Herr Ösi checkt den Sound

Das Problem ist immer das selbe. Oder sagt man das gleiche? Egal. Angenommen du gehst in ein Konzert. Du gehst hinein und wartest. Bevor das Konzert beginnt, musst du warten. Ohne Warten geht es nicht. Zumindest nicht im Konzert. Oder du kommst zu spät. Platzt mitten in die Vorstellung hinein. Aber davon ist heute nicht die Rede. Heute bist du pünktlich. Nimmst Platz oder bleibst stehen. Je nachdem. Die Musiker im Orchestergraben oder auf der Bühne – je nachdem – stimmen ihre Instrumente. Das dauert. Bevor sie nicht ihre Instrumente justiert haben, geht es nicht los. Kann es nicht losgehen. Macht nix. Du hast ja bezahlt. Die Wartezeit, bevor die Musik losgeht, losgehen kann, ist im Konzertpreis inbegriffen. Sie steht dir zu. Außer… du kommst zu spät. Dann gibt es klarerweise keine Wartezeit, wenn die Musik bereits im vollen Gange. Dann, dies sollte dir klar sein, dann müsste man dir einen Preisnachlass gewähren. Eigentlich. Und gerechterweise. Wenn du zu spät kommst. Weil die Wartezeit, die dir vom Gesetz her zusteht, hättest du durch dein Zuspätkommen ja verpasst. Aber wie gesagt, heute nicht. Heute bist du pünktlich. Die Musiker, wo immer sie sich befinden, oben oder unten, stimmen ihre Instrumente. Und jetzt –
Problem. Großes Problem! Das Wirrwarr der Stimmen. Die Leute plaudern. Ungeniert. In voller Lautstärke. Plärren was das Zeug hält. Erzählen sich den größten Stuss. Unten im Orchestergraben geigen derweilen die ersten Geiger. Celliern stimmend die Cellisten. Bratscherln fiedelblogendschwingend die Bratschisten. Das Publikum nimmt davon keine Notiz. Es ist mit sich selbst beschäftigt. Auf der Bühne lässt der Gitarrist sein Instrument krachen, drischt der Drummer auf die Trommeln ein. Der Sänger sagt Eins, Zwei, Eins, Zwei, Eins, Zwei ins Mikrofon hinein. Niemand außer dir scheint zu checken, dass gerade der Soundcheck läuft. Hey! Ruhe im Saal! würdest du am liebsten brüllen. Die Ignoranten um dich ignorieren dein virtuelles Brüllen. Ein gekonntes Gitarrenriff lässt den Saal erzittern. Wahnsinn! Diese Präsenz, dieses Aufjaulen der Gitarre hörst du später, wenn der Soundcheck beendet ist, nie nie wieder. Deshalb ist der Soundcheck der eigentliche Höhepunkt eines jeden Konzerts. Was nach dem Soundcheck kommt, kannst du getrost vergessen, ist einfach weichgespülte Musik. Zwar harmonisch abgerundet. Aber schmerzhaft für jedes Kennerohr. Die Musik ist langweilig und entsetzlich. Kurz: entsetzlich langweilig.
Mal Hand aufs Herz: Wir verachten diese Musik. Diese Musik ohne Ecken ohne Kanten, diese perfekten, harmonisch niedergebügelten Töne, diese sanften Übergänge der Melodien. In Wirklichkeit warten wir auf den Schnitzer eines Musikanten, hoffen, er möge sich „verspielen“, warten auf die schrägen, auf die falschen Töne. Doch die Musiker erfüllen uns unsere Wüsche nicht. Jahrzehntelang wurden sie ausgebildet, geschult, gequält, domptiert und manipuliert, nur ja keinen falschen Ton zu erzeugen. Man bedroht sie mit dem Rauswurf aus dem Orchester, aus der Band, sollten sie sich erdreisten, einen nicht genehmigten, einen falschen Ton ihrem Instrument zu entlocken. Sich nur keinen musikalischen Furz erlauben, wie es in der Fachsprache heißt. Die einzige Freude, die den Musikern in ihrem jämmerlichen Dasein bleibt, ist der Soundcheck. Hier dürfen sie… dürfen sein, wie sie sind. Dürfen nach Belieben furzen. Hier blühen sie tatsächlich auf. Zeigen, was in ihnen steckt, zeigen Spielfreude und Individualität… bis, nun ja, bis das Konzert beginnt. Mit dem Konzertbeginn verabschiedet sich jegliche Kreativität.

Herr Ösi und seine virtuelle Band The Ösettes haben diese Jahrhundert alte Diskrepanz zwischen dem Soundcheck und dem nachfolgenden Konzert erkannt. Mit dem Mini-Album „Soundcheck“ veröffentlichen sie nun Essenzielles, das, worauf es ankommt…

24 Gedanken zu “Herr Ösi checkt den Sound

  1. Hallo Ösi, ich sage immer: „Das ist doch das selbgleiche“ Wenn ich mal besonders gut gelaunt bin, drehe ich es um und sage: „Na, wenn du das gleichselbe meinst wie ich, dann …“
    Ich kann das nämlich auch nicht auseinanderhalten – und lerne das JETZT auch nicht mehr.
    Für das Video habe ich jetzt keine Zeit, ich muss gleich weg!
    Und tschüss!

