Flohrellen Quintett

In unserer heutigen Musikausgabe, liebe Leserinnen und Leser, die Sie in der vorliegenden  Ausgabe mehr Hörerinnen und Hörer sein werden als Leserinnen und Leser, in dieser unserer aktuellen Musiksendung beschäftigen wir uns mit der wenig bekannten Spezies der Salmo trutta siphonaptera.

Ein großartig bescheuerter Name für ein zierliches kleines  Tierchen, finden Sie nicht, das nur die wenigsten Lateiner jemals zu Gesicht bekamen … aber klar, ein Name musste her, bevor das Ding wieder abtauchte. Und trotzdem eine Meisterleistung.
Sie stehen also mit bloßen Füßen, weil diese grasig-grausig-grünen Gummistiefel hatten die damals noch nicht, Sie stehen also barfuß-barbeinig, meinetwegen auch breitbeinig, in einem saukalten Gebirgsbach oberhalb von 1800 Metern Höhe, Sie müssen sich vorstellen, die Strömung zerrt an Ihren Wadeln, sodass  Sie nicht wissen, ist es  die Strömung oder ist es die Kälte, die Ihnen im Augenblick mehr zu schaffen macht, und während Sie so da stehen und nachdenken, welche Pein wohl die größere ist, taucht sie aus dem Wasser auf und gleich wieder ab. Die Salmo Trutta Siphonaptera.

Jetzt haben Sie ein ziemlich großes Problem. Einerseits, um Himmels Willen, nur nicht die Balance verlieren, weil eh klar, was dann passiert, andererseits sollten Sie dem Tierchen, das mit Sicherheit noch kein Schwein vor Ihnen jemals zu Gesicht bekam, einen wenn möglich sinnvollen Namen verpassen … bevor es ein anderer tut. Sie entscheiden sich für Salmo Trutta Siphonaptera … und … bravo, dazu kann man Ihnen nur gratulieren.  Wie Sie alles in Sekundenbruchteilen erfasst haben oder war es einfach ein oder das Bauchgefühl oder der rasende Gebirgsbach, das Rauschen, das Tosen der Elemente oder sonst was, das Sie zu dieser Namensgebung veranlasst hat. Ist auch nebensächlich. Die Salmo Trutta Siphonaptera ist schlicht und ergreifend eine geglückte Kreuzung zwischen einer Forelle und einem Floh – gewissermaßen und sozusagen eine Flohrelle.

„Una salmo trutta siphonaptera“, sagte der Lateiner wie aus der Pistole geschossen, ständig wiederholend, damit er es ja nicht vergaß, „una salmo trutta siphonaptera“, er musste ja zuvor unbeschädigt aus diesem verdammten Gebirgsbach steigen, die Füße abtrocknen und so weiter, wie es die Lateiner zwingend tun, sobald sie aus dem eiskaltem Wasser steigen, „una salmo trutta siphonaptera“, wo ist nur das Notizbüchlein?, wo? wo? wo?, e-n-d-l-i-c-h, da ist es unter der achtlos hingeworfenen Tunika, Notizbüchlein gezückt und eiligst notiert. Dummerweise vergaß er, den eigenen Namen unter seine Entdeckung sowie unter die langatmige Beschreibung der ersten jemals gesichteten Flohrelle zu setzen, ansonsten wäre er heute berühmt.

Die Flohrelle, so selten sie auch anzutreffen ist, hat zweifellos eine Hommage verdient.

Herr Ösi greift – weil naheliegend – auf ungefähre Motive aus Franz Schuberts bekanntem Forellenquintett zurück und transplantiert das Werk unter der größtmöglichen Behutsamkeit, die man dem Franzl nur angedeihen lassen kann, als Flohrellenquintett in die gegenwärtige Neuzeit hinüber. „Auf die lebensechte Darstellung der quirligsten Eleganz einer Gebirgs-Forelle gepaart mit der Sprung- und Launenhaftigkeit des hundsgemeinen Flohs unter strenger Einhaltung einer quasi mystischen Minimalistik wurde das ganz besondere Augenmerk gelegt“, schreibt das Rolling Stone Magazin wie gewohnt sperrig.

