Damen

War es in der vorigen Folge eine Dame aus der letzten Reihe, die lautstark protestierte, weil sie endlich „ihr“ Eis haben wollte, wie sie wieder und wieder skandierte, um nicht zu sagen skandalierte, so ist es jetzt – kaum haben wir die erste Corona Pandemie samt einhergehender Zwangspause einigermaßen unbeschadet hinter uns gebracht – so ist es jetzt ein Herr aus der zweiten Reihe, der die Aufmerksamkeit auf sich lenkt. Er räuspert sich. Und das ziemlich lautstark.

Merke: Herren, die sich räuspern, haben in der Regel was zu sagen. Meist etwas von Belang. An der Lautstärke der Räusperung kannst du die Wichtigkeit des Anliegens gut erkennen. Je lauter, desto dingens, könnte man sagen. Gut, Frauen haben auch ab und an was Wichtiges zu vermelden. Bloß… sie räuspern sich nicht. Sie sagen es geradeheraus, ohne Umschweife, ohne den umständlichen Umweg einer vorangegangenen Räusperung. (Während ich diese Sätze niederschreibe, fühle ich eine aufkeimende Erleuchtung in mir. Sie wird stärker und stärker und erfasst mich schließlich vollends. Da Eigenlob bekanntlich stinkt, habe ich diese Erkenntnis in Klammern gesetzt, um einer etwaigen Skepsis den Wind aus den Segeln zu nehmen.)

Der Herr räuspert sich und legt los. Er habe nicht den langen und überaus beschwerlichen Weg von Castrop Rauxel auf sich genommen, um einem Vortrag über Buddha, Erleuchtung und asiatischem Essen beizuwohnen. Vielmehr seien es andere Beweggründe gewesen, die ihn veranlasst hätten, sein geliebtes Castrop Rauxel sowohl kurzzeitig als auch kurzfristig zu verlassen, um hier in der Einöde… bla-bla-bla und so weiter und so fort. Welche Gründe, frage ich zaghaft. Frauengeschichten, rauxelt er ohne zu zögern. Weibergeschichten hat er in Wirklichkeit gesagt, und weil ich weiß, dass hier auf meinem Blog auch Damen mitlesen, habe ich „seine“ Weibergeschichten würdevoll als Frauengeschichten wiedergegeben. Die Weiber- äh Frauengeschichten stünden erst am letzten Tag meines Vortrags auf dem Programm, belehre ich ihn. Das Beste immer zum Schluss, zum Schluss das Beste.

Kaum gesagt, rumort es im Saal. Mehrerer Herren outen sich. Sie wollen lieber Weibergeschichten hören statt nach Erleuchtung streben. Jetzt, sofort und unverzüglich. Es castrop-rauxelt ganz gewaltig unter dem Gebälk. Das wilde Brunftgeschrei der Herren lässt einen jeden Sechzehnender, sprich einen jeden kapitalen Hirschen im Walde, realy armselig ausschauen. Der Saal verwandelt sich vor meinen Augen augenblicklich und vor allem phonetisch in eine Art Brunftplatz. Ich gebe mich geschlagen…

Unbekannte Schönheit / Fotos Herr Ösi

Bootsausflug im Indischen Ozean, Richtung Khao Phing Kan – für unsereins James Bond Island. Ich präsentiere die Fotos einer unbekannten Schönheit. Sie räkelt sich waghalsig am Bug des Schiffs. Ihr Freund oder Lover oder Fotograf oder oder schießt unaufhaltsam Fotos. Da trifft es sich vorzüglich, dass ich eine Etage höher sitze, das Smartphone griffbereit, die Schöne unter mir quasi auf dem Präsentierteller. Ich kann nicht widerstehen. Klick! Klick! Klick!
Sie haben sie doch hoffentlich gefragt, so die Dame mit dem Eis aus der letzten Reihe, während nicht nur der röhrende Hirschbulle aus Castrop Rauxel aufgeregt mit den Hufen scharrt, ob sie mit den Fotos einverstanden ist. Schon wegen der Datenschutzgrundverordnung.
Normalerweise kannst du deinen Vortag knicken, sobald das Wort Datenschutzgrundverordnung fällt. Weil unterschiedlichste Auffassungen zum Thema und nie ein gemeinsamer Nenner. Heute aber nicht.
Negativ, gebe ich zu Protokoll, die Schöne sprach eine Sprache, die ich nicht verstand. Italienisch, Serbokroatisch, was auch immer. Außergewöhnliche Situationen erfordern eben außergewöhnliches und vor allem rasches Handeln. Das wusste bereits der Mittwochs-Buddha sowie 007 in Gestalt von Roger Moore. Beide damals noch ohne Smartphone. Mehr dazu vielleicht später.

