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Der Berg ruft

Jungbrunnen

Eigentlich sollte müsste könnte er mit sich selbst zufrieden sein. Wer? Der Herr Ösi. Der störende Watzmann wurde noch vor Ablauf der Jahresfrist entfernt. Wir berichteten darüber. Keine Frage, jetzt sieht er aus wie einer, der in Abu Ghraib gefoltert wurde. Eine tiefrote Narbe zieht sich in Schlangenlinien über die rechte Schulter. Geil! wie die Jüngeren zu sagen pflegen. Auf jeden Fall männlich. A hoata Hund, sozusagen. Wenngleich… nun ja. Wir verzichten an dieser Stelle auf die Einblendung entsprechender Fotos.

Nach dem Ausbessern dieser Unpässlichkeit entdeckt Herr Ösi sogleich eine neue. Nebenbei bemerkt, der entfernte Batzen Fleisch, nicht gerade klein wie die Bezeichnung Watzmann bekräftigt, wurde analysiert und als harmlos eingestuft. So weit, so gut. Hat man ihm diese, seine Trophäe, wie es sich gehören würde, per Post oder DHL zugeschickt? Mitnichten. Die Damen und Herren Analysten von der Fleischprobe, so seine Vermutung, haben sich damit einen schmackhaften Weihnachtsbraten zubereitet. Gut, sollen sie. Er gönnt es ihnen von Herzen und hofft, dass es mit der entsprechenden Beilage gemundet hat. Einerseits natürlich überglücklich, im neuen Jahr nicht mehr auszuschauen wie der Glöckner von Notre-Dame, quasi wie Quasimodo, gibt ihm ein anderer Umstand Anlass zur Sorge.

Er altert. Er schaut in den Spiegel und merkt, dass er altert. Jeden Tag ein bisschen. Klar wirst du sagen, es ist völlig normal zu altern, wir altern alle. Was will er denn, dieser Herr Ösi? Ewige Jugend? Oder was? Benebelt vom Jugendwahn unserer Zeit, hat er, obwohl lang dagegen gehalten, sich letztendlich mitreißen lassen, hat, vom Unsinn unserer Epoche infiziert, sich fast nicht mehr in den Spiegel schauen getraut, weil, ob du’s glaubst oder nicht, steter Tropfen höhlt den Stein und beim Blick in den Spiegel ist er unweigerlich einen Schritt zurückgewichen. Das half, seiner Kurzsichtigkeit sei Dank, die Falten in abgeschwächter Form wahrzunehmen. Und dennoch… die Unzufriedenheit über das Altern blieb.

Sie blieb bis er in den Jungbrunnen fiel. Es war mehr oder weniger ein Versehen. Und schwupp! Schon lag er drinnen. Im Jungbrunnen. Fluchte zunächst. Verständlich. Die Klamotten in Nullkommanix durchnässt. Von trocken auf nass in weniger als einer Sekunde. Herrschaftszeiten! Geistesgegenwärtig begann er mit Schwimmbewegungen. Vergeblich. Obwohl seit jeher ein tadelloser Schwimmer, mühte er sich umsonst. Brustschwimmen ging nicht. Kraulen, Fehlanzeige. Damenbrustkraulen, nix. Egal, welche Bewegung er versuchte auszuführen, es ging und ging nicht. Weil Begrenzung, sprich eine einengende Enge. (Ein jeder, der schon einmal in einen Brunnen hineingefallen ist, weiß wovon ich rede. Dürften aber die wenigsten meiner Lesersterncheninnen sein.)
In der Literatur oder in Gemälden wird der Jungbrunnen als weitläufiges Becken dargestellt, in dem sich zierliche Nixlein mit gut aussehenden Jünglingen vorzugsweise nackt vergnügen.
So ein Schmarren! Der Jungbrunnen ist in Wirklichkeit nicht breiter als meine Badewanne. Und zum Glück auch nicht tiefer. Die Schwimmversuche in ihm kannst du dir getrost sparen. Der Ösi hat das blitzschnell gekneißt (oder heißt es geknissen und er hat das Ösische verlernt?) und die entsprechenden Schritte eingeleitet. Nämlich keine. Bloß ein bisschen umständlich war es schon, wieder aus dem Wasser zu steigen. Das hat gedauert. Das Alter halt. Dann, zufällig ein Blick in den Spiegel. Boah! Er war baff! Beinah hätte es ihn aus den Socken gehauen, die freilich immer noch nass…

Das Resultat kann sich durchaus sehen lassen.  😉

Vorher / Nachher
Herr Ösi wieder in der Spur
kurz nach der Verjüngungskur
Fotos… ebendieser

