Der Berg ruft

System Error

Jeder, der jetzt bei SYSTEM ERROR eine System-Kritik erwartet, den muss ich enttäuschen. Obwohl! Angebracht wäre sie schon, die System-Kritik. Vielleicht beim nächsten Mal. Ich merk‘ sie mir vor. Heute sind wir im Reich der Musik. Mal wieder. Musik bereitet in der Regel Freude. Also, meist dann, wenn wir nicht über die Oper sprechen. Obwohl! Das ist nun das zweite… äh pardon, das dritte Obwohl! in kürzester Zeit und natürlich gibt es den geneigten Opernfreund, den, der die Klassische Musik zu schätzen weiß, wie Herr Ösi (opernmäßig eher banausenhaft drauf), der, hört er Mozarts Zauberflöte, die einzige Oper übrigens, die er kennt und liebt, aber hey, die kennt er so gut, sprich aus dem Effeff, dass er den Papageno („Der Vogelfänger bin ich ja, stets lustig, heißa hoppsassa!), den er besonders mag, den Papageno, und den er bei seinen Liedchen derart kräftig unterstützt, dass du glaubst, der Ösi singt den ganzen lieben Tag nix anderes als Arien. Die Oper ist praktisch die einzige Musikrichtung, wo ein, kommen wir auf den Punkt, ein System Error unvorstellbar ist. Das ist erstaunlich. Ich spreche klarerweise von der Oper in der Oper. Die Oper in der Oper ist sozusagen System Error free. Nicht so die Oper zu Hause, die vom Plattenspieler oder vom Dingens dudelt. Nein, die nicht. Im trauten Heim ist jederzeit ein System Error möglich und, wenn ich mir’s recht überlege, dann ist er sogar ziemlich wahrscheinlich. Er tritt ein, wenn du ihn am wenigsten erwartest. Das ist das Verteufelte. Du wartest sehnsüchtig auf die Königen der Nacht – um Missverständnissen zuvorzukommen, wir sind immer noch in der Zauberflöte – und plötzlich ist er da, der System Error, bevor sie, die Königin der Nacht, zur Koloratur, was freilich nix Unanständiges ist, obwohl, ein bisschen klingen tut es schon danach, bevor sie zur Koloratur ansetzen kann. Statt der erwarteten Koloratur folgt ein veritabler System Error. Wär‘ dir in der Oper nicht passiert. Zu Hause aber sind dem System Error Tür und Tor geöffnet. Zu Hause fühlt er sich wohl. Weshalb viele in die Oper gehen, um den heimischen System Error zu entkommen. „Schatzi, heute bleibt die Küche kalt, wir gehen in den Wienerwa… äh in die Oper.“ Die Oper ist logischerweise System Error free, jedoch keineswegs Error free, wenn du weißt, was ich meine. Ich berichtete kürzlich darüber. Nun gut. Kommen wir zur Sache.
Der System Error ist, sagen wir mal… stromgebunden. Klar. Gerade in der elektronischen Musik ist er mitunter unvermeidlich, gehört quasi zum guten Ton. Weshalb Herr Ösi seinen neuen Song System Error nennt. In Zeiten wie diesen, wo Tanzmöglichkeiten Mangelware, bringt er dir die Mucke samt super prima Laune, die du jetzt am meisten brauchst, in die gute Stube hinein und ist dabei extrem tanzbar. Allein. Zu zweit. Zu dritt. Wie auch immer. Ein bisschen Latin Jazz, Soul, eine Prise Industrial, jener heiße Scheiß, für den wir eigentlich zu alt sind, wo wir denken, wir stehen inmitten einer Fabrikhalle, umgeben von maschinellem Gedöns-Gedrönhs, aber pssst, pssst, hör selbst… 😉

Frau Saftschubse blödelt

The bathroom incident

Alter Schwede! Der Herr Ösi macht sich das Leben leicht. Er gehört zu jener Sorte Männer, die den Weg des geringsten Widerstandes wählen. Er knallt mir ein Manuskript auf den Tisch und brummt: Abtippen! Mit dem neuen Editor kommt er nicht zurecht. Geistig gehört er weder zu den Fittesten noch zu den Flexibelsten. Gut, in seinem Alter ist das irgendwie verständlich. Ich habe den nachfolgenden Text für ihn abgetippt. Jetzt werden Sie sich fragen, was tut er eigentlich? Mein Chef kümmert sich, seinen Aussagen zufolge, verstärkt um die Ösi-Group. Als da wären… die Musik, der Ösi-Film und die Android Apps. Ach ja, hin und wieder ein Text und das Gereimsel, das er Lyrik nennt. Ich bin also künftig für das Handgreifliche zuständig. War ich das nicht schon immer?
Herzlichst
Ihre
Silvia Saftschubse

