Megacoole Treter

ESM, ESFS, EFS, EFM.

Das klingt, als hätte sich der perfide Marketingdirektor eines Sportartikelherstellers was ganz besonderes ausgedacht, um die neueste Generation von Sportschuhen an den Mann bzw. an die Frau zu bringen. Perfide, dass müssen Marketingdirektoren in jedem Falle sein, um die Käufer scharenweise hinter dem Ofen hervor und in die schmucken Läden hinein zu locken. Da warten die megacoolen Treter mit Air-Dämpfung, medialem Drehpunkt an der Außensohle, kontrastfarbiges Swoosh und Kragenfutter, Pu-Mittelsohle, zeitloses Profil, unschlagbare Technologie und und und.

Irgendwie muss er die stolzen Preise weit jenseits der 100 Euro-Marke rechtfertigen, die für ein paar Kröten von zarten Kinderhänden im Akkord zusammengekleistert werden.

ESM, ESFS, EFS, EFM.

Natürlich handelt es sich hierbei nicht um coole Treter sondern um die neuesten Euro-Rettungs-Pakete. Nicht nur wir, auch – und vor allem – die Politiker haben längst den Überblick darüber verloren, was diese Schuldenkrise bedeutet und wie sie enden wird. Kritiker gehen davon aus, dass es nicht nur für Südeuropa sondern auch für Deutschland den Ruin bedeuten wird.

Und hier setzt der Ösi ein. Er gibt zu bedenken, dass wir alle gleich sind. Na ja, zumindest insofern, als dass wir alle gleich beziehungsweise nackt geboren werden und also in völliger Blöße dereinst dem Licht der Welt entgegen blinzelten.  

Auf den ersten, oberflächlichen Blick, besitzen wir nichts bei unserer Ankunft außer unserem Leben. Ähnlich verhält es sich am Ende. Wir verlassen die Erde so, wie wir sie betreten haben. Natürlich soll es Zeitgenossen geben, die zwischen Ankuft und Abgang ein Vermögen gescheffelt bzw. ein solches wieder verloren haben. Auch wenn sich der gehobene Otto-Normalverbraucher zu gegebener Stunde im seidenen Zwirn und mit samt seinen Autos, Lieblingsfrauen und sonstigem Plunder als Grabbeigabe beerdigen läßt, ändert es nichts daran, dass er letztendlich allein und ohne die liebgewonnenen Statussymbole seine letzte Reise wird antreten müssen.

Diese kleine philosophische Betrachtung soll ein wenig ablenken vom bevorstehenden Ruin, soll den Zerfall Europas erträglich machen und uns daran erinnern, dass wir gut beraten sind, uns auf das Wesentliche zu konzentrieren. Was dieses Wesentliche ist, kann dir der Ösi im Moment freilich auch nicht sagen. Dass es dieses Wesentliche irgendwo da draußen oder da drinnen gibt, gilt als gesichert …

ESM, ESFS, EFS, EFM.

Ein bekannter Sportartikelhersteller aus dem fränkischen Herzogenaurach scheint nun die Lösung für das Problem gefunden zu haben. Nein, es geht nicht um einen neuen Euro-Rettungschirm, weil in Geld schwimmt dieser Konzern seit langem.

Es geht um diese regelrecht peinliche Nacktheit beim Geburtsvorgang, die uns alles andere als cool erscheint. Die Frage, ob das Baby nach 9-monatiger Bauchverweildauer freiwillig raus will oder ob es der Mutter nun endgültig reicht und sie ihr Junges in einem Akt aggressiver Befreiung gen Ausgang schleudert, will und kann hier aus Zeitgründen nicht geklärt und beantwortet werden.

Unser Sportartikelhersteller, der seinen Namen nicht unbedingt morgen früh auf der Titelseite der BILD-Zeitung wiederfinden und daher anonym bleiben möchte, hat ein neuartiges Verfahren entwickelt, um diesen, aus seiner Sicht, unerträglichen Zustand der „nackten“ Geburt ein für alle Mal zu beenden.

Nach schier endlosen Versuchsreihen ist es nun gelungen, dem Fötus, also dem kleinen Menschen im Mutterbauch, diese Natur bedingte Nacktheit abzugewöhnen, indem man ihm, durch geschickte Genmanipulation, gewissermaßen megacoole Sportschuhe an seine Minifüßchen andingst. Der positive Effekt: die angedingsten Sportschuhe wachsen praktisch permanent mit den Füßen und Zehen mit, sodass sie eine unzertrennbare Einheit bilden. Die werdende Mutter hat überdies die Möglichkeit, bis zu 4 Wochen nach ihrer Befruchtung, das jeweilige Schuhmodell auf der Webseite unserer Sportartikelherstellers, gegen Zahlung einer geringen Gebühr versteht sich, auszuwählen und somit rechtzeitig die Weichen für einen erfolgreichen Start ihres Schützlings zu stellen. Andernfalls der eher plumpe Standardschuh zum Standard wird …

Die Bedenken werdender Mütter, die Sportschuhe seien beim anstrengenden Geburtsvorgang eher hinderlich, weist der Sportartikelhersteller gekonnt zurück: das kleine Wesen stünde bereits kurz nach der Endbindung auf „eigenen Füßen“, heißt es aus Herzogenaurach.

Angespornt von derlei Erfolgen, ist auch die übrige Bekleidungsindustrie nicht untätig geblieben. Es ist damit zu rechnen, dass spätestens zum Jahresende die ersten Säuglinge völlig bekleidet das Licht der Welt erblicken.

