Viecherl gerahmt, Teil 5 und ENDE

Esel, Hunde, Katzen
Suppen, Löffel, Fratzen
Osterhasen, Dachlawinen
Zuckerbrot und heiße Bienen
Almen, Täler, Berge
Donnerknispel, Weiße Zwerge
Krieger, Ritter, Hottentotten
brave Bürger und Falotten
Rosen, Tulpen, Elefanten
Basen, Onkel, Mali Tanten
Zuckerhut und Sägespäne
Wohnmobile, falsche Zähne
Grossraumflieger
Doppelsieger
Ebereschen… äh… Tannenbäume
Sonnen und zerplatzte Träume
pinselt Ösi aufs Papier
und ich frage mich WOFÜR?
im Zeichnen immer miserabel
meilenweit von akzeptabel
will aufs Neue sich probieren
Museumsreife anvisieren
bloß mit dem Gekritzel
gewinnt man so ein Schnitzel?
was er beherrscht, es ist vertrackt
seine Kunst, sie ist Abstrakt
nix mit Amsel, Drossel, Dings und Spatz
das Geschmier ist für die Katz
das Viecherl, krampfhaft und erzwungen
ist ihm nicht und nicht gelungen
wie er es gern hätte
verloren ist die Wette
dennoch ist er nun gescheiter
weil das Leben, das geht weiter
eines ist nun wirklich Fakt
die Malerei wird abgehakt
sollen andere sich mühen
sollen zeichnen, pinseln, sprühen
vom Malen zieht er sich zurück
sucht anderswo das wahre Glück
Doch… was geschafft ist, ist geschafft
und es gibt ihm neue Kraft
es bleibt zurück nur ein Graffiti
an Wänden in der City… 😉

Fotos & Kunst / Herr Ösi / 2021 Kunst, mit viel Luft nach oben

Viecherl gerahmt, Teil 4


Herr Ösi erwacht mit Rückenschmerzen, aber nicht wie einer, der seit Jahren Rücken hat, nicht wie einer, der mit dem Schmerz vertraut ist, mit ihm auf Du und Du steht, gute Kumpel sozusagen, wo der eine nicht ohne den anderen kann, nein, er erwacht wie einer, dem man eine mittelalterliche Streckbank zuteil werden ließ, über Nacht, zwecks „Wahrheitsfindung“, darauf bedacht, ein Geständnis aus ihm rauszupressen, rauszuquetschen, weil kaum etwas besser dazu geeignet ist als die Streckbank, einem Delinquent die Beichte abzunehmen, die ihm ohne vorangegangene Folter niemals eingefallen und über die Lippen gekommen wäre. Allerlei obskure Straftaten, weltweit begangen seit seiner Geburt und selbst die Untaten davor, nimmt er stoisch auf sich, gibt sie unumwunden zu, wie Bauernfängerei, Identitätsklau, Kunstfälschung, Vielweiberei, kurz: all die schrecklichen Dinge, die Menschen anderen Menschen antun, wenn der Tag 24 Stunden lang, nimmt er, nimmt der moderne Mensch auf sich, lässt Geständnisse aufs Eloquenteste sprudeln, sobald die Streckbank, die Fürchterliche, nach dem letzten Einsatz notdürftig gereinigt, mit dem Gespickten Hasen garniert, der nächsten „Wahrheitsfindung“ zur Verfügung steht. Der Gespickte Hase (lat. lepus spicatas oder ähnlich) ist im Zusammenhang mit der Streckbank nicht die kulinarische Köstlichkeit, die gutbürgerliche Bürger an Feiertagen zu goutieren wissen, sondern versteht sich als ein Zusatzfeature scharfrichterlicher Folterkunst, rauszufinden, wo der Hase im Pfeffer liegt, indem man den Rücken des zu Folternden zusätzlich zur Streckbank mit einer stacheligen Rolle traktiert, als würde die einfache Behandlung ohne den Hasen nicht ausreichen. Alle Knochen schmerzen, besonders die, von denen er bis dato nicht wusste, sie überhaupt zu haben, als am Morgen, pünktlich Schlag 6, eine Sirene Marke Weltuntergang aufheult, von jener penetranten Schrille, bestens geeignet, einen ebensolchen einzuläuten… und schon ist der geneigte Leser dem Herrn Ösi zwei Informationen voraus. Erstens: die Uhrzeit. Zweitens: habe ich vergessen, hat aber mit dem bevorstehenden Weltuntergang nur bedingt zu tun.
„Bitte recht freundlich“, sagt eine Stimme gefolgt von „Ameisenscheiße“ anstatt „Ameisenkacke“, ein Amateur von Gefängniswärter, fotografiert mit dem Handy und ignoriert, dass bei der spitzmausmäßigen gesprochenen „Ameisenscheiße“ der Mund weit weniger fotogen wirkt als bei der harmonisch rund formulierten „Ameisenkacke“, und dennoch… Band III seiner Bildbandreihe „Strizzi & Schlawiner – Die größten Verbrecher des Landes“, erschienen im gut sortierten Buchhandel nahe legt, er würde wissen, was er tut. „Ahh!“ Geblendet vom grellen Blitzlicht, die Hand schützend vor das Gesicht, weicht der Fotografierte taumelnd von den Gitterstäben zurück. Vielleicht soll er in unvorteilhafter Pose in den nächsten Bildband hinein, dämmert ihm.
Stunden, Tage, meinetwegen Wochen mögen vergangen sein, da schneit ein Herr in schickem Zwirn – ein Zivilist – in seine Zelle, „I bin’s, dei Präsident“ donnernd, ein ihm bekanntes Sprüchlein, allein, wann und wo gehört, mag er sich nicht entsinnen, weil im Moment, angesichts seiner unrosigen Lage, eh eher zweitrangig. Als sein Polizeipräsident stellt der Fremde sich ihm vor, der Gefangene schlägt sich erinnernd an die Stirn, stammelt „Der Sohn?“ und erntet ein „Urenkel, hahaha, Urenkel“, wie klein sie doch ist, diese Welt, in welche Urenkel wie selbstverständlich in die Fußstapfen großer Vorbilder hineingestellt werden. „52er“, sagt der Präsident, deutet auf seine Schuhe, waffenscheinpflichtige Treter, einen leichten Tritt andeutend, als würde er fühlen, Herr Ösi, der die blitzblanken Schuhe bewundert, wisse, welche Schuhgröße sein legendärer Urgroßvater getragen. „Für die 52er, einen Tick zu klein“, sagt der Präsident schulterzuckend, beobachtet sein Gegenüber wie nur Polizeipräsidenten in der Lage sind, ihr Gegenüber zu beobachten. In der Position, in der er sich heute befindet, wären selbst 59er oder größer gerechtfertigt, doch die selbst auferlegte Bescheidenheit, das Understatement, verbietet seit den Napoleonischen Kriegen seiner Familie jede Form von Überheblichkeit. „Aber nicht doch, Herr Präsident, keineswegs“, schmeichelt der Ösi, eine unappetitliche Schleimspur einer Schnecke gleich, hinter sich her ziehend, jetzt in seinem Element. Er könne noch tagelang über Schuhe, seinem Steckenpferd, philosophieren, so der edel Gezwirnte, doch käme er in ganz anderer Mission. Herr Ösi, nie verlegen, wenn es darum geht, fremde Kochkünste durch den Kakao, den er als Gaugau ausspricht, zu ziehen, meckert, ohne den anderen näher auf seine Mission eingehen zu lassen, über die unglaublich miserable Gefängnisküche, wobei das Wort „unappetitlich“ neun Mal seinen Mund verlässt, das Wort „Frechheit“, nicht mehr zählbar. Es dadat ihm leid, sagt der Angesprochene, er hatte noch nie das Vergnügen, sein Mahl hier vor Ort einzunehmen, selbst die Polizeipräsidentenkantine wäre nicht das Gelbe vom Ei, es grause ihm oft vor ihr, von den Kochkünsten seiner Präsidenten-Gattin ganz zu schweigen, weshalb er sein Amt gewissenhaft nützt, der häuslichen Küche, wann immer sich Gelegenheit bietet, zu entfliehen. Diese Ehrlichkeit, denkt Herr Ösi, diese Ehrlichkeit… schaut noch lange durch die Gitterstäbe als sein Besucher längst verschwunden. Ein netter Kerl. Ob er wiederkommt?