Ahoi und viel Vergnügen …

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7 Gedanken zu “Flohrellen Quintett

  1. Wir schreiben den 12ten Dezember. Heute jährt sich der 100ste Jahrestag der chinesisch-japanischen Flohrellengulaschtradition. Ein Brauch, der mit einem großen Festakt an den Stränden Fukushimas celebriert wird.
    Vor einiger Zeit bot die Stadtverwaltung die dortigen Grundstücke zu überraschend erschwinglichen Preisen an, so dass der Großunternehmer Ösi Ösimoto umgehend zuschlug, und sich den Landstrich unter die Nägel riss. Ratsch. Und mit diesen seinen Händen baute er im Handumdrehen ein Wohlfühlareal an die Küste, das bereits für den Architekturpreis „Wuppertal ehrt die Welt“ vorgesehen ist.
    Und hier nun findet heute das große Flohrellenfestessen statt. Mit Wein, Weib und Gesang. Die hessische A-Capella-Gruppe „A Tröpfsche fürs Köpfsche“ besingt die Gäste mit auserlesenem Liedgut, während Herr Ösimoto höchstpersönlich hinter seiner Gulaschkanone steht und seine Flohrellen durch die braune Brühe scheucht. In 92ster Generation führt er das Familienunternehmen erfolgreich weiter. So lange werden bereits in großen Bambuströgen nach einem afrikanischen Geheimrezept die Flohrellen aufgezogen, während Herr Heinrich aus Deutschland sein weltbekanntes Gulasch per Drohne dazu einfliegen lässt. Die Flohrellen werden, wenn sie ca. 33 Jahre alt sind, in die Fleischbrühe gegeben und unter Zusatz nicht bekannter Substanzen unter mehrtägigem Rühren zu einem edlen Deluxe-Gourmet-Gericht verwandelt.
    So stand nun Herr Ösimoto bei seinen Flohrellen, die Kapelle sang, die Damen leerten die Weinflaschen, … es schien ein vergnügter Abend zu werden. Bis plötzlich aus heiterem Himmel ein Tsunami über die heitere Gesellschaft hinwegschwappte, was zu leichten Irritationen führte. Doch da man in diesen Gegenden auf derlei Wetterbedingungen eingestellt ist, hielt sich der Schaden in Grenzen. Die komplette Architektur des Wohlfühlareals war aus extrem biegsamen Bambusstangen gefertigt, die den starken Wellen des Meeres problemlos nachgaben und so kein Fundament aus der Verankerung gerissen wurde.
    Die hessischen Sänger nahmen es mit Humor und sangen zu den Aufräumarbeiten „Eine Seefahrt die ist lustig, eine Seefahrt die ist schön“. Die Damen waren so betrunken, dass sie ohnehin schon vor dem Wellengang reichlich ins Schunkeln geraten waren und den Unterschied gar nicht wahr nahmen. Nur der werte Ösi Ösimoto stand vor seiner Gulaschkanone und starrte verzweifelt in seinen großen Kochtopf. Er konnte die Flohrellen nicht finden. Waren sie etwa von der Druckwelle aufs offene Meer gespült worden? Der Großunternehmer konnte es nicht glauben, griff mit seinen Händen in das immer noch warme Gulasch und rief verzweifelt: „Wo ist meine Flohrelle? Wo ist meine Flohrelle?“
    Unermüdlich wühlte er in dem fettigen Fleisch und hört nicht auf zu rufen. Dies nahmen nach einiger Zeit die fröhlichen Hessen wahr, griffen zu ihren etwas ramponierten Instrumenten und ließen ulkige Töne zu Herrn Ösimotos Hilferufen erklingen. Dies groovte sich im Laufe des Abends immer mehr ein, die festliche Gesellschaft hatte sich mittlerweile von den Tsunamiwellen erholt und fand Gefallen an diesen neuen Rhythmen.
    So hatten alle Gäste noch ihren Spaß, die hessischen Musiker landeten einen Nummer-1-Hit mit „Wo ist meine Flohrelle“ und der Architekturpreis aus Wuppertal wurde ebenfalls eingeheimst. Lediglich Herr Ösimoto gräbt noch immer fassungslos in seinem Gulasch nach den verloren gegangenen Lieblingen. Ob er sie wohl wiederfinden wird? 🙂

    Lieber Herr Ösi!
    Rasch das Notizbüchlein gezückt, die Trompete zur Hand genommen und in die Welt hinausposaunt: Herr Ösi hat der Flohrelle nicht nur einen Namen, sondern endlich auch den richtigen Klang verliehen. Da kann der Stone rollen so viel er will, während Ihre Salmo Trutta Siphonaptera unermüdlich durchs Gulasch wabert und die Charts stürmt. Ein grandioser Hit, mit dem Sie einmal mehr Ihre musikalischen Fähigkeiten genau in die Wunden legen, die es noch gar nicht gibt und dem unterbelichteten Zeitgeist erneut um Längen voraus sind.
    „Das Flohrellen-Quintett“ – ein Hit, der mit seinen harmonisch anmutenden Quetsch- und Klimperklängen genau in die Weihnachtszeit passt und mit Sicherheit an Heilig Abend im Kreise der Familie mit Inbrunst besungen wird!
    Ich gratuliere zu diesem kulinarisch-animalisch-akustischen Meisterwerk, greife zur Ösipfanne und … nanu, wo ist denn meine Flohrelle? 🙂

