Die Ankunft der Aliens

In der Ösi-Redaktion laufen die Telefone heiß. Wann denn nun die Aliens endlich kämen, wird immer wieder nachgefragt, obschon der Ösi in seinem Posting bezüglich der genauen Ankunftszeit schwammig geblieben ist. Und das mit Absicht.

Jetzt musst du dir folgendes vorstellen: du sagst zu deinen Eltern oder Freunden oder zu irgend jemand, du kämst am Gründonnerstag exakt um 16:47 Uhr zum Spinat essen, obwohl du das Grünzeug eigentlich gar nicht magst, aber am Gründonnerstag ist Spinat essen obligatorisch. Also, kein Fleisch am Gründonnerstag und am Karfreitag klarerweise noch viel weniger.

Am Gründonnerstag sind traditionell so viele Spinat Esser unterwegs, dass du mindestens drei Stunden im Stau steckst. Einerseits verfluchst du die vielen Autos, andererseits hoffst du, dass man bei deiner Ankunft bereits fertig gegessen hat. Das Vorhersagen deiner genauen Ankunftszeit käme dem Vorhersagen von 6 Richtigen im Lotto gleich.

Genau so verhält es sich mit dem Vorhersagen der Ankunftszeit der Aliens auf der Erde. Was Exaktes gibt es nicht.

Moment mal, wirst du erwidern, die da oben haben doch keinen Stau, wo Raumschiffe Stoßstange an Stoßstange sozusagen … Natürlich nicht.

Vergiß aber bitte nicht, dass sich die Erde um die Sonne dreht, also ständig in Bewegung ist, sich die Sonne samt ihren Planeten in der Milchstraße dreht, also zusätzliche Bewegung, sich die Milchstraße ihrerseits wieder dreht, und so weiter, letztendlich das Universum expandiert, während die Aliens weitab unserer Zivilisation herum gurken. Obwohl sie längst auf dem Weg sind, könnte sich bei ungünstigen Verhältnissen die Entfernung stets vergrößern.

Wie wär’s mit einer Abkürzung durch ein Wurmloch?, fragt ein Oberschlauer in der ersten Reihe. Antwort: im Prinzip ja, in der Praxis nein. Unter den Sternenbrüdern hat sich längst herumgesprochen, dass sich Schwarze Löcher neuerdings als Wurmlöcher tarnen, worauf man lieber einen gewissen Umweg in Kauf nimmt … und das Spinat essen sausen läßt.

Ein zusätzliches Problem stellen die extraterrestrischen Fahrschüler dar. Es ist leicht verständlich, dass so ein Raumschiffpilot nach 2700 Berufsjahren endlich seinem wohlverdienten Ruhestand gegenüber steht und seinen Steuerknüppel einem arrivierten Jungpiloten anvertraut. Das ist so, als würdest du deinen Ferrari einem Fünfjährigen überlassen. Der Crash ist praktisch vorprogrammiert.

Die übermotivierten, jedoch unerfahrenen Jungspunde bolzen mit mehrfacher Lichtgeschwindigkeit durch die Galaxen, und wenn sie nicht mitsamt ihren Vehikeln aufgrund eines Motorschadens wegen Überhitzung verglühen, droht ihnen spätestens im Asteroidengürtel das vorzeitige Aus. Da schwirren so viele größere und kleinere Trümmer herum, dass du mit Hirn fahren musst, weil dein Höllentempo nichts anderes ist als kontraproduktiv. Das ist vergleichbar mit einem Sicherheitstraining auf vereister Fahrbahn, wo man die orange-weißen Hütchen umrunden muss ohne sie umzufahren.

Andere wieder haben mit der Navigation ihre lieben Probleme. Es soll vorkommen, dass sie statt auf dem anvisierten Planeten im entsprechenden Paralleluniversum landen. Wie man das merkt? Angenommen sie wollen auf dem Piratenplaneten landen und sie wissen, dass deren Präsident die Augenklappe auf der linken Seite trägt. Trägt er sie plötzlich rechts, wissen sie, dass sie sich im Universum geirrt haben.

Die Liste der möglichen Verfehlungen ist beliebig fortzusetzen. Für die fahrende Zumpft da oben sind Abweichungen von ein paar Lichtjahren an der Tagesordnung. Ist auch egal, wo doch die Zeit im Weltraum ganz anders tickt als bei uns, wenn überhaupt.

Dazu gesellen sich außerfahrplanmäßige Verzögerungen durch Pannen, ungünstige Planetenstellung, unvorhergesehene Tankstopps, Ablenkung durch neu entdeckte und zu erkundende Planeten, Abänderung der jeweiligen Mission durch die Zentrale, Meuterei der unterbezahlten Hilfskräfte im Maschinenraum, Angriffe von feindlichen Aliens, Ausfall aufgrund Überalterung oder aufgrund einer nahen Sternexplosion, Arbeitsverweigerung der gesamten Mannschaft, Aufsaugung samt Totalvernichtung durch ein Schwarzes Loch, und und und.

Der Weg zur Erde ist ein ziemlich steiniger, vergleichbar mit dem automobilen Osterausflug von Otto Normalverbraucher.

Bevor sie „The has landed“ nach Hause funken, haben sie Stresssituationen ohne Ende hinter sich. Das kannst du mir glauben.

Aber sie werden kommen. Schließlich hat die Erde einiges zu bieten: Austernzucht, rostfreien Edelstahl V2A, Angela Merkel, Tohuwabohu, um nur einige Highlights zu benennen.

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9 Gedanken zu “Die Ankunft der Aliens

  1. Irgendwie hatte ich gehofft, dass die Aliens besser sortiert wären als wir Erdlinge – wenn die aber eh mit ähnlichen Problemen wie wir hier unten zu kämpfen haben, dann wäre es vielleicht von Vorteil, doch lieber auf die anderen zu warten … jene, die aus der intensiven Beobachtung samt Vergleich von Aliens und Erdlingen die einzig wahren Schlüsse zu ziehen befähigt sein mögen. Bloß, wo gibt es diese … Falls sie dann auch noch aussähen wie süße Igelchens, umso besser. Mal lieber mein Köfferchen wieder auspacken gehe … das kann ja dann noch dauern, nich …

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  2. Wollte nur mal die Komplexität aufzeigen, die da draußen im scheinbar ziemlich leeren Weltraum herrscht. Diejenigen, die uns erschaffen haben und die wieder kommen werden – falls ihnen nicht andere zuvorkommen – sind uns geistig überlegen (die anderen übrigens auch), auf der Gefühlsebene, na ja, wie soll ich sagen, sind auch sie nicht gerade das Gelbe vom Ei, es sei denn, sie hätten sich in der Zwischenzeit weiterentwickelt.

    Das Köfferchen würde ich trotzdem bereithalten. Man kann nie wissen …

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  3. … kannst Du mal sehen, wie das ist… nach paar Wochen fällt Dir auf, dass ich mehrerererere Blogs betreibe – dabei steht das die ganze Zeit oben drüber…

    (… Narzissten im Net unterwegs, das hat was…)

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  4. Ist mir freilich aufgefallen: einmal Herr Dino auf der Couch, dann wieder die Herrschaften mit der Schautafel. Ich dachte, du würdet das je nach Befindlichkeit einblenden. URL’s liest der Ösi zugegebenermaßen keine. Verblendet, was?

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