Lily / Fotos Herr Ösi

Lily, die schöne und sportliche Touristin aus dem Reich der Mitte, wurde mir zum Bootfahren zugeteilt… beziehungsweise ich ihr. Nach Durchquerung eines unheimlichen Fledermaus-Tunnels, von dem es keine Fotos gibt, dümpelt das Kanu im seichten Gewässer. Von Corona keine Spur.

Affig / Fotograf: der Bootsführer

Herr Ösi schnappt über

Die aktuelle… äh Krise fordert ihren Tribut… will sagen, ihre Opfer, ihre irren Opfer. Auch Herr Ösi kann sich dem aktuellen Weltgeschehenswahnsinn nur schwer entziehen. Er versucht’s mit ein bisschen Schokolade… 😉

Mundschutz für Raucher

Frohe Ostern

So muss Eis – nächster Anlauf

Eis! Eis! Eis!
Ich will Eis!
Eis! Eis! Eis!
Ich will Eis!
Eis! Eis! Eis!

Die Dame in der letzten Reihe protestiert lautstark. Sie ist nicht aufzuhalten und nicht auszuhalten. Mein Vortrag über Erleuchtung und Vollkommenheit scheinbar für die Katz. Selbst der Buddha, zu Lebzeiten die Gelassenheit in Person, dreht sich genervt um in seinem Grab. Alter Schwede. Mein Vortrag läuft aus dem Ruder.
Nur nicht klein beigeben, motiviere ich mich. Das Programm durchziehen. Koste es, was es wolle. Das Programm muss durchgezogen werden. Mit allen mir zur Verfügung stehenden Mitteln. Wenn nötig mit Rücksichtslosigkeit. Rücksichtslosigkeit wirkt immer. Unbeirrt fahre ich mit der Präsentation der Essenfotos fort.

Happi-Happi / Fotos Herr Ösi

Die asiatische Auster – um ein Beispiel zu nennen – ist in ihrem Aufstoß- und Rülpsverhalten mit ihrem französischen Pendant verwandt. Ziemlich verwandt. Der Unterschied ist, doziere ich, die asiatische ist dicker, fetter, liegt also schwerer im Magen, stößt stärker auf als die atlantische und muss mit alkoholischen Getränken bekämpft, sprich niedergerungen werden. Gin ist hierfür bestens geeignet. Klar, es darf auch Whisky sein. Ein Herr in der ersten Reihe rülpst. Ein Streber. Ich gratuliere ihm zu seiner Darbietung. Derart ermuntert rülpst er noch einmal. Nun stärker. Gut hörbar, bis in die letzte aller Reihe. Die Eis-Dame, sichtbar beeindruckt, verstummt. Andere Zuhörer stimmen in das Gerülpse ein. Bald rülpst es im ganzen Saal, als hätte die Zuhörerschaft Unmengen an Radi und Bier vertilgt. Nur stinken tut es nicht so arg wie bei Radi und Bier, weil die Auster ja ungleich vornehmer in ihrem Verhalten.

Der Buddha dreht sich wieder auf den Rücken, scheint erleichtert und lacht. Nicht einfach in seinem engen Grab. Erleuchtung und Vollkommenheit, denke ich, der Sinn und Zweck meines Vortrags. Und meine Zuhörer? Werden sie die Kurve kriegen, frage ich mich. Eine höhere Dimension erklimmen? – Ich schöpfe Zuversicht. Als Belohnung gibt’s das in der letzten Folge versprochene Eis.

So muss Eis

Warum rülpset und furzet Ihr nicht,
hat es Euch nicht geschmackert?
Martin Luther (… oder irgendein anderer)

Schon der Titel ist ein Blödsinn: So muss Eis.
Eis muss nicht. Genauso wenig wie … beispielsweise: So muss Technik. Nein! Auch Technik muss nicht. Überhaupt muss Technik nicht. Nie und nimmer. Der Spruch „So muss Technik“ ist genauso unsinnig wie „So muss Eis“.
Einerseits.
Andererseits. Ein Aufhänger muss her. Ja, das muss er. Ein Aufhänger, der auffällt. Und je blöder, desto besser. Umso leichter fällt er auf. So muss Aufhänger… könnte man sagen.

Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen

Hat der Buddha nicht gesagt. Wohl aber gedacht. Genaueres ist nicht bekannt. Spielt auch keine Rolle. Dass Essen und Trinken eine übergeordnete Rolle spielt, ist auch den Untergeordneten, sprich den Nicht-Buddhas geläufig. Bauernschläue sozusagen. Hey! Wir sind noch in Fernost, also asiatische Weisheit.