    Mit den herzlichsten Grüßen vom zugefrorenen Almbach
    Mallybeau … wer holt denn jetzt die Kuh vom Eis? 🙂

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    • Liebe Frau Mallybeau,

      vielen herzlichen Dank für das dicke Lob.
      Gleich als sie draußen war bei der Tür, die Frau Saftschubse, habe ich mir den bunten Kimono übergeworfen und bin ans Kompostieren gegangen. Oder fast. Denn für die richtigen Klänge beim Flohrellen Quintett benötigt man zu allererst mindestens eine formschöne Flohrelle. Besser aber mehrere.

      Rezept:
      Flohrelle kleingehackt
      das Hattori Hanzo Schwert ausgepackt
      die Flohrelle hat’s gewittert
      einmal kurz gezittert
      schon war sie verschwunden
      ich hab’s … naja … überwunden
      zu Ende war die kurze Hatz
      also brauchte ich Ersatz
      gesucht hab ich in Fukushima
      in Peru und auch in Lima
      kurz: fast an einem jeden Ort
      ich fuhr hin und suchte dort
      alles was ich suchend fand
      war ziemlich wertlos, wahrer Tand
      schließlich, wirklich hintergründig
      wurde ich dann endlich fündig

      Weshalb ich beim anschließenden Kompostieren besonders unter Zeitdruck stand. Drei Minuten zweiundvierzig, dann war die Saftschubsige Mittagspause zu Ende. Die Kettensäge suchte ich vergeblich. Wahrscheinlich hatte sie sie mitgenommen und freute sich bereits auf die vielen überflüssigen Tonköpfe, die es, ihrer Einschätzung nach, abzusägen galt.
      Krachend splitterte, man muss fast sagen: splatterte die Tür. Im Rahmen die Saftschube. Sie und ihre erhobene Kättensäge knatterten bedrohlich. Zum Glück hatte ich das Werk bereits ins Internet hochgeladen …

      Herzliche adventarische Grüße 🙂
      Herr Ösi
      (Saftschubse: Und dass Sie mir ja nicht glauben, ich würde Ihr Internet nicht finden, Herr Ösi!)

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    • Ich stelle fest, die werte Frau Saftschubse ist selbst in der besinnlichen Adventszeit kein bißchen leise. Ganz im Gegenteil, scharf wie eh und je. Wie gut, dass Sie vorsichtshalber eine dicke Schicht Eis über Ihr Quintett gelegt haben, so dass das Sägen wohl etwas Mühe bereiten dürfte. Aber wie ich Ihre Gehilfin kenne, wird sie auch das nicht schrecken.
      Wenn ich es mir recht überlege, erinnert sie mich ein wenig an den unkaputtbaren „Beisser“ aus den James-Bond-Filmen, der ja auch mühelos jeden Ringkampf mit einem Hai gewinnt oder unbeschadet einen Sturz ohne Fallschirm aus einem Flugzeug überlebt. Ihre Frau Saftschubse hat Starqualitäten! Und Sie als Agent 00Ösi, ich wittere einen neuen Filmklassiker.
      … auf was man so alles kommt, wenn man sich das vergnügliche Flohrellenquintett zu Gemüte führt 🙂
      PS: Ist Ihre Frau Saftschubse nicht die ideale Weihnachstbaumabsägerin?

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  2. Lieber Herr Ösi,
    ich habe spontan auf „gefällt mir“ geklickt und möchte das auch nicht zurücknehmen, da Sie mir ausgesprochen sympathisch sind!

    Aber dieser Film gefällt mir gar nicht!

    Ich will Ihnen auch gerne erklären, warum er MIR nicht gefällt.
    Ich verstehe nichts von Kunst, Musik, Literatur, Lyrik, Malerei, Technik, Naturwissenschaften, Politik, Handwerk, Rechtschreibung, Medizin und ich bin auch im Grunde meines Herzens sehr humorlos.
    Das erklärt eventuell, dass ich bestimmte Details im Film übersehen habe, die mich zu einer Erkenntnis führen könnten, die hinter meinem Tellerrand liegt. Oder noch weiter weg?!

