Frau Doktor

Für deutsche Männer ist die berufliche Karriere nach wie vor am wichtigsten.

Mit Ellenbogen und unfairen Tricks versuchen sie, die Chancengleichheit der Frauen mit allen Mitteln zu verhindern. Dagegen helfen weder Gesetze noch gutes Zureden. Die Gleichstellungsbeauftragte ist verzweifelt und mit ihrem Latein am Ende.

Die ganze Frauenfeindlichkeit, der wir uns – nicht nur in beruflicher Hinsicht sondern auch im geistigen Gebaren – gegenüber sehen, wird nirgends so deutlich wie an deutschen Männerstammtischen.

Da schwadronieren die Herren der Schöpfung über Frauen, die sie sich aus dem Katalog, heutzutage freilich aus dem Internet, bestellen und liefern lassen. Entfernungen spielen keine Rolle mehr. Containerweise lässt man sich Frauen zwecks Heirat oder auch nur zur unverbindlichen Probe aus Thailand, Brasilien und der Südsee kommen. Man fachsimpelt über Lieferzeiten, Körbchengröße und andere technische Details. Ukrainerinnen gehen in diesen Tagen besonders günstig über den Ladentisch.

Schluss jetzt, mit der Frauenfeindlichkeit!, sagt Herr Ösi und stellt den Austrian young male academics marriage selection Catalog vor. Jetzt wird der Spieß umgedreht.

– * –

Die Schakkeline aus Buxtehude gehört zu den ersten Nutznieserinnen dieser Innovation. Seit Jahren arbeitet sie in einem Nagelstudio. Und diese ständige weil tägliche Naglerei hat sie nun satt. Bis oben hin. Und zwar endgültig.

Eine Freundin hat ihr vom Austrian young male academics marriage selection Catalog erzählt. Hinter dem leicht sperrigen Titel verbirgt sich die wohl einzigartigste Aufstiegsmöglichkeit für die deutsche Frau von heute. Diskriminierung und Benachteiligung waren gestern.

Die Schakkeline, dem Englischen nicht wirklich mächtig, hat sich den Titel sogleich ins Norddeutsche übersetzen lassen. Sie hatte schon ihre liebe Not, die Grundschule zu bestehen. Besonders beim Schreiben des eigenen Namens hat sie regelmäßig Probleme. Aber, wie sie uns glaubhaft versichert, kann sie ja nichts für den bescheuerten Namen, den man ihr ungefragt und elternseits aufgedrückt hat.

Jetzt sucht sie aus dem Katalog einen männlichen Akademiker aus dem Ösiland zwecks Heirat. Um in den Genuß des Titels ihres künftigen Ehemanns zu kommen, ist es unabdingbar nach Ösiland umzuziehen, so die Katalogkonditionen. Nun, es gibt schlimmeres.

Während viele deutsche Frauen jahrzehntelang für einen akademischen Titel büffeln und lernen, der dann sowieso Plagiats verdächtig ist und jederzeit aberkannt werden kann, bekommt diejenige Frau, die einen Ösi ehelicht, den Titel des Mannes praktisch als Draufgabe oben drauf gepackt.

Vor dem Spiegel übt Schakkeline fleissig, um zu sehen, was zu ihren blonden Haaren am besten passt: Frau Doktor, Frau Diplominschinör, Frau Magister, Frau Professor oder gar Frau Hofrat? 

Frau Hofrat wäre zwar originell, passt aber nicht zu ihrer Oberweite. Sie entscheidet sich für Frau Doktor, weil sie der Meinung ist, dass man ihr mit Frau Doktor beim Bäcker, im Kaffeehaus oder beim Shoppen den meisten Respekt entgegenbringt. Ausserdem hat sie im medizinischen Bereich ziemlich viel Erfahrung, egal ob es sich um das Auskurieren einer Erkältung handelt, um die Verarztung eines abgebissenen Fingernagels oder um den Abbruch einer ungewollten Schwangerschaft.

Frau Doktor Schakkeline Bauer, ihr künftiger Name, klingt nicht nur hammergeil, ihre Kolleginnen werden platzen vor Eifersucht.

Wenn der Aymams-C, wie der Öis-Heirats-Katalog unter Eingeweihtinnen mittlerweile heißt, sich erst mal flächendeckend herumgesprochen hat, wird Deutschland in kürzester Zeit zur deutschmädelfreien Zone. 

– * –

Die Win-Win-Situation

Mit dem Austrian young male academics marriage selection Catalog gehen beide Seiten als Gewinner hervor. Die Schakkeline sowieso. Aber auch der frisch gebackene Akademiker, in unserem Fall der junger Doktor Bauer aus dem niederösterreichischen Oberstinkenbrunn, kann sich einen Traum erfüllen. Die gestressten und überlasteten männlichen Studenten wissen oft bis zur Abschlußprüfung nicht, dass es außer ihrem eigenen Geschlecht noch ein anderes, nämlich ein weibliches, gibt. 

Zum Glück hat man ihn bei der Approbation auf das andere Geschlecht und auf den Austrian young male academics marriage selection Catalog hingewiesen und ihn zu besonders günstigen Konditionen in die Rubrik Doktoren aufgenommen.

Mit dem deutschen Fräuleinwunder an seiner Seite, wird er künftig Oberstinkenbrunn und die umliegenden Käffer aufmischen und für Furore sorgen, während sich 99 Komma neun neun neun Prozent der restlichen männlichen Oberstinkenbrunner mit einheimischen Weibchen zufrieden geben müssen.

