Herr Ösi singt Neil Young

Schier unendlich ist die Liste singender Ösianer, die meinen, unbedingt einen auf Amerikaner machen zu müssen. Indem sie Ami-Songs interpretieren und ähnlichen Unfug treiben. So auch Herr Ösi. Die Liste der Interpreten ist ellenlang.

Als da wären:
Wolfgang Ambros singt Bob Dylan.
Oder Wolfgang Ambros singt Tom Waits.
Oder Wolfgang Ambros singt Hans Moser.
Und und und.

Hans Moser, werden Sie sich fragen? Ja, Hans Moser. Im Film Der Onkel aus Amerika gibt der begnadete Nuschler einen wunderbaren wie waschechten Ami. Amerikanischer als amerikanisch, unglaublich, faktisch außerirdisch. Einerseits. Andererseits gibt es Menschen, deren Kapital hauptsächlich wenn nicht ausschließlich in der eigenen unverwechselbaren Stimme liegt.

Hans Moser gehört dazu. Unweigerlich. Und natürlich Maria Callas. Die GROSSE Callas. Sie bezauberte die Opernwelt, mitunter sogar durch den Gesang, riss das Publikum aus den weichen plüschenen Opernstühlen, weil die bedeutendste Sporanstimme ihrer Zeit, da konnte ihr keine andere was … und schon gar nicht was vormachen oder anhaben, auch wenn die Konkurrenz noch so laut jolend jodelnd koloraturierte. Sie behielt die Oberhand. Immer. Und den Herrn Onassis – wenn das nicht krass is – sowieso.

Herr Ösi hat sich mit der Frage beschäftigt, was wäre gewesen, wenn der Moser und die Callas ein Paar und so weiter – Sie wissen schon, was ich meine – gewesen wären. Zeitlich durchaus im Bereich des Möglichen. Womöglich gar hinter dem Rücken des Herrn Onassis, während dieser seine Öltanker zählte … sozusagen Inventur auf griechisch.
Onassis: Sokrates, da fehlen schon wieder ein paar Schiffe.
Sokrates: Bloß klapprige Rostlauben. Ich hab sie verschrotten lassen.
Onassis: Bist du verrückt? Hier, der Schierlingsbecher. Trinken!
Sokrates: Bitte nicht schon wieder.

Neue Ausgrabungen in Paris und Wien bestätigen unseren Verdacht. Der Moser und die Callas waren ein Paar. Klammheimlich. Wie dereinst Jean-Paul Belmondo, der aus Gründen der Ehre den Anspruch pflegte, gefährliche Stuntszenen selbst zu drehen, ließ sich auch Hans Moser in seinen Filmen nur ungern bis gar nicht von Kollegen doubeln. Schon wegen der Einzigartigkeit seiner Stimme, die ein Stuntman eben nur unzulänglich.
Äh, rübergebracht hätte. Um die geplante Rolle des Hotelportiers Rienössl im Film Kaiserball gewissenhaft zu verinnerlichen, ließ sich Moser, der Perfektionist, vom Hotel Sacher als Praktikant einstellen und übte monatelang den Rienössl. Maria Callas, die damals als Lucia vom Lämmermoor in Wien weilte, selbstverständlich, wie es sich für eine Diva gehört, im Sacher logierend, war von dem Herrn Rienössl und seiner stets blitzsauber gewienerten Rezeption derart angetan, anfangs freilich ohne die wahre Identität des Portiers zu erahnen, dass sie ihren Schiffe zählenden Griechen nicht nur beinah sondern völlig vergaß.

Die jetzt in Paris zu Tage getretenen und veröffentlichten Callas’schen Grabbeigaben sprechen eine deutliche Sprache. Ein dicker Packen Briefe, gezeichnet Dein Hansi M, diverse Küchenutensilien, ein Nachttopf, Wiener Porzellanmanufaktur, Jugendstil, Inschrift Dein Hansi M, mehrere Kisten Gumpoldskirchner – ungeöffnet, eine Wiener Dienstmannkappe, Aufschrift WIENER DIENSTMANN, sind nur die Spitze des Eisbergs.

Uns interessiert an dieser Stelle nicht das intime Verhältnis der beiden – neugierige Leser mögen sich bitte einer Ausgabe der BILD-Zeitung bemächtigen – als vielmehr das künstlerische, musikalische, kulturelle Miteinander. Und interessant: stimmlich haben der Moser und die Callas aufs Innigste zusammengepasst, wenn sie gemeinsam gesungen haben. Man muss schon genau hinhören, um die beiden nicht zu verwechseln.  Die eine Stimme geht praktisch stufenlos wie ein Föhn in die andere über. Leider sind heute nur noch wenige historische Aufnahmen vorhanden, welche naturgemäß stark vom Verfall bedroht sind, sprich: der Zahn der Zeit, nag! nag!

Herr Ösi hat diese Raritäten behutsam einer zeitgemäßen Bearbeitung unterzogen und präsentiert sie exklusiv seinem geneigten Publikum. Hören Sie nun die unwiderstehliche Maria Callas und den einzigartigen Hans Moser gemeinsam in einer Arie von süffigem Wein und irgendwelchen nicht weiter nachvollziehbar ergründbaren wohl aber bedeutenden Menschen und Ereignissen.

 

Leider haben wir uns wieder mal verplaudert. Die Ankündigung „Herr Ösi singt Neil Young“ entfällt deshalb und wird zu einem späteren Sendetermin nachgeholt.