Aufwachen

Wachen wir am Morgen auf
sagt Herr Ösi
dann wachen wir naturgemäß
in unserem eigenen Körper auf
es scheint uns ziemlich natürlich
am Morgen oder später
wann immer es uns beliebt aufzuwachen
in unseren eigenen Körpern aufzuwachen
das Aufwachen im eigenen Körper
ist uns im Lauf der Zeit
zu einer Selbstverständlichkeit geworden
so dass wir meist nicht darüber nachdenken
wie es wäre
im Körper eines anderen
im Körper eines fremden Menschen aufzuwachen
dabei
so Herr Ösi
hängt es bloß von dem Aufwachparameter ab
oder von den Aufwachparametern
welche bestimmen
in welchem Körper wir
wenn wir morgens erwachen
aufwachen
defaultmäßig wachen wir
so Herr Ösi weiter
defaultmäßig
wiederholt Bernhard der Staubsaugerbeutelvertreter
defaultmäßig immer im eigenen Körper
sagt Herr Ösi
der Aufwachparameter ist defaultmäßig so eingestellt
dass wir
wenn wir aufwachen
wenn wir den Parameter nicht verändern
dass wir
immer in unserem eigenen Körper aufwachen
nie in einem anderen und fremden
defaultmäßig immer im eigenen
bestätigt Bernhard
eine leichte Modifikation
so Herr Ösi
an der richtigen Stelle
im Aufwachparameter
eine Aufwachparameter Umparametrisierung
und schon wachen wir
wenn wir am Morgen erwachen
in einem völlig anderen Menschen auf
ein winziges Drehen an der entsprechenden Stellschraube
und wir wachen im Körper von
zum Beispiel Herrn Schmidt auf
oder wir wachen in oder als Frau Huber auf
und so weiter
defaultmäßig
sagt Bernhard
defaultmäßig
ergänzt Herr Ösi
wachen wir einerseits als der oder die auf
der oder die wir immer oder meistens sind
andererseits könnten wir
so wir denn wollten
durch eine Umparametrisierung der Aufwachparameter
was uns allerdings die höchste Konzentration abverlangt
im Körper von Herrn Schmidt
oder als Frau Huber aufwachen
die Frage
die sich die allermeisten
so Herr Ösi
vor einer voreiligen
und nicht durchdachten
Umparametrisierung der Aufwachparameter
stellen sollten
ist die Frage
ob das künftige Aufwachen
im Körper von Herrn Schmidt
oder als Frau Huber
den Schlamassel
in dem wir uns seit Jahren befinden
eigentlich seit Jahrzehnten
genau genommen seit Geburt an
diesen unseren Schlamassel also
in dem wir seit Anbeginn verweilen
als künftiger Herr Schmidt
als künftige Frau Huber
nicht zusätzlich vergrößern
ihn ins Unermessliche steigern
den Schlamassel
statt ihn zu beseitigen
gehen wir davon aus
so Herr Ösi
dass der Schmidt’sche und
der Huberische Schlamassel
mit ziemlicher Sicherheit
ein ganz beträchtlicher ist
ein Schlamassel
der womöglich unseren eigenen
um ein Vielfaches übersteigt
dann stellt sich uns die Frage
ob es nicht klüger wäre
auf die Umparametrisierung des Aufwachparameters
zu verzichten
und weiterhin mit dem voreingestellten
dem defaultmäßigen Parameter
sozusagen wie gehabt am Morgen
im eigenen Körper aufzuwachen
es sei denn …
es sei denn
wir positionieren den Schieberegler
den Aufwachparameter
auf unbeschwert sprich auf „Prominenz“
dann wachen wir
als unbeschwerter und prominenter Erdenbürger
fern eines jeden Schlamassels auf
dann erwachen wir
zum Beispiel als …
zum Beispiel als …
defaultmäßig als Brad Pitt
schießt Bernhard wie aus der Pistole
also gut als Brad Pitt
gibt sich Herr Ösi geschlagen
wir wachen am Morgen oder eher
zu Mittag oder erst am späten Nachmittag
oder mit der hereinbrechenden Dämmerung
wann immer es uns beliebt aufzuwachen
als Brad Pitt auf
wobei
hier stellt sich uns eine erste Hürde
wir haben keine Ahnung – oder doch
ob wir bereits beim Erwachen wissen
dass wir Brad Pitt sind
oder erst nach einem
prüfenden wie ungläubigen Blick in den Spiegel
wir haben keine Ahnung – oder doch
wie mit den unzähligen hochprozentigen Coctails
kurz vor dem zu Bett gehen in uns hinein geschüttet
wir den Tag beziehungsweise
die anbrechende Nacht überstehen sollen
wir haben keine Ahnung – oder doch
ob diese neuerdings siliconvalleyfizierten Brüste der Gattin
uns überhaupt noch vom Hocker
wir haben keine Ahnung – oder doch
ob wir dieses bescheuerte Drehbuch aus Hollywood USA
und so weiter
wir beginnen
uns mit der Umparametrisierung des Aufwachparameters
zu beschäftigen
also damit
dass wir beim Aufwachen
künftig nicht mehr der oder die sind
der oder die wir gewesen sind
sondern ein oder eine andere
ein Herr Schmidt oder
eine Frau Huber zu Beispiel
beide höchst unzufrieden
stehen für einen Personen-
beziehungsweise Personalien Wechsel
jederzeit bereit
je schneller desto
sogar ein völlig unbedeutender Staubsaugerbeutelvertreter
bastelt eifrig an seiner Umparametrisierung
wenn nicht gar das ganze Land

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12 Gedanken zu “Aufwachen

  1. Hab mich schon mehrfach gefragt: Warum kann ich beim Erwachen nicht jemand anders sein? Ein Seehund zum Beispiel, der einen bunten Ball auf seiner Schnauze balanciert. Und habe ich meine Sache gut gemacht, wirft man mir vom Beckenrand köstlichen Fisch zu. Müsste ich nur den „Aufwachparameter verstellen? Und wie ginge das, Herr Ösi?

