Herr Ösi darf nur Saft

Schwester! Sagen Sie bloß, die Weinprobe findet heute nicht statt…

Schon an den ersten Worten werden Sie erkennen: das ist heute kein typischer Ösi Text. Es ist ein Saftschubsen Text. Vom Herrn Ösi seiner Assistentin. Ich, geborene Silvia Saftschubse, darf den Text heute nicht nur wie üblich eintippseln, ich, Silvia Saftschubse, darf ihn sogar reh-digieren. Zumindest so lange der Chef in der Klinik weilt. Und weil ich ziemlich aufgeregt bin, habe ich reh-digieren mit „h“ geschrieben, so wie das scheue Waldtier halt.

Was ihm fehlt und ob es ihm gut geht? wollen Sie wissen. Nun ja. Sieht er nicht putzig aus in seinem neuen Kleidchen? Die Spatzen in Paris pfeifen es von den Dächern. Jean Paul Gaultier – Stardesigner und Modeschöpfer – is back, meldet sich nach langer Schaffenspause mit einer neuen Haute Couture zurück… und hat in Herrn Ösi ein erstes prominentes (nun ja…) Opfer gefunden. In Zeiten wie diesen, richtet sich das Augenmerk der Medien klarerweise auf den Krankenhauspatienten. Er ist in aller Munde. Er bevölkert die Intensivstationen, befeuert die Statistiken, kurz: er ist immer mit vorn dabei… und will neuerdings auch noch gut dabei ausschauen. Für das Herausputzen dieser nicht gerade attraktiven Spezies ist Herr Gaultier wie geschaffen. Den Namen Gaultier dürfen Sie – wollen Sie ein bisschen die Aussprache üben – nicht aussprechen als hätte er etwas mit einem klapprigen Gaul gemeinsam, Gaul-Tier also, nein, Gaul-Tier geht gar nicht, den Namen Gaultier müssen Sie aussprechen als würden Sie „Gott Je“ sagen, mit einer kleinen Pause zwischen Gott und dem Je. Auf keinen Fall Gaul-Tier, müssen Sie wissen, sonst können Sie gleich Pferd sagen, was immerhin einfacher und logischer wäre als ein überkandideltes Gaul-Tier. Wäre mit Gaul-Tier – jetzt Hypothese – tatsächlich ein Pferd gemeint (was es nicht ist), müsste man es als Cheval schreiben und als „Schöwal“ aussprechen, hab ich gelernt, und wären – nur mal angenommen – zwei Pferde am Start, also eine mathematische Verdopplung des ersten Pferdes, würde man Chevaux schreiben und „Schöwo“ sagen. Kompliziert, nicht? „Dö Schöwo“ oder „Dö Schwo“, wie der Franzose kurz und bündig sagt, wenn er zwei Pferde ins Rennen schickt, sind folglich zwei Pferde und „Schöwo“ oder „Schwo“ sind ein und das selbe. Klar? Nun gut. Früher fuhr auf den Straßen ein Automobil, das „Dö Schöwo“ genannt wurde, also zwei Pferde und das Verrückte daran ist oder war, dass man hierzulande zu den zwei Pferden „Ente“ sagte. Oder „2 CV“, was ziemlich futuristisch klang für das originelle Wägelchen. Wie man von zwei Pferden auf eine Ente schließen kann und/oder umgekehrt, entzieht sich meiner Kenntnis. Aber zurück zu Herrn Ösi, bevor wir uns verzetteln.

Für mich handelt es sich um eine Schöheitsoperarion, hab ich ihm gesagt, auch wenn er davon nix wissen will. Zwar nicht um eine Brustvergrößerung, wie sie Männer heutzutage gern machen lassen, um ihren weiblichen Anteil zu erhöhen, was stets mit Vorteilen am Arbeitsplatz einhergeht. Nein, eher das Gegenteil. Nun gut, auch keine Brustverkleinerung, was naheliegend wäre, wenn es sich nicht um eine Brustvergrößerung handelt. Den älteren Herren, das werden Sie sicher schon bemerkt haben, wachsen im Alter oftmals… sagen wir mal: so was wie äh… kleine Tittchen… Tittchen, die so manch einer Dame gut zu Gesicht stehen würden, wenn sie brettl-eben ist, mit also zu wenig Holz vor der Hütte ausgestattet ist, wie der Chef gern sagt (wenn ihn keiner hört). Dies soll keine Wertung sein, sondern bloß… äh dingens, wenn Sie wissen, was ich meine. Aber es geht hier nicht um Tittchen. Es geht um einen Höcker, der auf seiner rechten Schulter sitzt beziehungsweise eher thront. Thront ist das richtige Wort. Eine ziemlich abstruse Sache. Der Watzmann, wie er ihn nennt, weil der Höcker in der Zwischenzeit zu einem echten, nicht zu übersehenden Koloss herangereift ist. Egal was er trägt, der Watzmann zeichnet sich deutlich unter der Kleidung ab. Einerseits erweist sich der Höcker als extrem praktisch, wenn es darum geht, Rucksäcke oder Einkaufstaschen zu transportieren. Nichts, aber auch rein gar nichts rutscht – einmal über den Watzmann geschoben – von seiner rechten Schulter. Das Rückhaltevermögen des Watzmanns ist ein überaus erstaunliches. Aber eben auch diese Ungleichheit, diese falsche Gewichtung gegenüber der linken Schulter, die sich wie eine handelsübliche linke Schulter ohne besondere Auffälligkeiten präsentiert, sprich brettl-eben eben. Es ist diese Ungleichheit, die den Chef gewaltig stört, diese Ungleichheit zwischen der rechten und der linken Schulter und die ihn letztendlich zur Wegsäbelung des Watzmanns bewogen hat. Der Watzmann muss weg! hat er gesagt und hat zum Telefonhörer gegriffen. Watzmann, Watzmann, Schicksalsberg, du bist groß und i nur a Zwerg.