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    • Was Hänschen nicht lernt…
      Man muss nicht immer alles kennen können wollen, sag ich immer. Für manchen Scheiß ist man eben zu alt. Das muss man akzeptieren. Wir belasten unsere Hirne nicht mit unwichtigem Zeugs. Da kommt nur Wesentliches hinein, das zuvor geprüft und als speichernswert empfunden wurde. Das ganze Internet ist vollgestopft mit Unsinn. Wie Leuchttürme ragen da unsere Blogs aus der Masse hervor… 😉

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    • Nein, nein, da wollen meine Ösettes und meine Wenigkeit gar nicht hin.
      Es gibt Dinge, die lehnt man dankend ab. Beispiel: das Bundesverdienstkreuz. Wenn ich mir so anschaue, wer es bekommen hat oder vorgeschlagen wurde, dann bin ich stolz darauf, dafür gar nicht in Frage zu kommen…

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    • Lieber Herr Heinrich,
      Zum Sound: meine angeborene Bescheidenheit würde jetzt von mir verlangen, Ihnen zu Widersprechen. Andererseits, ich habe den Song bei der Entstehung und natürlich beim vielfachen Ändern so oft gehört, dass er mir regelrecht ans Herz gewachsen ist… 😉
      Zum Video: Da war nichts zu machen. So sehr ich auf die Ösettes einwirkte, sie wollten partout nicht ins Rampenlicht treten. Irgendwie befürchte ich, sie sind noch scheuer als ich…
      Gruß
      Herr Ösi

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    • Ich stemme mich mit sehr großem Erfolg gegen den Kommerz. Täglich warte ich auf den Anruf einer Plattenfirma, die mein Talent (endlich) entdeckt. Es ruft und ruft aber niemand an. So kann man sich auch gegen die unerwünschte Kommerzialisierung und Vermarktung seiner Person wehren… 😉

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  2. nur mal am rande ne frage herr ösi
    achso hallo die bella 🙂 hier
    ich kenn mich ja mit konzert nich so aus
    und warten
    ja is ehh nich meins
    ach die frage ja
    ööhm kommen denn jetzt nur die musiker die schlecht spielen in den graben ?
    und kann / darf man die denn jagen ?
    ohh sorry das waren ja schon zwei fragen 😦
    was passiert eigentlich im konzert
    wenn der der die erste geige spielt die “ arschgeige “ so spielen läßt ?
    wird denn der saal geräumt ?
    oder schaut man nur etwas pikiert ( not amused ) und schnuppert diese nebulösen schwaden
    mit nem lächeln auf den lippen wech ?
    okEI okEI ich hör ja schon auf mit fragen
    aber eine hab ich noch
    ja und da isse schon ( ja ich weiß ich bin heut wieder richtig neugierig )
    also kannst du nen satz bilden mit
    konzert und feldmütze ?
    gruß bella 🙂

    p.s. : gut die letzte frage sufflier ich dir oder wie das heißt
    also
    kon
    zerrt seine frau übern steg
    und fällt mitse :))) :))) :)))

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    • Jetzt bin ich baff!
      liebe Bella
      über deine blitzgescheiten Fragen
      die ich mir sooo
      noch nie gestellt habe:
      „Kommen die schlechten Musiker in den Graben?“
      nun
      gerecht wäre es allemal
      ABER
      in Wirklichkeit
      kommen die guten
      die besten Musiker
      bei Opern
      in den Graben
      äh… hinunter
      weil man die Bühne
      für den Firlefanz benötigt
      den man zur Musik zeigt
      WÄHREND
      die schlechten
      die lauten Musiker
      bei Rock Konzerten
      auf der Bühne
      toben dürfen
      und der Firlefanz
      meist als Video
      eingeblendet wird…
      Die Arschgeigen
      liebe Bella
      die sitzen weder im Graben
      noch spielen sie oben auf der Bühne
      die Arschgeigen
      sitzen im Publikum
      und haben (meist)
      für die Vorstellung
      nix bezahlen müssen
      WEIL
      die Politiker
      für Konzerte
      in der Regel
      Freikarten bekommen
      und von Wirtschaftsbossen
      (mit denen sie dieselbe Geige spielen)
      eingeladen werden
      wenn du genau hin schnupperst
      stinkt es außerhalb des Saales
      stärker als innen drinnen
      weil Arschgeigenmusik
      die Gewohnheit hat
      sich übers ganze Land zu legen
      Gruß
      Herr Ösi

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  3. Pingback: Sounds for the next century | Ösiblog

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