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    • Also, vor dem Einschlafen, just 2 bis 5 Sekunden vor dem Wegdämmern, hilft nur die richtige, geistige Einstellung, den Aufwachparameter entsprechend umzuparametrisieren. Eine Garantie, tatsächlich als Seehund zu erwachen, kann nach dem heutigen Stand der Technik leider nicht gegeben werden. Einmal Seehund, immer Seehund … so die gängige Theorie, aber bitte, wer wollte denn da schon zurück?

      Bei Fragen und Nebenwirkungen kann – wie immer – bloß der Beipackzettel verantwortlich gemacht werden.
      Ihr Dr. Ösi

      Gefällt 1 Person

  2. Alter Alpenfalter, is‘ das wieder passend (nee, ich fange jetzt nicht mit Eso-Scheiß an)… Philip K. Dick… abgesehen von dem pittoreskem Klischee vom Cocktailverzehr… außerdem habe ich eben versucht, nochmals „Morbus kitahara“ von Ransmayer zu lesen, und auch an diese gehabte flüchtige Diagonallektüre erinnert mich der ösische Monolog…

    Es könnte ja auch andersrum sein – irgendwie sind Etliche in einer „falschen“ Gestalt und sollten/wollten/könnten/müssten endlich in der „richtigen“ aufwachen… la lala… schrumm, schrumm…

    Der Spießer entschlummert nunmehr nochmals. Bis demnächst!

    K. , Unterbürger

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    • Was, wenn Etliche Alle in der falschen Verpackung feststecken und nur Einigen Wenigsten dämmert, dass und so. Die ganze Genderei ist doch der Beweis einer äußerst verhunzten Umverpackung und einem fehlgeleiteten Emballagenwesen.

      Ihr
      Prof. Dr. Magister Bergrat
      Ösi

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    • Eben! Das meine ich ja! – Könnte es sein, dass ich manchmal verständlich bin, ach…

      (… hier muss man tatsächlich jedes Mal unten ’n Häkchen setzen, sonst wird man nicht benachrichtigt… man, sind wir alle verwöhnt worden bei blog.de…)

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  3. Guten Morgen oder meinetwegen auch Mahlzeit, ich fürchte ich muss mal ihren Mann für’s Grobe in Sachen Embalagen anfordern, und zwar den Herrn Bernhard , denn bei mir will es einfach mit der eigenen Umverpackung so gar nicht klappen, ein Staubsaugerbeutelvertreter dürfe dahingehend nicht ganz ohne einschlägige Erfahrung sein.
    Freundlichst
    eine umnebelte alte Frau.

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    • Dem Frauchen kann geholfen werden … (Schiller? oder so)

      Ich schick Ihnen mal unseren Herrn Bernhard vorbei, vorausgesetzt, er befindet sich noch in seiner angestammten Emballage. Als Brad Pitt wäre er zwar immer noch der Mann für’s Grobe, allerdings für den Zuständigkeitsbereich zwischen Schlachtfeld und Ehe, was ja ein ähnliches Anforderungsprofil voraussetzt.

      Hochachtungsvoll
      Ihr Umverpackungs-Spezialist

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  4. Erst neulich habe ich einem Kollegen geraten, nicht ständig nach dem – vermutlich mindestens ebenso verpatzten – Leben der anderen zu schielen, wegen dem Schlamassel allerorten. Heute früh, sehr früh, viel zu früh übrigens, war ich weckergeräuschmäßig gezwungen aufzuwachen, ohne richtig wach zu werden. Da dachte ich wirklich und konnte es förmlich fühlen, dass ich in dem Moment als entfleuchter Wellensittich im Wipfel der höxten Fichte weit und breit ganz fürcherlich von Spatzen gemobbt werde. Auch kein sorgloses Leben. Weil eh jeder sein Binkerl zu tragen hat und das Tauschen von Körper oder Persönlichkeit nix daran ändert. Außerdem kann sowieso keiner so gut mit Staubbeuteln wie Bernhard. Brangelina, pah!

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    • Nun, deshalb setzen sich die Wellensittiche ja freiwillig in den Käfig hinein, weil 2-fach-Schutz durch Wohnung und Käfig. Den musst du erst knacken. Nur übermütige Exemplare entfleuchen hin und wieder, aber die Reue kommt flugs auf dem Flügel. Die Spatzen andererseits wären auch gern im Käfig wegen der automatischen Fütterung ect, können aber mit ihrem sprichwörtlichen Spatzenhirn den Aufwachparameter nicht verändern, darum bleibt ihnen nur das Gemobbse. Der Mensch, nun der Mensch, ach ja …

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    • In Nürnberg bäckt man gleich nach der Sommerpause das Christkind aus Lebkuchen und sucht bis in den Herbst hinein ein Mädel, dass dem Lebkuchen am ähnlichsten sieht …

      Ich selbst hatte mich auch schon mal für den Job beworben, weil es da nach dem Weihnachtsrummel eine Dienstreise in die USA usw gibt, bin aber nach dem Verlust der 2. Textzeile sogleich auf- und raus geflogen, also ohne dem Umweg über Amerika …

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