Fata Morgana

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17 Gedanken zu “Fata Morgana

  1. Kompliment zum kleinen filmischen Kunstwerk, Herr Ösi! Die Verfremdungseffekte, die den Gehweg in grafische Strukturen auflösen, gefallen mir, auch Herrn Ösi als Kameramann schemnhaft zu sehen. Bei den Goldfischen dachte ich für Sekunden im sprichwörtlichen „falschen Film“ zu sein. Alles in allem rundum gut!

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    • Dankzij een miljoen,
      tja, die kleinen technischen Helferchen sind schon ein Segen. Dafür hätte man vor 30 Jahren wohl eine größere Mannschaft benötigt. Unglaublich, was so ein Computer heute alles kann, wenn man ein paar Ideen hat …

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  2. Keep me searching for a fish of gold

    Die gleisende Mittagssonne platziert sich unerbittlich am Sommerhimmel. Heiße Strahlen fallen auf die staubtrockene Erde der Bloghüttenalm herab.
    John, Joe und James, die Vorarbeiter der Ranch stehen schwitzend neben einer Scheune. Drei Stunden lang haben sie nun die neuen Westernsättel für die Touristen geschrubbt, gewienert und mit feinstem Gänsefett eingerieben. Und nun das:

    Joe: Hey Mann. Wir hatten heute doch unseren freien Tag. Jetzt mussten wir erst die neuen Sättel bürsten, weil morgen unerwartet die Stadthippies anrücken und nun das: Feldwegreinigung.
    John: Yep. Geht mir genau so. Ich schwitz wie n Schwein. Und bei der Hitze lässt man uns den dämlichen Bloghüttenfeldweg sauber machen. Die ham doch nicht mehr alle Latten am Zaun!
    James: Immer cool bleiben. Machts wie ich, Leute. Heute kehr ich noch den Dreck weg und dann ab nach Santa Fe und die große Kohle machen.
    John: Santa Fe? Dort ist ordentlich Kies zu holen? Wahrscheinlich kann man da auch nur kleine Fische an Land ziehn, aber immer noch besser, als auf der Alm die Drecksarbeit zu machen. Let`s putz!

    Die drei hartgesottenen Cowboys schwingen die Kehrbesen und ackern sich Meter für Meter den Feldweg entlang, während die Sonne weiter gnadenlos auf ihre Häupter niederbrennt. In durchschwitzten Holzfällerhemden arbeiten sie sich vorwärts, sehen weder rechts noch links. Einfach den Schutt und die kleinen Misthaufen in den Graben gekehrt und weiter, immer weiter. Die Hitze ist längst unerträglich geworden.

    John: Bald ham wirs geschafft. Santa Fe, wir kommen! Nanu, was macht denn das Fahrrad auf dem Boden?
    Joe: Wo? Ich glaub du siehst Gespenster. Los weiter. Keine Zeit verlieren.
    James: Ich weiß ja nicht, wies euch geht, Jungs, aber ich hab plötzlich so ne Melodie im Ohr.
    Joe: Jetzt wo du sagst, ich auch.
    John: Ich hör nix. Hey, wo ist mein Fahrrad?
    Joe: Hey Männer, seht mal. Was ist denn das? Die Dinger mit den Reifen am Wegesrand?
    John: Oh come on, I laugh me broken. Du kapierst auch nix. Das sind Autos. Die werden aber erst im nächsten Jahrhundert erfunden. Also denk dir nix dabei. Weiterfegen!
    James: Oh Mann, ich seh schon alles verschwommen, seid ihr sicher, dass wir noch auf dem richtigen Weg sind?
    John: Durchhalten. Denk an Santa Fe. Dort werden wir uns den großen Fisch an Land ziehn und in Sauß und Braus leben.
    Joe: Wow, spinn ich. Das ist doch Neil Young. Hey Kumpel, hast du etwa auch n Hang zum sauber machen?
    Neil (die Gitarre lässig um die Schultern gehängt, den Cowboyhut tief ins Gesicht gezogen), singend: Keep me searchinfor a heart of gold, keep me searchinand Im growinold. Keep me searchin`for a …
    Joe: … a Goldfish!
    Neil: Nein, for a heart of gold! Nicht for a fish of gold!
    Joe: Nein, Goldfische! Da. Seht her. Human Meier, ich kanns nicht glauben!
    Neil: Ihr seid wohl n bißchen zu lange in der Sonne geritten!
    John: Damned. Ich glaube, wir haben uns verlaufen. Wir drehen uns im Kreis.
    James: Und ich dachte, es wär der Whisky. Wie kommen wir jetzt nach Santa Fe?
    Neil: Ihr wollt nach Santa Fe? Oh Boys, das könnt ihr euch abschminken. Ihr seid auf nem ganz anderen Trip. Legt mal die dämlichen Kehrbesen weg. Mit etwas Glück schafft ihrs grade noch bis zum Rio Oesi, dort könnt ihr euer verbrutzeltes Hirn abkühlen.
    Joe: Dann los. Das wird mir alles zu bunt hier.