Eins hat er nicht bedacht, der passionierte Weintrinker. So lange die Wunde nicht verheilt ist und er mit Schmerzmittel vollgepumpt wird, ist nix mit Weinprobe und dergleichen. Herr Ösi darf zur Zeit nur Saft. Das trifft sich gut. Endlich habe ich Gelegenheit, meinem Namen alle Ehre zu erweisen. Von früh bis spät übe ich das Schubsen von Säften… zu einem imaginären Herrn Ösi hinüber, der, wie ich hoffe, in Bälde seinen gewohnten Platz einnehmen wird.
Ihre
Silvia Saftschubse

Statistik

Einerseits. Andererseits. Einerseits die Neugier. Andererseits… Schauen Sie mal, so Herr Ösi zu seiner Assistentin Frau Saftschubse, schauen Sie mal ins Internet hinein. Ins Internet hineinschauen bedeutet für ihn in erster Linie die Statistik studieren. Nein, nicht in dieses Internet, in das andere! sagt er. Das andere Internet ist YouTube. Du Schlauch, wie er immer sagt. Schauen Sie in den Du Schlauch hinein. Typisch Ami, sagt er. Manchmal bezeichnet der Ösianer eine raffinierte, sprich schlaue Person als Schlaucherl. Das ist okay. Aber in das YouTube hineinzuschauen, das Wort YouTube zu verwenden, sagt er, das ist nicht okay. Du Schlauch müsste es heißen, das andere Internet, nicht YouTube. Aber wer sagt schon Du Schlauch? Alle sagen YouTube, wenn sie in den Du Schlauch hineinschauen. Für ihn ist es ziemlich dingens, um nicht zu sagen: echt arg deppert, wenn einer YouTube sagt. Keiner scheint sich irgendwas dabei zu denken, schimpft er, wenn er YouTube sagt und dann in den Du Schlauch hineinschaut. Alle schauen in den Du Schlauch hinein und sagen YouTube dazu, wiederholt er. Diese unnötige Amerikanisierung, stöhnt er. Es folgt eine Abhandlung über den schlampigen Umgang mit der Sprache. Als hätte er nur darauf gewartet, dass, einmal das Wort YouTube ausgesprochen, er in der Folge nur noch Du Schlauch sagt, Du Schlauch, Du Schlauch, Du Schlauch, um den gedankenlosen Umgang mit der Sprache, will heißen, diese unerträgliche Überamerikanisierung anzuprangern. Und…, fragt er, wie viele Videos haben wir schon gedreht? Über achtzig, sagt die Saftschubse. Wow! sagt er. Über achtzig? Sie nickt zur Bestätigung. A lot of wood, findet er. Weil, wenn ein jeder YouTube sagt statt Du Schlauch, sagt er A lot of wood statt Eine Menge Holz. Bei über achtzig, sagt die Saftschubse und lässt ihren Geist kurz aufblitzen, bei über achtzig sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht. Er lacht. Was ergibt das in der Summe, will er wissen. Hintereinander abgespielt? fragt sie. Ja, die Dauer, wie lang müsste einer gucken? Bis er alles gesehen hat? Ja, ja, die Dauer, die Dauer… Er wird ungeduldig. Statt es auszurechnen, lenkt sie ihn ab. Sagt: Wussten Sie, Ihre Symphonie für Hunde hat mittlerweile über 34.200 Aufrufe! Ihr mit Abstand erfolgreichstes Video. Er: Nein! Sie: Ja! Er: Gibt’s ja nicht. Sie: Doch, das gibt es. Er: Tatsächlich? Sie: Wenn ich es Ihnen sage. Die Symphonie für Hunde, grübelt er, aus dem Jahr 2015 ist alles andere als ein Meisterwerk. Na gut, korrigiert er schnell. So schlecht ist sie auch wieder nicht. Sie zu kompostieren hat mir einiges an musikalischem Geschick abverlangt. Für die damalige Zeit womöglich revolutionär.  Aber Meisterwerk? Nein, ein Meisterwerk ist sie nicht. Wäre gut möglich, sagt die Saftschubse, dass die Hunderln, die großen und die kleinen, die jungen und die alten, die, die knurren und die, die bellen und die, die beißen, dass die, die ja bekanntlich ganz anders ticken als wir Menschen im Tagesbetrieb, dass diese ganzen Hunderln auf diese speziell für sie kompostierten und abgestimmten Klänge, sagen wir mal… besonders intensiv abfahren. Nur so wären die unglaublich hohen Klickzahlen zu erklären. Sie haben eben ein besonderes Gespür für Hunderln und was die sich in ihrer Freizeit musikalisch am liebsten reinziehen, lobt sie ihn. Kann sein, entgegnet er und ergänzt: wie Sie ja ein besonders Gespür für den neuen WordPress Editor haben. „Los, los, nun spielen Sie endlich meine Symphonie für Hunde ab, aus diesem verflixten Du Schlauch.“ Er ist ungeduldig. Das Publikum vermutlich ebenso…

The bathroom incident

Alter Schwede! Der Herr Ösi macht sich das Leben leicht. Er gehört zu jener Sorte Männer, die den Weg des geringsten Widerstandes wählen. Er knallt mir ein Manuskript auf den Tisch und brummt: Abtippen! Mit dem neuen Editor kommt er nicht zurecht. Geistig gehört er weder zu den Fittesten noch zu den Flexibelsten. Gut, in seinem Alter ist das irgendwie verständlich. Ich habe den nachfolgenden Text für ihn abgetippt. Jetzt werden Sie sich fragen, was tut er eigentlich? Mein Chef kümmert sich, seinen Aussagen zufolge, verstärkt um die Ösi-Group. Als da wären… die Musik, der Ösi-Film und die Android Apps. Ach ja, hin und wieder ein Text und das Gereimsel, das er Lyrik nennt. Ich bin also künftig für das Handgreifliche zuständig. War ich das nicht schon immer?
Herzlichst
Ihre
Silvia Saftschubse