Tja, die Oberstinkenbrunner werden platzen vor Eifersucht, denkt er, wenn seine hammergeile Schakkeline erst hier aufschlägt.

Seine überaus reizende Neuerwerbung hat ihm versprochen, ihm anlässlich der Vermählung die Fingernägel zu maniküren. Was will er mehr?

– * –

Unsere clervere Schakkeline fragt derweil schon nach, ob sie ihren Doktortitel behalten darf, wenn sie sich eines nicht allzu fernen Tages eventuell von ihrem extrem übergewichtigen und mit unappetitlichen Pickeln übersäten Herrn Doktor scheiden lässt …

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25 Gedanken zu “Frau Doktor

  1. Ja ja … mach du dich nur aus dem sicheren Deutschland über die brav im Lande verbliebenen Ösi-Mander lustig … wobei … ’s wurde schon Zeit, dass sich da mal was tut auf dem Sektor Gleichberechtigung in Katalogform, und dein G’spür für Geschäftsideen verdient wieder mal allerhöxten Respekt, du D-Ösi du …

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  2. Liebe Schantall,

    der Austrian young male academics marriage selection Catalog ist vorerst als Pilotprojekt gestartet. Das hat nix mit Flugzeugen zu tun. Danach kommt die Beta-Phase. Da hoffen wir, dass alles nur noch betta, also besser, wird.

    Den Doktor oder Professor musst du nicht machen, den kriegst du ja von uns. Aber Nägeln solltest du schon können oder irgendwas, wo der junge Akademiker sagt: Wow, echt geil, die Alte, die haut mich aus den Latschen!

    Deine Schiß-Len
    Personal Marriage Assistent
    (bei uns auch „Kupplerin“ genannt)

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  3. Nun, der männliche österreichische Titelträger mag ja geizig sein, wenn es sich ums Finanzielle handelt. Dafür gibt er umso großzügiger den erworbenen Grad an die Frau an seiner Seite weiter und erwartet, dass man diese „Frau Doktor“ oder „Frau Hofrat“ nennt … auch wenn diese nicht mal bis drei zählen kann.

    Es ist also empfehlenswert, die Kassierin an der Supermarktkasse mindestens mit „Frau Magister“ anzusprechen, um den berühmten Tritt ins Fettnäpfchen zu vermeiden …

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  4. Meine Aufgabe ist es ja, die Welt, mit einem jeden Tag ein bisschen besser, gerechter, sprich: gleichberechtigter, zu machen. Und dieser Katalog ist überfällig, ein ausgewogenes Dingens zwischen Mann und Frau herzustellen.

    Andererseits sind die Frauen längst erfolgreicher geworden als die Männer – zumindest was die schulischen Erfolge angelangt – und da wäre es auch an der Zeit, die Männer mit den Titeln ihrer Frauen zu schmücken.

    In der Welt-Akademiker-Dichte-Statistik schübe sich Ösiland wieder unangefochten auf Platz 1 …

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  5. Kann man auch – wie im grossbürgerlichen Deutschland vor den Weltkriegen üblich – den Vornamen des Mannes übernehmen?
    „Frau Thomas Mann“ beispielsweise hatte keine Schwierigkeiten im Umgang mit dieser Bezeichnung und an Selbstbewußtsein mangelte es ihr sicher auch nicht.

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  6. Laut Tante Wikis Quellen sind sie nicht geschieden sondern haben sich „nach langem Nachdenken, Diskussionen und Gebeten“ getrennt. «Momentan leben wir getrennt und arbeiten an der Zukunft unserer Beziehung.» heißt es. Wie mag diese Arbeit an der Zukunft der Beziehung wohl aussehen?

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  7. Das würde ich ihm nicht raten. Vielleicht sollte er seine politischen Beziehungen ndazu nutzen, amerikanischer Botschafter in Österreich zu werden. Dann könnte er auch den Wiener Opernball besuchen 😉

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  8. Das wäre nix für ihn. Österreich ist ja schon kein, Wien ist noch kleiner und am kleinsten sind die winzigen Botschafterbüros. Der Steirerbub braucht die Weite der großen Welt, die fast endlose kalifornische Wüste oder was das ist, gleich hinter den Filmstudios, ist für ihn wie ein Vorzimmer. Denke, er wird in LA bleiben …

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  9. Ja, merkwürdigst … damit habe ich nix zu tun, weil nur der oesiblog mit dem oe ist der einzig echte und wahre oesiblog unter allen Blogs, der richtige oesiblog hat ja so viel Tradition, dass es ihn schon gab, als man mit dem ö noch nicht url’n durfte, in der ö-url-freien Urzeit des Internets also, alle anderen unter Ösi firmierende Blogs sind Plagiate, aber weil heute Weihnachten ist, werde ich ein Auge zudrücken und nicht dagegen vorgehen …

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  10. (… auf diese Weise ist es mir gelungen, diskretestenst ein gewisses Interesse an anderen Menschen zu entwickeln – das Kontingent ist dann aber für dieses Jahr echt aufgebraucht…)

    (… wir alten Geheimdienstler können es halt nicht lassen, harhar…)

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  11. Weil’s für Weihnachten zu spät ist und für Silvester zu früh, dann heute aber doch näher am Silvester liegt als an letzten Weihnachten und die nächsten Weihnachten zwar bald, aber dann doch nicht sooo bald kommen, entscheide ich mich, nach langem Überlegen, für die nächstliegende, weil auf dem Wege liegende, Variante, die, je länger ich überlege, näher und näher rückt …

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