System Error

Jeder, der jetzt bei SYSTEM ERROR eine System-Kritik erwartet, den muss ich enttäuschen. Obwohl! Angebracht wäre sie schon, die System-Kritik. Vielleicht beim nächsten Mal. Ich merk‘ sie mir vor. Heute sind wir im Reich der Musik. Mal wieder. Musik bereitet in der Regel Freude. Also, meist dann, wenn wir nicht über die Oper sprechen. Obwohl! Das ist nun das zweite… äh pardon, das dritte Obwohl! in kürzester Zeit und natürlich gibt es den geneigten Opernfreund, den, der die Klassische Musik zu schätzen weiß, wie Herr Ösi (opernmäßig eher banausenhaft drauf), der, hört er Mozarts Zauberflöte, die einzige Oper übrigens, die er kennt und liebt, aber hey, die kennt er so gut, sprich aus dem Effeff, dass er den Papageno („Der Vogelfänger bin ich ja, stets lustig, heißa hoppsassa!), den er besonders mag, den Papageno, und den er bei seinen Liedchen derart kräftig unterstützt, dass du glaubst, der Ösi singt den ganzen lieben Tag nix anderes als Arien. Die Oper ist praktisch die einzige Musikrichtung, wo ein, kommen wir auf den Punkt, ein System Error unvorstellbar ist. Das ist erstaunlich. Ich spreche klarerweise von der Oper in der Oper. Die Oper in der Oper ist sozusagen System Error free. Nicht so die Oper zu Hause, die vom Plattenspieler oder vom Dingens dudelt. Nein, die nicht. Im trauten Heim ist jederzeit ein System Error möglich und, wenn ich mir’s recht überlege, dann ist er sogar ziemlich wahrscheinlich. Er tritt ein, wenn du ihn am wenigsten erwartest. Das ist das Verteufelte. Du wartest sehnsüchtig auf die Königen der Nacht – um Missverständnissen zuvorzukommen, wir sind immer noch in der Zauberflöte – und plötzlich ist er da, der System Error, bevor sie, die Königin der Nacht, zur Koloratur, was freilich nix Unanständiges ist, obwohl, ein bisschen klingen tut es schon danach, bevor sie zur Koloratur ansetzen kann. Statt der erwarteten Koloratur folgt ein veritabler System Error. Wär‘ dir in der Oper nicht passiert. Zu Hause aber sind dem System Error Tür und Tor geöffnet. Zu Hause fühlt er sich wohl. Weshalb viele in die Oper gehen, um den heimischen System Error zu entkommen. „Schatzi, heute bleibt die Küche kalt, wir gehen in den Wienerwa… äh in die Oper.“ Die Oper ist logischerweise System Error free, jedoch keineswegs Error free, wenn du weißt, was ich meine. Ich berichtete kürzlich darüber. Nun gut. Kommen wir zur Sache.
Der System Error ist, sagen wir mal… stromgebunden. Klar. Gerade in der elektronischen Musik ist er mitunter unvermeidlich, gehört quasi zum guten Ton. Weshalb Herr Ösi seinen neuen Song System Error nennt. In Zeiten wie diesen, wo Tanzmöglichkeiten Mangelware, bringt er dir die Mucke samt super prima Laune, die du jetzt am meisten brauchst, in die gute Stube hinein und ist dabei extrem tanzbar. Allein. Zu zweit. Zu dritt. Wie auch immer. Ein bisschen Latin Jazz, Soul, eine Prise Industrial, jener heiße Scheiß, für den wir eigentlich zu alt sind, wo wir denken, wir stehen inmitten einer Fabrikhalle, umgeben von maschinellem Gedöns-Gedrönhs, aber pssst, pssst, hör selbst… 😉

