System Error

Jeder, der jetzt bei SYSTEM ERROR eine System-Kritik erwartet, den muss ich enttäuschen. Obwohl! Angebracht wäre sie schon, die System-Kritik. Vielleicht beim nächsten Mal. Ich merk‘ sie mir vor. Heute sind wir im Reich der Musik. Mal wieder. Musik bereitet in der Regel Freude. Also, meist dann, wenn wir nicht über die Oper sprechen. Obwohl! Das ist nun das zweite… äh pardon, das dritte Obwohl! in kürzester Zeit und natürlich gibt es den geneigten Opernfreund, den, der die Klassische Musik zu schätzen weiß, wie Herr Ösi (opernmäßig eher banausenhaft drauf), der, hört er Mozarts Zauberflöte, die einzige Oper übrigens, die er kennt und liebt, aber hey, die kennt er so gut, sprich aus dem Effeff, dass er den Papageno („Der Vogelfänger bin ich ja, stets lustig, heißa hoppsassa!), den er besonders mag, den Papageno, und den er bei seinen Liedchen derart kräftig unterstützt, dass du glaubst, der Ösi singt den ganzen lieben Tag nix anderes als Arien. Die Oper ist praktisch die einzige Musikrichtung, wo ein, kommen wir auf den Punkt, ein System Error unvorstellbar ist. Das ist erstaunlich. Ich spreche klarerweise von der Oper in der Oper. Die Oper in der Oper ist sozusagen System Error free. Nicht so die Oper zu Hause, die vom Plattenspieler oder vom Dingens dudelt. Nein, die nicht. Im trauten Heim ist jederzeit ein System Error möglich und, wenn ich mir’s recht überlege, dann ist er sogar ziemlich wahrscheinlich. Er tritt ein, wenn du ihn am wenigsten erwartest. Das ist das Verteufelte. Du wartest sehnsüchtig auf die Königen der Nacht – um Missverständnissen zuvorzukommen, wir sind immer noch in der Zauberflöte – und plötzlich ist er da, der System Error, bevor sie, die Königin der Nacht, zur Koloratur, was freilich nix Unanständiges ist, obwohl, ein bisschen klingen tut es schon danach, bevor sie zur Koloratur ansetzen kann. Statt der erwarteten Koloratur folgt ein veritabler System Error. Wär‘ dir in der Oper nicht passiert. Zu Hause aber sind dem System Error Tür und Tor geöffnet. Zu Hause fühlt er sich wohl. Weshalb viele in die Oper gehen, um den heimischen System Error zu entkommen. „Schatzi, heute bleibt die Küche kalt, wir gehen in den Wienerwa… äh in die Oper.“ Die Oper ist logischerweise System Error free, jedoch keineswegs Error free, wenn du weißt, was ich meine. Ich berichtete kürzlich darüber. Nun gut. Kommen wir zur Sache.
Der System Error ist, sagen wir mal… stromgebunden. Klar. Gerade in der elektronischen Musik ist er mitunter unvermeidlich, gehört quasi zum guten Ton. Weshalb Herr Ösi seinen neuen Song System Error nennt. In Zeiten wie diesen, wo Tanzmöglichkeiten Mangelware, bringt er dir die Mucke samt super prima Laune, die du jetzt am meisten brauchst, in die gute Stube hinein und ist dabei extrem tanzbar. Allein. Zu zweit. Zu dritt. Wie auch immer. Ein bisschen Latin Jazz, Soul, eine Prise Industrial, jener heiße Scheiß, für den wir eigentlich zu alt sind, wo wir denken, wir stehen inmitten einer Fabrikhalle, umgeben von maschinellem Gedöns-Gedrönhs, aber pssst, pssst, hör selbst… 😉

Herr Ösi singt Neil Young

Schier unendlich ist die Liste singender Ösianer, die meinen, unbedingt einen auf Amerikaner machen zu müssen. Indem sie Ami-Songs interpretieren und ähnlichen Unfug treiben. So auch Herr Ösi. Die Liste der Interpreten ist ellenlang.

Als da wären:
Wolfgang Ambros singt Bob Dylan.
Oder Wolfgang Ambros singt Tom Waits.
Oder Wolfgang Ambros singt Hans Moser.
Und und und.

Hans Moser, werden Sie sich fragen? Ja, Hans Moser. Im Film Der Onkel aus Amerika gibt der begnadete Nuschler einen wunderbaren wie waschechten Ami. Amerikanischer als amerikanisch, unglaublich, faktisch außerirdisch. Einerseits. Andererseits gibt es Menschen, deren Kapital hauptsächlich wenn nicht ausschließlich in der eigenen unverwechselbaren Stimme liegt.

