Saure Gurken Zeit

Dass Niederösterreich, des Ösis Geburtsbundeslandstätte, mal wieder in der internationalen Presse für Furore sorgt, ohne gleich mit der Fritzl’schen Zeugungs- und Wegsperrungsbesessenheit in Konkurrenz zu treten, sondern den Weg ins mehr oder weniger Gedruckte auf eine mehr oder weniger amüsante Art und Weise findet, freut den Ösi ganz besonders. Es gibt diesmal keine Toten, ja nicht einmal Verletzte oder gar ein Verbrechen zu beklagen und das ist gut so.

Allein die Stätte des Geschehens, St. Pölten, der hässlichste Ort und gleichzeitig die Hauptstadt Niederösterreichs, wo man den Ösi mit einiger Verspätung 1979 zur Musterung schickte und ihn in Ermangelung einer B52-Bomberstaffel, die er den erstaunt gebeutelten Herren Offizieren als Wunsch-Einheit vorschlug, strafweise zu den Götzendorfern Jägern abkommandierte, allein dieses St. Pölten, dieses weder Fisch noch Fleisch, weder Stadt noch Land und schon gar nicht Hauptstadt von Irgendwas spielt in dieser Geschichte, die jedoch genau so gut wo anders spielen könnte als in St. Pölten, die Hauptrolle.

Eigentlich spielt St. Pölten eher eine Neben- als eine Hauptrolle, oder aber anders gesagt, wo außer in St. Pölten könnten einem Lehrer die Maturaarbeiten seiner Schüler aus dem Transportkoffer seines Mopeds flattern, wobei Matura für die nicht des Ösischen mächtigen soviel wie Abitur bedeutet, was aus Rücksichtnahme auf Nordlichter heißt: dem stattlich staatlich beauftragten Bildungsbeauftragten entfleuchten auf dem nach Hause Weg die Abiturarbeiten seiner geliebt-gehassten Sprösslinge.

So weit so schlecht. Keine Sau würde unter normalen Umgebungsbedingungen über solch eine Schlagzeile krähen, beziehungsweise kein Hahn nach dieser Lappalie quieken. Aber eben nur normalerweise.

Dass sich diese Headline samt ausführlicher Analyse des Geschehens sogar in den kosmopolitischen „Nürnberger Nachrichten“ wiederfinden würde, so als gäbe es sonst keine Krisen und Verwerfungen im Lande der Dichter und der Denker und auch anderswo zu beklagen, dass hätte der Ösi nie und niemals für möglich gehalten … St. Pölten plötzlich in aller Munde!

Womit wir flugs zur Sauren-Gurken-Zeit übergehen. Ja, sapperlot, sagt sich der Ösi fragend, gehen uns jetzt etwa schon Ende Juni die würklich wichtig richtigen Gedanken und Themen perdu, auf dass wir St. Pölten zur omphaloskepsis (deutsch: Nabelschau) der Welt werden machen müssen – in Klammer Fragezeichen – obwohl doch kaum ein zivilisierter Mensch je freiwillig von dieser „sogenannten“ niederösterreichischen Hauptstadt gehört haben will.

Indeed, es scheint so – was uns unverzüglich zu den sauren Gurken führt.

Als designierter Nachfolger Oswald Kolles dem Ersten und Aufklärer einer ganzen Nation, ist der Ösi geradezu verpflichtet, der Frage nachzugehen, ob „Saure-Gurken-Zeit“ nicht nur, wie früher, sagen wir im späten 18. Jahrhundert, einen Mangel an Lebensmittel bedeutet, sondern heutzutage womöglich gar ein Verschrumpeln bis zur Wirkungslosigkeit männlicher Spermazoide mit sich bringt, die sich im Nichts verwirrend verirren und die ein zeitgemäßes Fortpflanzen so unmöglich machen wie zum Beispiel ein Griechenland, das schuldenfrei ist. Die „Saure-Gurken-Zeit“ als befreiende Sexzeit ohne Folgen, unterhaltsbefreit weil ohne unerwünschte Nach- und Nebenwirkung, der ultimative Freizeit-Tipp-Kick für den Hobby-Casanova, der bis dato auf die rezeptpflichtig kostenintensive Viagra-Pauschale plus interne oder externe Verhütungsmaßname angewiesen war.

Da scheint was dran zu sein und wenn Sex ohne kostspielige Kindermacherei erst mal wieder zur Regel wird, wird die klempnerlose Rohrverlegung auch ohne Pfizerische Fremdeinwirkung wieder besser klappen, Sprichwort: Nachhaltigkeit et cetera.