Er kommt wieder und Herr Ösi, seine Nase immer noch an die stählernen Stäbe gedrückt, wirkt und winkt freudig. Beinah hätte er die Klinke gedrückt, seinen Präsidenten einzulassen, wäre sie nicht auf der anderen Seite der Tür gewesen, ein spontanes Verlassen der Zelle zu verhindern. Die Frage, was ihn zu ihm führt, lässt der Gezwirnte unbeantwortet, die Frage, wann sie sich das letzten Mal gesehen hätten, beantwortet er mit „vor zehn Minuten“. Nur auf der Streckbank und unter Zuhilfenahme mehrerer Gespickter Hasen hätte der hohe Beamte seine extreme Vergesslichkeit, möglicherweise Anzeichen von Demenz, zugegeben, er wollte eben das Gefängnis verlassen, als sie ihm einfällt, die Mission, weswegen er eigentlich gekommen und macht kehrt. „Sie sind frei. Sie können gehen. Frei, wie ein Vogel. Gehen Sie, Herr Ösi, gehen Sie in die Freiheit hinaus und genießen Sie den Tag.“ Der Gefangene, mit fortschreitendem Alter zu Starrköpfigkeit neigend, gegen alles und jedes ohne nachzudenken zu protestieren, einfach des Protestes wegen, verkneift sich im letzten Moment die aufkommende Weigerung und fragt stattdessen: „Ja, aber… warum?“ Seine Dickschädeligkeit, allseits bekannt und gefürchtet, allenfalls von einem störrischen Maultier zu toppen, soll hier nicht zum Gegenstand näherer Betrachtung werden. Der Polizeipräsident räuspert sich lang und laut. Sein Gegenüber detto. Wenn zwei erwachsene Männer sich gegenüber stehen, Aug in Aug sich beäugen, lauernd, sich minutenlang räuspern, anräuspern, ja, in einen Räuseperwettbewerb treten, einen Gewinner auszufechten, mag dies auf den ersten Blick verwundern, ein Psychologe könnte Vorträge darüber halten, Bücher schreiben und sonst was. Wir erinnern uns an die beliebte TV-Serie „Herr Maier räuspert sich“ aus den unbeschwerten 70gern, wo derjenige gewann, der sich am längsten räusperte, und an den Moment tiefer Trauer, als, mit dem Erscheinen der Smartphone-Generation auf der Weltbühne, die Sendung aus Quotengründen zu Grabe getragen werden musste. Tja, die gute alte Zeit. Heute verliert Herr Ösi das Duell und erteilt seinem Präsidenten, eine elegante Verbeugung andeutend wie ein Chevallier, großzügig das Wort. Dieser: „Sie sind frei, Herr Ösi. Der wahre Übeltäter ist gefasst. Es mag Sie verwundern. Der Kerl sieht aus wie Sie. Trägt die selben Klamotten wie Sie. Sie gleichen sich wie ein Ei dem andren. Verrückt, oder? Wir haben ihn unweit dem Ort Ihrer Festname gestellt. Mitsamt den Spraydosen. Er hat bereits gestanden.“ Nach einer Weile. „Möchten Sie ihn sehen?“ „Nö, nö, Herr Präsident, das ist nicht nötig. Behalten Sie ihn.“
Zuerst öffnet sich die Zellentür, dann, nach Erledigung der Formalitäten, das mächtige Gefängnistor. Herr Ösi atmet tief durch und schreitet hinaus in die Freiheit…