    „Schnitt, Schnitt. Auuus. Das ist ja nicht auszuhalten.“
    Almfred Hitchblog rauft sich die Haare und schreitet nervös in den Filmstudios der Bloghüttenalm umher.
    „Was sind denn das für Dialoge? Ihr könnt doch nicht so einen Schwachsinn erzählen. Kinder, Kinder, was soll ich nur mit euch machen! Das wird nie ein guter Film.“
    Joe: Soll ich lieber was davon erzählen, als ich mal aus dem Hufabdruck einer Kuh getrunken habe, weil …
    Hitchblog: Schluß. Aus. Ihr habt sie wohl nicht alle. Das hat so keinen Wert. Überlasst das bitte in Zukunft Herrn Ösi. Ihr seht doch, dass er der Profi auf dem Gebiet ist. Geht lieber in den Stall und melkt die Kühe!“

    Die Cowboys trotten enttäuscht davon.

    Joe (schmollend): Meint ihr der Herr Ösi nimmt uns für seine Filmaufnahmen?
    John: Wir könnten ja mal zu nem Casting vorbeikommen.
    James: Gute Idee. Auf zur Oesihütti. Oh nein, die Sonne scheint. Mir schwant Fürchterliches …

    Lieber Herr Ösi!
    John Ford wäre hellauf begeistert von Ihrem cineastischen Klangerlebnis. Und meine Kuhohren hören da erfreut eine ganz ausgezeichnete akustische Fata Morgana, während ich auf Ihrem Feldweg entlangschreite.
    Fast wären wir vor lauter filmen und auf den Boden schauen unterwegs zusammengestossen. Das hätte eine Kuhrambolage gegeben!
    Toll, dass jede Bloghütte so spannende Wege zu bieten hat. Demnächst müssten die drei Laienschauspieler der Alm vor Ihrer Hütte eintreffen, wenn sie nicht unterwegs wieder irgendwo im Nirvana gelandet sind und nur noch weiße Mäuse äh goldene Fische sehen. Ich erlaube mir, ihren Fußweg meiner virtuellen Bloghüttenlandkarte hinzuzufügen, dann ist ein abwechslungsreicher Ausflug immer garantiert.

    Herzliche Grüße und ein lautes Yippieh yeah vom Rio Malibu
    an den Rio Oesi
    Mallybeau Wayne Mauswohn 🙂

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    • Der Herr Ösi hat freilich gleich nachgeschaut, weil unsere beiden Videos sind ziemlich zeitgleich entstanden, das Motiv, die Musik, etcetera, eine verblüffende Ähnlichkeit. Zufall, dachte er.