In der Ösi-Redaktion. Ziemlich früh am Morgen. Ein Reporter von BILD vor Ort.
BILD: Sie sagen also, der Vorfall hätte sich im Badezimmer ereignet.
Herr Ösi: Yep!
BILD: Auf den weißen Fliesen?
Herr Ösi: So wahr ich hier stehe.
BILD: Sie müssen sich nicht rechtfertigen. Nicht vor mir. Ich bin kein Richter. Ich urteile und verurteile nicht. Bin bloß Reporter. Gut, früher war ich Chefredakteur, DER Chefredakteur von BILD, müssen sie wissen. Das war früher. Vor dem Niedergang. Verstehen sie?
Herr Ösi: Verstehe.
BILD: Jetzt bin ich Reporter. Ein einfacher Reporter. Nicht mehr und nicht weniger. Ja, ja, so kann es einem ergehen, wenn es nicht gut geht. Uns geht es nicht gut. Das Blatt verkauft sich schlecht. Seit Jahren verkauft es sich schlecht. Um nicht zu sagen… es verkauft sich hundsmiserabel.
Herr Ösi: Hab davon gehört.
BILD: Am Journalismus selbst kann es nicht liegen. Da spielen wir nach wie vor in der ersten Liga. Wir messen uns mit den Besten.
Herr Ösi: Wirklich?
BILD: Was haben sie gedacht? Egal. Diese Degradation… Man hat mich abgesägt. Verstehen sie? Man hat mich eiskalt abgesägt. Vom Chefredakteur zum unbedeutenden Reporter heruntergeschraubt. Glauben sie mir, ich bin nicht gekommen, um zu jammern.
Herr Ösi: Davon gehe ich aus.
BILD: Auch nicht, um ihnen ein Abo aufzuschwatzen. Obwohl… nötig hätten wir’s schon.
Herr Ösi: Keine Angst. Ich abonniere nicht.
BILD: Schade. Zurück zur Arbeit. Sie sagen also, zwischen der dreiundzwanzigsten und der vierundzwanzigsten Fliese wäre es passiert. Ist es so?
Herr Ösi: Es könnte auch die fünfundzwanzigste gewesen sein können.
BILD: Wie jetzt? Können wir uns auf eine bestimmte Fliese einigen? Oder nicht?
Herr Ösi: Sagen wir, es war die fünfundzwanzigste.
BILD: Sicher? Es ist zwar nur ein Detail. Aber von immenser Wichtigkeit. Die Geschichte der Menschheit könnte von dieser scheinbar unbedeutenden Wichtigkeit abhängen. Zumindest für die Statistiker.
Herr Ösi: Notieren sie die fünfundzwanzigste.
BILD: Sie Schlawiner! Jetzt verraten sie mir, wie sie ihn haben erkennen können. Wie ich sehe, sind sie Brillenträger. So was kommt vor. Folglich folgere ich daraus eine gewisse Sehschwäche, die ich ihnen mal unterstelle.
Herr Ösi: In der Tat. Ich konnte ihn nicht sehen. Mit oder ohne Brille. Es wäre unmöglich gewesen.
BILD: So wie sie es sagen, ist es also reiner Zufall gewesen.
Herr Ösi: So könnte man es ausdrücken.
BILD: Und wie – wenn sie ihn aufgrund ihrer Sehschwäche nicht sehen konnten – wie wussten sie, dass…
Herr Ösi: Wie ich wusste, dass ich ihn erwischt hatte?
BILD: Ja.
Herr Ösi: Er hat gefiept. Er hat jämmerlich gefiept, als ich auf ihn trat. Es klang in etwa so…
Herr Ösi fiept.
BILD: Aufhören! Aufhören! Das klingt ja entsetzlich!
Herr Ösi: Wollen sie es noch einmal hören?
BILD: Nein. Danke. Das reicht.
Herr Ösi: Ich könnte…
BILD: Wenn sie noch ein Käffchen für mich hätten, wäre ich ihnen sehr dankbar.
Herr Ösi: Gern. Normalerweise bereitet ihn meine Assistentin zu. Aber…
BILD: Frau Saftschubse.
Herr Ösi: Sie kennen sie?
BILD: Klar. Eine geniale Dame. Ich erinnere mich gut, als wäre es gestern gewesen, wie mutig sie in das Opus 25 von Arnold Schönberg eingegriffen hat.
Herr Ösi: Hahaha! Mit der Kettensäge. Dem Pianisten, das Klavier mitten entzwei geschnitten. Ritsch! Ratsch! Mit der Kettensäge! Auf diese Idee müssen sie erst kommen.
BILD: imitiert eine Kettensäge Ra-ta-ta-ta! Ra-ta-ta-ta!
Herr Ösi: Eine Köstlichkeit. Eine Sternstunde in der Geschichte unserer Ösi-Redaktion. Ra-ta-ta-ta! Fast bin ich geneigt zu sagen: es war der Höhepunkt schlechthin.
BILD: Deshalb ist es doppelt schade, dass sie einfach hingeschmissen haben.
Herr Ösi: Sie kennen meinen Beweggrund.
BILD: An ihrer Stelle hätte ich vermutlich genauso gehandelt.
Herr Ösi: Das beruhigt mich zu hören.
BILD: Zurück zum Thema. Eins ist wohl klar. Um mich kurz zu fassen: Für mich sind sie ein Held. Der Held des Jahres. Die absolute Nummer 1. Lassen sie sich, wenn sie es gestatten, von mir umarmen. Die Menschheit kann aufatmen. Die Pandemie ist vorüber. Beendet. Vorbei. Die neue Normalität… ist… wieder die alte!
Herr Ösi: Ja, ist schon komisch. Der letzte verbliebene Virus befand sich ausgerechnet in meinem Badezimmer. Saß friedlich auf Fliese Nummer Dreiundzw…
BILD: Vorhin war es die Fünfundzwanzig.
Herr Ösi: Nehmen sie was sie wollen. Übrigens: sagt man der oder das Virus?
BILD: Wie soll ich das wissen? Ich war Chefredakteur! Da beschäftigen sie sich nicht mit Rechtschreibung. Ich nehme die Fünfundzwanzig. Andererseits…
Herr Ösi: Andererseits?
BILD: Andererseits könnte es ein Nachspiel für sie geben. Wenn alle Stricke reißen. Ein böses Nachspiel vor Gericht. Eine unliebsame Überraschung.
Herr Ösi: Ich kann ihnen nicht folgen.
BILD: Der gefährlichste Virus der Menschheit. Plattgemacht. Einfach so plattgemacht. Absichtlich oder unabsichtlich zertreten in einem Badezimmer. Auf Fliese Nummer Fünfundzwanzig. Es ist die Nachricht des Jahrtausends. Die wichtigste Nachricht der Menschheitsgeschichte. Aber vergessen sie eines nicht. Die bedeutendsten Labore der Welt könnten sie wegen der Ausrottung einer Spezies verklagen. Könnten versuchen, sie zur Rechenschaft zu ziehen. Wetten, die hätten nur zu gern den letzten Virus dieser Art behalten und ihn aufbewahrt. In einem Reagenzglas. Im Tresor. Oder sonst wo. Hermetisch abgeriegelt. Im Hochsicherheitstrakt. Um ein bisschen an ihm herumzufummeln. Herumzuexperimentieren. Herumzudoktern. Zwinkert. Wenn sie wissen, was ich meine.
Herr Ösi: Ein Schelm, der Böses dabei denkt.
BILD: Eine Meute geldgieriger Anwälte steht bereit, äh könnte bereitstehen, Morgenluft witternd, dem Held des Jahres die Hölle heiß zu machen.
Herr Ösi: Malen sie bloß nicht den Teufel an die Wand!
BILD: Ganz zu schweigen von der noch geldgierigeren Pharma-Mafia, die nun irgendwie, sagen wir mal, in die Röhre guckt.
Herr Ösi: Denen Gates immer noch zu gut.
BILD: Tja, das war’s auch schon. Ich will sie nicht länger aufhalten. Danke für die Zeit, die sie für mich erübrigen konnten. Es war mir ein Vergnügen. Der Artikel erscheint noch diese Woche. Selbstverständlich auf dem Titelblatt. Ach ja, beinah hätte ich es vergessen. Reicht Herrn Ösi ein Formular. Wenn sie gütigst unterschreiben würden.
Herr Ösi: Was ist das?
BILD: Die Übertragungserklärung.
Herr Ösi: Übertragungserklärung?
BILD: Nun, für die Rechte an ihrem Video.
Herr Ösi: Video?
BILD: Sie haben doch die Szene nachgestellt, wie sie den Virus ins Jenseits befördern? Oder etwa nicht?
Herr Ösi: Ja, das hab ich.
BILD: Wie sie ihn, wehrlos am Boden liegend, kurzerhand zertreten.
Herr Ösi: Man sieht ja nichts. Er war unsichtbar.
BILD: Man hört aber ein Fiepen.
Herr Ösi: Man hört mein Fiepen.
BILD: Man hört ihr Fiepen, weil sie die Szene nachgestellt haben.
Herr Ösi: Sag ich doch. Ich bin es, der fiept.
BILD: Weil der Virus zu dem Zeitpunkt nicht mehr fiepen konnte.
Herr Ösi: Weil er längst hinüber war.
BILD: Über den Jordan.
Herr Ösi: Über was auch immer.
BILD: Das Fiepen ist entscheidend. Die Füße aber auch.
Herr Ösi: Danke.
BILD: Ich bewundere ihre Füße. Diese Schönheit. Diese zeitlose Eleganz. Phantastisch.
Herr Ösi: Mann! Kommen sie wieder herunter!
BILD: Nein, nein, ihre Füße sind erstklassig. Allein…
Herr Ösi: Worauf wollen sie hinaus?
BILD: Nun ja, es wäre ein Gewinn für alle. Sie verstehen?
Herr Ösi: Ich versteh gar nix.
BILD: Eine einmalige Win-Win-Situation.
Herr Ösi: Sie sprechen in Rätseln.
BILD: Sosehr ich sie und ihre Füße bewundere… berühmt sind sie nicht.
Herr Ösi: Wer? Ich oder meine Füße?
BILD: Sie beide.
Herr Ösi: Noch sind wir nicht berühmt. Das kann sich ändern.
BILD: Schauen sie mal. Kritzelt eine Zahl aufs Papier. Das könnten wir ihnen bieten.
Herr Ösi: Wow! Wofür denn?
BILD: Für die Rechte an ihrem Video. Sie treten es an uns ab.
Herr Ösi: Und dann?
BILD: WIR spielen die Szene nach. Mit Brad Pitt in der Hauptrolle. Fußfetischist Quentin Tarantino übernimmt den Dreh. Es wird sein zehnter, letzter und kürzester Streifen. Und sein erfolgreichster. Es wird der wichtigste und beste Film aller Zeiten. Garantiert!
Herr Ösi: Deshalb der englische Titel.
BILD: Ich sehe, sie verstehen. Hollywood wartet. Man scharrt bereits ungeduldig mit den Hufen. Sie stellen Frau Saftschubse wieder ein und kümmern sich fortan um die Ösi-Group. Finanziell werden sie bestens aufgestellt sein.
Herr Ösi: Okay. Okay. Aber der neue Editor…
BILD: Lassen sie einfach Frau Saftschubse machen. Sie wird es schon richten.