Viecherl gerahmt, Teil 3

Meist sind es Mauern, an denen er, der Künstler, wir nennen ihn, der Einfachheit halber, den Graffiteur, zeigt, wozu er imstande ist, mit all seinen bunten, glitzernden Spraydosen, seinem Genie, seiner oder nur DER KUNST, freien Lauf zu lassen, ob man ihn lässt oder nicht, nur selten sind es Autos, Busse oder Schiffe, die seinem Tatendrang zum Opfer fallen, und da Mauern, genauso wie Autos, Busse oder Schiffe einen Besitzer haben, der zur Stunde des nachtaktiven Graffiteurs bereits friedlich in den Federn schlummert, bekommt der künftige Besitzer eines wertvollen Graffitis erst am Morgen mit, welche Ehre ihm nächtens zuteil wurde, und anstatt in große Freude auszubrechen, Jubeltänze aufzuführen, ob dieser wundervollen Hinterlassenschaft, wird eins zwei drei, nein, eins eins null, die Polizei gerufen, zwecks Anzeige, umständlich aufwendiger Papierkram inklusive, die Polizei klingelt, wenn sie herbeigerufen, forscher, intensiver, beharrlicher als Nachbarn, Hausierer, Scherenschleifer und Mitarbeiter der Telekom, stets auf Kundenfang bedacht, es tun, sagt Herr Ösi, offenen Mundes staunend vor einem dieser Graffitis stehend, die sich bewundern, betatschen, ja, sogar fotografieren, aber nur schwerlich mitnehmen lassen, um sie daheim in die eigenen vier Wände zu integrieren, zu schade… zwar ließe sich, mit Privatleuten immer, er betont dieses immer, immer über eine Übernahme, nicht nur des Graffitis, sondern über die Übernahme der gesamten Liegenschaft diskutieren, den geforderten Kontostand freilich flux verfügbar… was bei öffentlichen Objekten, wie Autobahn- und Eisenbahnbrücken oder gar Tunnels, zwangsläufig auf die tauben Ohren einer starrköpfigen Beamtenschaft stößt, sofern man nicht über die nötigen Beziehungen verfügt, der Zustand des Bankkontos ist hierbei ohne Bedeutung, weiß er zu berichten… nur eins ist sicher wie das Amen im Gebet, die Welt splittet sich auf in zwei Kategorien: die erste, in die der Graffiteure und die zweite, in die der Profiteure… letztere sind Menschen wie die geneigten Leser des Ösiblogs, welche imstande sind, liebevoll zubereitete Graffitis kostenlos und frei von schädlichen Nebenwirkungen zu genießen…

Einheimische Graffittis / Fotos: Herr Ösi / Herbst 2021

Die Schwierigkeit ist, eine geeignete, weiße, noch jungfräuliche Außenfläche, sprich Mauer, zu finden, die noch nicht beschmiert die weder Freunden noch Bekannten gehört, wer möchte es sich schon wegen einer Kleinigkeit, wegen einer harmlosen Schmiererei, mit ihnen verscherzen? jawohl, niemand, ruhig gelegen, leicht erreichbar und doch zentrumsnah soll sie sein, an denen tagsüber Hundertschaften von Hausfrauen und oder Werktätige vorüberziehn, begierig, tief in die graffitale Kunst origineller Wandmalereien einzutauchen, wie beispielsweise Herr Ösi, von seiner Frau Doktor zu Bewegung in der Natur, an die frische Luft, hinausverdonnert, steht er, nach tagelangem, quasi sinnlosem Herumschweifen auf öden Feldern und dunklen, angrenzenden Wäldern, wo Fuchs und Henne gute Nacht sich sagen (kein Mensch hält auf Dauer diese Natur unbeschadet aus ohne überzuschnappen), steht er, der Herr Ösi, kaum in die Stadt zurückgekehrt, tief durchatmend, die abgasgeschwängerte Luft einsaugend, plötzlich vor dem Objekt seiner Begierde, einer noch tadellos weißen Mauer, die seine Aufmerksamkeit erregt, er kann sein Glück kaum fassen, untersucht das Gemäuer fachgerecht, streicht liebevoll über das makellose Weiß, nicht ahnend, dass eine alte, bösartig dreinblickende Zumsel, mit abscheulichen Lockenwickler in noch abscheulicheren Haaren, ihn oben, vom Fenster aus, seit einer geraumen Zeit, seit einer guten Viertelstunde misstrauisch beobachtet, wie er seinerseits die Mauer ausgiebig beobachtet und inspiziert.

