Sache gewesen… das hat mich umgehauen… das war lange vor Reality Shows usw.

    Postmoderne schööööööön!

    Gefällt mir

  7. Klingt eigentlich mehr als logisch. Andererseits … passiert so ein Weltuntergang nicht alle Tage, d. h. wir haben damit überhaupt keinerlei Erfahrung und dürfen deshalb diese zugegeben sehr sehr unwahrscheinliche Variante nicht außer 8 lassen.

    Vergleiche „Alien Alarm“ (Der große Knall)
    http://oesiblog.blog.de/2010/11/22/alien-alarm-89-ende-10005646/

    Aber, natürlich, die Posaunengerichte sprechen da eine ganz andere Sprache …

    Gefällt mir

  8. Harry Nillson – der alte Saufkumpan von John Lennon und Keith Moon (alle tot!). Sentimentalität ist ein gefährliches Gift. Muss man maßvoll mit umgehen.

    Ich verweise in diesem Zusamenhang noch einmal auf „Per Anhalter durch die Galaxis“. Solltest du unbedingt lesen (sag ich nicht leichtfertig).

    Gefällt mir

  9. Pingback: Aufgewärmtes | oesiblog

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s