In freudiger Erwartung auf das Remake präsentieren wir dem geneigten Publikum heute schon mal das Original.

The End

Herr Ösi: Das hat sich der Herr Gensfleisch anders vorgestellt.
Saftschubse: Gensfleisch? Der neue Nachbar?
Herr Ösi: I wo. Der Buchdrucker. Sie kennen doch den Gutenberg.
Saftschubse: Gutenberg? Gensfleisch? Meinen sie diesen merkwürdigen Kerl mit dem geteilten Bart und der Ivan Rebroff Haube? Ein komischer Kauz, wenn sie mich fragen.
Herr Ösi: Genau den meine ich.
Saftschubse: Was ist mit ihm?
Herr Ösi fährt den verrosteten Rollbalken unter Getöse herunter.
Saftschubse: Was soll das werden? Der Rollbalken mitten am helllichten Tag?
Herr Ösi: Wir schließen.
Saftschubse: Wir… äh… Was?
Herr Ösi: Wir schließen unsere Pforten.
Saftschubse: Wir schießen unsere Pforten?
Herr Ösi: Wir machen dicht. Wir beenden den Ösiblog. Wir schmeißen hin. Wir schließen die Boutique.
Saftschubse: Geht es ihnen gut? Was ist ihnen denn über die Leber gelaufen?
Herr Ösi: Der Gutenberg.
Saftschubse: Der Gensfleisch?
Herr Ösi: Ja.
Saftschubse: Ich hab sie immer gebeten und gewarnt: Halten sie sich von dem Kerl fern. Der läuft selbst im Sommer bei 30 Grad bei ALDI mit Haube rum. Das ist doch nicht normal.
Herr Ösi: Die jungen Leute finden es cool. Finden es geil, sozusagen.
Saftschubse: Was hat das mit dem Ösiblog zu tun?
Herr Ösi: Dieser Gutenberg hat seinen Editor an WordPress verkauft. Er ist entsetzlich. Damit kann ich nicht arbeiten. Vermutlich bin ich zu alt für den Scheiß.
Saftschubse: Okay. Er ist scheußlich. Ich habe ihn probiert. Es ist ein Rückschritt in Richtung Mittelalter.
Herr Ösi: Sie sagen es. Wie so vieles heutzutage einen Rückschritt in die Vergangenheit bedeutet.
Saftschubse: Sie meinen…
Herr Ösi: Schttt. Sprechen sie es nicht aus. Sie wissen ja: die Zensur sieht, liest und hört mit. Immer und überall.
Saftschubse: Ich denke, vielleicht ist der Gutenberg gar nicht schuld.
Herr Ösi: Nicht der Gutenberg? Sondern?
Saftschubse: Der andere. Dieser Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Buhl-Freiherr von und zu.
Herr Ösi: Der ehemalige Kriegsminister?
Saftschubse: Wäre möglich.
Herr Ösi: Der Copy and Paste Guttenberg, der, der seine Doktorarbeit ungeniert und ohne Angaben von Quellen aus anderen Doktorarbeiten zusammengeschustert hat?
Saftschubse: Das ist heute üblich.
Herr Ösi: Dieser Doppel-TT-Guttenberg, der daraufhin sang- und klanglos über’n großen Teich verschwand? Was macht der eigentlich?
Saftschubse: Er langweilt sich in Amerika. Befehligt keine Soldaten mehr, sie sich für ihn am Hindukusch erschießen lassen. Er fristet ein ziemlich trostloses Dasein. Da hat er sich gedacht: Copy and Paste beherrsche ich aus dem Effeff, also entwickle äh kopiere ich einen Editor, verkaufe ihn an WordPress, ehe ich als Kanzlerkandidat in die Heimat zurückkehre.
Herr Ösi: Du liebes Bisschen.
Saftschubse: So könnte es gewesen sein. Das Doppel-TT hat er vorsichtshalber in ein Einfach-T umgewandelt. Und schon Gutenbergern wir auf WordPress.
Herr Ösi: Gutenbergerten wir auf WordPress. Es ist unser letzter Beitrag. Danach ist Schluss.
Saftschubse: Schluss? Ist das ihr Ernst? Was machen wir dann?
Herr Ösi: Wir gehen in den verdienten Ruhestand.
Saftschubse: Wenn sie es sagen…
Der Vorhang fällt.