Little things in life that count

Zum Jahresende
genauer gesagt zu Silvester
kurz bevor es Dreizehn schlägt
äh… nein eher Mitternacht
und der Donauwalzer
aus den Radioapparaten
und Bluetooth Boxen schrammelt
wenn die Leutchen
längst benebelt vom Alkohol meinen
jetzt kurz vor Zwölf
ist es an der Zeit
gute Vorsätze für das kommende Jahr zu fassen
genau dann
Minuten vor dem Jahreswechsel
vor dem unvermeidlichen Countdown
fasst Herr Ösi
seinen guten Vorsatz
für das neue Jahr
nämlich
sich NICHTS vorzunehmen
wenn es gleich Mitternacht schlägt
und mit NICHTS
meint er absolut
NICHTS NOTHING RIEN NIENTE NADA
und so weiter
Jahrzehnte lang
immer wieder umgefallen
kläglich daran gescheitert
die guten Vorsätze einzuhalten
weil die Ziele
einfach immer zu hoch gesteckt
nimmt er sich
seit einigen Jahren
zu Silvester
zum Jahreswechsel
für das neue Jahr vor
sich absolut NICHTS vorzunehmen
und ob du’s glaubst
oder nicht
Herr Ösi hält
diesen seinen guten Vorsatz
sich absolut NICHTS vorzunehmen
für das neue Jahr
gnadenlos und bravourös ein
und 356 Tage durch
da fährt die Eisenbahn drüber
mindestens
während links und rechts
oben und unten
sogar seitwärts
die Leute
viele wenn nicht gar die meisten
nach Tagen
nach ein paar Wochen
spätestens aber nach wenigen Monaten
an ihren guten Vorsätzen scheitern
zerbröseln und in Frust versinken
geht Herr Ösi
mit einem Lächeln auf den Lippen
frohgemut durch das Land
erblickt Existenzen
sieht gescheiterte Naturen
an den eigenen guten Vorsätzen
zerbrochene Individuen
schüttelt den Kopf
mehr und effizienter wollten sie arbeiten
die einen
gesünder leben
die anderen
mehr Sport treiben
abnehmen
mit dem Rauchen aufhören
dem Alkohol entsagen
und und und
unglaublich wie viel utopisches
unnützes Zeug
ein Mensch imstande ist
sich vorzunehmen
unglaublich wie frustriert
einer sein kann
schafft er es nicht
seine guten Vorsätze
in die Tat umzumünzen
kippt nach so und so vielen Tagen
der Anstrengung und der Entsagung
erschöpft aus den Latschen
schmeißt das Handtuch
gibt entnervt auf
MAL WIEDER NICHT GESCHAFFT!
die Umfaller ersten Grades
sprich all jene
die zwischen dem 2. Januar
und dem 16. September an den eigenen
zu hohen Vorgaben Gescheiterten
sind die am bemitleidenswertesten
die ab dem 17. September Gescheiterten
quasi die Umfaller zweiten Grades
… nun gut
ist weniger schlimm
ist vernachlässigbar
Weihnachten und der Jahreswechsel
schimmern bereits am Horizont
die Chance
die Versuchung
einfach nix zu tun
abzuwarten Tee zu trinken
und in Kürze
sprich am 31. Zwölften
die guten Vorsätze
für das neue Jahr
erneut zu fassen
ist riesengroß
(ebenso die Chance einmal mehr zu scheitern…)
bleiben wir bei den Umfallern ersten Grades
das Resultat sieht Herr Ösi vor sich
ein Bild des Jammers und der Verzweiflung
der vorsätzlich Gescheiterte
der am Vorsatz Gescheiterte
in dem Fall ein und derselbe
ist auf dem ersten Blick
leicht an seinem Blick zu erkennen
gesenkten Hauptes trottet er durch die Gassen
schaut kaum nach links
kaum nach rechts
tut er es trotzdem
schaut er in die Richtung
die die deine ist
siehst du sofort
da ist wieder einer
der scheue Rehblick verrät ihn
wieder einer
der an seinen guten Vorsätzen gescheitert ist
der ist aber gescheit gescheitert
denkst du
willst schon fragen
na, war es der Alkohol oder
war es diesmal der Sport?
aber hey
aus Pietät und so weiter
fragst du lieber nicht
wie leicht wäre es gewesen
hätte der die das Gute
sich fürs neue Jahr
NICHTS vorgenommen
das hätte ihn ihr absolut nix gekostet
sich NICHTS vorzunehmen
stolz und erhobenen Hauptes
könnte er sie es durch die Straßen schweben
ohne gute Vorsätze
die eh alle für die Katz
die nie und nimmer
einzuhalten sind
die kleinen Dinge sind es
denkt Herr Ösi
einer plötzlichen Eingebung folgend
die ganz kleinen Dinge im Leben
sind es die zählen
und nicht die guten Vorsätze
an denen wir zwangsläufig
scheitern müssen
THAT’S IT!
sagt einer
zu Herrn Ösi’s Verblüffung
es ist der Buddha
erleuchtet und vollkommen
wo kommt der jetzt her?
egal!
IT’S THE LITTLE THINGS IN LIFE THAT COUNT

Frohe Weihnachten

Jo is denn heut scho Weihnachten? Na, oba fost. – Der Ösiblog ist seiner Zeit voraus.