Buddha mit Touristen und Lastenkran / Foto Herr Ösi

Meine Mutter, war sie im Urlaub, hat eine jede Speise, die sie zu sich nahm, fein säuberlich beschrieben und dokumentiert. Da beispielsweise einen Schweinsbraten mit Knödel und Krautsalat beim Hüttenwirt, dort ein Schnitzel mit Pommes in Pörtschach am Wörthersee und so weiter. Sogar die Uhrzeit war ihr wichtig. Weil Knödel nach 20 Uhr 36 liegen naturgemäß schwer im Magen.
Ich, als erstklassiger und einziger Sohn meiner Mutter, führe diese Familientradition lückenlos fort
. Wobei ich auf eine genaue Beschreibung verzichte, schon weil ich nicht weiß, was ich da und dort im mich hinein futterte, will heißen, keine Ahnung, was ich auf meiner Reise zu mir nahm, es war fremdartig, ungewöhnlich im Aussehen und erst recht im Geschmack. Deshalb beschreibe ich nicht, sondern fotografiere. Klick! Klick! Klick! Ist einfach einfacher.
Klar, wenn du am Freitag um 4:30 aus den Federn steigst und erst am Samstag nach 19:00 endlich das erste Restaurant in Fernost betrittst, bist du – Zeitverschiebung hin, Neugier her – zu keinerlei Experimenten bereit. Also, Burger mit Pommes und argentinischem Rotwein. Dass der Rotwein (so wie ich) eine mittlere Weltreise hinter sich hat, bemerke ich beim Bezahlen. Für den Rest meiner Tage bleibe ich aus monetären Gründen oft beim einheimischen Bier, welches dem ösischen beziehungsweise dem deutschen in nix nachsteht. Sage ich als passionierter Weintrinker, der vom Bier wenig bis keine Ahnung äh hat. Aber was heißt Ahnung schon? Schmecken muss das Zeug. Und das hat es. Es hat sogar vorzüglich geschmackert, um mit Luther zu sprechen.

Spankrododil / Fotos Herr Ösi

Das asiatische Essen ist ein hervorragendes. Das muss gesagt werden. Nun gut. Spanferkel ist mir geläufig. Spankrokodil war mir neu. Es gibt wohl nix, was es nicht gibt. Ich habe dem Tier – intern wohlgemerkt – den Namen „Spankrokodackel“ verpasst, weil irgendwie passender. Glaub mir, wär noch ein bisserl mehr Fleisch dran gewesen, ich hätt’s probiert. Obwohl ich kein Crocodil Dandy bin. Echt, so abgemagert wie es war, sah es aus, als wäre eine Horde von Saugbarben über es (oder ihn? – egal) hergefallen und hätte es oder ihn bis auf die Knochen abgezuzelt. Was haben wir im vorigen Beitrag gelernt? Genau. Wo Saugbarben zuzeln, bleibt nix übrig. Nachzulesen HIER
Nicht probiert habe ich die gerösteten Heuschrecken und die putzigen, ebenfalls gerösteten Käfer, die, keine Ahnung warum, es nicht auf das Foto geschafft haben. Ich muss die Reise wiederholen, um das Versäumte nachzuholen.

Grün & scheußlich / Foto Herr Ösi

Beenden wir unsere Kritik mit einem Getränk, das grün und scheußlich schmackerte. Ich denke, sämtliche Mädels einer chinesischen Kleinstadt haben nach einem strammen Fußmarsch ihre dreckigen Haxn darin gewaschen und die Brühe anschießend zum Verkauf freigegeben. Igitt!!! Ich hab’s letztendlich doch getrunken, wenngleich mit angemessenem Ekel. Danach ging es zu den Saugbarben zur Reinigung, welche ganze Arbeit leisteten und ihr Soll bravourös überüberfüllten. Erst dann ging’s mir wieder besser.

miam-miam lecker lecker / Fotos Herr Ösi

Jetzt aber nur noch Lob. Das ist ein Teil der leckeren Köstlichkeiten, die mir kredenzt wurden. Da waren Geschmäcker dabei, wo du sagst, kenn‘ ich überhaupt nicht, das schmeckt so saugut, das gibt’s ja nicht. Doch, das gibt es. Mir fällt auf, Messer in Fernost = Mangelware. Brauchst du auch nicht. Das Essen kommt in der Regel geschnitten + kaufertig auf den Tisch. Ist praktisch, spart Zeit und verringert die Verletzungsgefahr, die von scharfen Gegenständen wie Messer unweigerlich ausgeht. Ich danke für die Aufmerksamkeit.