Liebe Leserinnen und Leser,
Wir bloggen beziehungsweise blöken seit April 2009. Einmal muss Schluss sein.
Die Ösi-Redaktion bedankt sich für die jahrelange Treue. Ein ganz besonderer Dank geht an alle Kommentaristen, die die Mühe nicht scheuten, unsere Beiträge zu kommentieren.
Danke. Machen Sie’s gut…

Das seitliche Abdriften des Kuckucks auf dem Weg zur Gabelung

Saftschubse: Man sieht ihnen die Enttäuschung an, Chef.
Herr Ösi: Ja? Ist das so?
Saftschubse: Regelrecht.
Herr Ösi: Das haben sie schön gesagt, dieses Regelrecht.
Saftschubse: Es war bestimmt nicht leicht.
Herr Ösi: Wie wahr. Sie sagen es.
Saftschubse: So kurz vor dem Ziel.
Herr Ösi: Ja, das Ziel vor Augen. Zum Greifen nah. Zauntimeter gewissermaßen…
Saftschubse: Eine herbe Enttäuschung. Wenn einer diese Ablehnung nicht verdient hat, sind sie es, Chef.
Herr Ösi: Ach, Saftschübslein…
Saftschubse: Diese Horden nichtsnutziger… äh… gemeingefährlicher…
Herr Ösi: Die Möwe als Möwe belassen, verstehen sie? Vielleicht hätte ich die Möwe belassen sollen, wie sie ist. Als Möwe eben.
Saftschubse: Sie meinen…
Herr Ösi: Eine Möwe als einen Kuckuck auszugeben, überfordert das Publikum. Die moderne Smartphone-Gesellschaft von heute ist nicht bereit für jene Flexibilität im Denken, die nötig wäre. Das Gehirn spielt bei ihr einfach nicht mit. Ein Zuviel an Technik engt die Menschen ein. Die Bandbreite, die freies Denken in diesen Tagen noch ermöglicht, wird zusehends schmäler.
Saftschubse: Da ist was dran.
Herr Ösi: Jammerschade.
Saftschubse: Sie sind angetreten, die verkrusteten Strukturen aufzubrechen. Den alten Mief rauszublasen aus der Stadt. Weg! Weg! „Fenster auf! Türen auf!“, haben sie wieder und wieder gerufen. „Wir brauchen Luft! Frische Luft! Viel frische Luft!“
Herr Ösi: Die Honoratoren der Stadt haben es nicht honoriert.
Saftschubse: Weil die eben keine Ahnung haben.
Herr Ösi: Vielleicht war es zu gewagt zu sagen: Die Zauberflöte muss runter vom Spielplan. Weg damit! Mozart kann auch in einer Turnhalle aufgeführt werden.
Saftschubse: Das stimmt. In Gramatneusiedl hätten man ihnen für diesen Vorschlag die Hände und die Füße geküsst.
Herr Ösi: In Gramatneusiedl… ganz bestimmt. Nicht in Salzburg, nein, in Salzburg nicht. In Salzburg sind sie zu verbiestert. Zu starrköpfig. Die Stadtoberen haben sich mit Händen und Füßen gewehrt, ihren geliebten Mozart in eine Turnhalle auszulagern.
Saftschubse: Dabei hätte es massive Vorteile gehabt.
Herr Ösi: Mozart, da bin ich sicher, Mozart wäre es egal gewesen. Er hätte es sogar befürwortet. Er hätte der Turnhalle den Vorzug gegeben. Papageno und Papagena hätten ihre Arie auf einem Stufenbarren gesungen.
Saftschubse: Ich glaube, Mozart hätte ihnen das Große Festspielhaus zur Verfügung gestellt.
Herr Ösi: Selbst mit der Felsenreitschule wäre ich zufrieden gewesen.
Saftschubse: Ihre Bescheidenheit ehrt sie, Chef, allein, sie bringt nix.
Herr Ösi: Der Beschluss fiel einstimmig aus. Es wäre nicht tragbar, Mozart, das berühmteste Kind der Stadt, aus dem Programm der „Salzburger Festspiele“ zu nehmen, so die Verantwortlichen, und statt dessen einen unbekannten Experimentalfilm mit kontemporärer Musikbegleitung mit dem Titel „Das seitliche Abdriften des Kuckucks auf dem Weg zur Gabelung“ dem erlauchten, oftmals weitgereisten und weit vergreisten Publikum darzubieten. Zudem würde der Film mit einer Dauer von 5 Minuten nur einen Bruchteil der Zeit veranschlagen, den die Zauberflöte benötigt, heruntergefiedelt zu werden, wir sprechen hier von einem Sechsunddreißigstel.
Saftschubse: Papperlapapp!
Herr Ösi: Das habe ich auch gesagt. Höchstens fünf Minuten dauert die Zeitspanne, die es dem modernen Mensch ermöglicht, sich zu konzentrieren. Dann ist es vorbei. Dann schweift er ab, driftet ab, verzettelt sich und verliert den Faden. Der Kuckucks-Film wäre geradezu ideal gewesen. Einen Mozart in der heutigen Zeit aufzuführen ist Wahnsinn, genauso gut könnte man Perlen vor Säue werfen. Das Publikum ist einfach überfordert. Bedenken sie: Die Ouvertüre ist noch im vollen Gang, da läuten die ersten Handys. Telefonate werden geführt. Ob das Bügeleisen ausgeschaltet ist, wird gefragt, ob die Oma gut versorgt ist, der Kanarienvogel sein Futter bekommen hat, kurz: ab diesem Moment werden von Salzburg aus die elementarsten Botschaften in die Welt hinausgeschickt. Die Leidtragenden dieser neuzeitlichen Unsitten sitzen im Orchestergraben. Er ist das Auffangbecken, in dem sich die Gespräche des Auditoriums zu einem Stimmengewirr verdichten. Ist doch klar, die Gespräche purzeln bedingt durch die Schwerkraft in den Orchestergraben hinab und wabern wie unsichtbare Nebelschwaden um die Musiker. Malträtieren sie. Peinigen sie. So mancher Streicher scheidet noch während der Vorstellung freiwillig aus dem Leben. Den Veranstaltern ist es egal. China hält genügend Nachschub parat. Eine Riege von hochtalentierten Streichern wartet nur darauf, endlich in einem Salzburger Orchestergraben das Leben auszuhauchen. Hauptsache Salzburg. Das ist es, was zählt. Begonnen hatte alles mit einem gewissen Ching Chang Chong, der sich mitten in der Rachearie mit einer Saite seiner Bratsche erdrosselte. Das Telefonnetz brach völlig zusammen, als Teile des Publikums die Tat hautnah miterlebten und das gesehene Geschehene unverzüglich in den Äther hinausposaunten. Die Oper lief zum Glück ohne Unterbrechung weiter. Der Vorfall blieb kein Einzelfall und machte Schule. In Musikerkreisen spricht man längst von der „Chinesischen Schule“, wenn Geiger sich während der Vorstellung das Leben nehmen. Weshalb in Salzburger Orchestergräben immer mehr Musiker sitzen, als für die eigentliche Vorstellung nötig. Als Reserve sozusagen. Legendär ist der Selbstmord eines argentinischen Dirigenten, der mit seinem Taktstock Harakiri verübte, nachdem er das vermeintliche Fremdgehen seiner Gattin aus einem Gespräch herausgehört zu haben glaubte. Kein Problem für die Musiker, die ihre Hausaufgaben mit Bravour erledigt hatten und unbeirrt ohne den Orchesterchef zu Ende fiedelten.
Saftschubse: Entsetzlich!
Herr Ösi: Ein DAX-Vorstand gibt zu Protokoll, die besten Geschäftsabschlüsse mache er, wenn die Königin der Nacht ihr Liedchen trällert und seine japanischen Geschäftspartner denken, er befände ich auf einer Alm mit Jodelmusik und Schuhplattler-Einlagen im Hintergrund. Während einer Mozart-Oper führen die Wichtigsten dieser Welt oder die, die sich dafür halten, all jene Gespräche, zu denen ihnen im normalen Tagesbetrieb die Zeit fehlt. Das erlauchte Publikum hat vor allem eines: Geld. Deshalb ist es den Stadtvätern so wichtig, diese Mozart-Tradition fortzuführen. Im Grunde ist es nichts anderes als Geschäftemacherei. Der Rubel muss rollen. Sehr im Gegensatz zum Publikum, das aufgrund seiner Altersstruktur sich immer wieder in den Gängen mit den Rollatoren in die Quere kommt und verkeilt. Dann rollt gar nichts mehr. Bis der letzte seinen Sitzplatz gefunden und eingenommen hat, hätte man zwei Zauberflöten hintereinander aufführen können. Endlich ist so weit. Der Dirigent klopft mit dem Taktstock wichtigtuerisch auf das Pult. Die Ouvertüre beginnt. Und gleichzeitig mit ihr hunderte von Telefongesprächen. Der dringlichen Bitte, die Musiker sollten doch nicht so laut spielen, es störe extrem beim Telefonieren, wird schon mal gegen Bezahlung eines schwindelerregenden Betrages nachgekommen. Für die nächsten drei Stunden ist Salzburg das Zentrum der Welt. Mindestens. Wenn nicht gar der Mittelpunkt des Universums.
Saftschubse: Unglaublich.
Herr Ösi: Die Absage kam also nicht von ungefähr.
Saftschubse: Chef, ich hab eine Idee. Warum bieten sie ihren Experimentalfilm nicht unseren Lesern an? Die sind bestimmt dankbarer als diese verwöhnt elitären Mozart-Fuzzies.
Herr Ösi: Wow! Das ist es! Sie sind ja sooo genial, Saftschübslein. Was, so frage ich mich, würde ich bloß ohne sie machen?
Saftschubse leise zu sich: Das frage ich mich auch.