Die Dunkelheit hereingebrochen, die Spraydosen, ein halbes Dutzend an der Zahl, sorgfältig aufgereiht, die ersten Versuche, Deckel ab, gut durchgeschüttelt, die Dose auf das Ziel gerichtet, Sprühknopf betätigt, fffffft, okay, absolviert… bricht er, bei Nacht und Nebel, lautlos das Haus verlassend, auf, zuerst verwirrt herum irrend, dann, plötzlich, zielgerichtet und wie magisch angezogen, ferngesteuert, einer willenlosen Marionette gleich, zieht sie ihn an, von weitem, die Mauer, seine Mauer, ruft ihn, lockt ihn wie ein lüstern‘ Weib nur locken kann, meine Mauer, meine Mauer, brabbelt er vor sich hin, sabbert ein wenig, er befindet sich in ihrem Bann, meine Mauer, meine Mauer, im Bann der Mauer, zweifellos. Männer, junge wie alte, befinden sich oft im Bann irgendwelcher Frauen, meist zauberhaft elfenartiger Wesen, zarte, durch die Lüfte schwebende Geschöpfe, anmutig anzusehen und stets durchsichtig bekleidet, im Negligée flattern die Schönen von Baumwipfel zu Baumwip…
Oops! Da steht sie aus dem Nichts vor ihm, die Angebetete, seine Angebetete, weiß und unbefleckt. Mit einer schwungvollen Verbeugung, wie nur edle Ritter sie beherrschen, kniet er nieder, Tataa!, lüftet einen imaginären Hut, federgeschmückt, versteht sich, ihr Referenz erweisend, wartet, wartet auf ein Wort von ihr, nur ein einziges Wort, bittebitte… vergeblich… gibt ihr, großzügig wie er nun mal ist, eine zweite Chance… sie schweigt… erneut beharrlich wie nur eine Mauer schweigt. Er erhebt sich, murmelt was in seinen Bart, der ihm vor Monaten abhanden kam (die nicht jugendfreie Übersetzung ersparen wir den Lesern), ergreift eine Spraydose und wiederholt das zu Hause sorgsam eingeübte Prozedere. Der Strahl schießt aus der Dose und entjungfert, fffffft, die überrascht wirkende von einer Laterne zaghaft angestrahlte Mauer. Er stockt. Wäre es nicht ratsam, sich vor Beginn der Sprayarbeit zu überlegen, was er denn da an eigentlich die Wand zu werfen gedenkt: einen Baum? einen Hund? ein Haus? – Egal, irgendwas wird es schon werden, denkt er zuversichtlich, und sein innerer Schweinehund, der es sich nicht hat nehmen lassen, ihn zu begleiten, assistiert ihm schwanzwedelnd und freudig erregt… äh sogleich, reicht ihm mal diese, mal jene Spraydose, und so schreitet das Kunstwerk zügig voran… Ein Hundebaumhaus? Iphigenie auf Tauris? Ein Hundehaufen? – Egal!
Dann… das Unerklärbare, das Unvermeidbare, das unerklärbar Unvermeidbare… sein innerer Schweinehund, reißt mit einem Mal die Spraydosen an sich und galoppiert, wie von einer Tarantel gestochen, von Dannen. „Hey, was soll das?“, ruft er ihm, dem inneren Schweinehund, jetzt zum üblen Sauhund mutiert, hinterher, den das Dunkel der Nacht bereits nach wenigen Metern verschlingt. Drei, vier, vielleicht fünf Sekunden später, Hundegebell, Stimmen, beides rasch anschwellend, lauter werdend, und schon schießen zwei Hunde, die er sofort als Bluthunde identifiziert, um die Ecke und mit Karacho auf ihn zu. Ihm stockt der Atem, sein Puls, schätzungsweise jenseits der 200, weiterhin ansteigend, ohne jeglichen Drehzahlbegrenzer, dennoch… geistesgegenwärtig genug, unverzüglich das Weite zu suchen, rennt er los, so schnell er kann, rennt um sein Leben, atemlos, hechelnd. Wäre er bloß jünger, fitter, hätte er das Joggen nicht vor Jahren eingestellt, dafür aber die täglichen Süßigkeiten, das Rauchen und und und (es hätte ihm nichts genützt), er blickt zurück, zwei Herren in Klamotten, wie üblicherweise nur Polizisten sie tragen, Halt! und Stop! und Stehenbleiben! rufend, weisen eine Laufgeschwindigkeit auf, die deutlich über der seinen liegt, die Hunde bellend, die Herren schreiend, die Lichter in den umliegenden Häusern angehend, er davonlaufend…
Wäre er zu Hause geblieben (wäre, wäre Fahrradkette), er hätte im Internet, auf Wikipedia oder wo auch immer nachlesen können, dass der Bluthund, obwohl ein Jagdhund, ein sanftmütiger, ruhiger und freundlicher Geselle ist, also, grüner Bereich, bei Bedarf jedoch zu Eigensinn neigt und, mit hervorragenden Spürsinn ausgestattet, imstande ist, kapitale Hirsche zu jagen und diese zu erlegen, also, deutlich roter, wenn nicht dunkelroter Bereich.
Es gibt Momente im Leben, in denen ist es völlig Wurscht, ob du Internet hast oder nicht… zum Beispiel, wenn zwei ausgewachsene Bluthunde dir an den Fersen kleben, dicht hinter dir und ready for take off zum Sprung ansetzen… nun ist Bluthund Nummer 1 in der Luft, gefolgt von Nummer 2, die Superzeitlupe ist während des gesamten Bluthund-Fluges angesagt, der Autor tippt aus Rücksicht auf seine Leser langsamer in die Tasten hinein als üblich, dadurch die Superzeitlupe erzeugend, die Leser werden gebeten, aus Sicherheitsgründen während des Fluges angeschnallt zu bleiben, die Saftschubsen haben das Verteilen von Speis und Trank eingestellt, der erste Bluthund, mittlerweile die optimale Reiseflughöhe erreicht, setzt an zum Wiedereintritt in die Erdatmosphäre hat den Scheitelpunkt erreicht, an dem es, z’erst auffi, dann abbi, wie der gebirgserprobte Wanderer zu sagen pflegt, wieder abwärts geht, landet punktgenau auf seinen Vorderpfoten, schnappt, nach erfolgreicher Landung und Schubumkehr nach dem Davoneilenden, verfehlt ihn aber so was von knapp – leider oder Gottseidank – je nachdem, auf wessen Seite man steht, verfehlt jedoch nicht die Hose, verbeißt sich in ihr, die mit lautem Ritsch-Ratsch zerreißt, der nun nicht mehr Davoneilende im Sturz, die Arme hilflos paddelnd in der Luft, herum fuchtelnd, als wollte er imaginäre Fliegen fangen oder verjagen, wie Fallende stets im Fallen, no na, Paddeln beziehungsweise herum fuchteln wie Verrückte – Psychologen könnten erklären, warum sie das tun, ich nicht – während sein Körper, also, der des Fallenden, der Schwerkraft folgend, immer noch paddelnd zu Boden kracht.
Wrawumm!!!
Danach Stille. Völlige Finsternis. Aus. Et cetera.

Viecherl gerahmt, Teil 2

Mit dem Pfiff des Schaffners aus der Trillerpfeife, die der eines Schiedsrichters der Bundesliga, der ersten oder der zweiten, wie er glaubt, zum Verwechseln ähnlich sieht, nicht bloß vom Aussehen, selbst der Ton ist von jener schrillen Sorte, die keinen Widerspruch erlaubt und die Sportler, egal, was immer sie tun, augenblicklich erstarren lässt, zu Salzsäure, wie man sagt, in ihren Bewegungen und automatisierten Abläufen, mit jenem Pfiff des Schaffners also, setzt sich der Zug auf Bahnsteig 5, Gleis 6 oder 7, in Bewegung, langsam die Station verlassend „Muss i denn, muss i denn zum Städtele hinaus…“ und wäre er, der Herr Ösi, anwesend gewesen, er hätte die Frau Doktor sehen können, die, ihrerseits am Bahnsteig stehend, erschienen war, zu prüfen, ob er, ihr Patient, Herr Ösi, wie empfehlend befohlen, das Angebot einer Zugfahrt in die Natur hinaus in Anspruch nehmen würde, was er nicht tat, da er, wie wir wissen, letzthin beim Hinausgehen aus dem Ordinationszimmer die Anordnung verworfen hatte, sich dieser Empfehlung zu unterwerfen, gleichzeitig, jetzt zu Hause in der warmen Stube sitzend, sich fragt, ob sie denn, die Frau Doktor, sich tatsächlich am Bahnsteig eingefunden hat oder ob er es nur denkt… unter dem Motto „Sie müssen ihren Arsch bewegen, Herr Ösi“, was sie freilich sooo nicht gesagt, mit Sicherheit aber gedacht hat, beziehungsweise, viel wahrscheinlicher, denkt er, wäre, sie ist nicht am Bahnsteig erschienen, sondern ebenfalls zu Hause in ihrer warmen Stube geblieben, hätte sich gesagt, besser daheim, als sich den wohlverdienten Sonntag versauen lassen auf herbstlich zugigen Bahnsteigen, bloß um zu überprüfen, ob dieser Herr Ösi, tatsächlich den von ihr vorgeschriebenen Zug in die Natur hinaus nimmt oder nicht, nein, würde sie zu sich sagen, denkt Herr Ösi, einem Patienten nachzuspionieren wäre nicht die elegante Art, einen zugegeben grauen Sonntag, noch nicht alt, vernünftig zu Grabe zu tragen.