In der Ösi-Redaktion. Ziemlich früh am Morgen. Ein Reporter von BILD vor Ort.
BILD: Sie sagen also, der Vorfall hätte sich im Badezimmer ereignet.
Herr Ösi: Yep!
BILD: Auf den weißen Fliesen?
Herr Ösi: So wahr ich hier stehe.
BILD: Sie müssen sich nicht rechtfertigen. Nicht vor mir. Ich bin kein Richter. Ich urteile und verurteile nicht. Bin bloß Reporter. Gut, früher war ich Chefredakteur, DER Chefredakteur von BILD, müssen sie wissen. Das war früher. Vor dem Niedergang. Verstehen sie?
Herr Ösi: Verstehe.
BILD: Jetzt bin ich Reporter. Ein einfacher Reporter. Nicht mehr und nicht weniger. Ja, ja, so kann es einem ergehen, wenn es nicht gut geht. Uns geht es nicht gut. Das Blatt verkauft sich schlecht. Seit Jahren verkauft es sich schlecht. Um nicht zu sagen… es verkauft sich hundsmiserabel.
Herr Ösi: Hab davon gehört.
BILD: Am Journalismus selbst kann es nicht liegen. Da spielen wir nach wie vor in der ersten Liga. Wir messen uns mit den Besten.
Herr Ösi: Wirklich?
BILD: Was haben sie gedacht? Egal. Diese Degradation… Man hat mich abgesägt. Verstehen sie? Man hat mich eiskalt abgesägt. Vom Chefredakteur zum unbedeutenden Reporter heruntergeschraubt. Glauben sie mir, ich bin nicht gekommen, um zu jammern.
Herr Ösi: Davon gehe ich aus.
BILD: Auch nicht, um ihnen ein Abo aufzuschwatzen. Obwohl… nötig hätten wir’s schon.
Herr Ösi: Keine Angst. Ich abonniere nicht.
BILD: Schade. Zurück zur Arbeit. Sie sagen also, zwischen der dreiundzwanzigsten und der vierundzwanzigsten Fliese wäre es passiert. Ist es so?
Herr Ösi: Es könnte auch die fünfundzwanzigste gewesen sein können.
BILD: Wie jetzt? Können wir uns auf eine bestimmte Fliese einigen? Oder nicht?
Herr Ösi: Sagen wir, es war die fünfundzwanzigste.
BILD: Sicher? Es ist zwar nur ein Detail. Aber von immenser Wichtigkeit. Die Geschichte der Menschheit könnte von dieser scheinbar unbedeutenden Wichtigkeit abhängen. Zumindest für die Statistiker.
Herr Ösi: Notieren sie die fünfundzwanzigste.
BILD: Sie Schlawiner! Jetzt verraten sie mir, wie sie ihn haben erkennen können. Wie ich sehe, sind sie Brillenträger. So was kommt vor. Folglich folgere ich daraus eine gewisse Sehschwäche, die ich ihnen mal unterstelle.
Herr Ösi: In der Tat. Ich konnte ihn nicht sehen. Mit oder ohne Brille. Es wäre unmöglich gewesen.
BILD: So wie sie es sagen, ist es also reiner Zufall gewesen.
Herr Ösi: So könnte man es ausdrücken.
BILD: Und wie – wenn sie ihn aufgrund ihrer Sehschwäche nicht sehen konnten – wie wussten sie, dass…
Herr Ösi: Wie ich wusste, dass ich ihn erwischt hatte?
BILD: Ja.
Herr Ösi: Er hat gefiept. Er hat jämmerlich gefiept, als ich auf ihn trat. Es klang in etwa so…
Herr Ösi fiept.
BILD: Aufhören! Aufhören! Das klingt ja entsetzlich!
Herr Ösi: Wollen sie es noch einmal hören?
BILD: Nein. Danke. Das reicht.
Herr Ösi: Ich könnte…
BILD: Wenn sie noch ein Käffchen für mich hätten, wäre ich ihnen sehr dankbar.
Herr Ösi: Gern. Normalerweise bereitet ihn meine Assistentin zu. Aber…
BILD: Frau Saftschubse.
Herr Ösi: Sie kennen sie?
BILD: Klar. Eine geniale Dame. Ich erinnere mich gut, als wäre es gestern gewesen, wie mutig sie in das Opus 25 von Arnold Schönberg eingegriffen hat.
Herr Ösi: Hahaha! Mit der Kettensäge. Dem Pianisten, das Klavier mitten entzwei geschnitten. Ritsch! Ratsch! Mit der Kettensäge! Auf diese Idee müssen sie erst kommen.
BILD: imitiert eine Kettensäge Ra-ta-ta-ta! Ra-ta-ta-ta!
Herr Ösi: Eine Köstlichkeit. Eine Sternstunde in der Geschichte unserer Ösi-Redaktion. Ra-ta-ta-ta! Fast bin ich geneigt zu sagen: es war der Höhepunkt schlechthin.
BILD: Deshalb ist es doppelt schade, dass sie einfach hingeschmissen haben.
Herr Ösi: Sie kennen meinen Beweggrund.
BILD: An ihrer Stelle hätte ich vermutlich genauso gehandelt.
Herr Ösi: Das beruhigt mich zu hören.
BILD: Zurück zum Thema. Eins ist wohl klar. Um mich kurz zu fassen: Für mich sind sie ein Held. Der Held des Jahres. Die absolute Nummer 1. Lassen sie sich, wenn sie es gestatten, von mir umarmen. Die Menschheit kann aufatmen. Die Pandemie ist vorüber. Beendet. Vorbei. Die neue Normalität… ist… wieder die alte!
Herr Ösi: Ja, ist schon komisch. Der letzte verbliebene Virus befand sich ausgerechnet in meinem Badezimmer. Saß friedlich auf Fliese Nummer Dreiundzw…