Massage

You want more?
(Die hübsche Masseuse zu Herrn Ösi)

Zwei Wochen Fernost können anstrengend sein. Für Herrn Ösi. Vor allem für seinen Rücken. Normalerweise geht er einmal pro Woche zur Wirbelsäulengymnastik. Weil rückengeschädigt. Naja, das Alter. Mann wird eben nicht jünger. Aber in Fernost… die gewohnte Wirbelsäulengymnastik… äh Fehlanzeige.

Da muss Mann nach Alternativen Ausschau halten. Aber, hey, die Asiaten sind Weltmeister, wenn es um den Körper geht. Sprich, ein gesunder Geist in einem gesunden Körper und so. Nun ja, der Herr Buddha vielleicht ausgenommen. Bei ihm ist es mehr das geistige Dingens. Der Gute hat Gewichtsprobleme. Er liebt es, beim Essen reinzuhauen wie ein Scheunendrescher. Recht hat er. Soll er sich etwa den Köstlichkeiten versagen? Auf keinen Fall. Er weiß: ein gutaussehender Mann kann durchaus ein Bäuchlein tragen. Das Wichtigste im Leben… ist nicht die perfekte Figur, sondern die Erleuchtung. Jawohl, die Erleuchtung. Und da macht ihm so schnell keiner ein X für ein U vor! Oder umgekehrt.

Buddha mit Bäuchlein | Foto Herr Ösi

Wir lassen uns gern von Oberflächlichkeiten leiten. Merken es nicht einmal. Bin ich zu fett? Passt mein Haarschnitt zur Krawatte? Die Krawatte zur Unterhose und so weiter. Gröbster Unfug also, den, sich auszudenken, nur ein Mensch imstande ist. Wenn es aber ums Essen geht, hält Herr Ösi es mit dem Buddha… naja fast. Gemäßigtes Scheunendreschertum sozusagen. Wir berichteten bereits darüber.