ESM, ESFS, EFS, EFM.

Was hat das alles mit der Euro-Rettung zu tun?

Nun, wenn schon unser künftiger Ruin ein unausweichlicher ist, so geben wir kommenden Generationen eine Basisausstattung mit auf den Weg, die sie vor der Unberechenbarkeit und Dummheit unserer Politiker schützt und sie quasi allwetterfest macht.

Schöne neue Welt …

Advertisements

18 Gedanken zu “Megacoole Treter

  1. Ha! Jetzt muss ich mal was total Positives über Ösis sagen (erstens habe ich heute Tag des Positiefsinns, und zweitens bin ich nach wie vor im Wettbewerb „Unpassendster Kommentar des Jahres“ drinne nämlich), kiek

    Gefällt mir

  2. Na gut, unpassendster Kommentar des Jahres, wäre ja nix neues für dich, aber ich habe gekiekt und gekiekt und habe nix gefunden. Ja, wo isser denn, dein Kommentar, lieber Herr Commendatore?

    Gefällt mir

  3. Eine unzertrennliche Einheit mit den Füßen? Das müssen Hufe sein. Das bringt mich schwer ins Grübeln. Und was ist mit dem silbernen Löffel? Der wäre doch viel eher dran gewesen, aus seinem sprichwörtlichen pränatalen Schattendasein heraus zu treten… nee, das sind ja wieder die Schuhe… also, herauszuragen… oder so.

    Gefällt mir

  4. Ich habe nach wie vor Vertrauen in den € und bin heilfroh das wir Ihn haben. In letzter Zeit habe ich mich sogar von Edelmetallbeständen getrennt. Das lohnt sich zur Zeit, die „Sicherheitskasperln“ sind ja bereit unvernünftig hohe Preise dafür zu zahlen.

    Die Vorstellung schon bekleidet auf die Welt zu kommen wäre ein weiterer Ausfluss einer körperfeindlichen europäischen Kultur.

    Gefällt mir

  5. Darauf sollte es hinauslaufen, im nächsten Posting oder im übernächsten oder irgendwann. Dass nämlich eines Tages der Mensch „fix und fertig“ geboren wird, mit allem, was er zum Leben braucht. Mit Schuhen, mit Kleidung, mit einer faltbaren Unterkunft, usw. Klingt, zugegeben, bisschen utopisch, aber gerade das Unwahrscheinlichste trifft oft am ehesten ein …

    Gefällt mir

  6. In den Euro habe auch ich Vertrauen, egal was passiert, 1 Euro bleibt immer 1 Euro. Nur in die Europäer habe ich weniger Vertrauen.

    Diese Körper feindliche Kultur haben wir von den Amis übernommen, die die Schrauben immer ein bisschen fester anziehen. So ein behaarter James Bond wäre heute nicht mehr möglich. So lenken sie uns, mehr oder minder unterschwellig, hin, was sie für richtig und ästhetisch halten.

    Gefällt mir

  7. Keineswegs utopisch, denn da waren wir doch schon mal – so vor knappen zwei Millionen Jahren. Wir wurden geboren und hatten alles bei uns, was wir brauchten. Und dann ging es los mit der Ausstatterei und ihren absehbaren und unabsehbaren Folgen. An das Problem, Pumps über die angeborenen Joggingschuhe zu ziehen, mag ich gar nicht denken.

    Gefällt mir

  8. Meine Kenntnisse der europäischen Geschichte ist leider rudimentär. So viel weiß ich aber: Bis zur Renaissance gab es in Europa noch genug altheidnischen Einfluss um die Körperfeindlichkeit des Christentums abzufedern. Den Engländern gelang es sogar einen Großteil der Puritaner in die neuen amerikanischen Kolonien abzuschieben wo sie sich leider prächtig entwickelten und sich letztlich als Bumerang erwiesen. Insofern hast du recht.

    Gefällt mir

  9. Soll ziemlich gesund sein. Meine Zehen, die sich temperaturmäßig in einer engen Bandbreite bewegen (also, entweder ist ihnen zu kalt oder zu warm, ein Mittelding gibt’s fast nicht) lassen diese Barfußlaufereien kaum zu. Der Vorteil: Sohlen zart wie ein Babypopo. Der Nachteil: das kleinste Steinchen wird zum Folterinstrument.

    Man kann wie üblich nicht alles haben …

    Gefällt mir

  10. Ist schon erstaunlich, wie solche „Moden“ entstehen und sich ausbreiten. Ich denke an die Prohibition in den USA oder an das Rauchverbot, das sich in kurzer Zeit bis zu uns ausgebreitet hat …

    Gefällt mir

  11. Ich habe ihn auch mit Vergnügen gelesen. Wäre interessant zu wissen wer dieser Nürnberger Patrizier war der sich vom Trinkzwang bei Geschäftsabschlüssen vom Papst befreien ließ. Frau ChrisK müsste das herausfinden können.

    Ich kenne ähnliche Bräuche noch aus meiner Lehrzeit. Wenn die Schreiner vom Stahlwerk kamen wurde auch immer die Weinbrandflasche hervorgeholt.

    Gefällt mir

  12. Habe schon gegoogelt, bin aber nicht sicher, fündig geworden zu sein. Ein gewisser Willibald Pirckheimer, könnte unser Kandidat gewesen sein. Von der Gicht geplagt, enthielt er sich sieben Jahre lang des Weins. Ob das ausreicht, sich vom Papst eine Trinkzwangsbefreiung auszustellen, kann ich freilich nicht beantworten.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s