Was denn nun mit dem Eis sei, fragt eine Dame aus der letzten Reihe.
Ich habe mich leicht verzettelt, so meine Antwort. Ich will niemand überfordern. Das Publikum droht einzuschlafen. Für heute reicht es. Das Eis wird in der nächsten Folge nachgereicht.

Haxn Wellness oder Saugbarben zuzeln an Herrn Ösi

Während der Deutsche in seiner Gründlichkeit imstande ist, die unteren Extremitäten eines Menschen anatomisch korrekt zu benennen – beispielsweise vermag er in Oberschenkel, Unterschenkel, Fuß und so weiter aufzuteilen – bezeichnet der Ösi-Mensch, sagen wir mal der Einfachheit halber und weil er nix anderes gewohnt ist, die Teile vom Arsch an abwärts schlicht und einfach als Haxn.
„Boah! host du schene Haxn“, an eine Dame gerichtet, kann, nein MUSS, als ein hohes Kompliment gewertet werden. Egal, ob sie nun wirklich schöne Haxn hat oder nicht. Der männliche Ösi-Mensch neigt nämlich gern zur Übertreibung. Themenwechsel. Wir befinden uns, zumindest gedanklich, noch immer in Fernost. Der Fernöstliche hat, vergleichen wir ihn mit uns, eine völlig andere Einstellung zum Körper und zum Geist. Siehe den Beitrag Nakkerd Buddha beziehungsweise Das Rauschen des Indischen Ozeans beziehungsweise beide.

Haxn von Herrn Ösi in Paradise Beach / Foto ebendieser

Meine Mutter sagte des öfteren: „Wer es nicht im Kopf hat, der muss es in den Haxn haben.“ Natürlich meinte sie damit nicht, ich sollte ob meiner Vergesslichkeit Fußballer oder gar Radrennfahrer werden, nein, dazu war ich viel zu unsportlich. Sie meinte es anders. Bezüglich Fußballer wissen wir, die haben zwar Hochleistungshaxn, viele sind im Dribbling und im Toreschießen 1A, aber sobald sie den Mund aufmachen, kommt nix G’scheites raus. Sie haben die Haxn hauptsächlich zur raschen Fortbewegung. Ja, wirst du sagen, ein jeder hat die Haxn mehr oder weniger zur raschen Fortbewegung. Stimmt. Es gab Zeiten, in denen lauerte der Säbelzahntiger. Und dem war es ziemlich Wurscht, wie schnell du laufen konntest. Er hat dich auf dem Nachhauseweg vom Pilzesammeln abgepasst… und das war’s dann. Heute ist der Säbelzahntiger keine Gefahr mehr. Da schon eher, dass der Mensch, besonders der westliche, zu wenig Bewegung hat. Viel zu wenig. Und überall muss er mit dem Auto hin. Oder liegt faul zu Hause auf dem Sofa. Beides ist schlecht. Wie du’s auch drehst: die Bewegungsarmut ist eine Geisel unserer Zeit.

Da traf es sich ausgezeichnet, dass ich beim Herumschlendern immer wieder auf diese Behälter, genauer: Aquarien stieß, in denen possierliche Fischchen ihre Arbeit verrichteten. Menschen saßen auf Bänken, hielten die Haxn ins Wasser und die Viecher knabberten extrem an den Extremitäten, sprich an den Haxn und an den Zehen, dass es eine Freude war. Kabbern eigentlich der falsche Ausdruck. Weil zum Knabbern brauchst du Zähne. Und Zähne haben diese Fische nicht. Also, es war mehr ein Zuzeln als ein Knabbern. Jetzt ist der Bayer mit seiner geliebten Weißwurst, vergleichen wir ihn mit den Nordlichtern, klar im Vorteil. Was ein echter Bayer ist, der versteht zu zuzeln, der zuzelt seine Weißwurst, er knabbert sie nicht, und nein, er beißt sie auch nicht. Beißen kann schließlich ein jeder, zuzeln nur wenige, sprich Auserwählte. Zurück zum Thema, bevor wir es aus den Augen verlieren… Besonders die jungen Chinesinnen, als Touristinnen freilich leicht erkennbar, johlten wie am Spieß, wenn die kleinen Fische, kaum hatten die Damen ihre Haxn im Wasser, sich auf die „Opfer“ stürzten. Für die Fische quasi ein Festmahl. Man hörte sie förmlich schmatzen. Die Chinesinnen-Haxn schienen ihnen besonders gut zu schmecken. Blut, da kann ich alle Zimperlichen beruhigen, ist keines geflossen. Alle, damit meine ich auch die Fische, haben die ¼ Stunde Wellness mit Bravour überstanden und sind nach dem Läuten einer Art Wecker unbeschadet aus dem Wasser gestiegen… die Fische natürlich nicht, die sind im Behälter geblieben. Ein geschäftstüchtiger Asiate, der Inhaber eines dieser Aquarien, überzeugte mich mit dem Argument, das Fischgeknabber, pardon, die Fischzuzelei wäre gut für mein Herz, für meinen Kreislauf, ja, für mein gesamtes Wohlbefinden und also bezahlte ich ihn und steckte die Haxn ins Wasser. Ich geb zu, vor Schreck beinah ein Chinesinnen-Gejohle angestimmt zu haben, als die Fische ungefragt und mit Elan über mich herfielen. Eine Horde Haifische ist nix gegen diese kleinen Monster. Es hat wie irr gebitzelt und gedingst … um das ungewöhnliche Gefühl in angemessene Worten zu kleiden.