BILD: Vorhin war es die Fünfundzwanzig.
Herr Ösi: Nehmen sie was sie wollen. Übrigens: sagt man der oder das Virus?
BILD: Wie soll ich das wissen? Ich war Chefredakteur! Da beschäftigen sie sich nicht mit Rechtschreibung. Ich nehme die Fünfundzwanzig. Andererseits…
Herr Ösi: Andererseits?
BILD: Andererseits könnte es ein Nachspiel für sie geben. Wenn alle Stricke reißen. Ein böses Nachspiel vor Gericht. Eine unliebsame Überraschung.
Herr Ösi: Ich kann ihnen nicht folgen.
BILD: Der gefährlichste Virus der Menschheit. Plattgemacht. Einfach so plattgemacht. Absichtlich oder unabsichtlich zertreten in einem Badezimmer. Auf Fliese Nummer Fünfundzwanzig. Es ist die Nachricht des Jahrtausends. Die wichtigste Nachricht der Menschheitsgeschichte. Aber vergessen sie eines nicht. Die bedeutendsten Labore der Welt könnten sie wegen der Ausrottung einer Spezies verklagen. Könnten versuchen, sie zur Rechenschaft zu ziehen. Wetten, die hätten nur zu gern den letzten Virus dieser Art behalten und ihn aufbewahrt. In einem Reagenzglas. Im Tresor. Oder sonst wo. Hermetisch abgeriegelt. Im Hochsicherheitstrakt. Um ein bisschen an ihm herumzufummeln. Herumzuexperimentieren. Herumzudoktern. Zwinkert. Wenn sie wissen, was ich meine.
Herr Ösi: Ein Schelm, der Böses dabei denkt.
BILD: Eine Meute geldgieriger Anwälte steht bereit, äh könnte bereitstehen, Morgenluft witternd, dem Held des Jahres die Hölle heiß zu machen.
Herr Ösi: Malen sie bloß nicht den Teufel an die Wand!
BILD: Ganz zu schweigen von der noch geldgierigeren Pharma-Mafia, die nun irgendwie, sagen wir mal, in die Röhre guckt.
Herr Ösi: Denen Gates immer noch zu gut.
BILD: Tja, das war’s auch schon. Ich will sie nicht länger aufhalten. Danke für die Zeit, die sie für mich erübrigen konnten. Es war mir ein Vergnügen. Der Artikel erscheint noch diese Woche. Selbstverständlich auf dem Titelblatt. Ach ja, beinah hätte ich es vergessen. Reicht Herrn Ösi ein Formular. Wenn sie gütigst unterschreiben würden.
Herr Ösi: Was ist das?
BILD: Die Übertragungserklärung.
Herr Ösi: Übertragungserklärung?
BILD: Nun, für die Rechte an ihrem Video.
Herr Ösi: Video?
BILD: Sie haben doch die Szene nachgestellt, wie sie den Virus ins Jenseits befördern? Oder etwa nicht?
Herr Ösi: Ja, das hab ich.
BILD: Wie sie ihn, wehrlos am Boden liegend, kurzerhand zertreten.
Herr Ösi: Man sieht ja nichts. Er war unsichtbar.
BILD: Man hört aber ein Fiepen.
Herr Ösi: Man hört mein Fiepen.
BILD: Man hört ihr Fiepen, weil sie die Szene nachgestellt haben.
Herr Ösi: Sag ich doch. Ich bin es, der fiept.
BILD: Weil der Virus zu dem Zeitpunkt nicht mehr fiepen konnte.
Herr Ösi: Weil er längst hinüber war.
BILD: Über den Jordan.
Herr Ösi: Über was auch immer.
BILD: Das Fiepen ist entscheidend. Die Füße aber auch.
Herr Ösi: Danke.
BILD: Ich bewundere ihre Füße. Diese Schönheit. Diese zeitlose Eleganz. Phantastisch.
Herr Ösi: Mann! Kommen sie wieder herunter!
BILD: Nein, nein, ihre Füße sind erstklassig. Allein…
Herr Ösi: Worauf wollen sie hinaus?
BILD: Nun ja, es wäre ein Gewinn für alle. Sie verstehen?
Herr Ösi: Ich versteh gar nix.
BILD: Eine einmalige Win-Win-Situation.
Herr Ösi: Sie sprechen in Rätseln.
BILD: Sosehr ich sie und ihre Füße bewundere… berühmt sind sie nicht.
Herr Ösi: Wer? Ich oder meine Füße?
BILD: Sie beide.
Herr Ösi: Noch sind wir nicht berühmt. Das kann sich ändern.
BILD: Schauen sie mal. Kritzelt eine Zahl aufs Papier. Das könnten wir ihnen bieten.
Herr Ösi: Wow! Wofür denn?
BILD: Für die Rechte an ihrem Video. Sie treten es an uns ab.
Herr Ösi: Und dann?
BILD: WIR spielen die Szene nach. Mit Brad Pitt in der Hauptrolle. Fußfetischist Quentin Tarantino übernimmt den Dreh. Es wird sein zehnter, letzter und kürzester Streifen. Und sein erfolgreichster. Es wird der wichtigste und beste Film aller Zeiten. Garantiert!
Herr Ösi: Deshalb der englische Titel.
BILD: Ich sehe, sie verstehen. Hollywood wartet. Man scharrt bereits ungeduldig mit den Hufen. Sie stellen Frau Saftschubse wieder ein und kümmern sich fortan um die Ösi-Group. Finanziell werden sie bestens aufgestellt sein.
Herr Ösi: Okay. Okay. Aber der neue Editor…
BILD: Lassen sie einfach Frau Saftschubse machen. Sie wird es schon richten.

