Feeling

Herr Ösi hat wieder geappt. Dass dabei irgendwann ein psychologisches Dingens raus kommen würde, war ja so was von folgerichtig bis unvermeidlich.

In einem Land wie dem seinen, welches schon Sigmund Freud und und und hervorgebracht hat, wirst du entweder Schirennfahrer oder aber die psychologische Schiene.
Der Tiroler, der Kärntner, beide Schirennfahrer, der Vorarlberger sowieso Schirennfahrer, der Steirer Schirennfahrer oder Muskelprotz, während der Wiener, der Niederösterreicher und der Burgenländer aufgrund der mikroskopisch kleinen Berge automatisch das Psychotherapeutische.

Viele sagen ja: wo ein Mensch herkommt, ist mir scheißegal. Stimmt nicht. Wäre Freud als Bergbauernbub geboren, hätte er allenfalls verhaltensauffällige Gämsen und Steinböcke therapiert. Aber schweifen wir nicht ab vom Thema.

Zum Schirennfahrer hat es beim Herrn Ösi nie gereicht. Die Abfahrtspisten waren zu steil, beim Slalom standen ihm zu viele Stangen im Weg und der Riesentorlauf ist von allen ungesunden Sportarten ohnehin die ungesündeste. Blieb also nicht nur wegen der Bergesmikroskopie allein das Psycho und Therapeutische übrig. Und wie es sich für einen ordentlichen Ösi gehört, entwickelt er seine Talente spät und im fortgeschrittenen Alter. Ausnahme natürlich der Salzburger, der, wenn ihm die Berge fehlen, relativ früh und mitunter sehr erfolgreich mit dem Musizieren anfängt.

Der Ösi hat statt dessen eine App entwickelt, die es den Schirennfahrern, den Psychos, den Therapeuten sowie allen anderen ermöglicht, einmal am Tag das persönliche Befindem seinem Smartphone anzuvertrauen.

Feeling App

Mir geht’s gut oder mir geht’s schlecht, kann der User seinem Handy mitteilen.
Und das ist eine ziemlich wichtige Information, denke ich, wenn nicht gar die wichtigste überhaupt.

Gerade im Süden Deutschlands ist oftmals die wirre wie falsche Meinung vertreten, das Individuum hätte mehr Zustandsbefindlichkeiten als nur: Mir geht’s gut oder mir geht’s schlecht. Ist natürlich völliger Quatsch. Selbst ohne einschlägigen Studium weiß der handelsübliche Mensch, dass es ihm nur gut gehen kann oder eben schlecht. Dazwischen gibt es nix.
Beispiel gefällig? Gewinnt der FC Bayern, geht es dem Bayern gut. Verliert sein Verein oder spielt er bloß unentschieden, geht es dem Bayern schlecht. So simpel und einfach tickt der Bayer und mit ihm der Rest der Welt.

Allerdings, und darauf sei hingewiesen, der Zustand von mir geht’s gut oder mir geht’s schlecht wechselt naturgemäß mehrfach täglich, oftmals im Stundentakt, beim Fußball sogar von Minute zu Minute, weshalb dem geneigten Individuum nur einmal pro Tag die Möglichkeit geboten wird, seine aktuelle Befindlichkeit abzusondern. Diese Einmaligkeit dient vornehmlich dazu, die eigene Wankelmütigkeit auszuschalten, quasi disziplinarisch punktgenaue Kanalisierung.

So zeichnet die App im Lauf der Zeit nicht nur den eigenen Feeling-Zustandsbericht auf, mit dem selbst der Freud seine größte Freud gehabt hätte, nein, die Summe aller User-Feelings liefert obendrein einen NSA freundlichen Zustandsbericht der gesamten Welt.

Feeling App

Nichts ist suspekter als ein Mensch, dem es alle Tage gut geht. Einer, dem es ständig schlecht geht, ist auch nicht als Vorzeigeobjekt geeignet. Die Herausforderung für die führenden Wissenschaftler besteht nun darin, herauszufinden, wie der ideale Mensch aussehen könnte. Vielleicht ist es einer, dem es am ersten und zweiten Mittwoch im Monat gut geht, während er am vierten Donnerstag langsam und für den Rest der Woche in eine Depression abgleitet? Oder einer, der im 2-Tage-Rhythmus zwischen gut und schlecht oszilliert und somit zur exakt berechenbaren Größe wird?

Gerade das Vorhersehbare wird ja von Politik und Wirtschaft immer wieder gefordert. Ein Politiker, der sich seinen Wahlerfolg bis zur vierten Stelle hinter dem Komma vorausberechnen läßt, möchte sich das Ergebnis nicht vermiesen lassen, nur weil ein paar Millionen Wähler am Sonntag ihr Kreuzchen an der falschen Stelle machen. So was nervt ihn.
Ähnlich verstimmt ist man bei Zalando, wo man auf die Aufträge der Kunden wartet, anstatt ungefragt und flächendeckend die Weiblichkeiten im Lande automatisch mit den neuesten Tretern zu beliefern. Die globalisierte Wirtschaft multinationaler Konzerne hat das Warten auf den Kunden satt und will künftig von sich aus Hinz und Kunz mit ihren Ladenhütern vorsorglich versorgen, einerseits, bevor es die Konkurrenz tut, andererseits, bevor der Trödel in den Regalen vergammelt.