Später, im Hotel, hab ich die Sache gegoogelt. Und, wie nicht anders zu erwarten: Im Lande der erhobenen Zeigefinger und der medialen Bevormundung steht man der Praxis der Haxn Wellness naturgemäß kritisch gegenüber. Von mangelnder Hygiene bis zu abfallenden Zehennägel ist die Rede. Die „sogenannten“ Journalisten überbieten sich gegenseitig in allgemeiner Ablehnung. Nun gut, wie dem auch sei. Bei Herrn Ösi ist – Gott sei dank, er hat es gleich überprüft – noch alles dran. Nach dem vorangegangenen Meditations-Video, welches uns das Rauschen des Indischen Ozeans näherbrachte, folgt sogleich der nächste Streich, unser Ziel – die Erlangung von Erleuchtung und Vollkommenheit – immer und jederzeit vor Augen. Film ab!

Das Rauschen des Indischen Ozeans

Frage: Wenn ich meinen SUV nachts starte, gehen die Lichter von selber an. Bin ich nun erleuchtet?
Antwort: Nö, nicht wirklich. Aber du bist auf einem guten Weg.

Im letzten Beitrag ging es um einen nackerten Buddha, der, wie sich herausstellte, doch nicht nackert war. Wenn du Buddha sagst, meinst du immer Erleuchtung. Und Vollkommenheit. Letztendlich. Alles andere wäre nicht einleuchtend oder erleuchtend sondern Quatsch. Der westliche Typ (wohlgemerkt nicht Herr Ösi) sagt: Geld… hab ich, ein Haus… hab ich, den SUV… hab ich auch und und und. Erleuchtung und Vollkommenheit hab ich nicht. Noch nicht. Stünde mir aber gut zu Gesicht. Er jettet nach Fernost. Weil im Prospekt davon die Rede.

Mittwochs-Buddha mit Herrn Ösi / Foto ebendieser

Der Mittwochs-Buddha hat sich ein bisschen hingelegt. Verständlich, wenn du an sein Arbeitspensum denkst. Herr Ösi legt sich am Montag hin, am Dienstag hin, am Mittwoch sowieso. Obwohl sein Arbeitspensum im Vergleich zum Mittwochs-Buddha, na, du weißt schon. Die ständige Vollkommenheit fordert ihren Tribut. Am Mittwoch sinkst du, nein, sinkt der Buddha nieder, ob er will oder nicht. Erleuchtung hin oder her. Dem westlichen Typ und auch Herrn Ösi wird schlagartig klar, so schnell wird das nix mit der Erleuchtung. Heute bereits Donnerstag. Mittwoch war gestern. Der Prospekt hat wie immer zu viel versprochen. Das Blaue vom Himmel herunter. Transzendenz und so. Kurz, das ganze Programm. Die Erleuchtung, soviel ist klar, erfordert eine gewisse Vorbereitung. Meditation zum Beispiel. Meditation ist nie falsch. Wenn du sagst, hier und dort zwickt es, möglicherweise das Alter oder die Überforderung, dann … MEDITIERE. Meditieren hat noch nie geschadet. Zumindest den meisten nicht. Deshalb führen wir an Ort und Stelle eine vorbeugende Meditationsübung durch: Thema – Das Rauschen des Indischen Ozeans.