Herr Ösi (hier im Bild) und Frau Saftschubse (nicht im Bild) wünschen allen Leserinnen & Lesern des ÖSIBLOGs ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest. Und wenn wir schon dabei sind: Einen guten Rutsch ins neue Jahr. Auf dass 2021… na Ihr wisst schon…

Let you your traditional Christmas Goose (not in picture) after possiblity very good tasting… wie der vornehme Brite leicht gespreizt parlieren würde. Aber… wir lassen unsere Weihnachtsgans heuer (wie schon die im letzten Jahr) gans äh ganz…

Fotos / Herr Ösi as Christmas Man / © Dezember 2020

 

Herr Ösi darf nur Saft

Schwester! Sagen Sie bloß, die Weinprobe findet heute nicht statt…

Schon an den ersten Worten werden Sie erkennen: das ist heute kein typischer Ösi Text. Es ist ein Saftschubsen Text. Vom Herrn Ösi seiner Assistentin. Ich, geborene Silvia Saftschubse, darf den Text heute nicht nur wie üblich eintippseln, ich, Silvia Saftschubse, darf ihn sogar reh-digieren. Zumindest so lange der Chef in der Klinik weilt. Und weil ich ziemlich aufgeregt bin, habe ich reh-digieren mit „h“ geschrieben, so wie das scheue Waldtier halt.

Was ihm fehlt und ob es ihm gut geht? wollen Sie wissen. Nun ja. Sieht er nicht putzig aus in seinem neuen Kleidchen? Die Spatzen in Paris pfeifen es von den Dächern. Jean Paul Gaultier – Stardesigner und Modeschöpfer – is back, meldet sich nach langer Schaffenspause mit einer neuen Haute Couture zurück… und hat in Herrn Ösi ein erstes prominentes (nun ja…) Opfer gefunden. In Zeiten wie diesen, richtet sich das Augenmerk der Medien klarerweise auf den Krankenhauspatienten. Er ist in aller Munde. Er bevölkert die Intensivstationen, befeuert die Statistiken, kurz: er ist immer mit vorn dabei… und will neuerdings auch noch gut dabei ausschauen. Für das Herausputzen dieser nicht gerade attraktiven Spezies ist Herr Gaultier wie geschaffen. Den Namen Gaultier dürfen Sie – wollen Sie ein bisschen die Aussprache üben – nicht aussprechen als hätte er etwas mit einem klapprigen Gaul gemeinsam, Gaul-Tier also, nein, Gaul-Tier geht gar nicht, den Namen Gaultier müssen Sie aussprechen als würden Sie „Gott Je“ sagen, mit einer kleinen Pause zwischen Gott und dem Je. Auf keinen Fall Gaul-Tier, müssen Sie wissen, sonst können Sie gleich Pferd sagen, was immerhin einfacher und logischer wäre als ein überkandideltes Gaul-Tier. Wäre mit Gaul-Tier – jetzt Hypothese – tatsächlich ein Pferd gemeint (was es nicht ist), müsste man es als Cheval schreiben und als „Schöwal“ aussprechen, hab ich gelernt, und wären – nur mal angenommen – zwei Pferde am Start, also eine mathematische Verdopplung des ersten Pferdes, würde man Chevaux schreiben und „Schöwo“ sagen. Kompliziert, nicht? „Dö Schöwo“ oder „Dö Schwo“, wie der Franzose kurz und bündig sagt, wenn er zwei Pferde ins Rennen schickt, sind folglich zwei Pferde und „Schöwo“ oder „Schwo“ sind ein und das selbe. Klar? Nun gut. Früher fuhr auf den Straßen ein Automobil, das „Dö Schöwo“ genannt wurde, also zwei Pferde und das Verrückte daran ist oder war, dass man hierzulande zu den zwei Pferden „Ente“ sagte. Oder „2 CV“, was ziemlich futuristisch klang für das originelle Wägelchen. Wie man von zwei Pferden auf eine Ente schließen kann und/oder umgekehrt, entzieht sich meiner Kenntnis. Aber zurück zu Herrn Ösi, bevor wir uns verzetteln.

