Der feine Unterschied

Der Ösi ist nach Veröffentlichung seines Postings „Krass, Herr Grass“ noch mal in sich gegangen, und hat, quasi interne Meditation, noch mal nachgefragt, warum er diesen Beitrag überhaupt veröffentlicht hat.

Meistens schreibt man halt was, ohne sich bewusst zu werden, warum man das tut. Nicht so in diesem Fall.

Er erinnert sich an eine Begebenheit, die ihm vor einigen Jahren in einer Kneipe widerfahren ist. Und da passt der Titel „Der feine Unterschied“ irgendwie haargenau. Es ist nicht nur ein Buch von Philipp Lahm, seines Zeichens rechter Außenverteidiger bei den Bayern und der Nationalmannschaft, das ganze hat, wenn auch nur am Rande, was mit Fußball zu tun. (Damit wir uns verstehen: der Ösi hat das Lahm’sche Buch nicht gelesen und wird es auch nicht nachholen.)

Es muss wohl während einer Fußball EM oder WM gewesen sein, als der Ösi, vielleicht aus dem inneren Antrieb heraus, zu zeigen, wie gut integriert er ist, laut zu singen begann.

„Deutschland, Deutschland über alles, tam tam tam tam tam tara tam …“

Der Ösi ist ja alles andere als textsicher, deshalb hat er nach dem Wort „alles“ bloß noch trompetet beziehungsweise posauniert. Nicht, dass du denkst, boah! der Ösi, super Blechbläser, nö nö, er hat es mit dem Mund gemacht …

Na ja, beim Wirt und den Gästen ist dieser Mix aus Gesang und Mundtrompete überhaupt nicht gut angekommen. Man legte ihm nahe, unverzüglich mit dem Scheiß aufzuhören, andernfalls er noch Probleme mit der Obrigkeit bekommen könnte.

Zuerst dachte er, die wollen ihn verarschen, bis sie ihm erklärten, das Singen dieser Strophe wäre verboten. Wenn ein Polizist rein käme, wäre er fällig.

Erst später hat er gegoogelt, die Strophe ist zwar nicht verboten, aber bisschen dingens.

Siehst du, da hast du es, diese gewisse Rechtsunsicherheit, selbst bei den Einheimischen, was darfst du, was darfst du nicht. Im Zweifelsfall darfst du eher nicht. Der Ösi hatte sich bei seiner Performance nichts Schlimmes gedacht, und ihm fällt beim besten Willen kein Song ein, den er in seiner Heimat nicht intonieren dürfte.

Bei dieser Gelegenheit fällt ihm das Recht auf freie Meinungsäußerung ein. Und bei der freien Meinungsäußerung fällt ihm natürlich die Pressefreiheit ein, liegt ja gleich daneben. Und bei der Pressefreiheit fällt ihm die weltweite Rangliste der Pressefreiheit 2011 ein, die er vielleicht präsentieren sollte.

Gut, Ösiland auf Rang 5, da könnte man sich durchaus noch verbessern …

Deutschland liegt auf Rang 16, zwischen Jamaika und Costa Rica. Für den Ösi viel weiter vorn als eigentlich erwartet …

Dass die deutschen Medien kein Interesse haben, diese Rangliste groß publik zu machen und zu diskutieren, liegt auf der Hand. Der feine Unterschied eben.

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11 Gedanken zu “Der feine Unterschied

  1. Interessante Liste …

    Das mit dem (nicht) Dürfen ist wirklich kompliziert. Schon seit ewigen Zeiten fordere ich einen eindeutigen Kodex, was man wo (nicht) sagen darf – aber glaubst du, es traut sich jemand drüber? Nur, wenn’s darum geht, im Chor zu trällern, wollen gar viele plötzlich sehr allwissend sein …

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  2. Interessante Statistik, gell?, und doppelt schön, weil im Normalfall können wir statistikmäßig höchstens mit Schifahrern und Schispringern aufwarten.

    Ich finde, so kompliziert ist das mit dem Dürfen auch wieder nicht. So lange man niemanden beleidigt, ist es okay. Bisschen was, muss man schon sagen dürfen, auch wenn man zwangsläufig nicht immer der selben Meinung sein kann. Mit etwas mehr Respekt wäre die Welt wohl eine friedlichere …

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  3. Ist bloß komisch, dass die, die alle Rechte für sich beanspruchen, nie fähig sind, Kritik zu ertragen.

    Israel, Platz 92, hat wohl ’ne Menge Bestechungsgeld gekostet, da noch unter die ersten 100 zu kommen …

    China, Rang 174 … Iran, Rang 175, kein Wunder, da hat selbst die Bestechung nichts genützt …

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  4. Wer will schon ernsthaft jemanden beleidigen.
    Ich selbst ziehe es sicherheitshalber vor, mich niemals persönlich beleidigt zu fühlen, höxtens missverstanden oder fehlinterpretiert, und daran bin ich meist selber schuld.

    Die paar Leute, die Zoff heraufbeschwören wollen, weil sie an jedem Wort herummäkeln und dahinter mindestens eine Tretmine vermuten, sind offenbar zuwenig mit den Alternativen vertraut, wie man Konflikte auch noch lösen könnte – statt sie zur Staatsaffäre eskalieren zu lassen. Humor zum Beispiel wäre eine Möglichkeit …

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  5. Oder aber, für die Humorlosen, die es ja auch gibt, man könnte sie bestrafen, indem man sie zum Beispiel dazu verdonnert, in aller Öffentlichkeit einige Postings aus dem oesiblog vorzulesen. Ach … es gäbe da schon Mittel …

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  6. In den Erläuterungen zur Methode wird darauf hingewiesen das es sich „nicht um eine repräsentative
    Umfrage nach wissenschaftlichen Kriterien handelt“.

    Davon abgesehen scheint mir die Kritik was deutsche Behörden und Institutionen betrifft schlüssig.

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  7. Du sagst es: keine wissenschaftlichen Kriterien, ect. Nicht auszudenken, wenn die auch noch berücksichtigt worden wären … chchch

    Mir ist es bloß darum gegangen, mein eigenes Gefühl bisschen rüber zu bringen.

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