Der Indische Ozean rauscht naturgemäß anders als andere Meere, die Ostsee zum Beispiel. Das Mittelmeer natürlich wieder ein völlig anders Rauschen. Der Altantik, der Pazifik wieder anders. Dem einzelnen Wassertropfen, sagt der Buddha, ist es egal, ob er im Indischen Ozean herum schwimmt oder – präziser – im Golf von Bengalen oder – ganz präzise – in der Andaman-See, weil. Er lässt den Satz unvollendet. Weil.
Oder in der Ostsee, wirft der westliche Ignorant ein. Der Buddha schüttelt den Kopf. Danke! Setzen! Durchgefallen! Wiederholen!

Der Weg zur Erleuchtung ist steinig und schwer. Weshalb wir keine unnötige Zeit verschwenden und uns mit der verprochenen Meditationsübung auf das zu erwartende Ereignis einstimmen. Empfohlene Dosierung für das Video: 3 x während oder nach den Hauptmahlzeiten.

 

Die „angebliche“ Erwärmung der Weltmeere hat auch ihre guten Seiten. Die Wassertemperatur des Indischen Ozeans entspricht in etwa jener, die ich zu Hause in der Badewanne bevorzuge… 😉

 

Nakkerd Buddha

Was? Ein nackerter Buddha?
Herr Ösi rieb sich ungläubig die Augen. Unerhört, was er hier las. Ein Buddha und nackert dazu? Ja, geht’s noch?

Nakkerd Buddha / Foto Herr Ösi

Bekanntlich ist er ein großer Fan der Ostsee, der Herr Ösi, nicht der Buddha. Nicht nur wegen den Außerirdischen, die du hier öfters antriffst als anderswo. Aber im Jänner, den sie in Deutschland als Januar schreiben und ebenso als Januar aussprechen, im Jänner also ist nix mit Ostsee, weil mehr als nur arschkalt. Da müsstest du mindestens ein – sagen wir mal – Russe sein, einer von denen, die ein Loch in den zugefrorenen See buddeln und nackert hinein hüpfen, weil außen nicht kalt genug. Wenn du vom Sternzeichen aber Warmduscher bist, wie Herr Ösi, dann ist nix mit Ostsee im Jänner, nein, nein, dann musst du ausweichen – dahin, wo es ein bisschen wärmer ist, sprich südlicher.
Er fährt also mit dem Roller den Berg hoch und sieht einen Schriftzug quer über die Fahrbahn: Nakkerd Buddha. Kruzifix! denkt er und reibt sich die Augen. Klar, den nakkerden Buddha haben sie grammatikalisch falsch geschrieben. Ist nicht weiter schlimm. Ist ja Ausland. Da schreiben sie einiges anders als du gewohnt bist. Und die ungewöhnlichsten Schriftzeichen als Draufgabe. Der Google-Translator wirft sofort das Handtuch. Digitalisierung Null Punkt Null. Jetzt ist Herr Ösi auf sich allein gestellt. Und auf den eigenen Verstand angewiesen.

Der Buddha ist nicht nackert / Foto Herr Ösi

Gleich die Entwarnung. Der Buddha ist nicht nackert. Der Ösi hat es überprüft. Der Buddha hat ein Gewand an. Zum Glück, möchte man sagen. Wäre, ehrlich gesagt, auch nicht anders denkbar. Den Buddha musst du dir vorstellen wie einen Oberchef. Eigentlich noch ein bisschen darüber. Und ist so ein Oberchef nackert? Natürlich nicht. Niemals. Okay, vielleicht zu Hause, wenn ihn keiner sieht. Oder höchstens seine Frau. Oder sein Gspusi. Weil sonst droht die Untergrabung der natürlichen Autorität. Freilich, der Buddha könnte es sich erlauben, ohne Klamotten also nackert herumzulaufen. Tut er aber nicht. Der Buddha denkt in seinem Denken immer weiter, als er eigentlich müsste und das geht hin bis zur Erleuchtung.

Selfie mit Buddha / Foto Herr Ösi

Natürlich hat sich Herr Ösi das Selfie mit dem Buddha nicht nehmen lassen. Quasi Beweisstück fürs Familienalbum. Oder aus Eitelkeit, wie manch einer denken wird. Egal. Das Selfie musste sein. Immerhin ist es ja der Buddha, der erleuchtet ist, nicht der Ösi.

