Russian Pussies

Nach der weltweiten Aufregung um niedliche russische Pussies, ist Brüderchen Ösiwahnowitsch schon mal mit dem Zug voraus gefahren. Richtung Vladivostok mit der Transsibirischen.

Am Moskauer Hauptbahnhof hat er sich mit obligatorischen Wodka Six-Packs der Marke Gorbatschow eingedeckt. Das sollte reichen.

Die komplette Fahrt der 9230 km kannst du unter diesem Link miterleben:
http://www.google.ru/intl/ru/landing/transsib/en.html

Am Effektivsten ist die Reise, wenn du dir dabei „Krieg und Frieden“ auf russisch reinziehst bzw. vorlesen lässt. Ein echter Genuss! Gerade in Verbindung mit dem Wodka. Du verstehst zwar nix, aber Väterchen Russland, Iwanowitsch bist Narrisch, diese endlosen Weiten. Völlig klar, erst musst du aus Moskau draußen sein. Moskau, der Moloch, Hochhäuser, Vororte, kurz: das Übliche.

Dann ist es so weit. Der erste Baum, der zweite und der dritte. Automatisch beginnst du auf russisch zu zählen: adin, dwa, tri, …

… tsche…tsche-was?…tschetirje… Es ist der Moment, wo du zum ersten Mal an deinen Sprachkenntnissen verzweifelst. … tschetirje! Einen bescheuerteren Namen für Vier hätten die wohl nicht finden können.

Der Schaffner grinst verlegen, als du ihn mit Mister Putin ansprichst. Bakschisch? Njet, njet.

Dann nur noch Bäume, один два три, Bäume, один два три und wieder Bäume. So viel Natur hast du noch nie auf einen Haufen gesehen. Du zählst das Gehölz im Drei-Schritt-Verfahren: adin, dwa, tri, adin, dwa, tri, …

Nach der ersten Flasche denkst du, na ja, du denkst, diese Bäume … könnten mal aufhören … vielleicht ein Haus zwischen drin oder ein Esel, nicht nur diese adin, dwa und irgendwas Bäume. Natürlich denkst du auch an die Pussies. Deretwegen bist du hier.

Draußen Natur, drinnen Wodka. Der Tolstoi beginnt dich zu nerven und du überspringst mit gekonnter Lässigkeit 5 Kapitel. Und wieder diese Bäume, adin, dwa, tri, …

Womöglich, schuppert es dir vor den Augen, sitzt du mit den Pussies im selben Zug. Sie im Waggon Marke Hochsicherheitstrakt, du im feinsten Plüsch. Die Gören zu befreien, hätte was von Robin Hood, quasi heroischer Akt. Du siehst dich bereits auf dem Titelblatt der BILD-Zeitung. „Ösi rettet hilflose Pussies“

Jetzt noch ein kräftiger Schluck aus der Pulle, bevor es los geht mit dem Retten. Du versuchst, dich zu erheben. Es geht nicht. Du bist wie festgenagelt. Du kotzt ein bisschen ins Abteil, weil dieses Geschaukel und der Wodka … oder war’s der Wodka und die Bäume … egal …

Es stinkt erbärmlich in diesen russischen Zügen. Mit deinen Allzweckschuhen, ha! Allzweckschuhen! verteilst du die Kotze gleichmäßig über den Boden. Nastrovje!

„Ich bin ein Moskowiter“, lallst du in Anlehnung an John F. Kennedy.

Draußen fliegen endlose Bäume vorüber. Dir ist, als wäre Michail Sergejewitsch Gorbatschow, der Erfinder der UdSSR und des Wodkas, persönlich mit an Bord. Zart bittet er dich, über den wohlbekannten roten Fleck auf seinem Schädel zu streichen. Es würde Glück bringen. Du tust wie befohlen.

Gemeinsam nehmen wir das Zählen auf. Es macht mehr Spaß, mit dieser weltberühmten Persönlichkeit Bäume zu zählen als allein. Der Politiker scheint jeden Baum einzeln zu kennen.

