Früher

Als der Ösi noch klein war, also ein Kind, aber nicht der Waldbauernbub, weil der hat gleich nebenan in der Steiermark gewohnt, da hat es in seiner Umgebung, also in des Ösis Umgebung, einen Spielwarenladen gegeben, den wir alle „Holzer“ nannten, wahrscheinlich weil der alte Herr, der das Geschäft führte, auch Holzer hieß.

Da gab es Eisenbahnen, Fahrräder und was weiß ich noch alles. Später dann, als die Eisenbahnen praktisch unerschwinglich wurden, hat der Ösi beim „Holzer“ seine Waffen gekauft, Pistolen, Gewehre, Munition und alles, aber eben nur Spielzeug, nicht dass du jetzt denkst, die kleinen Ösis werden schon in der Kindheit zu Terroristen ausgebildet.

Nur eines hat der Ösi damals nicht verstanden. Er dachte, früher oder später muss der Holzer ja all seine Waren verkauft haben und dann wäre unweigerlich Schluss mit dem schönen Laden. So war es dann auch. Aber nicht, weil der alte Holzer alles verkauft und der Laden plötzlich leer gestanden hätte, sondern weil der alte Holzer noch älter geworden war und in Ruhestand ging.

Erst Jahre später, der Ösi war längst ein Teen oder wie man die Fratzen nennt, hat er erfahren, dass der alte Holzer seine Spielsachen immer wieder nachgekauft hatte, um so einen leeren Laden und die Schließung zu vermeiden.

Siehst du, der Exner, also der Laden, wo wir Lebensmittel und Klopapier kauften, hatte auch immer oder meistens volle Regale (nur das was meine Mutter brauchte, war nie da, und deshalb war sie auf den Exner nicht gut zu sprechen)  und wenn die Exnerischen Regale mal leer waren, stand gleich ein LKW draußen, der Nachschub brachte. Beim Exner war das Nachbestellen in Ordnung, aber beim Holzer nicht.

So entstehen die kleinen Irrtümer, weil man nicht alles zu Ende denkt, weil man den Holzer mit seinen Spielsachen nicht mit dem Exner mit seinen Lebensmittel vergleicht, natürlich, die einen Sachen wie Gewehre und so weiter brauchst du, die anderen wie Lebensmittel, vor allem, wenn wieder keine Schokolade dabei ist, brauchst du weniger, aber unterm Strich, der Holzer wie der Exner praktisch das selbe Geschäftsmodell. Und trotzdem ist der Ösi beim Holzer falsch gelegen.

Die seinerzeitige Naivität des Ösi ist heutzutage ja nicht mehr möglich, wo selbst die dümmsten Dreikäsehochs bereits im Kindergarten in Betriebswirtschaft promovieren und zu Hause allwissend den DAX-Vorstandsvorsitzenden markieren.

Worauf wir zum Kern der Sache kommen. Auch in der gegenwärtigen Euro-Krise haben wir nicht alles zu Ende gedacht, bleiben offene, nicht angedachte Punkte, vernebelt die „sogenannte“ Holzer-Problematik einstweilen unser Denken.

Derweil ist auch der Exner längst im Ruhestand …

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11 Gedanken zu “Früher

  1. Nun, ich habe seinerzeit die „Städtische Kaufmännische Unterrichtsanstalt“ besucht, heute „Fachkolleg für Wirtschaft genannt“ die endet mit der Fachhochschulreife. Danach hätte ich BWL studieren können, verzichtete aber darauf da ich meine damaligen mathematischen Kenntnisse realistisch einschätzte.
    Seinerzeit wurden mir aber auch Grundkenntnisse in Bezug auf die Volkswirtschaft vermittelt. Dafür bin ich bis heute dankbar. Ich beschäftige mich seitdem intensiv mit dieser Problematik. Um „Volkswirtschaft“ geht es ja nur noch am Rande, es geht mittleweile um den ganzen „Globus“.

    Deshalb überrascht mich die gegenwärtige Entwicklung weniger und wenn der Ösi die Thematik weiter durchschauen möchte empfehle ich folgende Lektüre:
    http://tinyurl.com/blvhbj2

    …und natrürlich teile ich deine Faszination was Spielzeugläden betrifft. Ich besuche sie heute noch gerne. Muß ja zu Weihnachten für Nichten und Neffen einkaufen….

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  2. Der Ösi hat ja später doch noch verstanden, wir Wirtschaft und so weiter funktioniert. Andre Kostolany, der große Spekulant, sagte einmal, der Kapitalismus sein ein großer Schwindel, wenn auch ein gut gemachter. Der Ösi gibt Herrn Kostolany bezüglich Schwindel recht, meint aber, es ist doch eher ein ziemlich plump und schlecht gemachter …

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  3. Lieber Herr Dino, der Ösi hat zwischen ihren Worten, weil Zeilen würde er nicht sagen – so viele waren es ja nicht – schon das Wesentliche rausgespürt, danke schön, aber bitte, aufgedreht ist er, der Ösi, ja nie, oder, und wenn doch, dann ungewollt, chchch, aber am Ende wieder der Schlenker, naja, journailistisch gesehen, sollte es am Ende so was wie ’ne Pointe geben, ein kleiner Seitenhieb auf die Gegenwart oder auf wen auch immer, weil so ein Ösi immer ein bisschen gesellschaftskritisch unterwegs, aber im Grunde, und da hätte er viel besser formulieren müssen mögen, hätte er gemeint, dass wir alle, oder zumindest die meisten, gewisse Dinge nicht zu Ende, und da schießt er sich selber ein, gedacht haben, und eben deshalb … dingens, und richtig, der Ösi ist auch ein kleiner Schwindler und ganz nicht frei dazu …

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