Die wöchentliche Wirbelsäulengymnastik fand derweil zu Hause ohne Herrn Ösi statt. Von den Rückengeschädigten hätte ja keiner verstanden, wären die Übungen zwei Wochen lang ausgefallen, nur weil Herr Ösi urlaubt. Einen Ausfall hätte mir die Gruppe niemals verziehen. Ich stelle mir folgendes Szenario vor:

Erster Rückengeschädigter: Wir haben 2 Wochen Pause.
Zweiter Rückengeschädigter: Menno! Ach nö!
Erster Rückengeschädigter: Die Übungen fallen aus.
Zweiter Rückengeschädigter: Wieso?
Erster Rückengeschädigter: Herr Ösi weilt in Fernost.
Zweiter Rückengeschädigter: Nein! Dieser Arsch!

Und während wir – fast hätte ich Blödel geschrieben – während wir „in Anführungszeichen Blödel“ im Fitnessraum auf herkömmliche Art und Weise schwitzen, weil Situps und das ganze Programm eher alles andere ist als reinstes Honiglecken, weil wir schuften wie die Berserker und uns quälen bis zum Geht-nicht-mehr, während wir all diese Unbilden auf uns nehmen, still in uns hineinfluchen und uns die Frage stellen, warum wir uns den Scheiß die Quälerei freiwillig antun, bieten sie in Fernost geniale Methoden zur körperlichen Ertüchtigung an, wo du nix anderes tun musst als dich ein bisschen hinzulegen. Sie nennen es Massage…

Massagen & Preise | Foto Herr Ösi

Bevor du nun angesichts der Preise mit den Ohren schlackerst, folgendes: sie verstehen sich pro Stunde und, um sie in Euro umzurechnen, musst du, sagen wir mal, durch 33 dividieren. Also, eine Stunde Fußmassage kostet ca. 6 Euro. Plus Trinkgeld, versteht sich. Da kannst du nicht meckern…

Während die Gruppe zu Hause sich einen abstrampelt, hat es sich Herr Ösi auf der Liege bäuchlings bequem gemacht… 🙂
Das ist eine ziemlich zierliche Masseuse, dachte er, und da saß sie schon auf ihm oben. Oookay. Andere Länder, andere Sitten. Einmal in Ösiland, lang is her, hat er sich massieren lassen. Der Masseur war ein Mordslackel mit Hände groß wie Wagenräder. Hätte der sich auf ihn gesetzt, der Ösi hätte ihm was erzählt und den Kerl unverzüglichst und ohne Vorwarnung runter geschmissen. Aber hier natürlich Ausnahme. Du willst nix falsch machen. Das Mädel wird schon wissen, was es tut. Fernöstliche Spezialistin. Der kannst du nix erzählen. Die kennt ihren Job aus dem Effeff. Lass sie machen, dachte ich und schloss die Augen…

Jetzt Assoziation… Oder nein, noch nicht. Das Mädel hat gearbeitet wie eine Berserkerin. Also, wie die Frau vom Herrn Berserker. Sie hat den Rücken geknetet und geknetet wie eine Hausfrau einen Teig knetet, wenn sie einen Teig kneten MUSS, weil weder eine Küchenmaschine noch ein Mann verfügbar. Der Mordslackel mit den Wagenräderhänden von damals… ein Waisenknabe dagegen. Gleich bricht sie mir das Genick, hab ich gedacht, als es ein paar Mal äußerst verdächtig knackte. Nach etwa einer halben Stunde hat sie mich gefragt: You want more?

Jetzt Assoziation… Ist ein bisschen wie zu Hause beim Fleischhacker beziehungsweise beim Metzger für meine deutschen Leser. Du gehst in den Laden und bestellst 10 dkg, will heißen, zehn Deka Leberkäs beziehungsweise 100 Gramm Leberkäse für meine deutschen Leser. 10 Deka oder 100 Gramm sind umgerechnet ein und dasselbe. Ob Leberkäs oder Nicht-Leberkäs. Es ist dasselbe. ABER! Du wirst deine 10 Deka oder deine 100 Gramm niemals bekommen, weil die Dame hinter der Theke schneidet immer mehr vom Leberkäs herunter als du verlangst. Sagst du 10 Deka oder 100 Gramm, erhältst du mindestens 15 Deka oder 130 Gramm, was umgerechnet nicht ein und dasselbe ist, sondern viel zu viel. Merke: Besonders bei den Ösis ist die LRsÜ, also die Leberkäs-Runterschneid-Übertreibung stärker ausgeprägt als bei allen anderen Nationen dieser Welt.
„Darf’s a bisserl mehr sein?“, lautet obligatorisch die unschuldige Frage.
„You want more?“, kommt aufs selbe raus. Geschäft ist eben Geschäft.

Wie antwortet man auf diese Frage? Ehrlich gesagt, am besten… ehrlich.
„Ja, es darf ein bisserl mehr sein“, wenn der Hunger plötzlich größer ist als vorhergesehen.
ODER
„Nein, heute lieber nicht. Schneiden’s a bisserl was weg“, wenn du auf die georderte Menge bestehst, weil das üppige Essen von vor 30 Minuten noch nicht verdaut ist.

WARNUNG: „Schneiden’s a bisserl was weg“, solltest du auf keinen Fall zu einem auf dir sitzenden Mädel sagen. Es könnte sonst urplötzlich höllisch weh tun… 😉

PS… um nicht zu vergessen: Die Massage war phantastisch!

Singsang & Tempelchen

Finden Sie nicht, hier müsste mal gewischt werden?
(Herr Ösi zu seiner Assistentin Frau Saftschubse)

Endlich ein Road-Movie. Es wurde Zeit. Ich liebe Roadmovies. Wer den Film Duell von Steven Spielberg kennt und mag oder Thelma & Louise von Ridley Scott oder Easy Rider von und mit Dennis Hopper oder Death Proof von Großmeister Quentin Tarantino oder Vanishing Point von einem ziemlich Unbekannten, in welchem ein weißer Dodge Challenger von 1970 die Hauptrolle spielt, der weiß was ich meine. (Zum Abspielen der Trailer einfach die Titel klicken)

Road-Movie heißt: die Straße, die Wüste, der Staub, das ganze Programm. Und nicht zu vergessen: Trash. Jede Menge Trash. Es wird viel gefahren und wenig gesprochen. Wenn einer den Mund aufmacht – die Helden dieser Filme sind in der Regel maulfaule Gesellen – dann kommt belangloses Zeug raus. Ist ein bisschen wie beim Ösiblog. Wenn Herr Ösi schreibt, dann ebenso meist belangloses Zeug. Im Grunde ist der Ösiblog ein Road-Movie, eines, das ohne Straße ohne Wüste und ohne Staub auskommen muss. Dafür aber mit einer Portion Trash. Na ja, stimmt nicht ganz. Weil die Ösi-Redaktion immer etwas staubig…

Der heutige Film besteht nur teilweise aus Film. Der andere Teil aus Fotos. Wenn du in Fernost mit dem Roller unterwegs bist, zum ersten Mal einen Roller steuerst, zum ersten Mal im Linksverkehr verkehrst, navigieren musst, das Smartphone zwecks Orientierung griffbereit um den Hals, der Tohuwabohu brechend voller Straßen links, rechts, vor und hinter dir wabert, dann filmst du nicht, sondern du konzentrierst dich auf all die Wahnsinnigen, die dauerhupend in die kleinste sich auftuende Lücke stechen, um… äh, keine Ahnung. Um die Pole-Position zu ergattern? Am schnellsten von A nach B zu gelangen? Keine Zeit zu verlieren? Was auch immer. Selbst der Buddha schüttelt verständnislos den Kopf, sieht er den chaotischen Irrsinn. Ich pflichte ihm bei. Und fürchte, das wird heute wieder nix mit Erleuchtung.