In freudiger Erwartung auf das Remake präsentieren wir dem geneigten Publikum heute schon mal das Original.

Das seitliche Abdriften des Kuckucks auf dem Weg zur Gabelung

Saftschubse: Man sieht ihnen die Enttäuschung an, Chef.
Herr Ösi: Ja? Ist das so?
Saftschubse: Regelrecht.
Herr Ösi: Das haben sie schön gesagt, dieses Regelrecht.
Saftschubse: Es war bestimmt nicht leicht.
Herr Ösi: Wie wahr. Sie sagen es.
Saftschubse: So kurz vor dem Ziel.
Herr Ösi: Ja, das Ziel vor Augen. Zum Greifen nah. Zauntimeter gewissermaßen…
Saftschubse: Eine herbe Enttäuschung. Wenn einer diese Ablehnung nicht verdient hat, sind sie es, Chef.
Herr Ösi: Ach, Saftschübslein…
Saftschubse: Diese Horden nichtsnutziger… äh… gemeingefährlicher…
Herr Ösi: Die Möwe als Möwe belassen, verstehen sie? Vielleicht hätte ich die Möwe belassen sollen, wie sie ist. Als Möwe eben.
Saftschubse: Sie meinen…
Herr Ösi: Eine Möwe als einen Kuckuck auszugeben, überfordert das Publikum. Die moderne Smartphone-Gesellschaft von heute ist nicht bereit für jene Flexibilität im Denken, die nötig wäre. Das Gehirn spielt bei ihr einfach nicht mit. Ein Zuviel an Technik engt die Menschen ein. Die Bandbreite, die freies Denken in diesen Tagen noch ermöglicht, wird zusehends schmäler.
Saftschubse: Da ist was dran.
Herr Ösi: Jammerschade.
Saftschubse: Sie sind angetreten, die verkrusteten Strukturen aufzubrechen. Den alten Mief rauszublasen aus der Stadt. Weg! Weg! „Fenster auf! Türen auf!“, haben sie wieder und wieder gerufen. „Wir brauchen Luft! Frische Luft! Viel frische Luft!“
Herr Ösi: Die Honoratoren der Stadt haben es nicht honoriert.
Saftschubse: Weil die eben keine Ahnung haben.
Herr Ösi: Vielleicht war es zu gewagt zu sagen: Die Zauberflöte muss runter vom Spielplan. Weg damit! Mozart kann auch in einer Turnhalle aufgeführt werden.
Saftschubse: Das stimmt. In Gramatneusiedl hätten man ihnen für diesen Vorschlag die Hände und die Füße geküsst.
Herr Ösi: In Gramatneusiedl… ganz bestimmt. Nicht in Salzburg, nein, in Salzburg nicht. In Salzburg sind sie zu verbiestert. Zu starrköpfig. Die Stadtoberen haben sich mit Händen und Füßen gewehrt, ihren geliebten Mozart in eine Turnhalle auszulagern.
Saftschubse: Dabei hätte es massive Vorteile gehabt.
Herr Ösi: Mozart, da bin ich sicher, Mozart wäre es egal gewesen. Er hätte es sogar befürwortet. Er hätte der Turnhalle den Vorzug gegeben. Papageno und Papagena hätten ihre Arie auf einem Stufenbarren gesungen.
Saftschubse: Ich glaube, Mozart hätte ihnen das Große Festspielhaus zur Verfügung gestellt.
Herr Ösi: Selbst mit der Felsenreitschule wäre ich zufrieden gewesen.
Saftschubse: Ihre Bescheidenheit ehrt sie, Chef, allein, sie bringt nix.
Herr Ösi: Der Beschluss fiel einstimmig aus. Es wäre nicht tragbar, Mozart, das berühmteste Kind der Stadt, aus dem Programm der „Salzburger Festspiele“ zu nehmen, so die Verantwortlichen, und statt dessen einen unbekannten Experimentalfilm mit kontemporärer Musikbegleitung mit dem Titel „Das seitliche Abdriften des Kuckucks auf dem Weg zur Gabelung“ dem erlauchten, oftmals weitgereisten und weit vergreisten Publikum darzubieten. Zudem würde der Film mit einer Dauer von 5 Minuten nur einen Bruchteil der Zeit veranschlagen, den die Zauberflöte benötigt, heruntergefiedelt zu werden, wir sprechen hier von einem Sechsunddreißigstel.
Saftschubse: Papperlapapp!