    Aber ich bin ein korrekter Mensch, der alles glaubt, was ihm glaubwürdige Menschen sagen. (Meine Frau meint manchmal, ich sei naiv, aber ich gehe eben immer davon aus, dass alle Menschen jederzeit die Wahrheit sagen.)
    Nun fragt diese Stimme im Film mehrfach: „Wo ist meine Flohrelle?“ Um diese Frage zu untermauern, fügt sie noch an: „Wo ist sie denn?“ Es hat mich schon stutzig gemacht, dass der Flohrellenbesitzer diese Frage auch mit verstellter Stimme immer wieder stellt, nur um zu demonstrieren, er suche wirklich seine Flohrelle. Als ob ihm jemand vorgeworfen hätte, er würde sich nicht ausreichend und fürsorglich um seine Flohrelle kümmern. Deshalb tut er nun so, als ob er verzweifelt seine Flohrelle sucht und andere Personen ihm dabei helfen.

    Das zweite Mal habe ich gestutzt, dass er seine Flohrelle nicht beim Namen ruft. So unpersönlich geht sonst niemand mit seiner Flohrelle um! Hat er ihr vielleicht nicht einmal einen Namen gegeben, weil er gleich gedacht hat, das lohnt sich nicht? Die haut sowieso bald ab?

    Wenn es bei ihm nicht einmal eine Flohrelle aushält, wie geht er dann mit andern Lebewesen oder gar Menschen um? Hier an dieser Stelle kroch eine gewisse Angst meinen Rücken hoch.

    Aber all diese Gedanken haben nicht dazu beigetragen, dass ich vorschnell ein Urteil gefällt habe. Schließlich bin ich geduldig, tolerant und lernwillig wenn auch noch sehr unwissend!

    Aber trotz meiner Unwissenheit habe ich den riesigen, unübersehbaren Widerspruch entdeckt, der mir die Unglaubwürdigkeit des Flohrellenbesitzers mit brachialer Heftigkeit vor Augen geführt hat!!!!

    Die Flohrelle schwimmt die ganze Zeit deutlich sichtbar durch das Bild – also nicht nur durch das Bild, sondern auch durch das im Bild sichtbare Wasser! Ich habe sie SELBST gesehen! Die ganze Zeit!

    Wie kann also jemand behaupten, seine Flohrelle zu suchen, wenn sie fortwährend vor seiner Nase herumschwimmt?

    Entweder weiß er gar nicht, wie seine Flohrelle aussieht, oder er straft sie aus einem mir nicht bekannten Grunde mit Nichtachtung. In beiden Fällen habe ich kein Verständnis dafür! Pfui! und nochmals Pfui! SO springt man NICHT mit seiner Flohrelle um!

    Gruß Heinrich

    Gefällt 2 Personen

    • Lieber Herr Heinrich,

      Sie haben natürlich völlig Recht. Auch wenn ich jetzt sagen könnte, „Moment, hier geht es um eine Hommage an die Flohrelle“, so sind doch, und da bin ich ganz bei Ihnen, Zwischenrufe wie „Wo ist meine Flohrelle und dergleichen“ ziemlich, um nicht zu sagen völlig, unpassend und überflüssig. Ein jedes Flohrellen Quintett müsste oder muss so angelegt sein, dass die Hauptperson, in unserem Fall die Flohrelle, die ja gar keine Person ist, aber egal, dass also die Flohrelle zentral im Fokus steht und nicht ihr Halter. Andererseits wären auch mehrere unterschiedliche Aufführungsvarianten möglich.

      Varianten für das Flohrellen Quintett:
      1. Ohne Zwischenrufe (für feingeistige Genießer)
      2. So wie es jetzt ist (für Ignoranten)
      3. Ohne Musik (für Musikliebhaber)
      4. Ohne Musik und ohne Zwischenrufe (für Puristen)
      5. Ohne Bild (für Ästheten)
      6. Ohne Bild ohne Musik nur mit Zwischenrufen (für Wahnsinnige)

      Ich bin mir sicher, in dieser ersten, schnellen Analyse nicht alle denkbaren Möglichkeiten aufgezeigt zu haben, die es erlauben, das Werk für die unterschiedlichsten Geschmacksrichtungen aufzubereiten und somit das Einsatzgebiet weit über die Grenzen aller Grenzen hinaus dem allerbreitesten Publikum zuzuführen. Ebenso könnte die Lautstärke sowie der Farbkontrast zwischen London und Peking jeweils den ortsüblichen Gepflogenheiten angepasst werden.

      Ein weiteres, lohnendes Projekt wäre, sich näher mit dem Flohrellen-Halter und seiner ramponierten Persönlichkeit auseinanderzusetzen. Dann kommen wir vom Hundertsten ins Tausendste …

      Gruß
      Herr Ösi
      (Frau Saftschubse, ich glaube, Weihnachten fällt diesmal aus …)

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