Für mich handelt es sich um eine Schöheitsoperarion, hab ich ihm gesagt, auch wenn er davon nix wissen will. Zwar nicht um eine Brustvergrößerung, wie sie Männer heutzutage gern machen lassen, um ihren weiblichen Anteil zu erhöhen, was stets mit Vorteilen am Arbeitsplatz einhergeht. Nein, eher das Gegenteil. Nun gut, auch keine Brustverkleinerung, was naheliegend wäre, wenn es sich nicht um eine Brustvergrößerung handelt. Den älteren Herren, das werden Sie sicher schon bemerkt haben, wachsen im Alter oftmals… sagen wir mal: so was wie äh… kleine Tittchen… Tittchen, die so manch einer Dame gut zu Gesicht stehen würden, wenn sie brettl-eben ist, mit also zu wenig Holz vor der Hütte ausgestattet ist, wie der Chef gern sagt (wenn ihn keiner hört). Dies soll keine Wertung sein, sondern bloß… äh dingens, wenn Sie wissen, was ich meine. Aber es geht hier nicht um Tittchen. Es geht um einen Höcker, der auf seiner rechten Schulter sitzt beziehungsweise eher thront. Thront ist das richtige Wort. Eine ziemlich abstruse Sache. Der Watzmann, wie er ihn nennt, weil der Höcker in der Zwischenzeit zu einem echten, nicht zu übersehenden Koloss herangereift ist. Egal was er trägt, der Watzmann zeichnet sich deutlich unter der Kleidung ab. Einerseits erweist sich der Höcker als extrem praktisch, wenn es darum geht, Rucksäcke oder Einkaufstaschen zu transportieren. Nichts, aber auch rein gar nichts rutscht – einmal über den Watzmann geschoben – von seiner rechten Schulter. Das Rückhaltevermögen des Watzmanns ist ein überaus erstaunliches. Aber eben auch diese Ungleichheit, diese falsche Gewichtung gegenüber der linken Schulter, die sich wie eine handelsübliche linke Schulter ohne besondere Auffälligkeiten präsentiert, sprich brettl-eben eben. Es ist diese Ungleichheit, die den Chef gewaltig stört, diese Ungleichheit zwischen der rechten und der linken Schulter und die ihn letztendlich zur Wegsäbelung des Watzmanns bewogen hat. Der Watzmann muss weg! hat er gesagt und hat zum Telefonhörer gegriffen. Watzmann, Watzmann, Schicksalsberg, du bist groß und i nur a Zwerg.

Eins hat er nicht bedacht, der passionierte Weintrinker. So lange die Wunde nicht verheilt ist und er mit Schmerzmittel vollgepumpt wird, ist nix mit Weinprobe und dergleichen. Herr Ösi darf zur Zeit nur Saft. Das trifft sich gut. Endlich habe ich Gelegenheit, meinem Namen alle Ehre zu erweisen. Von früh bis spät übe ich das Schubsen von Säften… zu einem imaginären Herrn Ösi hinüber, der, wie ich hoffe, in Bälde seinen gewohnten Platz einnehmen wird.
Ihre
Silvia Saftschubse

Statistik

Einerseits. Andererseits. Einerseits die Neugier. Andererseits… Schauen Sie mal, so Herr Ösi zu seiner Assistentin Frau Saftschubse, schauen Sie mal ins Internet hinein. Ins Internet hineinschauen bedeutet für ihn in erster Linie die Statistik studieren. Nein, nicht in dieses Internet, in das andere! sagt er. Das andere Internet ist YouTube. Du Schlauch, wie er immer sagt. Schauen Sie in den Du Schlauch hinein. Typisch Ami, sagt er. Manchmal bezeichnet der Ösianer eine raffinierte, sprich schlaue Person als Schlaucherl. Das ist okay. Aber in das YouTube hineinzuschauen, das Wort YouTube zu verwenden, sagt er, das ist nicht okay. Du Schlauch müsste es heißen, das andere Internet, nicht YouTube. Aber wer sagt schon Du Schlauch? Alle sagen YouTube, wenn sie in den Du Schlauch hineinschauen. Für ihn ist es ziemlich dingens, um nicht zu sagen: echt arg deppert, wenn einer YouTube sagt. Keiner scheint sich irgendwas dabei zu denken, schimpft er, wenn er YouTube sagt und dann in den Du Schlauch hineinschaut. Alle schauen in den Du Schlauch hinein und sagen YouTube dazu, wiederholt er. Diese unnötige Amerikanisierung, stöhnt er. Es folgt eine Abhandlung über den schlampigen Umgang mit der Sprache. Als hätte er nur darauf gewartet, dass, einmal das Wort YouTube ausgesprochen, er in der Folge nur noch Du Schlauch sagt, Du Schlauch, Du Schlauch, Du Schlauch, um den gedankenlosen Umgang mit der Sprache, will heißen, diese unerträgliche Überamerikanisierung anzuprangern. Und…, fragt er, wie viele Videos haben wir schon gedreht? Über achtzig, sagt die Saftschubse. Wow! sagt er. Über achtzig? Sie nickt zur Bestätigung. A lot of wood, findet er. Weil, wenn ein jeder YouTube sagt statt Du Schlauch, sagt er A lot of wood statt Eine Menge Holz. Bei über achtzig, sagt die Saftschubse und lässt ihren Geist kurz aufblitzen, bei über achtzig sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht. Er lacht. Was ergibt das in der Summe, will er wissen. Hintereinander abgespielt? fragt sie. Ja, die Dauer, wie lang müsste einer gucken? Bis er alles gesehen hat? Ja, ja, die Dauer, die Dauer… Er wird ungeduldig. Statt es auszurechnen, lenkt sie ihn ab. Sagt: Wussten Sie, Ihre Symphonie für Hunde hat mittlerweile über 34.200 Aufrufe! Ihr mit Abstand erfolgreichstes Video. Er: Nein! Sie: Ja! Er: Gibt’s ja nicht. Sie: Doch, das gibt es. Er: Tatsächlich? Sie: Wenn ich es Ihnen sage. Die Symphonie für Hunde, grübelt er, aus dem Jahr 2015 ist alles andere als ein Meisterwerk. Na gut, korrigiert er schnell. So schlecht ist sie auch wieder nicht. Sie zu kompostieren hat mir einiges an musikalischem Geschick abverlangt. Für die damalige Zeit womöglich revolutionär.  Aber Meisterwerk? Nein, ein Meisterwerk ist sie nicht. Wäre gut möglich, sagt die Saftschubse, dass die Hunderln, die großen und die kleinen, die jungen und die alten, die, die knurren und die, die bellen und die, die beißen, dass die, die ja bekanntlich ganz anders ticken als wir Menschen im Tagesbetrieb, dass diese ganzen Hunderln auf diese speziell für sie kompostierten und abgestimmten Klänge, sagen wir mal… besonders intensiv abfahren. Nur so wären die unglaublich hohen Klickzahlen zu erklären. Sie haben eben ein besonderes Gespür für Hunderln und was die sich in ihrer Freizeit musikalisch am liebsten reinziehen, lobt sie ihn. Kann sein, entgegnet er und ergänzt: wie Sie ja ein besonders Gespür für den neuen WordPress Editor haben. „Los, los, nun spielen Sie endlich meine Symphonie für Hunde ab, aus diesem verflixten Du Schlauch.“ Er ist ungeduldig. Das Publikum vermutlich ebenso…