Herr Ösi: Das habe ich auch gesagt. Höchstens fünf Minuten dauert die Zeitspanne, die es dem modernen Mensch ermöglicht, sich zu konzentrieren. Dann ist es vorbei. Dann schweift er ab, driftet ab, verzettelt sich und verliert den Faden. Der Kuckucks-Film wäre geradezu ideal gewesen. Einen Mozart in der heutigen Zeit aufzuführen ist Wahnsinn, genauso gut könnte man Perlen vor Säue werfen. Das Publikum ist einfach überfordert. Bedenken sie: Die Ouvertüre ist noch im vollen Gang, da läuten die ersten Handys. Telefonate werden geführt. Ob das Bügeleisen ausgeschaltet ist, wird gefragt, ob die Oma gut versorgt ist, der Kanarienvogel sein Futter bekommen hat, kurz: ab diesem Moment werden von Salzburg aus die elementarsten Botschaften in die Welt hinausgeschickt. Die Leidtragenden dieser neuzeitlichen Unsitten sitzen im Orchestergraben. Er ist das Auffangbecken, in dem sich die Gespräche des Auditoriums zu einem Stimmengewirr verdichten. Ist doch klar, die Gespräche purzeln bedingt durch die Schwerkraft in den Orchestergraben hinab und wabern wie unsichtbare Nebelschwaden um die Musiker. Malträtieren sie. Peinigen sie. So mancher Streicher scheidet noch während der Vorstellung freiwillig aus dem Leben. Den Veranstaltern ist es egal. China hält genügend Nachschub parat. Eine Riege von hochtalentierten Streichern wartet nur darauf, endlich in einem Salzburger Orchestergraben das Leben auszuhauchen. Hauptsache Salzburg. Das ist es, was zählt. Begonnen hatte alles mit einem gewissen Ching Chang Chong, der sich mitten in der Rachearie mit einer Saite seiner Bratsche erdrosselte. Das Telefonnetz brach völlig zusammen, als Teile des Publikums die Tat hautnah miterlebten und das gesehene Geschehene unverzüglich in den Äther hinausposaunten. Die Oper lief zum Glück ohne Unterbrechung weiter. Der Vorfall blieb kein Einzelfall und machte Schule. In Musikerkreisen spricht man längst von der „Chinesischen Schule“, wenn Geiger sich während der Vorstellung das Leben nehmen. Weshalb in Salzburger Orchestergräben immer mehr Musiker sitzen, als für die eigentliche Vorstellung nötig. Als Reserve sozusagen. Legendär ist der Selbstmord eines argentinischen Dirigenten, der mit seinem Taktstock Harakiri verübte, nachdem er das vermeintliche Fremdgehen seiner Gattin aus einem Gespräch herausgehört zu haben glaubte. Kein Problem für die Musiker, die ihre Hausaufgaben mit Bravour erledigt hatten und unbeirrt ohne den Orchesterchef zu Ende fiedelten.
Saftschubse: Entsetzlich!
Herr Ösi: Ein DAX-Vorstand gibt zu Protokoll, die besten Geschäftsabschlüsse mache er, wenn die Königin der Nacht ihr Liedchen trällert und seine japanischen Geschäftspartner denken, er befände ich auf einer Alm mit Jodelmusik und Schuhplattler-Einlagen im Hintergrund. Während einer Mozart-Oper führen die Wichtigsten dieser Welt oder die, die sich dafür halten, all jene Gespräche, zu denen ihnen im normalen Tagesbetrieb die Zeit fehlt. Das erlauchte Publikum hat vor allem eines: Geld. Deshalb ist es den Stadtvätern so wichtig, diese Mozart-Tradition fortzuführen. Im Grunde ist es nichts anderes als Geschäftemacherei. Der Rubel muss rollen. Sehr im Gegensatz zum Publikum, das aufgrund seiner Altersstruktur sich immer wieder in den Gängen mit den Rollatoren in die Quere kommt und verkeilt. Dann rollt gar nichts mehr. Bis der letzte seinen Sitzplatz gefunden und eingenommen hat, hätte man zwei Zauberflöten hintereinander aufführen können. Endlich ist so weit. Der Dirigent klopft mit dem Taktstock wichtigtuerisch auf das Pult. Die Ouvertüre beginnt. Und gleichzeitig mit ihr hunderte von Telefongesprächen. Der dringlichen Bitte, die Musiker sollten doch nicht so laut spielen, es störe extrem beim Telefonieren, wird schon mal gegen Bezahlung eines schwindelerregenden Betrages nachgekommen. Für die nächsten drei Stunden ist Salzburg das Zentrum der Welt. Mindestens. Wenn nicht gar der Mittelpunkt des Universums.
Saftschubse: Unglaublich.
Herr Ösi: Die Absage kam also nicht von ungefähr.
Saftschubse: Chef, ich hab eine Idee. Warum bieten sie ihren Experimentalfilm nicht unseren Lesern an? Die sind bestimmt dankbarer als diese verwöhnt elitären Mozart-Fuzzies.
Herr Ösi: Wow! Das ist es! Sie sind ja sooo genial, Saftschübslein. Was, so frage ich mich, würde ich bloß ohne sie machen?
Saftschubse leise zu sich: Das frage ich mich auch.