Der Zug hält abrupt, so, als hätte sich, die Weiterfahrt verhindernd, ein Prellbock ihm unvermittelt in den Weg gestellt, die Fahrgäste purzeln wie unkoordinierte Kegel durch die Waggons, gefolgt von der Ansage, „Pottenstein! Pottenstein! Der Zug endet hiel! Bitte alle aussteigen!“ in fast tadellosem Deutsch, sieht man ab von dem „hiel“, welches eigentlich „hier“ heißen müsste und ja, diese Ansage ist der ganze Stolz des örtlichen Bahnhofvorstands, welcher, vor Jahren urlaubsmäßig unterwegs im fernen China, einen Marktschreier aus Chongqing, einen gewissen Wang, auch „der laute Wang“ genannt, dazu überreden konnte, wobei mitgebrachte Euroscheine sich als überaus nützlich erwiesen, die bis dato ins Mikrophon gesprochene Pottenstein’sche Bahnhofsansage auf Band aufzusprechen, nicht ganz perfekt, jedoch mit fernöstlichem Charme und zu einem Preis, der inländische Bahnhofsansagesprecher asbachuralt ausschauen lässt, der Preis bestimmt, wie und wo es lang geht, ach so, durch die sich öffnenden Türen hinaus ins Freie, in die herrlich lockende Herbstnatur gefallener oder fallender Blätter… die Männer, welche während der Fahrt ihre Flachmänner unter ständigem Zuprosten aufs schnellste geleert, verabschieden sich eilfertig von ihren Frauen und Kindern, wünschen ihnen ein vergnügliches und unfallfreies Wandern und torkeln, in der Hoffnung, für einige Stunden ungestört unter ihresgleichen zu sein, in die 10 Meter entfernte Bahnhofskneipe samt Flachmann-Ladestation hinein, die, von dem uns bereits bekannten Bahnhofvorstand betrieben, mit rescher Volksmusik die Gehfaulen zum Frühschoppen anzieht wie die Motten das Licht… äh nein, umgekehrt… Prost!

Mit dem Läuten der Kirchenglocken schreckt er hoch, der Herr Ösi, aber es ist nicht das vertraute, das gewohnte, das südliche Bimmeln, welches er so gern hört, sondern es ist ein unbekanntes, ein nördliches, ein, genau gesagt, nordöstliches Geläut Pottenstein’scher Mittagsglocken, welches ihn aus dem Schlaf reißt, pünktlich zu Mittag und kaum erwacht, nimmt das Geläut, wie von Zauberhand geführt, die geliebte südliche Klangfarbe an… nicht dass er was hätte, gegen das nördliche Gebimmel, es hat seinen Reiz, zweifellos, besonders wenn die Kirche im Dorf steht, was sie meistens tut, und dieses Dorf von Bergen umringt wird, was nicht selbstverständlich ist, dann klingen Kirchenglocken, durch umliegende Berge eingeengt, naturgemäß schroffer, härter, sie tönen kräftiger, mit blechernem Beigeschmack als im Flachen befindliche Gotteshäuser, deren Geläut, frei vom Widerstand begrenzender Berge, sich ungehindert über Wiesen und Flure ausbreitet, fröhlich hüpfend über Stock und über Stein… oh nein!, den ganzen Vormittag hat er verpennt, obschon die Natur ihn rief, ein Kerl, neben ihm auf dem Sofa liegend, schnarcht ungeniert… ch ch… ch ch… ch ch… er stupst ihn an, seinen inneren Schweinehund, welcher mühsam erwacht „Ey, wach auf, wir haben unseren Zug verpasst“, „… den du“, sagt der innere Schweinehund gähnend sich wieder zur Seite wendend „… ohnehin nie hättest nehmen wollen“ und schläft auf der Stelle ein.

Anmerkung des Autors: Pottenstein, in der Fränkischen Schweiz gelegen, ist zwar real existent, eine entsprechende Bahntrasse dahin samt Endbahnhof müsste jedoch erst gebaut werden.

Viecherl gerahmt, Teil 1

Die Streifzüge führen ihn, den Herrn Ösi, dessen Frau Doktor gebetsmühlenartig wiederholt „In die frische Luft, Sie müssen in die frische Luft, Herr Ösi, gehen Sie hinaus, die Bewegung in der Natur ist es, die Ihnen fehlt, nehmen Sie Ihren Rucksack, nehmen Sie Ihren Flachmann und gehen Sie in die Natur hinaus“ und also, Herr Ösi, gehorchend wie ein wohlerzogener Hund, dessen Rasse er vergessen, nimmt seinen Rucksack, nimmt seinen Flachmann… äh notgedrungen nicht, weil er keinen Flachmann besitzt und würde er einen Flachmann sein Eigen nennen, seine Befüllung würde ihm Kopfzerbrechen bereiten, denn, ein handelsüblicher Flachmann ist so flach, sein Inhalt so gering, er müsste klarerweise mit Hochprozentigem bis Höchstprozentigem, wenn nicht gar mit HöXXXtprozentigem gefüllt sein, die Flachheit des Flachmanns berücksichtigend, die mit seinem geringen Volumen einhergeht, dass es regelrecht sinnlos wäre, ihn, den Flachmann, mit Flüssigkeiten zu befüllen, die gemeinhin aus diversen Wasserhähnen zumeist kostenlos tropfen und am besten in großvolumige Behältnisse passen, die man draußen, erstmal erschöpft von der vielen Natur, mit ordentlich herzhaften Schlucken aus dem großvolumigen Behältnis, Plastikflasche traut er sich, in grauen Tagen wie diesen, nicht sagen, zu sich nimmt, statt ein zaghaftes Nippen an einem höchst unterdimensionierten Flachmann, dessen Inhalt, XXXL-prozentig und überaus gefährlich, dem wackeren Wanderer unverzüglich in die von der herbstlichen Natur vorgeschädigten Birne schießt, sein Gehirn vernebelt, verschleiert und ihn womöglich von seinen Streifzügen, die er im Begriffe ist abzuhalten, abhält.
Das Ordinationszimmer verlassend, die Hand auf der Türklinke, hat sie ihm nachgerufen „Nehmen Sie den Zug, Herr Ösi, setzen Sie sich in einen Zug hinein…“, wie es eine gewissenhafte und umweltbewusste Frau Doktor, die sie zweifellos ist, jedem Patienten empfiehlt, den Zug zu nehmen und nicht das Auto, wenn es darum geht, in die Natur hinaus zu gehen beziehungsweise hinaus zu fahren zwecks Bewegung, schon weil das Hinausfahren in die Natur naturgemäß mit einem Flachmann im Rucksack nicht die allerbeste Lösung ist, schon gar nicht, wenn man selbst hinterm Steuer sitzt, aber zu diesem Zeitpunkt konnte sie nicht wissen, im Gegensatz zum Leser, dass Herr Ösi keinen Flachmann besitzt, sich auch zu Weihnachten keinen wünscht, zu Ostern detto nicht und als er die Türklinke nach unten drückt, denkt er leicht vorwurfsvoll „Frau Doktor! Frau Doktor!“, sich wundernd, dass sie ihm einen Flachmannbesitz unterstellt, als wäre er ein dahergelaufenen Säufer, der mit roter Schnapsnase besoffen ins Ordinationszimmer wackelt, grübelt kurz, was sie wohl über ihn denkt und sagt von dankenden und verabschiedenden Floskeln begleitet „In den Zug hinein, ich setze mich in den Zug hinein…“, schließt die Tür sorgsam hinter sich, tief durchatmend und verwirft auf der Stelle noch im Hinausgehen die Empfehlung, mit dem Zug zu reisen, zumal er ja keinen Flachmann besitzt und sich fragt, ob das Besteigen von Zügen ohne Flachmänner überhaupt gestattet ist.