Die Ösi Feeling-App könnte ein Meilenstein zu dieser schönen, neuen Welt werden. 
Diktaturen und Konzerne könnten die Abweichung des einzelnen Individuums vom vorgeschriebenen Mainstream sofort erkennen, die Abweichler in Umerziehungslager einweisen und diese doch noch auf den rechten Weg führen. Der Phantasie sind dabei wie immer keine Grenzen gesetzt …

Den gegeigten und unerschrockenen LeserInnen dieses Blogs sei an dieser Stelle verraten, wo sie die Feeling-App downloaden können, um ihrer nachrichtendienstlichen Auskunftspflicht gegenüber Staat und Geheimdiensten unverzüglich und lückenlos nachzukommen. Hier geht’s zum Download

Advertisements

8 Gedanken zu “Feeling

  1. Nein, nein, da fehlt noch was: ein integrierter Lügendetektor. Es sei denn, du hast ihn bewusst verschwiegen und klammheimlich reingeschummelt. Dann darfst du meinen Kommentar umgehend löschen, bevor ich da jetzt jemandem (unbeabsichtigt!) einen Strich durch die Rechnung mache. Und bei der Gelegenheit versichere ich gleich noch, ich war’s nicht – falls schon wer gedownloadet haben sollte.

    Du hast immer so tolle Ideen … der Freud hätt sei Freud mit dir. Endlich ein Ösi, der ihm zeigt, wie’s gehen könnt‘.

    Gefällt mir

  2. Coole Idee – die einfachen Dinge sind es, die die Welt bewegen! Mit der Zeit kann man dann vielleicht sogar Vorhersagen treffen für den nächsten Tag/Woche/Jahr/das Leben überhaupt – wenn man z. B. drei Monate schlecht drauf ist, wird man als potenzieller Selbstmordterrorist eingestuft und auch für Geheimdienste besonders interessant – ich würde das auf jeden Fall teuer verkaufen bzw. nur an Menschen, die über mindestens 3 Monate ausschließlich grüne oder rote Balken haben (Einzeller oder Psychopathen), kostenlos abgegeben…

    Gefällt mir

  3. Wie möglicherweise erwähnt verwende ich immer noch das inzwischen über 5 Jahre alte allererste google handy G1. Das wird längst nicht mehr unterstützt und will aktuelle Aps nicht laden. Ein neues ist in meiner Budget-Planung erst für Januar 2015 vorgesehen. Dann werde ich deine App natürlich herunterladen.

    Neulich las ich, das Sigmunds Jünger inzwischen nicht mehr nur mit der Couch arbeiten, sondern mit Skype oder gar per email – sicher hat da auc eine „Psycho App“ Zukunft.

    Gefällt mir

  4. Der Lügendetektor ist bereits eingebaut!

    Anstatt bei der ersten Lüge mit einem unerwarteten Stromstoß von 230 Volt zu antworten, der bloß das Misstrauen der Benutzer wecken würde, schicke ich den Tricksern beim dritten Vergehen automatisch den Staatssicherheitsdienst ins Haus, der, humorlos, wie er eben ist, die Missetäter derart in die Mangel nimmt, auf dass begangene Unehrlichkeiten für immer der Vergangenheit angehören.

    Dass freilich, immer und überall, im Dienste einer (noch) besseren Welt …

    Gefällt mir

  5. Ich denke auch, dass wir die Möglichkeiten dieser App noch nicht einmal ansatzweise einschätzen können. Die Erkenntnisse, die wir aus den jeweiligen Gefühlsmustern der Benutzer herauslesen können, rechtfertigt eine neue Studienrichtung an den Eliteuniversitäten.

    Der Download der App sowie die tägliche Beantwortung des Feelings muss für einen jeden Erdenbürger zur Pflicht erhoben werden. Wenn nötig, per Gesetz.

    Herr Orwell, der mir gestern wieder im Traum erschienen ist, hat mich einmal mehr voll in meinem Tun bestätigt.

    Gefällt mir

  6. Ich denke, deine 2015’ner Investition ist eine gute Sache, auch wenn sie dich noch mehr von der Technik abhängig machen wird. Aber was tut man nicht alles.

    Danke für die Geschäftsidee mit der Psycho-App. Auch ein virtueller Beichtstuhl für die Sünden des täglichen Lebens könnte nicht schaden. Es gibt viel zu tun. Packen wir’s an …

    Gefällt mir

  7. Das ist gut. Die Fehlerquote wäre ansonsten doch enorm. Eine verirrte Fingerkuppe, aber auch das absichtliche Verschleiern der persönlichen Befindlichkeit würde die Wirkung der App stark herabsetzen. Man könnte sicherheitshalber noch eine Antiapp anbieten, die ein Versagen des Lügendetektors sowie weitere elektronische Entgleisungen ausschließt. Immerhin geht es um die Staatssicherheit, a propos, ich hoffe, die Herrschaften sind mittlerweile Dauerkunden …?

    Gefällt mir

  8. Im Grunde ist die App so was wie Base Jumping. Da darfst du dir auch keinen Fehler erlauben …

    Der Staatssicherheitsdienst geht mittlerweile bei mir ein und aus, praktisch ausgelagertes Headquater.

    Der größte Profiteur ist allerdings die Dönerbude um die Ecke. Der Ali behauptet zwar, dass sein Umsatz trotz der vielen Schlapphüte nicht gestiegen sei … aber diese Lüge soll er noch 3 x wiederholen …

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s