      „Zufälle gibt es nicht“, sagt Schmauchende Pfeife, der Häuptling der Komantschen, pafft an der Pfeife, „verflixt“, die aber schon wieder aus.
      Auch kein Zufall oder doch, dass John, Joe und James auf ihrer Feldwegreinigung unverhofft beim Häuptling vorbeikommen und sein Zelt durch fegen. So ein durchschnittliches gepflegtes Indianerhäuptlingszelt sieht aus wie Sau, also unterdurchschnittlich. Die Herren fegen, was das Zeug hält.
      Schmauchende Pfeife: Seht ihr Tölpel nicht meine Squaw?
      John: Nein, wo?
      Schmauchende Pfeife: Jo, do.
      Joe: Ach, so.
      Die Squaw hatte sich in eine Bodenvase verwandelt. Indianerinnen können so was. War aber nicht das Problem. Blöd war, dass die Cowboys das Zelt mit dem Federschmuck des Häuptlings fegten. Und der hat für so einen Unsinn kein Verständnis.
      Schmauchende Pfeife: Goose feather from Old Germany. Jetzt hiniber. Ab an den Marterpfahl. Husch! Husch!
      Drei Minuten später.
      James: Damned hot, so nah am Feuer.
      John: Wären wir doch in Düsseldorf geblieben.
      Joe: Am liebsten würde ich dem Komantschen kräftig eine pantschen.
      Schmauchende Pfeife: Karl May habt ihr nicht dabei?
      James: Pffff…
      Die Konversation beginnt abzuflachen. Belangloses Marterpfahlgeplapper. Wir überspringen die nächsten 15 Stunden.
      Schmauchende Pfeife: Bodenvase, Adlernase, Luftblase zur Ekstase.
      Die Bodenvase verwandelt sich zurück zur Squaw.
      Schmauchende Pfeife: Meine Squaw, wie bin ich froh.
      Squaw: Zum Frühstück möcht‘ ich diese Herrn verzehren, denn sie können sich nicht wehren.
      James: Ich Brandblase.
      Joe: Ich Metastase.
      John: Ich Angsthase.
      Schmauchende Pfeife: Höre ich da etwa eine Unzufriedenheit aus ihrer Gesamtsituation heraus?
      Joe: Ach nö. Nie wieder putzen, wienern, scheuern, waschen, Feldwege justieren, Kutschen domestizieren, Sättel addieren, Unverdauliches zitieren, Karl May probieren, den oesiblog sanieren, die Bloghüttenalm dosieren …
      Warnung: Setzen Sie sich nie länger als maximal drei Stunden dem Marterpfahl aus, ansonsten besteht Halluzinationsgefahr, sprich eine Fata Morgana, man brabbelt dummes Zeug. Mister Schmauchende Pfeife wäre kein Häuptling sondern bloß eine Pfeife, hätte er Bloghüttenalm und oesiblog nicht aus dem Schmarren herausgehört. Hat er aber. Weil er ein Häuptling ist. Und die drei Herren auf der Stelle freigelassen. Die Squaw, die sich auf das Frühstück freute, hat noch kurz protestiert und ward auf der Stelle in eine Bodenvase zurückverwandelt.
      Schmauchende Pfeife: Beim Manitu, ich wünsch euch was …
      Die drei Cowboys reiten gleich hinter den Tannen von dannen.
      James: Ahoi, Häuptling Schlauchende Pfeife.
      Tja, wie gesagt, Fata Morgana. So was hält an.

      Werte Frau Wayne Mallybeau,
      wie ich sehe, haben Sie das Open Air Kino schon vorbereitet, die Plakate bravourös gedruckt. Sieht sehr gemütlich aus. Die Rinder scharren bereits ungeduldig mit den Hufen und warten auf die Höhepunkte der cineastischen Saison. Mit unseren Beiträgen kann der Sommer beginnen … 🙂

      Herzlichst
      Herr Ösi
      (Now run the films)

