Symphonie für Hunde

Das BesitzX (sprich Besitzix) liebt sein Haustier über alles. Das BesitzX tut alles Menschen mögliche und unmögliche, damit es dem Tierchen gut geht.

Nun ist auch Herr Ösi dem allgemeinen Gender-Wahnsinn verfallen. Früher war es einfach. Es gab Männer und es gab Frauen. Aber heutzutage hoch kompliziert. Viele Menschen wissen nicht, ob sie ein Männchen sind oder ein Weibchen. Oder einer wird morgens wach und ist sich sicher, die letzten 3 Tage ein Mann gewesen zu sein. Bloß seit heute morgen ist er sich nicht mehr sicher, also kein Mann mehr, aber auch nicht wirklich eine Frau, sondern irgendwas Undefinierbares dazwischen.

Weil immer weniger Menschen wissen, welchem Geschlecht sie gerade angehören und sie auf gar keinen Fall diskriminiert werden möchten, weil sonst Rechtsanwalt, Abmahnung und ähnliches, gibt es heute weder einen Tierhalter noch eine Tierhälterin, sondern das BesitzX. Das BesitzX kann alles sein und deckt mühelos die kompliziertesen Persönlichkeitsstrukturen ab. Das BesitzX ist sächlich wie das Haus, das Schwein oder das Conchita Wurst.

Das LesX möge dem Herrn Ösi den kurzen Abstecher in die Niederungen Neudeutscher-Genderei verzeihen, aber wat mutt dat mutt.

***

Es war wohl die grausamste Meldung des Tages. „Vancouver: BesitzX von seinem Hund gebissen“

Da hat das BesitzX über Jahre alles Erdenkliche für seinen Hund getan, Leckerli, Spaziergänge, Kino, Musik und so weiter und dann das. Tja, in das Tier kannst du halt nicht reinschauen, zumindest nicht in das Psychologische von dem Tier. Der Kampfhund lässt sich sich nicht in die Karten gucken, obwohl, äußerlich ist das Tier zu durchschauen, nur innerlich nicht, weil tiefenpsychologischer als jeder Mensch. Äußerlich ist es so, dass im Lauf der Zeit BesitzX und Tier praktisch zu einer Einheit verschmelzen. Oft weiß man nicht, steht jetzt das Tier vor mir oder das BesitzX. Nur aufgrund der Größe ahnst du, mit wem du es zu tun hast. Es ist nicht geklärt, ob es das BesitzX ist, welches nach und nach das Aussehen von seinem Hund annimmt oder ob es der Hund ist, der seinem BesitzX äußerlich immer ähnlicher wird. Es gibt eine Theorie, die besagt, dass sich beide schrittweise aneinander annähern, aber wie gesagt, nur Theorie.

Es ist schwierig genug, in andere Menschen reinzuschauen. Die NSA will in die Bürger reinschauen, die Fluggesellschaften in ihre Mitarbeiter und so weiter. Aber am schwierigsten ist das Reinschauen in das Tier, weil psychologisch ganz anders drauf als der Mensch.

Das BesitzX aus Vancouver hatte seinem Kampfhund gerade das Violin Konzert in E minor Opus 64 von Felix Mendelssohn Bartholdy vorgespielt, als dieser unvermittelt nach 3 Minuten und 8 Sekunden zubiß. Jetzt wirst du sagen, die Klassik ist für den Kampfhund nicht geeignet, der Kampfhund braucht eher eine stramme Marschmusik, Radetzky und so. Kann sein, muss aber nicht. Es kommt immer auf den seelischen Zustand an.

Natürlich gibt es eindeutigen Anzeichen, die sogar Laien erlauben, primäre Bedürfnisse von Tieren zu erahnen. Beispiele: Die Katze streift um dein Bein, heißt: mach mir das Döschen mit der Gänseleberpastete auf. Oder der Hund wedelt mit dem Schwanz, heißt: geh‘ mit mir Gassi oder ich kack‘ dir auf den handgeknüpften Perserteppich. Oder du steigst der Kreuzotter auf den Schwanz, heißt: jetzt beiß‘ ich dich.