Frau Saftschubse blödelt

The bathroom incident

Alter Schwede! Der Herr Ösi macht sich das Leben leicht. Er gehört zu jener Sorte Männer, die den Weg des geringsten Widerstandes wählen. Er knallt mir ein Manuskript auf den Tisch und brummt: Abtippen! Mit dem neuen Editor kommt er nicht zurecht. Geistig gehört er weder zu den Fittesten noch zu den Flexibelsten. Gut, in seinem Alter ist das irgendwie verständlich. Ich habe den nachfolgenden Text für ihn abgetippt. Jetzt werden Sie sich fragen, was tut er eigentlich? Mein Chef kümmert sich, seinen Aussagen zufolge, verstärkt um die Ösi-Group. Als da wären… die Musik, der Ösi-Film und die Android Apps. Ach ja, hin und wieder ein Text und das Gereimsel, das er Lyrik nennt. Ich bin also künftig für das Handgreifliche zuständig. War ich das nicht schon immer?
Herzlichst
Ihre
Silvia Saftschubse

In der Ösi-Redaktion. Ziemlich früh am Morgen. Ein Reporter von BILD vor Ort.
BILD: Sie sagen also, der Vorfall hätte sich im Badezimmer ereignet.
Herr Ösi: Yep!
BILD: Auf den weißen Fliesen?
Herr Ösi: So wahr ich hier stehe.
BILD: Sie müssen sich nicht rechtfertigen. Nicht vor mir. Ich bin kein Richter. Ich urteile und verurteile nicht. Bin bloß Reporter. Gut, früher war ich Chefredakteur, DER Chefredakteur von BILD, müssen sie wissen. Das war früher. Vor dem Niedergang. Verstehen sie?
Herr Ösi: Verstehe.
BILD: Jetzt bin ich Reporter. Ein einfacher Reporter. Nicht mehr und nicht weniger. Ja, ja, so kann es einem ergehen, wenn es nicht gut geht. Uns geht es nicht gut. Das Blatt verkauft sich schlecht. Seit Jahren verkauft es sich schlecht. Um nicht zu sagen… es verkauft sich hundsmiserabel.
Herr Ösi: Hab davon gehört.
BILD: Am Journalismus selbst kann es nicht liegen. Da spielen wir nach wie vor in der ersten Liga. Wir messen uns mit den Besten.
Herr Ösi: Wirklich?
BILD: Was haben sie gedacht? Egal. Diese Degradation… Man hat mich abgesägt. Verstehen sie? Man hat mich eiskalt abgesägt. Vom Chefredakteur zum unbedeutenden Reporter heruntergeschraubt. Glauben sie mir, ich bin nicht gekommen, um zu jammern.
Herr Ösi: Davon gehe ich aus.
BILD: Auch nicht, um ihnen ein Abo aufzuschwatzen. Obwohl… nötig hätten wir’s schon.
Herr Ösi: Keine Angst. Ich abonniere nicht.
BILD: Schade. Zurück zur Arbeit. Sie sagen also, zwischen der dreiundzwanzigsten und der vierundzwanzigsten Fliese wäre es passiert. Ist es so?
Herr Ösi: Es könnte auch die fünfundzwanzigste gewesen sein können.
BILD: Wie jetzt? Können wir uns auf eine bestimmte Fliese einigen? Oder nicht?
Herr Ösi: Sagen wir, es war die fünfundzwanzigste.
BILD: Sicher? Es ist zwar nur ein Detail. Aber von immenser Wichtigkeit. Die Geschichte der Menschheit könnte von dieser scheinbar unbedeutenden Wichtigkeit abhängen. Zumindest für die Statistiker.
Herr Ösi: Notieren sie die fünfundzwanzigste.
BILD: Sie Schlawiner! Jetzt verraten sie mir, wie sie ihn haben erkennen können. Wie ich sehe, sind sie Brillenträger. So was kommt vor. Folglich folgere ich daraus eine gewisse Sehschwäche, die ich ihnen mal unterstelle.
Herr Ösi: In der Tat. Ich konnte ihn nicht sehen. Mit oder ohne Brille. Es wäre unmöglich gewesen.