Auf dem Nachhauseweg, zu Fuß selbstverständlich, denkt Herr Ösi, wie die ersten beiden Sätze wohl in Form zu bringen wären, ist sich gewiss, einmal vor dem Computer sitzend, das eben Gedachte nicht so niederschreiben zu können, wie er es sich, jetzt noch im Gehen, wünscht, in klaren und verständlichen Sätzen, dass später beim Tippen der Worte in die Maschine, seine Befürchtung eintreffen könnte, der Text würde mit dem Aufschließen der Haustür verfliegen, so, als wäre er ihm nie erschienen, ffffffft, einfach weg, er stünde da ohne Text, bloß der Titel „Viecherl gerahmt“ bliebe mutterseelenalleine im Raum, was nach dem fiktiven Lesen der ersten beiden Sätze, vorausgesetzt, er würde sie einigermaßen hinbekommen, nicht nur verwirrend, sondern regelrecht deppert klingen würde, man müsste davon ausgehen, die Geschichte wäre zu Ende, noch ehe sie begonnen, was freilich ein Unding… und selbst die Überlegung, den Titel „Viecherl gerahmt“ meinetwegen in „Viecherl gerammt“ umzubenennen, was zwar ein Leichtes wäre, dem Ganzen einen gewissen machohaften Stempel aufzudrücken, würde eher zur Verwirrung des Lesers als zur irgendeiner Aufklärung beitragen, abgesehen davon, dass erstmal ein Viecherl gerammt werden müsste anstatt gerahmt, was Herr Ösi, die Rahmenbedingungen der Rahmenhandlung klar vor dem geistigen Auge, nicht verantworten kann und so plant er, warum nicht, kurzerhand eine Fortsetzung.

Der nicht existierende Beitrag

Eigentlich war hier angedacht, einen Beitrag zu bringen, der nicht existiert, ein Null-Posting sozusagen. Ein Null-Posting ist ein Betrag ohne Bild, ohne Video, ohne Musik, ohne geschriebene oder gesprochene Worte, ein Dingens, welches ohne Firlefanz auskommt, also, quasi ein Nichts. Die Frage ist, kann so ein Beitrag, so ein Null-Posting, so ein Nichts überhaupt existieren? Und falls ja, wie würde er ausschauen? Könnte man ihn wahrnehmen, obwohl er nicht existiert? Müsste die aufgerufene Seite nicht leer bleiben? Weiß? Schwarz? Blau? Unsichtbar? Nicht vorhanden? Freilich könnte man einwerfen, allein die ersten Worte Eigentlich war hier angedacht, einen Beitrag zu bringen, der nicht existiert, ein Null-Posting sozusagen, beweisen seine Existenz. Aber ist dem so? Existiert er wirklich? Oder könnte es sein, dass es ihn nur in deiner Vorstellung gibt? Genauso wie zum Beispiel Herr Ösi, der, wie manche wissen, einen oder zwei Beiträge pro Monat in die weite Welt des Internets hinaus posaunt. Existiert dieser Herr Ösi mitsamt seinen Beiträgen tatsächlich oder existiert er nicht? Was wissen wir schon? Und was, wenn du einem Trugbild aufgesessen bist, welches bloß in deinem Geist entsteht? Was, wenn du meinst, Beiträge gelesen zu haben, die niemals verfasst worden sind? Oder, schlimmer noch, nicht existierende Ösi-Beiträge kommentiert zu haben? Müsste dann nicht deine Welt in allen Grundfesten erschüttert sein? Was, wenn eine übermächtige Künstliche Intelligenz den Herrn Ösi bloß erschaffen hat wie ein Zauberer, der ein Kaninchen aus einem Zylinder abracadabrat? Es versteht kein Mensch und keiner fragt danach, warum immer Kaninchen aus Hüten gezaubert werden. Als gäbe es keine Eichhörnchen, Regenwürmer, Riesenkraken und so weiter. Das ist Illusion. Wir werden von klein auf darauf konditioniert: Zauberer, Zylinder, Kaninchen. Punkt! Herr Ösi. G’schmarri. Unsinn. Punkt! Dinge kritisch zu hinterfragen ist nicht unser Ding. Dazu müssten wir hinter den Vorhang schauen. Weil hinter dem Vorhang noch ein weiterer Vorhang ist und danach noch einer und noch einer und noch einer, belassen wir es, auf den ersten zu schauen und zu sagen: Aha, ein Vorhang. Die übermächtige Künstliche Intelligenz habe ich deshalb angeführt, weil eben modern, in aller Munde und als übermächtig und zukunftsweisend tituliert. In Wahrheit ist sie ein Kaninchen, welches nicht existiert… denke ich… wie dieser Beitrag, den du gerade liest, nicht existiert…