Hans Moser gehört dazu. Unweigerlich. Und natürlich Maria Callas. Die GROSSE Callas. Sie bezauberte die Opernwelt, mitunter sogar durch den Gesang, riss das Publikum aus den weichen plüschenen Opernstühlen, weil die bedeutendste Sporanstimme ihrer Zeit, da konnte ihr keine andere was … und schon gar nicht was vormachen oder anhaben, auch wenn die Konkurrenz noch so laut jolend jodelnd koloraturierte. Sie behielt die Oberhand. Immer. Und den Herrn Onassis – wenn das nicht krass is – sowieso.

Herr Ösi hat sich mit der Frage beschäftigt, was wäre gewesen, wenn der Moser und die Callas ein Paar und so weiter – Sie wissen schon, was ich meine – gewesen wären. Zeitlich durchaus im Bereich des Möglichen. Womöglich gar hinter dem Rücken des Herrn Onassis, während dieser seine Öltanker zählte … sozusagen Inventur auf griechisch.
Onassis: Sokrates, da fehlen schon wieder ein paar Schiffe.
Sokrates: Bloß klapprige Rostlauben. Ich hab sie verschrotten lassen.
Onassis: Bist du verrückt? Hier, der Schierlingsbecher. Trinken!
Sokrates: Bitte nicht schon wieder.

Neue Ausgrabungen in Paris und Wien bestätigen unseren Verdacht. Der Moser und die Callas waren ein Paar. Klammheimlich. Wie dereinst Jean-Paul Belmondo, der aus Gründen der Ehre den Anspruch pflegte, gefährliche Stuntszenen selbst zu drehen, ließ sich auch Hans Moser in seinen Filmen nur ungern bis gar nicht von Kollegen doubeln. Schon wegen der Einzigartigkeit seiner Stimme, die ein Stuntman eben nur unzulänglich.
Äh, rübergebracht hätte. Um die geplante Rolle des Hotelportiers Rienössl im Film Kaiserball gewissenhaft zu verinnerlichen, ließ sich Moser, der Perfektionist, vom Hotel Sacher als Praktikant einstellen und übte monatelang den Rienössl. Maria Callas, die damals als Lucia vom Lämmermoor in Wien weilte, selbstverständlich, wie es sich für eine Diva gehört, im Sacher logierend, war von dem Herrn Rienössl und seiner stets blitzsauber gewienerten Rezeption derart angetan, anfangs freilich ohne die wahre Identität des Portiers zu erahnen, dass sie ihren Schiffe zählenden Griechen nicht nur beinah sondern völlig vergaß.

Die jetzt in Paris zu Tage getretenen und veröffentlichten Callas’schen Grabbeigaben sprechen eine deutliche Sprache. Ein dicker Packen Briefe, gezeichnet Dein Hansi M, diverse Küchenutensilien, ein Nachttopf, Wiener Porzellanmanufaktur, Jugendstil, Inschrift Dein Hansi M, mehrere Kisten Gumpoldskirchner – ungeöffnet, eine Wiener Dienstmannkappe, Aufschrift WIENER DIENSTMANN, sind nur die Spitze des Eisbergs.

Uns interessiert an dieser Stelle nicht das intime Verhältnis der beiden – neugierige Leser mögen sich bitte einer Ausgabe der BILD-Zeitung bemächtigen – als vielmehr das künstlerische, musikalische, kulturelle Miteinander. Und interessant: stimmlich haben der Moser und die Callas aufs Innigste zusammengepasst, wenn sie gemeinsam gesungen haben. Man muss schon genau hinhören, um die beiden nicht zu verwechseln.  Die eine Stimme geht praktisch stufenlos wie ein Föhn in die andere über. Leider sind heute nur noch wenige historische Aufnahmen vorhanden, welche naturgemäß stark vom Verfall bedroht sind, sprich: der Zahn der Zeit, nag! nag!

Herr Ösi hat diese Raritäten behutsam einer zeitgemäßen Bearbeitung unterzogen und präsentiert sie exklusiv seinem geneigten Publikum. Hören Sie nun die unwiderstehliche Maria Callas und den einzigartigen Hans Moser gemeinsam in einer Arie von süffigem Wein und irgendwelchen nicht weiter nachvollziehbar ergründbaren wohl aber bedeutenden Menschen und Ereignissen.

 

Leider haben wir uns wieder mal verplaudert. Die Ankündigung „Herr Ösi singt Neil Young“ entfällt deshalb und wird zu einem späteren Sendetermin nachgeholt.