Üben mit Stewardessen

So a G’stettn oba a
(Herr Ösi beim Blick in die Tiefe)

Wie Recht er hatte. Der Sitznachbar mit der Aussage: Runtergekommen ist noch ein jeder. Aufgesetzt hat er, der Flieger, auf der holprigen Landebahn, dass ich dachte, gleich fällt er auseinander. Wir hatten Glück und blieben ganz. Ich applaudierte. Enthusiastisch. Und erntete verständnislose Blicke. Es scheint heutzutage gang und gäbe und selbstverständlich, dass der Pilot, vergeigt er schon eine Landung wie im Bilderbuch, so immerhin die ihm anvertraute Kiste ordentlich zu Boden bringt, ohne dass diese zerschellt und ihren (dann meist) nicht sehr appetitlichen Inhalt in die Landschaft streut. Kein Klatschen. Kein Garnix. Außer mir. Die Rotznasen finden es nicht nötig, dem Piloten, dem Helden des Tages, ihren Respekt zu zollen. Ende gut, alles gut? Nicht so wirklich. Nicht wenige Passagiere, die sich den Aufpreis für das Speibsackerl (beziehungsweise die Kotztüte, wir erwähnten sie bereits) sparten, hatten während des Fluges aufgrund heftigster Turbulenzen derart gelitten und gereihert, dass selbiger Vogel, wäre er mit uns gereist, sein Köpfchen angewidert vor Ekel zur Seite gedreht und sich übergeben hätte. Ein Schweinestall wäre bei dem Anblick der zugekotzten Kabine durchaus als prunkvoll funkelnder Palast durchgegangen. Den Stewardessen, zuständig für prunkvoll funkelnde Paläste, fiel die Kinnlade runter… Wir tabten ins Terminal.

Auf der Taxifahrt ins Hotel dachte ich an die letzten 34 Stunden seit meinem Aufbruch von zu Hause – und VietJet Air dachte hoffentlich an die total verfehlte Sackerl-Tüten-Aufpreis-Politik. Die Nacht brach herein. Ich fühlte mich merkwürdig. Verändert, wenn du so willst. Angekommen im Hotel führte mein erster Weg mich schnurstracks auf den Balkon… äh, pardong, auf die Balkonin. Tschendamäßige Korrektheit. Bitte! Soviel Zeit muss sein. Danke! Du wirst es nicht glauben: die Balkonin schwankte und wackelte unter meinen schwachen Füßinnen hin und her wie eine Irre. Ding Dong. Ding Dong. Tschendarassabum. Irgendwas war faul. Dann wurde es schwarz um mich…

Blick vom Balkon | Foto Herr Ösi

Ein paar Tage später, der Blick vom Balkon (dem Himmel, mein Dank! ich war wieder normalisiert), ein Foto in die Tiefe. Auf die G’stettn. Was soll ich sagen. Das Foto messerscharf, wie von einem Profi geknipst. Verwackelt? Nicht die Bohne!
Der Balkon, nun einem Fels in der Brandung gleich, wackelte nicht mehr. An der Rezeption schwor das Personal beim fehlenden Barte des Buddhas, man hätte während meiner Abwesenheit keinerlei balkonseitige Eingriffe zu seiner Stabilisierung vorgenommen. Aber das Gewackel im Suvarnabhumi und am Balkon? warf ich ein. Jetlag, beschied man mir und sie sprachen es aus wie Jet-Leck.

Zurück zum Foto. So a G’stettn oba a. Übersetzung: So eine HuHuHu aber auch. Wobei HuHuHu nicht mit Müllhalde zu übersetzen ist, weil eben keine Müllhalde, sondern eine G’stettn. Eine G’stettn musst du vom Gefühl her dingsen. Sonst geht’s nicht. Es gibt nicht wirklich ein bundesdeutsches Wort dafür und dieses HuHuHu, es ist bloß ein schnoddriger Platzhalter, für den ein Mathematiker, um das Problem zu lösen oder lösen zu lassen, mit Sicherheit ein x eingesetzt hätte, weil Müllhalde eben nicht zutreffend und Brachland, wie Wiki phantasielos schwadroniert, auch nicht… also x. Der Mathematiker macht es sich leicht, setzt einfach ein x ein oder ein y oder was Griechisches, wenn er nicht weiter weiß und wirft das Problem einem X-Beliebigen vor die Füße, dem das alles ziemlich Spanisch vorkommt. Soll der doch zeigen, was er kann. Es beweist einmal mehr die Unzulänglichkeit der Sprache, der es manchmal schlicht an den nötigen Worten fehlt. Es ist eine Schande. Könnte es sein, dass die Welt deshalb regelmäßig ins Chaos stürzt, weil die Spezies, die sich für die größte und wichtigste auf dem Planeten hält, ein Kommunikationsproblem hat? Weil uns Mathematik hier nicht weiterhilft? Weil die Menschen ihre Sprache schlampig und halbherzig konstruiert haben? Weil sie mit ihren Gedanken schon während der Entwicklungsphase ganz woanders waren? Weil ihnen G’stettn schnurzegal?

So funktioniert Ablenkung

Weil sie unter Konzentrationsstörungen leiden und sich nur allzu leicht ablenken lassen von all dem Unsinn, der uns immer und überall umgibt? Fragen über Fragen. Es kann und wird nicht unser Anspruch sein, dieses Problem an Ort und Stelle zu lösen.

Für den Rückflug habe ich eine kleine Überraschung für die Stewardessen vorbereitet, vorausgesetzt, sie haben den Flieger und die Kabine wieder einigermaßen hinbekommen, sprich prunkvoll funkelnder Palast… 😉