Putzbefreit

Ist natürlich nicht ganz günstig
ziemlich teuer sogar
aber machbar
es lohnt sich
sagt Herr Ösi
für ihn allemal
ein wenig Aufwand betreiben
um im Anschluss…
als Belohung sozusagen
hau ruck die Beine hoch
entspannen…
die Ruhe genießen
nach getaner Arbeit sprich
nach eigentlich nicht getaner Arbeit
die Außenstelle
in meinem Fall
die 1847 Strich 5
in deinem Fall
keine Ahnung
eine entsprechend andere
klarerweise
die Außenstelle
sagt er
die Außenstelle ausfindig machen
die eigentliche Schwierigkeit
ist die Außenstelle
die Außenstelle muss ausfindig gemacht werden
die entsprechende Innenstelle
danach in der gefundenen Außenstelle zu finden
ist ein Kinderspiel
ist die Außenstelle erst gefunden
ist das Auffinden der Innenstelle
ein Klacks
naja…
Der Umschlag
sagt die zuständige Sachbearbeiterin
der Innenstelle
sagt Herr Ösi
die Sachbearbeiterin wiederholend
nimmt ihn entgegen
den Umschlag
den mitgebrachten Umschlag
fühlt die Dicke
prüft
wie nur eine Sachbearbeiterin
imstande ist
zu prüfen
ohne den Umschlag zu öffnen
anhand der Dicke
anhand der Schwere
wie auch immer
ob er passt
oder nicht
(er scheint zu passen)
steckt ihn wortlos
in ihre schicke Louis-Vuitton-Handtasche
War’s das?
fragt er zaghaft
Das war’s
sagt sie kurz
Ein kleines Gespräch
über die Schwierigkeit der Auffindung
der Außenstelle entsteht
Die Innenstelle haben Sie aber problemlos gefunden
sagt sie augenzwinkernd
ungeduldig auf die Uhr blickend
Ja, die Innenstelle problemlos gefunden
nachdem ich die Außenstelle
endlich ausfindig gemacht hatte
entgegnet er
Sie reicht ihm einen Aufkleber
An der Haustür befestigen!
belehrt sie ihn
bevor sie ihn wegschickt

Seitdem ist Herr Ösi amtlich putzbefreit… 😉

Der Berg ruft

Herr Ösi darf nur Saft

Schwester! Sagen Sie bloß, die Weinprobe findet heute nicht statt…

Schon an den ersten Worten werden Sie erkennen: das ist heute kein typischer Ösi Text. Es ist ein Saftschubsen Text. Vom Herrn Ösi seiner Assistentin. Ich, geborene Silvia Saftschubse, darf den Text heute nicht nur wie üblich eintippseln, ich, Silvia Saftschubse, darf ihn sogar reh-digieren. Zumindest so lange der Chef in der Klinik weilt. Und weil ich ziemlich aufgeregt bin, habe ich reh-digieren mit „h“ geschrieben, so wie das scheue Waldtier halt.

Was ihm fehlt und ob es ihm gut geht? wollen Sie wissen. Nun ja. Sieht er nicht putzig aus in seinem neuen Kleidchen? Die Spatzen in Paris pfeifen es von den Dächern. Jean Paul Gaultier – Stardesigner und Modeschöpfer – is back, meldet sich nach langer Schaffenspause mit einer neuen Haute Couture zurück… und hat in Herrn Ösi ein erstes prominentes (nun ja…) Opfer gefunden. In Zeiten wie diesen, richtet sich das Augenmerk der Medien klarerweise auf den Krankenhauspatienten. Er ist in aller Munde. Er bevölkert die Intensivstationen, befeuert die Statistiken, kurz: er ist immer mit vorn dabei… und will neuerdings auch noch gut dabei ausschauen. Für das Herausputzen dieser nicht gerade attraktiven Spezies ist Herr Gaultier wie geschaffen. Den Namen Gaultier dürfen Sie – wollen Sie ein bisschen die Aussprache üben – nicht aussprechen als hätte er etwas mit einem klapprigen Gaul gemeinsam, Gaul-Tier also, nein, Gaul-Tier geht gar nicht, den Namen Gaultier müssen Sie aussprechen als würden Sie „Gott Je“ sagen, mit einer kleinen Pause zwischen Gott und dem Je. Auf keinen Fall Gaul-Tier, müssen Sie wissen, sonst können Sie gleich Pferd sagen, was immerhin einfacher und logischer wäre als ein überkandideltes Gaul-Tier. Wäre mit Gaul-Tier – jetzt Hypothese – tatsächlich ein Pferd gemeint (was es nicht ist), müsste man es als Cheval schreiben und als „Schöwal“ aussprechen, hab ich gelernt, und wären – nur mal angenommen – zwei Pferde am Start, also eine mathematische Verdopplung des ersten Pferdes, würde man Chevaux schreiben und „Schöwo“ sagen. Kompliziert, nicht? „Dö Schöwo“ oder „Dö Schwo“, wie der Franzose kurz und bündig sagt, wenn er zwei Pferde ins Rennen schickt, sind folglich zwei Pferde und „Schöwo“ oder „Schwo“ sind ein und das selbe. Klar? Nun gut. Früher fuhr auf den Straßen ein Automobil, das „Dö Schöwo“ genannt wurde, also zwei Pferde und das Verrückte daran ist oder war, dass man hierzulande zu den zwei Pferden „Ente“ sagte. Oder „2 CV“, was ziemlich futuristisch klang für das originelle Wägelchen. Wie man von zwei Pferden auf eine Ente schließen kann und/oder umgekehrt, entzieht sich meiner Kenntnis. Aber zurück zu Herrn Ösi, bevor wir uns verzetteln.