Klar könnte man einwenden, das letzte Opfer des Kampfhundes, der letzte herzhafte Wadenbiss liegt drei Wochen zurück, also eine kleine Ewigkeit für den Hund, deshalb sein seelischer Zustand ziemlich zerüttelt. Man kann aber auch sagen, der Mendelssohn war schuld. Genaueres werden wir nie erfahren.

Schon in der Schule haben sie den kleinen Felix Mendelssohn Bartholdy als Helix Pendelsohn Wacholdi verunglimpft. Der hat gelitten wie ein Hund, sich aber postwendend revanchiert, ist Komponist geworden und hat die Menschheit mit langweiliger Musik bestrafend überzogen. Bei 3:08 steht Opus 64 nicht nur für Tiere auf dem Scheideweg. Geht das Gefiedel weiter, wird es besser, wird es noch schlechter als es schon ist oder bricht es endlich ab und wenn ja, wann? Für das geneigte HörX: es geht noch 25 Minuten weiter, die sich anfühlen wie zwei mühsame Arbeitswochen, abgeleistet an einem Stück.

***

Einen Tag später eine ähnliche Meldung aus Deutschland: „Buxtehude: BesitzX von seinem Hund gebissen“

Du ahnst es schon, wieder lief Wacholdi im Hintergrund, wieder Opus 64, der Biss erfolgte bei 3:08 auf die Sekunde. Das kann kein Zufall sein. Hat der Komponist absichtlich Sequenzen eingebaut, die Hunde aggressiv machen?, fragt BILD. Bei dem Übeltäter, pardon, bei der Übeltäterin handelte es sich um die in zartrosa gefasste Pudeldame Chanel, die abseits ausgiebiger Fressorgien auf Florian Silbereisen und Hansi Hinterseer steht, aber mehr auf das Aussehen der zwei Herren als auf deren Musik. BILD vermutet, Chanel hatte geträumt, wie der Silbereisen und der Hinterseer ihr zärtlich den Bauch kraulen, sich dabei ein bisschen zankend, wem das Hundchen letztendlich den Vorzug gibt, als einer der beiden, ungewollt oder nicht, der Pudeldame ins Bäuchchen kniff, so dass diese erwachte und zu ihrem Schreck weder den Florian noch den Hansi vorfand, dafür aber die entsetzliche Musik Wacholdi’s. Der Biss war unvermeidlich …

Und noch am selben Tag die furchtbare Schlagzeile: „Texas: Paris im Hilton von ihrem Hund gebissen“

Das Hundchen, war aus der sündhaft teuren Hermes-Handtasche heraus gesprungen und hatte unvermittelt beim Frauchen zugeschnappt. Ob es Wacholdi war, wollten die besorgten Reporter wissen, nein, so Paris, oder vielleicht, wie auch immer, sie könne nicht einen jeden Hotelgast persönlich kennen, die Musik, so die Journaille, ob zum Zeitpunkt des Unglücks Musik von Wacholdi im Hintergrund gelaufen wäre, Musik ja, so Paris, eher im Vordergrund als im Hintergrund, aber bestimmt nicht Wacholdi, sie stehe nicht auf diese Gangsta-Rapper und auf diesen fuckin‘ Wacholdi mit seinen ordinären Texten schon gar nicht, weil ihr Geschmack eher … bla bla bla und wie immer alles auf Englisch.

Der Chiwawa konnte erst durch die eilig herbeigerufene Dienerschaft gebändigt und beruhigt werden. Paris ebenso.
Der Kunde ist König, sagt man bei Hermes, und kaum gesagt, arbeiten sie schon an einer Chiwawa-Rückhalte-Vorrichtung, die das plötzliche heraus Katapultieren des Hundchens aus der Handtasche verhindern soll. Wau!

Das schaut jetzt fast nach einer Rehabilitierung vom Wacholdi aus, zumindest teilweise Rehabilitierung, weil für eine vollständige Rehabilitierung müsste er sein Werk unkomponiert machen, was leider nicht mehr möglich.