BILD: So wie sie es sagen, ist es also reiner Zufall gewesen.
Herr Ösi: So könnte man es ausdrücken.
BILD: Und wie – wenn sie ihn aufgrund ihrer Sehschwäche nicht sehen konnten – wie wussten sie, dass…
Herr Ösi: Wie ich wusste, dass ich ihn erwischt hatte?
BILD: Ja.
Herr Ösi: Er hat gefiept. Er hat jämmerlich gefiept, als ich auf ihn trat. Es klang in etwa so…
Herr Ösi fiept.
BILD: Aufhören! Aufhören! Das klingt ja entsetzlich!
Herr Ösi: Wollen sie es noch einmal hören?
BILD: Nein. Danke. Das reicht.
Herr Ösi: Ich könnte…
BILD: Wenn sie noch ein Käffchen für mich hätten, wäre ich ihnen sehr dankbar.
Herr Ösi: Gern. Normalerweise bereitet ihn meine Assistentin zu. Aber…
BILD: Frau Saftschubse.
Herr Ösi: Sie kennen sie?
BILD: Klar. Eine geniale Dame. Ich erinnere mich gut, als wäre es gestern gewesen, wie mutig sie in das Opus 25 von Arnold Schönberg eingegriffen hat.
Herr Ösi: Hahaha! Mit der Kettensäge. Dem Pianisten, das Klavier mitten entzwei geschnitten. Ritsch! Ratsch! Mit der Kettensäge! Auf diese Idee müssen sie erst kommen.
BILD: imitiert eine Kettensäge Ra-ta-ta-ta! Ra-ta-ta-ta!
Herr Ösi: Eine Köstlichkeit. Eine Sternstunde in der Geschichte unserer Ösi-Redaktion. Ra-ta-ta-ta! Fast bin ich geneigt zu sagen: es war der Höhepunkt schlechthin.
BILD: Deshalb ist es doppelt schade, dass sie einfach hingeschmissen haben.
Herr Ösi: Sie kennen meinen Beweggrund.
BILD: An ihrer Stelle hätte ich vermutlich genauso gehandelt.
Herr Ösi: Das beruhigt mich zu hören.
BILD: Zurück zum Thema. Eins ist wohl klar. Um mich kurz zu fassen: Für mich sind sie ein Held. Der Held des Jahres. Die absolute Nummer 1. Lassen sie sich, wenn sie es gestatten, von mir umarmen. Die Menschheit kann aufatmen. Die Pandemie ist vorüber. Beendet. Vorbei. Die neue Normalität… ist… wieder die alte!
Herr Ösi: Ja, ist schon komisch. Der letzte verbliebene Virus befand sich ausgerechnet in meinem Badezimmer. Saß friedlich auf Fliese Nummer Dreiundzw…
BILD: Vorhin war es die Fünfundzwanzig.
Herr Ösi: Nehmen sie was sie wollen. Übrigens: sagt man der oder das Virus?
BILD: Wie soll ich das wissen? Ich war Chefredakteur! Da beschäftigen sie sich nicht mit Rechtschreibung. Ich nehme die Fünfundzwanzig. Andererseits…
Herr Ösi: Andererseits?
BILD: Andererseits könnte es ein Nachspiel für sie geben. Wenn alle Stricke reißen. Ein böses Nachspiel vor Gericht. Eine unliebsame Überraschung.
Herr Ösi: Ich kann ihnen nicht folgen.
BILD: Der gefährlichste Virus der Menschheit. Plattgemacht. Einfach so plattgemacht. Absichtlich oder unabsichtlich zertreten in einem Badezimmer. Auf Fliese Nummer Fünfundzwanzig. Es ist die Nachricht des Jahrtausends. Die wichtigste Nachricht der Menschheitsgeschichte. Aber vergessen sie eines nicht. Die bedeutendsten Labore der Welt könnten sie wegen der Ausrottung einer Spezies verklagen. Könnten versuchen, sie zur Rechenschaft zu ziehen. Wetten, die hätten nur zu gern den letzten Virus dieser Art behalten und ihn aufbewahrt. In einem Reagenzglas. Im Tresor. Oder sonst wo. Hermetisch abgeriegelt. Im Hochsicherheitstrakt. Um ein bisschen an ihm herumzufummeln. Herumzuexperimentieren. Herumzudoktern. Zwinkert. Wenn sie wissen, was ich meine.