Tolstoi brabbelt immer noch von Krieg und Frieden in einer dir unverständlichen Sprache. Nastrovje, Mister Gorbatschow. Man kommt sich näher. Dann natürlich das unausweichliche Gespräch über Glasnost und Perestroika bis hin zu den aktuellen Entwicklungen unter Putin. Jetzt muss auch Herr Gorbatschow kotzen.

Adin, dwa, tri, die Bäume. Wer ist bloß auf die bescheuerte Idee gekommen, all diese Bäume anzupflanzen. Stalin, sagt Herr Gorbatschow und wischt sich über den Mund, Stalin ganz bestimmt nicht. Wir lachen.

Der Gestank im Abteil wird penetranter. Du willst das Fenster öffnen und in den Wald hinaus schreien. Da fällt dir ein, dass du dich nicht erheben kannst, weil dich irgendeiner von diesen Russen ans Plüsch angetackert hat. Was heißt „Scheiße“ auf russisch?

Nach vielen Stunden und ebenso vielen Wodkas hast du Gorbatschow und die Pussies fast vergessen. Du schimpfst noch ein bisschen über Russland und den Rest der Welt. Dann schläfst du friedlich ein …

— * —

Keine Ahnung, ob der Zug Vladivostok erreicht hat oder bloß auf offener Strecke hält. Brüderchen Ösiwahnowitsch versteht nix von den Worten der ziemlich aufgeregten Soldaten. Aber unhöflich findet er sie allemal. Besonders wie sie ihn mit Gewalt aus dem Abteil zerren und ihn in einen klapprigen Militärtransporter hinein verfrachten. „Ich bin ein Moskowiter!“, protestiert er und beruft sich auf Herrn Gorbatschow. Aber die Blödmänner verstehen ihn nicht.

Das Lager ist alles andere als First Class. Tiefstes Mittelalter. Fließwasser bloß an Feiertagen. Das Essen zum Kotzen. 10 Jahre, erklärt ihm der Dolmetscher, werde er hier in Sibirien in Haft bleiben müssen. Das Übliche eben. Die Pussies, hört er nebenbei, wären derweil wieder auf freiem Fuß …

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30 Gedanken zu “Russian Pussies

  1. Gegen die Baumphobie empfiehlt es sich, drüberzufliegen.
    (pssst … im Vertrauen … es soll da ein Getränk geben, das Flügel verleiht – erprobte Zungen behaupten allerdings, das schaffe der gute alte Wodka auch …)

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  2. So fundierte Kenntnisse der russischen Kultur hätte ich dir gar nicht zugetraut – da kann mann mal sehen wie frau sich täuschen kann! Kulinarisch, transportatorisch und ideologisch total korrekt – ich schätze , du bekommst ohne jegliche Umschweife den roten Bahnhof in Moskau und eine romantische Kutschfahrt mit sibirischen Schlittenhunden direkt in den Gulag. Also präge dir die Bäume gut ein.

    Das darf man doch so sagen?
    Oder ist das Antiputinskij?

    Adin, dwa, tri …

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  3. „…
    Rechts sind Bäume, links sind Bäume,
    und dazwischen Zwischenräume,
    …“
    Hätten sich die drei niedlichen Pussikätzchen doch mit dem Absingen von Kinderliedern zufrieden gegeben, dann wären dem armen, gebeutelten Herrn Ösiwahn Ösiwahnowitsch nicht noch seine drei letzten Hirnzellen ob des ungezügelten Wodkagenusses abhanden gekommen.
    🙂

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  4. Habe mich mit den sibirischen Schlittenhunden abgestimmt. Mit meinen Versprechungen fahren die mich bis nach nach Hause. Dann kandidiere ich für den Job als EU Präsident. Den Hundchen habe ich Ministerposten zugesichert. Wir sind bereits unterwegs …

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  5. Hä? – Das ist nicht downloaden in dem Sinne, das ist: der Film läuft dann auf Deinem PC…

    Du kannst ja auch hier was raus suchen, wo nie nix downloaden tut nich’…

    (… das war doch bloß so ’n Joke zwischendurch… ich musste halt an Dein „tschechisches Video“ denken… hihi…)

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