***

Der Mensch hält sich gern für die Krone der Schöpfung. Ist er aber nicht. Nur weil er mit Handys telefonieren kann, Mais- und Mausgene manipuliert und ab und zu auf dem Mond landet. Das mag ja eine gewisse Leistung sein, aber beim Thema siebter Sinn, Fehlanzeige. Hier sind uns Tiere hochhaushoch überlegen, weil siebter bis achter Sinn, gerade im Bereich der Vorhersage.

Vögel zu Beispiel. Sie erkennen ein Erdbeben, einen Tsunami oder einen bevorstehenden Polsprung Tage vor ihrem Eintreten. Kraken sagen die Ergebnisse von Fußballspielen voraus. Und so weiter. Auch Herr Ösi will auf die Fähigkeiten von Tieren nicht mehr verzichten. Derzeit arbeitet er eng mit Stubenfliegen zusammen, sie sollen ihm 6 Richtige im Lotto bescheren.

***

Der Hund und sein BesitzX verstehen sich meist blind, sind ein eingespieltes Team, sprich Augenkontakt und so. Aber in punkto Musik große Missverständnisse, weil völlig andere Welten. Der Hund braucht seine eigene Musik im hoch- beziehungsweise niederfrequenten Bereich, speziell abgestimmte Zwischentöne, Oktaven und Zeugs, dass für den Menschen eher … naja ungewöhnlich bis scheußlich anmutet.

Herr Ösi hat die Mühe nicht gescheut und die weltweit erste Symphonie für Hunde komponiert.
Hier ein kurzer Auszug aus dem Adagio Allegretto Rondo Knöchelverzeichnis 08/15 für Bello.

Ist, wie gesagt, nicht jedermanns Sache. Dem Hund aber kannst du keine größere Freude machen. Er wird es dir mit bedingungsloser Liebe danken.

Beachte: Vogelspinnen, Giftschlangen und ähnliche Exoten erfordern wiederum ganz andere Rhythmen, an deren musikalische Umsetzung Herr Ösi bereits fieberhaft arbeitet …

          

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71 Gedanken zu “Symphonie für Hunde

  1. Jetzt hätte ich beinahe einen Deiner bislang genialsten Beiträge versäumt!

    Und eine der … öhm… eigenwilligsten Kompositionen dieses neuen Jahrtausends dazu! Aber ich bin eben kein Hund, auch wenn ich mich manchmal so fühle… WUFF…

    Deswegen kann ich auch so gut verstehen, dass mancher Hund irgendwann einfach die Schnauze voll hat von seinem BesitzX!

    Eigentlich wundere ich mich vielmehr darüber, dass das Schoßhündchen von Paris nicht im Minutentakt zubeisst! Wahrscheinlich mischt sie Tranquilizer ins Futter. Oder das Hündchen wird jeden Monat – wahrscheinlich sogar täglich – gegen ein neues, noch drolligeres ausgetauscht so wie die High Heels halt.

    Bei Paris müsste es allerdings dann schon heißen „BesitzXXL“, findest Du nicht?

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  2. Vielen Dank.

    Wäre die Modeindustrie ein klein wenig innovativer, würde sie die doppelte Achseltasche für die linke und die rechte Schulter erfinden. In beiden wäre der Chiwawa bestens aufgehoben … und „Damen“ von Welt könnten in Form der Hündchen – zumindest zeitweise – wieder Haare unter den Achseln tragen.

    Ich sollte in die Marketing- & Werbebranche wechseln …

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  3. Da musst du aber höllisch aufpassen, dass die gestrenge Bergpolizei, die ständig durchs Gebirge steift, aus dem Almhüttenschornsteinrauch, der bei uns freilich Almhüttenrauchfangrauch heißt, nicht den eher strengen Geruch vom frisch geräucherten Murmeltier heraus riecht, weil sonst gleich einer der beiden Füße im Gefängnis …

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  4. Der Bergpolizist schweift oft wochenlang durchs Gelände, ehe er einen japanischen Touristen wegen Falschjodeln überführen kann. In dieser oft trostlosen Zeit des herum Streunens und des sich Anschleichens schlägt seine Libido die merkwürdigsten Kapriolen …

