Randnotiz

An dem Tag als Deutschland Pleite ging, strahlte die Sonne mit ihrer ganzen Pracht.

An die 211 Milliarden Euro für die das Volk der Dichter und der Denker noch im September 2011 bürgte, dachte schon längst keiner mehr. Mittlerweile ging es um Billionen oder waren es gar Billiarden, die Deutschland den kränkelnden südländischen Faulenzern zugesagt hatte. Billionen oder Billiarden, wer weiß das schon so genau und genau gesagt, jetzt war es eh egal.

Den südländischen Faulenzern Faulheit vorzuwerfen, war angebracht. Ihnen Dummheit zu unterstellen, wäre ein Akt gröbster Fahrlässigkeit gewesen. Denn: mit einer jeden Erhöhung des Euro-Rettungsschirms fuhren sie ihre pseudo Bemühungen, ihre Staatshaushalte zu sanieren, noch weiter zurück. Jetzt, wo die Nordstaaten unter deutscher Federführung alles für sie bezahlten, wären sie schön dämlich gewesen, noch irgend einen Finger krumm zu machen.

Und dann, scheinbar aus heiterem Himmel, schlitterte Deutschland in die Pleite. Klar, es war wieder mal Weltwirtschaftskrise angesagt, Minuswachstum und das ganze Programm, als die Habenichtse an die Pforte klopften, um die ihnen zugesagte Hülfe einzufordern.

Ungläubig, traurig und betroffen saßen die Leute vor ihren Fernsehschirmen und trauten Augen und Ohren nicht: das große, das mächtige Deutschland .. Pleite! 
Große Trauer, große Stille.

Nur beim Ösi nicht.

Nach anfänglicher Skepsis und Kritik wurde der Ösi zum bekennenden Befürworter derer, die sich für eine ständige Erhöhung des Euro-Rettungsschirms einsetzten. Er wusste: nur wenn Deutschland Pleite ging, nur wenn das Land einen Zahlungs-verpflichtungen nicht mehr nachkommen konnte, nur dann konnte diese EU zerfallen, nur dann konnte dieser Schrecken, den diese EU seit ihrem ersten Tag verbreitete, das lang ersehnte Ende nehmen. Und er war überzeugt davon: auf diese Politiker war Verlass, das Land vor die Hunde gehen zu lassen …

Natürlich, Autobahnen und Straßen werden künftig noch mehr verrotten, ebenso Schulen, Krankenhäuser und andere öffentliche Einrichtungen, weil das noch vorhandene Geld in erster Linie für den südländischen Schuldendienst ausgegeben werden muss.

Aber ist es nicht so gewollt vom Volke, dass den Politkern alle Vollmachten gibt, um diese über ihre eigenen Köpfe hinweg entscheiden zu lassen?

Schon beginnen die ersten neben den nun kaum noch befahrenen Straßen Tomaten, Gurken, Radieschen und anderes Zeug anzubauen. Zum einen haben die meisten ihren ohnehin nicht geliebten Job verloren, haben also genug Zeit zum Gärtnern, zum anderen will man eine mögliche Nahrungsmittelverknappung auf jeden Fall verhindern. In den Kindergärten und Schulen wird den Jüngsten beigebracht ihre Haustiere, allen voran ihre Meerschweinchen zu schlachten und auf leckere Art zuzubereiten. Das Volk findet langsam wieder zu sich selbst, weg vom wirtschaftlichen Teil und hin zum spirituellen und landwirtschaftlichen Dingens … während die Südländer mit ihren Billiarden Industrien und Fabriken errichten in denen keiner arbeiten will und kann.

Und der Ösi?

Der macht Furore in den Music-Charts mit seinem Mega-Hit: Nie wieder in die Hände gespuckt. Wir scheißen auf das Bruttonationalprodukt …

 

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6 Gedanken zu “Randnotiz

  1. Aha, langsam wird es mir klar. Ich frage mich schon seit längerem woher diese Abneigung gegen Europa kommt. Jetzt weiß ich es. Der Ösi trauert dem „Zeitalter“ der österreichischen Neutralit nach, diesen 50 Jahren Neutralität die im Nachhinein glorifiziert werden. Stellt sich nur die Frage weshalb es bei der Volksabstimmung 1995 eine Zweidrittelmehrheit für den Beitritt zur EU gab.