Blick ins Tal / Foto Herr Ösi

So schaut es aus, wenn der Buddha hinunterschaut ins Tal. Bei diesem Ausblick, gepaart mit ganzjährigen Temperaturen von über 30 Grad bist du der Vollkommenheit ziemlich nah. Erleuchtung und Vollkommenheit. That’s it. Da staunt unsereins nicht schlecht. Das fernöstliche Dingens kannst du nur vor Ort erfassen. Da kannst du zu Hause Yoga treiben bis zum Umfallen. Ist doch nur Trockentraining. Nix Halbes und nix Ganzes. Der Buddha hat’s drauf. Und weil er ein schlaues Bürschchen ist, hat er eine Gruppe von Mönchen um sich gescharrt, die scharf drauf sind, ebenfalls Erleuchtung und Vollkommenheit zu erlangen.

Mönche / Fotos und Gif Herr Ösi

Ist praktisch so eine Art Schneeballsystem oder Pyramidensystem oder auch Multi-Level-Marketing. Bloß auf spiritueller Ebene. Geld gibt es nicht zu gewinnen beziehungsweise auch nicht zu verlieren. Da steht der Mönch über drüber. Wie über den ganzen westlichen Firlefanz, wo ein jeder immer reicher werden will. Raffgier gewissermaßen. Der Mönch mit den beiden Zähnen in der unteren Reihe, Paradebeispiel. Er ist glücklich. Und der Zahnarzt ist ihm schnuppe. Hier geht es um die Reinheit des Geistes, um Erhabenheit und so weiter. Ist ’ne völlig andere Kultur, will ich damit sagen.

Mönche schuften im Akkord / Foto Herr Ösi

Okay! Okay! Heutzutage vielleicht ein kleiner Wandel. Die Mönche arbeiten im Akkord, der Wecker im Hintergrund bereits auf 12 Uhr 46 und noch abertausende Touris abzufertigen, bevor der Mönch nach Einnahme einer kleinen, kargen Mahlzeit ermattet auf seine Liegestatt niedersinken darf. Morgen geht’s weiter. Die Flugzeuge speien massenhaft Urlauber aus ihren Rümpfen, die das Land überfluten. Ein jeder von ihnen auf der Suche nach Vollkommenheit. Haha, nur die wenigsten werden sie finden. Ich gehe in die Knie, robbe vor bis zum Mönch, der mich leidenschaftlich mit Weihwasser segnet. Das Nass rinnt mir über den Schädel. Er hat wahrlich nicht gespart. Germany? fragt er. Ich zucke mit den Schultern, nicht wissend, wie Ösiland in seiner Sprache heißt. Er flüstert mir was zu. Womöglich ein Tauschangebot. Mein Flugticket gegen seinen Job. – Ich hätte zusagen sollen…

Rollerfahrer / Foto Herr Ösi

Als ich nachts den Roller starte, geht das Licht von selber an. So also geht Erleuchtung, sage ich zu mir. Und hoffe, dass der Mönch nicht versehentlich meinen fahrbaren Untersatz anstatt mich geblitzdingst hat, wenn du weißt, was ich meine…

Das Ende aller Schreibblockaden

Hand aufs Herz, wer kennt sie nicht?
Die Schreibblockade.
Die Herbsttage werden kurz und kürzer, draußen stürmt es und schneit es, dass es (k)eine Freude ist, Temperaturen unter Null et cetera. Du drückst die Nase ans Fenster und bist froh, jetzt keinen Hund zu haben, der, weil eben Hund, mal dringend einem inneren Bedürfnis folgend sagt beziehungsweise bellt: ich muss raus … und so weiter. Du bleibst also in der warmen Stube. Gerade so ein Herbstnachmittag, an dem du ein paar Stunden Zeit hast, Zeit zum Nichtstun gewissermaßen, die Seele baumeln zu lassen, dich vom Alltag zu erholen, gerade so ein Herbstnachmittag lässt dich nicht zur Ruhe kommen. Ist schon paradox. Anstatt ein gutes Buch zur Hand zu nehmen, es dir auf dem Sofa gemütlich zu machen, willst du plötzlich selbst eins schreiben. Gut, ein Bestseller soll es schon werden. Das ist dein Anspruch. Mindestens achthundert Seiten. Was gewichtiges halt. Einen Schmöker, den man gern in der Hand hält.
„Hast du den neuen Ösi schon gelesen? Nein? Solltest du unbedingt tun. Steht in der Bestsellerliste ganz oben.“
Allein, so ein Nachmittag im Herbst ist in den meisten Fällen nicht geeignet, ein Werk von epochaler Bedeutung aufs Papier zu bringen. Weil viel zu kurz. Noch dazu, wenn du keinen blassen Schimmer hast, worüber du schreiben könntest. Du denkst ein bisschen nach, doch wie gewohnt, es fällt dir nix ein. Okay, dann eben keinen Besteller, sagst du, und auch kein selbst geschriebenes Buch. Schon willst du das Vorhaben ad acta legen. Da fällt es dir wie Schuppen aus den Haaren. Ja herrschaftssakrament, fluchst du, wozu haben wir die vielgerühmte KI? Dass sie Bier nachbestellt, wenn im Kühlschrank die Leere gähnt? Sicher nicht. So eine Künstliche Intelligenz muss mehr können, als bloß profane Bedürfnisse erkennen und die entsprechenden Schritte einzuleiten.
Keine zwei Minuten später werde ich fündig. Die Webseite Talk to Transformer vervollständigt einen Text, den ich mit paar einleitenden Worten formuliere. Und wirft jenen Besteller automatisch und ungefragt aus, den ich schon immer schreiben wollte. „Der innere Schweinehund von Herrn Ösi ist“, lautet meine Vorgabe. Den Rest erledigt die KI auf Knopfdruck. Und zwar rucki zucki. Das Resultat kann sich wahrlich sehen lassen. Die Verlage werden sich um das Werk prügeln …