Üben mit Stewardessen

So a G’stettn oba a
(Herr Ösi beim Blick in die Tiefe)

Wie Recht er hatte. Der Sitznachbar mit der Aussage: Runtergekommen ist noch ein jeder. Aufgesetzt hat er, der Flieger, auf der holprigen Landebahn, dass ich dachte, gleich fällt er auseinander. Wir hatten Glück und blieben ganz. Ich applaudierte. Enthusiastisch. Und erntete verständnislose Blicke. Es scheint heutzutage gang und gäbe und selbstverständlich, dass der Pilot, vergeigt er schon eine Landung wie im Bilderbuch, so immerhin die ihm anvertraute Kiste ordentlich zu Boden bringt, ohne dass diese zerschellt und ihren (dann meist) nicht sehr appetitlichen Inhalt in die Landschaft streut. Kein Klatschen. Kein Garnix. Außer mir. Die Rotznasen finden es nicht nötig, dem Piloten, dem Helden des Tages, ihren Respekt zu zollen. Ende gut, alles gut? Nicht so wirklich. Nicht wenige Passagiere, die sich den Aufpreis für das Speibsackerl (beziehungsweise die Kotztüte, wir erwähnten sie bereits) sparten, hatten während des Fluges aufgrund heftigster Turbulenzen derart gelitten und gereihert, dass selbiger Vogel, wäre er mit uns gereist, sein Köpfchen angewidert vor Ekel zur Seite gedreht und sich übergeben hätte. Ein Schweinestall wäre bei dem Anblick der zugekotzten Kabine durchaus als prunkvoll funkelnder Palast durchgegangen. Den Stewardessen, zuständig für prunkvoll funkelnde Paläste, fiel die Kinnlade runter… Wir tabten ins Terminal.