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    • Grandios, großer Häuptling Ösi!
      Ein wenig Gedanken mache ich mir jetzt allerdings um meine Vasen und mein Küchengeschirr. Nun überkommt mich doch eine seltsame Ahnung, dass es sich hierbei um einen transformierten Indianerstamm handeln könnte. Die regelmäßigen Gesänge und Schreie aus der Küche kamen mir schon immer etwas mysteriös vor. Da wird mir so einiges klar! 🙂 Karl May goes kitchen …
      Ich freue mich schon auf den nächsten Ösi-Sommerkino-Beitrag … das Popcorn brutzelt bereits in der Pfanne! 🙂
      Übrigens, ich hätte Ihrem Beitrag selbstverständlich auch jede Menge Sterne gegeben, allerdings hatte ich nicht so viele zur Hand, wie die Komposition verdient hätte. Aber Sie sind ja höchstselbst ein Star! 🐂🐂🐂

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    • Danke schön,
      Ja, das Betäubungsmittelgesetz greift in so einem Fall, jedoch bloß für die Betrachter.
      Das Herstellen selbst ist noch erlaubt, solange man das finale Resultat nicht guckt … 🙂

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    • Vielen Dank.
      Das Komponieren der Musik war am aufwendigsten. Beim Drehen und beim Schneiden habe ich mittlerweile etwas Routine. Die Goldfische hatte ich schon vor ein paar Monaten „auf Vorrat“ „gedreht“ … 🙂

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  3. Boah! Hammer! Und plötzlich packte mich unbändige Lust, meine Gitarre zu entstauben und mitzuspielen. Nicht nur musikalisch ein Ohrwurm, auch optisch lohnt es sich mal wieder, keine Sekunde zu verpassen … Kompliment, Herr Ösi, als ob das noch ginge, und aus Ehrfurchtsgründen wechsle ich zum Sie, also Sie, Herr Ösi, schaffen es doch tatsächlich, dass ich meiner Bewunderungsskala noch ein paar Stricherl draufsetzen muss, denn DAS sprengt alles. So.

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    • Danke! Danke!
      Wusste nicht, dass du Gitarre spielst. Na, wenn das kein Vorwand ist, wieder musikalisch tätig zu werden. Bitte keine Ehrfurcht. Ich habe leider nie ein Instrument erlernt, wäre dazu auch zu tollpatschig gewesen. Die heutige Technik hat den Vorteil, dass man keine Fingerfertigkeit braucht, dass man die Resultate speichern, ändern und beliebig viele Instrumente spielen kann.
      Heute habe ich gelesen, die Software ist bald so weit, dass sie eigenständig komponieren kann. Dann wären auch die „Computer Komponisten“ unnötig. Aber wo bleibt dann der Spaß?

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  4. Apropos „die kleinen technischen Helferchen“: das Dingen da, das du gebastelt hast um das graphodinische „chchch“ zu erläutern, ist ja auch sehr hübsch.
    Und ansonsten, trotz aller Helferchen, ein wenig geraucht haben muss man aber, glaube ich, dann doch schon, um auf entsprechend eigenwillige Ideen zwecks Ausschöpfung der neuen technischen Möglichkeiten zu kommen.
    Chchch

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    • Beim Verfassen von Texten habe ich hin und wieder Ladehemmungen, die sich durch das Rauchen einer Camel meist beheben lassen. Für die „technischen Spielereien“ brauche ich zum Glück keine Stimulanzien, gönne mir aber danach, egal ob sie gut geworden sind oder nicht, ein Gläschen Wein … 🙂

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  5. So ähnlich geht’s mir auch: Wenn ich etwas zu Papier, ne, zu …, na …, naja, du weißt schon, zu Dingen bringen will, und ich weiß nicht wie, dann verbrauche ich schon mal nicht nur ein Zigarettchen, aber mit einem Gläschen Wein vor nicht nach dem Blogeintrag flutscht es gern mal wie von selbst, da bin ich dann wahrscheinlich skrupellos enthemmt.
    Na schau’n wir mal, bis neulich.

    🙂

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  6. Pingback: Sommer-Si-n`est-ma: „Atemlos“ – Wiedergekäutes von der BLOGHÜTTENALM

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