Herr Ösi: Ein Schelm, der Böses dabei denkt.
BILD: Eine Meute geldgieriger Anwälte steht bereit, äh könnte bereitstehen, Morgenluft witternd, dem Held des Jahres die Hölle heiß zu machen.
Herr Ösi: Malen sie bloß nicht den Teufel an die Wand!
BILD: Ganz zu schweigen von der noch geldgierigeren Pharma-Mafia, die nun irgendwie, sagen wir mal, in die Röhre guckt.
Herr Ösi: Denen Gates immer noch zu gut.
BILD: Tja, das war’s auch schon. Ich will sie nicht länger aufhalten. Danke für die Zeit, die sie für mich erübrigen konnten. Es war mir ein Vergnügen. Der Artikel erscheint noch diese Woche. Selbstverständlich auf dem Titelblatt. Ach ja, beinah hätte ich es vergessen. Reicht Herrn Ösi ein Formular. Wenn sie gütigst unterschreiben würden.
Herr Ösi: Was ist das?
BILD: Die Übertragungserklärung.
Herr Ösi: Übertragungserklärung?
BILD: Nun, für die Rechte an ihrem Video.
Herr Ösi: Video?
BILD: Sie haben doch die Szene nachgestellt, wie sie den Virus ins Jenseits befördern? Oder etwa nicht?
Herr Ösi: Ja, das hab ich.
BILD: Wie sie ihn, wehrlos am Boden liegend, kurzerhand zertreten.
Herr Ösi: Man sieht ja nichts. Er war unsichtbar.
BILD: Man hört aber ein Fiepen.
Herr Ösi: Man hört mein Fiepen.
BILD: Man hört ihr Fiepen, weil sie die Szene nachgestellt haben.
Herr Ösi: Sag ich doch. Ich bin es, der fiept.
BILD: Weil der Virus zu dem Zeitpunkt nicht mehr fiepen konnte.
Herr Ösi: Weil er längst hinüber war.
BILD: Über den Jordan.
Herr Ösi: Über was auch immer.
BILD: Das Fiepen ist entscheidend. Die Füße aber auch.
Herr Ösi: Danke.
BILD: Ich bewundere ihre Füße. Diese Schönheit. Diese zeitlose Eleganz. Phantastisch.
Herr Ösi: Mann! Kommen sie wieder herunter!
BILD: Nein, nein, ihre Füße sind erstklassig. Allein…
Herr Ösi: Worauf wollen sie hinaus?
BILD: Nun ja, es wäre ein Gewinn für alle. Sie verstehen?
Herr Ösi: Ich versteh gar nix.
BILD: Eine einmalige Win-Win-Situation.
Herr Ösi: Sie sprechen in Rätseln.
BILD: Sosehr ich sie und ihre Füße bewundere… berühmt sind sie nicht.
Herr Ösi: Wer? Ich oder meine Füße?
BILD: Sie beide.
Herr Ösi: Noch sind wir nicht berühmt. Das kann sich ändern.
BILD: Schauen sie mal. Kritzelt eine Zahl aufs Papier. Das könnten wir ihnen bieten.
Herr Ösi: Wow! Wofür denn?
BILD: Für die Rechte an ihrem Video. Sie treten es an uns ab.
Herr Ösi: Und dann?
BILD: WIR spielen die Szene nach. Mit Brad Pitt in der Hauptrolle. Fußfetischist Quentin Tarantino übernimmt den Dreh. Es wird sein zehnter, letzter und kürzester Streifen. Und sein erfolgreichster. Es wird der wichtigste und beste Film aller Zeiten. Garantiert!
Herr Ösi: Deshalb der englische Titel.
BILD: Ich sehe, sie verstehen. Hollywood wartet. Man scharrt bereits ungeduldig mit den Hufen. Sie stellen Frau Saftschubse wieder ein und kümmern sich fortan um die Ösi-Group. Finanziell werden sie bestens aufgestellt sein.
Herr Ösi: Okay. Okay. Aber der neue Editor…
BILD: Lassen sie einfach Frau Saftschubse machen. Sie wird es schon richten.

In freudiger Erwartung auf das Remake präsentieren wir dem geneigten Publikum heute schon mal das Original.