Für mich handelt es sich um eine Schöheitsoperarion, hab ich ihm gesagt, auch wenn er davon nix wissen will. Zwar nicht um eine Brustvergrößerung, wie sie Männer heutzutage gern machen lassen, um ihren weiblichen Anteil zu erhöhen, was stets mit Vorteilen am Arbeitsplatz einhergeht. Nein, eher das Gegenteil. Nun gut, auch keine Brustverkleinerung, was naheliegend wäre, wenn es sich nicht um eine Brustvergrößerung handelt. Den älteren Herren, das werden Sie sicher schon bemerkt haben, wachsen im Alter oftmals… sagen wir mal: so was wie äh… kleine Tittchen… Tittchen, die so manch einer Dame gut zu Gesicht stehen würden, wenn sie brettl-eben ist, mit also zu wenig Holz vor der Hütte ausgestattet ist, wie der Chef gern sagt (wenn ihn keiner hört). Dies soll keine Wertung sein, sondern bloß… äh dingens, wenn Sie wissen, was ich meine. Aber es geht hier nicht um Tittchen. Es geht um einen Höcker, der auf seiner rechten Schulter sitzt beziehungsweise eher thront. Thront ist das richtige Wort. Eine ziemlich abstruse Sache. Der Watzmann, wie er ihn nennt, weil der Höcker in der Zwischenzeit zu einem echten, nicht zu übersehenden Koloss herangereift ist. Egal was er trägt, der Watzmann zeichnet sich deutlich unter der Kleidung ab. Einerseits erweist sich der Höcker als extrem praktisch, wenn es darum geht, Rucksäcke oder Einkaufstaschen zu transportieren. Nichts, aber auch rein gar nichts rutscht – einmal über den Watzmann geschoben – von seiner rechten Schulter. Das Rückhaltevermögen des Watzmanns ist ein überaus erstaunliches. Aber eben auch diese Ungleichheit, diese falsche Gewichtung gegenüber der linken Schulter, die sich wie eine handelsübliche linke Schulter ohne besondere Auffälligkeiten präsentiert, sprich brettl-eben eben. Es ist diese Ungleichheit, die den Chef gewaltig stört, diese Ungleichheit zwischen der rechten und der linken Schulter und die ihn letztendlich zur Wegsäbelung des Watzmanns bewogen hat. Der Watzmann muss weg! hat er gesagt und hat zum Telefonhörer gegriffen. Watzmann, Watzmann, Schicksalsberg, du bist groß und i nur a Zwerg.

Eins hat er nicht bedacht, der passionierte Weintrinker. So lange die Wunde nicht verheilt ist und er mit Schmerzmittel vollgepumpt wird, ist nix mit Weinprobe und dergleichen. Herr Ösi darf zur Zeit nur Saft. Das trifft sich gut. Endlich habe ich Gelegenheit, meinem Namen alle Ehre zu erweisen. Von früh bis spät übe ich das Schubsen von Säften… zu einem imaginären Herrn Ösi hinüber, der, wie ich hoffe, in Bälde seinen gewohnten Platz einnehmen wird.
Ihre
Silvia Saftschubse

Statistik

Einerseits. Andererseits. Einerseits die Neugier. Andererseits… Schauen Sie mal, so Herr Ösi zu seiner Assistentin Frau Saftschubse, schauen Sie mal ins Internet hinein. Ins Internet hineinschauen bedeutet für ihn in erster Linie die Statistik studieren. Nein, nicht in dieses Internet, in das andere! sagt er. Das andere Internet ist YouTube. Du Schlauch, wie er immer sagt. Schauen Sie in den Du Schlauch hinein. Typisch Ami, sagt er. Manchmal bezeichnet der Ösianer eine raffinierte, sprich schlaue Person als Schlaucherl. Das ist okay. Aber in das YouTube hineinzuschauen, das Wort YouTube zu verwenden, sagt er, das ist nicht okay. Du Schlauch müsste es heißen, das andere Internet, nicht YouTube. Aber wer sagt schon Du Schlauch? Alle sagen YouTube, wenn sie in den Du Schlauch hineinschauen. Für ihn ist es ziemlich dingens, um nicht zu sagen: echt arg deppert, wenn einer YouTube sagt. Keiner scheint sich irgendwas dabei zu denken, schimpft er, wenn er YouTube sagt und dann in den Du Schlauch hineinschaut. Alle schauen in den Du Schlauch hinein und sagen YouTube dazu, wiederholt er. Diese unnötige Amerikanisierung, stöhnt er. Es folgt eine Abhandlung über den schlampigen Umgang mit der Sprache. Als hätte er nur darauf gewartet, dass, einmal das Wort YouTube ausgesprochen, er in der Folge nur noch Du Schlauch sagt, Du Schlauch, Du Schlauch, Du Schlauch, um den gedankenlosen Umgang mit der Sprache, will heißen, diese unerträgliche Überamerikanisierung anzuprangern. Und…, fragt er, wie viele Videos haben wir schon gedreht? Über achtzig, sagt die Saftschubse. Wow! sagt er. Über achtzig? Sie nickt zur Bestätigung. A lot of wood, findet er. Weil, wenn ein jeder YouTube sagt statt Du Schlauch, sagt er A lot of wood statt Eine Menge Holz. Bei über achtzig, sagt die Saftschubse und lässt ihren Geist kurz aufblitzen, bei über achtzig sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht. Er lacht. Was ergibt das in der Summe, will er wissen. Hintereinander abgespielt? fragt sie. Ja, die Dauer, wie lang müsste einer gucken? Bis er alles gesehen hat? Ja, ja, die Dauer, die Dauer… Er wird ungeduldig. Statt es auszurechnen, lenkt sie ihn ab. Sagt: Wussten Sie, Ihre Symphonie für Hunde hat mittlerweile über 34.200 Aufrufe! Ihr mit Abstand erfolgreichstes Video. Er: Nein! Sie: Ja! Er: Gibt’s ja nicht. Sie: Doch, das gibt es. Er: Tatsächlich? Sie: Wenn ich es Ihnen sage. Die Symphonie für Hunde, grübelt er, aus dem Jahr 2015 ist alles andere als ein Meisterwerk. Na gut, korrigiert er schnell. So schlecht ist sie auch wieder nicht. Sie zu kompostieren hat mir einiges an musikalischem Geschick abverlangt. Für die damalige Zeit womöglich revolutionär.  Aber Meisterwerk? Nein, ein Meisterwerk ist sie nicht. Wäre gut möglich, sagt die Saftschubse, dass die Hunderln, die großen und die kleinen, die jungen und die alten, die, die knurren und die, die bellen und die, die beißen, dass die, die ja bekanntlich ganz anders ticken als wir Menschen im Tagesbetrieb, dass diese ganzen Hunderln auf diese speziell für sie kompostierten und abgestimmten Klänge, sagen wir mal… besonders intensiv abfahren. Nur so wären die unglaublich hohen Klickzahlen zu erklären. Sie haben eben ein besonderes Gespür für Hunderln und was die sich in ihrer Freizeit musikalisch am liebsten reinziehen, lobt sie ihn. Kann sein, entgegnet er und ergänzt: wie Sie ja ein besonders Gespür für den neuen WordPress Editor haben. „Los, los, nun spielen Sie endlich meine Symphonie für Hunde ab, aus diesem verflixten Du Schlauch.“ Er ist ungeduldig. Das Publikum vermutlich ebenso…