    Was die Deutschen angeht: Diese Selbstdarstellung als Volk das es durch Fleiß zu Wohlstand gebracht hat kann nur eine Drogenfantasie sein. In den Krisen des 20. Jahrhunderts hat sich der deutsche Staat im Gegensatz zu den anderen Europäischen Ländern zwei Mal durch einen Währungsschnitt
    seiner Schulden entledigt. Das nun im Fall Griechenland die Insolvenz am lautesten hierzulande „eingefordert“ wird ist kein Zufall. Wir sind auch keines falls „reich“. Wir leben davon, Rohstoffe einzukaufen, daraus Produkte zu fertigen und wieder zu verkaufen. Fragwürdige Produkte; über die in der Selbstwahrnehmung „besten“ Autos der Welt wird die Geschichte noch ihr Urteil fällen – ich vermute ein verheerendes. Das krampfhafte Festhalten an veralteten Industrien korrespondierend mit einem krankhaften Hass auf die neuen Technologien – das lässt nichts Gutes erwarten.

    Nebenbei sind sowohl Deutsche als auch Österreicher nach dem 2. Weltkrieg nur wieder auf die Beine gekommen weil Sie von den Amerikanern großzügig mit Krediten versorgt wurden:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Marshallplan

    Das wir uns den Griechen gegnüber so kleinlich, selbstgerecht und besserwisserisch verhalten ist eine Schande!!

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  2. Ich habe nichts gegen Europa, ganz im Gegenteil. Meine Verachtung gilt nur den Damen und Herren von der EU in Brüssel, die uns von oben herab regieren und all jenen, die meinen, die EU bräuchte noch mehr Macht.

    Spätestens seit der Gurkenkrümmungsverordnung bin ich ein scharfer Gegner dieses Vereins der Schwachsinnigen. Die Verordnung ist zwar längst gekippt und wirkt im Nachhinein geradezu harmlos und putzig im Vergleich zu den Zumutungen, die man uns heute auftischt.

    Vor 20, 30 Jahren hat Europa auch funktioniert und zwar viel besser als jetzt. Die Staaten konnten individuell entscheiden, was sie für richtig hielten, ohne die Bevormundung durch Idioten, die nicht viel mehr wissen, als wo sich das jeweilige Land auf der Karte befindet, aber von den Gepflogenheiten vor Ort überhaupt keine Ahnung haben … in ihrer Gleichmacherei werden sie Europas Länder eines Tages so uniform hin trimmen, dass die aussehen wie die Filialen von McDonalds.

    Tatsächlich denke ich, dass sich die Schreckensherrschaft der EU nur durch eine Zahlungsunfähigkeit Deutschlands beseitigen lässt. Würde sich der Erfolg auch ohne Pleite Deutschlands einstellen, wäre mir diese Lösung freilich die allerliebste …

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  3. Also eher eine Bürokratiekritik ?

    Ich gestehe das mich die „Gleichmacherei“ nicht sonderlich stört. Ich hätte es gern ein wenig grösser. Global gesehen sind wir eh schon die Schweiz der Welt.

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  4. Bürokratiekritik ist der richtige Ausdruck.

    Nun, die Franzosen dürfen viele ihrer ehemals mehr als 365 Käsesorten wegen dem Brüsseler Verordnungswahn nicht mehr herstellen. Und so weiter und so fort. So wird die Welt halt ein bisschen grauer, einförmiger, lieb- und lustloser wie ich finde, weil alles von oben und extern geregelt wird. Auch das ist Gleichmacherei, die mich schon stört, obwohl sie mich nicht immer unmittelbar betrifft. Man sollte nicht alles regeln wollen …

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