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  5. … und auch der Tarnung. Das haben sie dem Gletscher-Chameleon abgeschaut, welches meist nackt unterwegs. Dem guten Bergpolizisten gelingt es, sich als schoffe Felswand zu tarnen oder als scheinbar unbeteiligter Tannenzapfen am Wegesrand zu liegen. Dafür ist neben der alpinen Herkunft auch jahrelanges Üben Üben und nochmals Üben erforlderlich …

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  6. Das ist ja cool – ich dachte, der Namen ist ausgedacht (obwohl er an das russische Wort für „ruhig, still“ erinnert)… Das ist der „Held“ (und Ich-Erzähler) in diesem gar artigem Büchlein:

    Aber der Eisladen hat voll was – ist wohl ziemlich jugendstilisiert…

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  7. Jugendstilisiert … und trägt das Staatswappen stolz auf dem Dach.

    Mein lieber Schorle, da musst du schon super Eis kochen können, um dir so eine Auszeichnung abzuholen …

    Habe „deinen“ Herrn Tichy gegoogelt und festgestellt, dass es zu ihm sogar eine Fernsehserie gibt.

    Mal schauen, ob ich das schau …

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  8. Hab ein paar Minuten gejutubt und tatsächlich, wir, verehrter Herr, wir sind ja schon ziemlich abgefahren, aber diese Serie … vielleicht überwinde ich ja meine Überwindung und kieke, wie man bei Ihnen sagt, noch mal rein …

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  9. Weisst du, Herr Ösi,

    das ist aber ein sehr schöner Text, von dem ich unbedingt erkannt fühle. Das ist schon toll, wie du das so kanalisiert und transportiert hast. So für dich. Und mich. Und die Hunde. Sowohl was das GeGendere als auch den Hund anbelangt, auf den ich schon vor vielen Jahren kam. Mittlerweile sind es drei. Einer bekloppter als der andere. Das kann wohl kaum an mir liegen. Ich tue wirklich alles mir Unmögliche. Also zum Beispiel Gendern. Ich zwangs-genderte alle Hunde. Kastration aus Liebe. Mir schien, ihnen sei danach. Aber ist der Rüde so entklötet nun eine Hündin? Oder richtiger eine Rüdin? Man weiß es nicht, man ahnt es nur. Insofern scheint – insbesondere auf dem Hintergrund von Mendelsohn – ein bissiger Kommentar mehr als schlüssig. Nun rief ich umgehend die ergreifende Symphonie auf. Die Rüdinnen vermochte ich nicht mehr zu befragen, da sie ergriffen das Weite suchen, aber ich, ich bin nun in meiner Gänsehaut gefangen. Weinend. Erkennend.

    In Wirklichkeit bin ich eine Rüdin!
    Danke, Herr Ösi.

    Ich werde jetzt meinen Namen tanzen.
    Und bellen. Und beissen.

    Und mich umbenennen. In Chiquita Käse.
    Vielleicht haben dann sogar die Hunde ein Einsehen mit mir.

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    • Einerseits denke ich, es wäre vielleicht gar nicht notwendig gewesen, die Hunde zu kastrieren, andererseits vielleicht doch, es hängt ja viel mit dem persönlichen Geschmack zusammen … aber was sag ich da, ich bin ja eher Theoretiker.
      Laut einer aktuellen Umfrage reagieren 7,4 % aller Hunde auf meine Symphonie allergisch … bei den Menschen soll der Prozentsatz sogar noch höher liegen … 🙂

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  10. ohAAAAA
    herr ösi
    ööhm
    oesi schuldigung ^^
    auch mir
    jaaaa auch mir sträubt sich das gefieder
    beim lauschen
    und das
    wo ich ja nich mal gefieder hab ^^
    sondern nur haare
    letztere gehen mir grad aus
    muß umrüsten vom sommerfell
    auf hOOOchsommerfell
    hält ja keen aktivhund aus solche temperaturen
    keine angst ich werd nich zu einem dieser hochbezahlten
    nackthunde
    ich bleib die bella die ich bin
    doch mit dem mendel seinem sohn
    kannste bei mir leiiiider auch nich punkten 😦
    ich behalt mein ronnyherrchen 🙂
    gruß bella 🙂

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