Auf der Taxifahrt ins Hotel dachte ich an die letzten 34 Stunden seit meinem Aufbruch von zu Hause – und VietJet Air dachte hoffentlich an die total verfehlte Sackerl-Tüten-Aufpreis-Politik. Die Nacht brach herein. Ich fühlte mich merkwürdig. Verändert, wenn du so willst. Angekommen im Hotel führte mein erster Weg mich schnurstracks auf den Balkon… äh, pardong, auf die Balkonin. Tschendamäßige Korrektheit. Bitte! Soviel Zeit muss sein. Danke! Du wirst es nicht glauben: die Balkonin schwankte und wackelte unter meinen schwachen Füßinnen hin und her wie eine Irre. Ding Dong. Ding Dong. Tschendarassabum. Irgendwas war faul. Dann wurde es schwarz um mich…

Blick vom Balkon | Foto Herr Ösi

Ein paar Tage später, der Blick vom Balkon (dem Himmel, mein Dank! ich war wieder normalisiert), ein Foto in die Tiefe. Auf die G’stettn. Was soll ich sagen. Das Foto messerscharf, wie von einem Profi geknipst. Verwackelt? Nicht die Bohne!
Der Balkon, nun einem Fels in der Brandung gleich, wackelte nicht mehr. An der Rezeption schwor das Personal beim fehlenden Barte des Buddhas, man hätte während meiner Abwesenheit keinerlei balkonseitige Eingriffe zu seiner Stabilisierung vorgenommen. Aber das Gewackel im Suvarnabhumi und am Balkon? warf ich ein. Jetlag, beschied man mir und sie sprachen es aus wie Jet-Leck.

Zurück zum Foto. So a G’stettn oba a. Übersetzung: So eine HuHuHu aber auch. Wobei HuHuHu nicht mit Müllhalde zu übersetzen ist, weil eben keine Müllhalde, sondern eine G’stettn. Eine G’stettn musst du vom Gefühl her dingsen. Sonst geht’s nicht. Es gibt nicht wirklich ein bundesdeutsches Wort dafür und dieses HuHuHu, es ist bloß ein schnoddriger Platzhalter, für den ein Mathematiker, um das Problem zu lösen oder lösen zu lassen, mit Sicherheit ein x eingesetzt hätte, weil Müllhalde eben nicht zutreffend und Brachland, wie Wiki phantasielos schwadroniert, auch nicht… also x. Der Mathematiker macht es sich leicht, setzt einfach ein x ein oder ein y oder was Griechisches, wenn er nicht weiter weiß und wirft das Problem einem X-Beliebigen vor die Füße, dem das alles ziemlich Spanisch vorkommt. Soll der doch zeigen, was er kann. Es beweist einmal mehr die Unzulänglichkeit der Sprache, der es manchmal schlicht an den nötigen Worten fehlt. Es ist eine Schande. Könnte es sein, dass die Welt deshalb regelmäßig ins Chaos stürzt, weil die Spezies, die sich für die größte und wichtigste auf dem Planeten hält, ein Kommunikationsproblem hat? Weil uns Mathematik hier nicht weiterhilft? Weil die Menschen ihre Sprache schlampig und halbherzig konstruiert haben? Weil sie mit ihren Gedanken schon während der Entwicklungsphase ganz woanders waren? Weil ihnen G’stettn schnurzegal?

So funktioniert Ablenkung

Weil sie unter Konzentrationsstörungen leiden und sich nur allzu leicht ablenken lassen von all dem Unsinn, der uns immer und überall umgibt? Fragen über Fragen. Es kann und wird nicht unser Anspruch sein, dieses Problem an Ort und Stelle zu lösen.