Die meisten Kinder werden derzeit, wie seit Jahren üblich, relativ kostengünstig von eingebürgerten und kaum der Standardsprache mächtigen Ausländern in Akkordarbeit fabriziert, die sich dem „Saure-Gurken-Phänomen“ auf phänomenale Weise zu entziehen scheinen. Aber das ist wieder eine andere Geschichte.

— * —

Bleibt nun noch St. Pölten mitsamt seinen glücklichen Maturanten bzw. Abiturienten. Die strotzen nun freilich nur so vor Glückseligkeit & Manneskraft ob bestandener Zweitprüfung und werden es hoffentlich schaffen, ihre Heimatstadt bald wieder werbewirksam z. B. als „die ultimative Zeugungsmetropole der nördlichen Hemisphäre“ in den Schlagzeilen dieser wunderbaren Welt zu verankern …

Advertisements

25 Gedanken zu “Saure Gurken Zeit

  1. Na ja, der Ösi kommt ursprünglich aus Ternitz und war bis dato nur ein einziges Mal, nämlich 1979 und in seiner Erinnerung an einem total verregneten Herbsttag zwecks Musterung in St. Pölten, das damals noch keine Hauptstadt war. Sein Auslandsticket hatte er damals freilich schon gebucht …

    Gefällt mir

  2. Nürnberg ist ja meine erste „Großstadt“ überhaupt und hier wird sicherlich nicht weniger stümperhaft gegurkt als in der Heimat, allein die Größe und das Angebot zur Sankt-Pöltnerischen-Ternitz-Alternative macht es, dass es dem Ösi hier nüscht langweilig wird …

    Gefällt mir

  3. Stimmt. Cooler Bericht! Irgendwie disziplinierter oder so als sonst.

    (… aber bei „Gurken“ könnte man auch an gewisse Sex-Spielzeuge denken… dies wäre dann ja wohl den „Intentionen“ oder wie man das nennt, des Autors entgegen gesetzt, sagt aber auch wieder viel über das Fossil… ich glaube, wenn ich mich „normal“ entwickelt hätte – oder überhaupt, harharhar – und jetzt also ca. 25 Jahre verheiratet wäre, dann würde ich meiner Frau regelmäßig Vibratoren schenken – damit sie mich in Ruhe lässt; ich darf das, ich bin ein lebensfeindlicher Gartenzwerg…)

    So – jetzt muss ich direkt mal nach St. Pölten kieken (d. h., im Net); Bloggen bülldütt fürwahr!!!

    Gefällt mir

  4. Wenn die meisten Kinder „derzeit, wie seit Jahren üblich, relativ kostengünstig von eingebürgerten und kaum der Standardsprache mächtigen Ausländern in Akkordarbeit fabriziert“ werden, müsste der Ösi doch auch ganz viele davon haben?! :>

    Gefällt mir

  5. Irrtum, meine Gutste! Die Tatsache, dass du dieses Posting überhaupt verstanden hast, beweist doch schon, dass der Ösi zumindest die Standardsprache beherrscht. Andererseits verwirren ihn die vielen Nürnberger Kiddies, die in einem derart perfekten Ösisch daher parlieren, als wären sie von einem Alpenländer höchst persönlich hergestellt. Nun ja, meine Landsleute sind für ihre Reiselust bekannt und dafür, dass nach einem Museumsbesuch noch lange nicht Schluss sein muss …

    Gefällt mir

  6. Irrtum, die Tatsache, dass … beweist doch nur, dass ich ein äußerst sprachbegabter Mensch bin und neben der Standardsprache sogar fließend Ösisch beherrsche… ;D

    Gefällt mir

  7. Der Ösi bedankt sich mit einem artigen Diener fürs Kompliment.

    Nun, spätestens seit sich Herr Berlusconi diese Pumpe einbauen ließ, um sein Gemächt beliebig zu steuern, ist ja die Verschmelzung zwischen Mensch und Spielzeug eine totale. Und die verpflichtende Verschenkung von Vibratoren an Ehe- und sonstige Gattinnen sollte eigentlich längst im Grundgesetz verankert sein.

    PS: auf diesem Blog darf durchaus Gartengezwergelt werden …

    Gefällt mir

  8. Es mangelt vielleicht nicht so sehr an Themen denn an Lesern.
    Wo die sind? Im Urlaub? Bei facebook? Ich kann nur Vermutungen anstellen. Ich schätze der Herbst wird einen Aufschwung mit sich bringen.

    Niederösterreich ist – wie ich entsprechendem Kartenwerk entnehme so etwas wie das Brandenburg der Alpenrepublik. Es schließt die Hauptstadt ein – oder aus?

    Gefällt mir

  9. 1979 war ich das letzte Mal in St. Pölten, in Aderklaa war ich noch gar nie nicht … hat aber, nach einer kleinen Googelei, zumindest für mich den Vorteil, dass es ganz nah an Wien dran ist …

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s