Zittern mit Gaddafi

Zuerst Saddam, jetzt Gaddafi, der eine im Erdloch, der andere im Abwasserkanal.

Ja meine Herren Diktatoren, fragt der Ösi lautstark, was ist den los mit euch, ist denn auf euch gar kein Verlass mehr? Es ist noch nicht lange her, da wollte der Ösi himself Kurse für Jung- und Nachwuchsdiktatoren abhalten, aber die Geschäftsidee kann er sich jetzt abschminken. Wer will denn da noch Despot werden in Zeiten wie diesen?

Versetzen wir uns mal der Übung halber in so einen Diktator. Natürlich nicht beim Halligalli im Märchenschloss, sondern wenn der Despot im Erdloch als letzte Zufluchtsstätte angekommen ist. Über seinem Versteck schnüffeln suchend feindliche Soldaten und Rebellen praktisch wie top-ausgebildete Jagdhunde.

Die Stimmung im Erdloch beim Diktator selbst ist ein bisschen gedrückt. Er ist allein, ohne willige Harems-Weiber, das Essen ist karg, Handy kann er vergessen und DSDS flimmert ohne ihn über den Bildschirm. Es ist in etwa wie bei ihnen zu Hause, nur einen Tick ungemütlicher …

Zu diesem Zeitpunkt ist der Diktator kein Diktator mehr, sondern ein Ticktator, weil seine Zeit unweigerlich dem Ende entgegen tickt. Hat der Feind den Ticktator ausgemacht, bleiben diesem nur zwei Möglichkeiten.

Erstens: er kann sich erschießen. Hier bleibt ihm nur ein relativ kurzes Zeitfenster, nämlich bevor er selbst angeschossen, überwältigt und entwaffnet wird. Er muss auf der Stelle eine Entscheidung treffen. Diese Lösung würde ihm einige Peinlichkeiten ersparen, wie z. B. an eine Hundekette angeleint und ausgepeitscht zu werden, wir wir es aus diversen Fetisch-Clubs kennen, nur das hier keine Clubleitung eingreift und das ausgelassene Völkchen zur Mäßigung mahnt, wenn es übertreibt.

Zweitens: er kann versuchen sich freizukaufen. Er bietet die ihm verbliebenen Kröten dem Pöbel quasi als Bestechungsgeld. Der Pöbel nimmt zwar das Geld, richtet aber den Despoten, da er nun schon mal im Blutrausch ist, trotzdem oder er übergibt ihn an den Feind.

Der Ticktator im Erdloch ist die sprichwörtlich gewordene arme Sau, dennoch dürfen wir nicht vergessen, dass er ja zuvor für Jahrzehnte seinen Spaß gehabt hat und dabei die sprichwörtlich gewordene ordentlich raus gelassen hat.

Sie, verehrter Leser, sie haben sich nun entschlossen, doch kein Ticktator zu werden, zu unschön das Ende, da bleiben sie lieber zu Hause bei Dieter Bohlen und die Staatsschützer danken ihnen ihre Friedfertigkeit mit einem besonders plump programmierten Bundestrojaner.

Allerdings: die wahren Diktatoren sitzen in Europa, in der Politik, in der EU, nicht in einem Erdloch, wo sie eigentlich hingehörten, sondern sie residieren in den nobelsten Palästen, nennen das ganze Demokratie und entscheiden willkürlich über die Köpfe des Volkes hinweg …

Verkehrte Welt, verkehrte.

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13 Gedanken zu “Zittern mit Gaddafi

  1. brilliant vormuliert. schon mal daran gedacht dein Blog als eine Komumne anzubieten?? ich wätte die Zeitgungen würden sich drum reißen !!

    Aber Hey !! ich finde Erdlöcher haben was .. denk doch nur mal an die ganzen niedlichen Erdmännchen..

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  2. Verkehrte Welt, du sagst es.

    Der Unterschied zwischen Diktatur und Demokratie besteht aber weniger in den jeweiligen Beherrschungsformen als am Pöbel seinerselbst; der diktaturunterworfene Pöbel will aufmucken, traut sich aber nicht, der demokratische Mob hingegen dürfte sich trauen, will aber nicht so recht loslegen …

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  3. Naja; wie die Geschichte zeigte, ist so ein Diktatoren-Job mit einem gewissen erhöhten Berufsrisiko verbunden. Hussein, Gaddafi & Co. hätten Bescheid wissen können bzw. wussten wohl auch, was ihnen möglicherweise am Ende blüht. Umso verständlicher erscheint mir dieser Hang zu den besonderen Genüssen des Lebens, denen solche Diktatoren meist frönen, so lange es geht.

    Im Gegensatz dazu haben die Diktatoren der Demokratien ein vergleichsweise geringes Risiko. Und ja, manchmal muss man denken: „leider…!“

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  4. Ich erinnere mich noch an das Endee des rumänischen Diktators Ceausescu dessen Ende inclusive Schauprozess und Foto der erschossenen Leiche in den Fernsehnachrichten zu verfolgen war. Ich war entsetzt. Inzwischen ist eine solche Zurschaustellung an der Tagesordnung. Die Bild-Zeitung hat uns das Bild des toten Gadaffi erwartungsgemäß nicht erspart.

    Das (damals noch?) zivilisierte Europa war schon einmal weiter: Öffentliche Hinrichtungen abgeschafft; der deutsche Staat zahlt – soweit ich weiß – der Witwe des Diktators Honecker bis heute Rente.

    Deiner Demokratiekritik kann ich mich nicht anschliessen. Demokratie sorgt für „Macht“ auf Zeit. Ein potentieller Diktator wird an seiner Entfaltung gehindert. Gedanken machen sollte man sich über die Neigung der Mehrheit „demonstativ“ starke Figuren (Gerhard Schröder) zu wählen und vermeintlich „klare Verhältnisse“ anzustreben.

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  5. Ich glaube nicht, dass so ein voll im Saft stehender Diktator denkt, ihm könne je etwas passieren. Ich denke, die halten sich für ziemlich unantastbar. Erst wenn die eigenen Krieger unterliegen und der Palast in Flammen steht, beginnt’s bei denen zu dämmern, dann aber zu spät. Deshalb wird es bei unseren Diktatoren niemals dämmern. Eigentlich schade …

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  6. An die Ceausescus hatte ich auch gedacht, aber leider kein passendes Erdloch dazu gefunden …

    An die Bilder haben wir uns längst gewöhnt, ist auch nicht viel anders als was uns Hollywood abliefert.

    Nun, früher dachte ich auch: Demokratie geht über alles, praktisch das Optimum, was es gibt, da geht nix drüber. Aber wie gesagt: das dachte ich früher …

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  7. Griechenland will jetzt das Volk darüber entscheiden lassen, ob es den Rettungsschirm und die harten Sparmaßnahmen überhaupt will … oder lieber nicht.

    Die Nachricht erfüllt mich mit Stolz. Hut ab! Das hätte ich unserer Demokratie und den Griechen nicht zugetraut. Allein die Tatsache, dass Griechenland sich nicht von den übrigen EU-Staaten am Nasenring herumführen lässt, finde ich beachtlich und hat meine vollste Unterstützung.

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