Für den Rückflug habe ich eine kleine Überraschung für die Stewardessen vorbereitet, vorausgesetzt, sie haben den Flieger und die Kabine wieder einigermaßen hinbekommen, sprich prunkvoll funkelnder Palast… 😉

Wired

Lirum – Larum – Wired
das Leben ständig sich verteiat

(Erkenntnis eines kürzlich Erleuchteten)

Wir bleiben in Fernost. Beleuchtung und Erleuchtung liegen dort so nah beisammen wie sonst nirgendwo. Und das nicht nur phonetisch. Du knipst den Lichtschalter an und bringst – etwas Glück vorausgesetzt – die Glühbirne zum Leuchten. Vor hundert Jahren hättet ihr, also, die Birne und du, gestrahlt wie Hutschpferde. Heute ist’s selbstverständlich. Lichtschalter knipsen, Licht geht an. Oder… du knipst einen Menschen an – und dieser wird erleuchtet. (Ist nicht sooo selbstverständlich, wenn du kein Buddha bist) „Jawohl, der Mensch wird regelrecht erleuchtet.“ Sagt der Buddha. Nicht ich. Der Buddha sagt’s und er hat gut reden. Weil Erleuchtung. Weil Erfahrung. Weil insgesamt auf der nächsthöheren Stufe stehend. Oder liegend. Wie der Mittwochs-Buddha. Er ist Fachmann. Unsereins, also der Westler aus dem Westen, wird ein Weilchen brauchen, bis er soweit ist, bis er geschnallt hat, wie er einen anderen zur Erleuchtung bringt. Das braucht Geduld. Geht nicht von heut auf morgen. Es ist die Erfahrung, die uns fehlt. Da hilft nur üben üben und nochmal üben. Bevor du den einen oder anderen erleuchtest oder versuchst, ihn zu erleuchten, sollst du bei dir selbst beginnen. Ziemlich einleuchtend… oder?

Schauen wir uns die Verkabelung des Fernen Ostens genauer an. Für die Beleuchtung, die der Erleuchtung naturgemäß vorausgeht, brauchst du in den heutigen Tagen ein paar Kabel, die dir den Strom ins Haus liefern. Früher ging’s auch anders. Auf den ersten Blick wirst du sagen: um Himmels Willen. Auf den zweiten, dritten, vierten – was soll ich sagen – es wird und wird optisch nicht besser…

Kabelsalat

Kabelsalat / Foto & Gif Herr Ösi

Der Fernöstliche präsentiert seinen Kabelsalat äußerst appetitlich und extrovertiert oberirdisch. Unterirdisch, wirst du sagen, Unterirdisch dieses Oberirdische. Welcher Kabel-verlege-Beauftragte, kurz KvB, behält hier den Überblick? Vermutlich keiner. Anfangs bist du skeptisch. Knipst du den Lichtschalter an, könntest du wetten, das Licht geht drei Straßen weiter an. Oder im nächsten Ort. Oder gar nicht. Weit gefehlt. Wette verloren. Es geht zu deiner Verblüffung da an, wo es angehen soll. Mit einer Plötzlichkeit, die sich sehen lassen kann. Verzögerung praktisch Null. Natürlich – kleiner Wermutstropfen – die Klimaanlage fährt mit hoch. Ungefragt. Automatisch. Zwei Minuten später liegt die effektive Raumtemperatur von über 30 Grad… g-e-f-ü-h-l-t unter Null. Du frierst. Und zwar erbärmlich. Wahrscheinlich liegt es an den Kabeln, die so verdrahtet sind, dass, egal was du anknipst, die Klimaanlage immer mit von der Partie.

Hierzulande im Westen werden die Kabel geradezu schamhaft unter die Erde verbracht. Warum? Keine Ahnung. Ist also nix mit oberirdischer Zurschaustellung. Dabei werden die Kabel immer kunterbunter und müssten sich beileibe nicht vor so manchem Oberirdischen verstecken. Nix da, sagt der Herr Arschitekt, ich will die Dinger eingegraben. Es ist, als wären Kabel köstliche, verbotene Früchte, von denen jeder naschen würde, wären sie frei zugänglich. Experten behaupten, dieses manische Das-Kabel-muss-unter-die-Erde ist ein Relikt aus einer vergangenen Zeit. Wölfe vergraben zum Beispiel ihre Exkremente… vor den neugierigen Blicken anderer Viecher, die wiederum ihre Notdurft der Wölfe wegen verbuddeln. Kleiner Kreislauf. Machen die übrigens seit Ewigkeiten. Unsere Kabelbeerdigungsmanie ist ein Überbleibsel von Wolf & Co. Soviel steht fest.

Zurück zum Fernöstlichen und seiner Kabelkunst. Er stellt sie gut sichtbar zur Schau. — Schau…

Derweilen Castrop Rauxel immer noch unter Strom…

Herr Ösi schnappt über

Die aktuelle… äh Krise fordert ihren Tribut… will sagen, ihre Opfer, ihre irren Opfer. Auch Herr Ösi kann sich dem aktuellen Weltgeschehenswahnsinn nur schwer entziehen. Er versucht’s mit ein bisschen Schokolade… 😉

Mundschutz für Raucher

Frohe Ostern