Leseprobe: Der Innere Schweinehund von Herrn Ösi ist ein sehr großer Hund, der ihm hilft, ihn durch das Gebiet zu führen, und er ist auch der Hund, auf dem er sitzt, wenn er sich ausruht. Der Innere Schweinehund ist so groß, dass er von den Passanten gesehen werden kann und im Mittelpunkt steht, so dass wir ihn nicht gerne im Freien haben. Es ist nicht ungewöhnlich, dass ein Hund wie dieser mit anderen Hunden und anderen Tieren zusammenkommt und gesehen wird, während sie miteinander auskommen. Herr Pohjalo sagt, dass Herr Ösi oft freundlich und verspielt ist und dass er die Aufmerksamkeit liebt. Aber, sagt er, es gibt Situationen, in denen er nicht da sein wird. In der Wildnis lebt er, der Schweinehund, in den Wäldern und ist meist mehr im Busch zu Hause. Obwohl er so groß ist, wird er übermorgen nicht im Freien sein, sondern er wird stattdessen auf einer Bank sitzen vor einem großen Fenster im Haus. Der Mond schien auf der Bank, und die Schatten bewegten sich durch ihn hindurch. Das Hinterbein lag im Schatten, so dass er nicht aufstehen konnte, sondern nur in der gleichen Position bleiben konnte. Dann stand er plötzlich auf und rannte dem Mond nach. Er konnte einige sehr süße Geräusche hören. Das war ein sehr angenehmer, wunderbarer Klang. Er fand es ziemlich schön, und das Geräusch beleidigte ihn nicht im Geringsten. Er begann zu rennen, sehr schnell, und bald war er außer Sichtweite.

Nun gut. Vielleicht nicht ganz perfekt, die eine oder andere kleine Ungereimtheit im Text, unbedeutende Formfehler, Kinkerlitzchen eben. Kurz gesagt, besser als die KI hätte auch ich das Geschreibsel nicht in die Tasten hauen können. Das Lektorat, denke ich, soll sich um die Kleinigkeiten im Text kümmern, während ich umgehend zur Vermarktung schreite, heißt, die nötigen Fernsehauftritte vorbereite, sowie die Künstliche Intelligenz mit dem Schreiben von Teil 2 beauftrage. Nebenbei, versteht sich. Dann einen Termin beim Friseur. Neue Klamotten könnten nicht schaden, zumal meine Krawatte … aber lassen wird das.
Puh!, sage ich leicht erfschöpft. Ich tu dann mal tun und machen. Sieht – von außen betrachtet – vielleicht arg nach Stress aus. Ist es auch. Aber wer sagt denn, wir wären bloß zur Erholung auf diese Welt gekommen. Keiner sagt das. Merke: wer rastet, der rostet. Sorry, ich muss weiter. Wir sehen uns dann die Tage … im TV!

Schlussbemerkung: Beunruhigend ist, dass die „etablierten“ Mainstream-Medien ihre aktuellen Tagesnachrichten ebenfalls nach dem oben beschriebenen Prinzip generieren. Weshalb wir, was politische und gesellschaftliche Themen betrifft, künftig verstärkt mit allerlei Blödsinn und Unwahrheiten zu rechnen haben. Bei ARD, ZDF und N-TV bereiten die Sprecher*innen ihre Texte dank KI während der Lesung quasi live vor, im Stegreif sozusagen.  Der inhaltliche Unterschied zwischen einer Nachrichtensendung und der Aufführung eines Stück aus einem Improvisationstheater verschwindet zusehends.