E10

Vor ein paar Tagen war der Ösi unterwegs Richtung Amt. Er wollte sich bloß eine Atmosphärenbescheinigung besorgen. Sie wissen schon, diese Formalität, die Sie unbedingt benötigen, wenn sie ihren Schrott im Weltraum entsorgen möchten.

Nehmen wir mal an, sie wollen ihre alte, verrostete Badewannen entsorgen. Sie schießen die Wanne mittels einer Trägerrakete – die NASA hat zur Zeit jede Menge Kapazitäten frei – in den Weltraum hoch. Dort verbleibt sie einige Jahre in einer erdnahen Umlaufbahn, ehe sie beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre fast rückstandsfrei verglüht. Das bedeutet: 98 % zzzzzzt … und 2 % PENG! In unserem Beispiel kommt nur der Stöpsel wieder runter …

Doch noch vor Erreichung des Amtes signalisierte eine Warnlampe dem Ösi, dass der Sprit wieder mal zu Ende ging. Also, gings erstmal zur Tankstelle. E10 stand drohend an der Zapfsäule, die, wie fast alle Zapfsäulen, eine selbst zu bedienende war und dem Zapfenden einiges abverlangte. 

Um auf Nummer sicher zu gehen, rief der Ösi gleich und noch vor dem Tanken im Umweltministerium an, um sich zu vergewissern, dass seine Rostlaube dieses E10 verträgt. Klaro und nullo Problemo, beschied ihm der Minister himself, es sei ja alles öko, pflanzlich, nachhaltig, sauber und so weiter.

Ja … aber, wendete der Ösi ein, die Ackerfläche soll doch dazu dienen, um Lebensmittel anzubauen. Täglich verhungern tausende Menschen, weil sie nix zu essen haben. Und sie machen Sprit aus Lebensmittel?

Selber schuld, die Armen, klärte ihn der Minister auf, hätten die was ordentliches gelernt, dann würden sie heute in einem Porsche Cayenne Geländewagen durch die Gegend düsen statt zu verhungern.

Ich glaube, der Ösi wird sich gleich mehrere Atmosphärenbescheinigungen besorgen müssen …

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9 Gedanken zu “E10

  1. Als Bürger sollte man Gefahrenzulage bekommen – für den Schadstoffausstoß der Politikersprechblasen.

    Ich begrüße die Konsequenz, mit der du die Entsorgungsangelegenheiten vorantreibst, und harre schon gespannt der Vorschläge bezüglich Stöpselverwertung, kalkuliere allerdings nun eine leichte Verzögerung ein, da sich E10 erschwerend dazwischenwarf …

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  2. *lach*
    Da siehste mal, was passiert, wenn man sich einer Sache ernsthaft annehmen will … so gehts mir ständig … kaum wirft sich eine Thematik in den Weg, taucht bereits die näxte auf und droht, die vorige zu übertrumpfen.

    Aus Mitleid mit dem unscheinbaren Stöpsel wollte ich ihn bissi nach vorne reihen, aber ich schätze mal, er wartet geduldig, bis er an der Reihe ist. Notfalls schießen wir die rostigen Dinger gleich ohne hinauf, hier gäbs eh noch lange eine Menge zu verstöpseln, damit nicht alles ins Grundwasser … seufz …

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  3. Wer sagt denn, dass das zwei Themen sind, für mich ist das eines.
    Das Nicht-Vermeidungs-Thema.
    Angeblich soll Müll vermieden werden, aber … sie hier.
    Angeblich soll COzwei-Ausstoß vermieden werden, aber … guck hier.
    Angeblich sollen neue Technologieen Energieresourcen eröffnen anstatt den Bedarf zu drosseln, aber … so richtig durchdacht, scheint mir das auch nicht zu sein.

    Na ist egal, ich werde dann mal auf das Sommer-E10 warten, wer weiß, was die Winter-E10-Vernebelung sonst beim hereinbrechenden Frühling mit meinem Tankdeckel anstellt.

    Da siehst du’s mal, so viele Einträge für das, was du nur in einem trefflich abehandelst.
    🙂

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  4. Die Politiker sind in diesem Fall wieder einmal willige Erfüllungsgehilfen der Industrie aber man sollte nicht vergessen das die Hauptschuld die Autoindustrie trifft. Die war nicht in der Lage die ohnehin bescheidenen Umweltauflagen in Bezug auf Verbrauch und Abgase zu erfüllen und regte deshalb an stattdessen den „Biosprit“ zu forcieren. Leider hat ihre Lobby in Berlin und Brüssel Gehör gefunden.

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  5. Jetzt bin ich platt wie Schollenfilet. Schon in der Schule hat man den Ösi wegen Themenverfehlung aufgrund unheilvoller Verzettelungen & Abschweifungen in nicht gefragte Gebiete stets getadelt. – Ich danke für die Augenöffnung und werde an meinen Ausbildungsstätten Wiedergutmachung verlangen müssen …

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  6. Nun gut, Fehler zu machen gehört zum menschlichen Tagesgeschäft. Die Causa Guttenberg aber lehrt uns, dass das Volk durchaus die Kraft und die Möglichkeit hat, „nachträglich“ einiges zu bewirken …

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  7. Also das mit dem Stöpsel will ich jetzt genau wissen! Wo und wann wird das Trumm ohne Landeerlaubnis eventuell unsere wertvollen Spritplanzen knicken? … und wehe, es ist ein Feld mit Hopfen oder Gerste, wehe wenn ich dadurch nur ein Bier weniger bekomme … ich sehe schon, ich werde mit den verantwortlichen Politikern über eine Verschärfung der Gesetze für die Schwerkraft sprechen müssen. Der Müll soll in die andere Richtung fliegen – nur nicht ins Schweizerhaus.

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  8. Der Stöpsel fliegt noch, kreiselt und schlingert heftig, aber ich werde ihn im Auge behalten. Unmöglich mit Gewissheit vorauszusagen, wo er runter kommen wird, nur runter, das steht fest, wird er kommen. Schweizerhäuser, Heurigenstationen und diverse Winzerbrauer sollten ihre nach oben offenen Präziositäten schon mal vorsorglich stahlbetonlich absichernd abdecken.

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