Oligarchennichten

Nach dem HC-Strache Reinfaller musst du als Mann höllisch aufpassen. Weil zu viele falsche Oligarchennichten im Umlauf. Da, wo du sie am wenigsten erwartest. Beim ALDI zum Beispiel.

Ich steh in der Schlange an der Kasse. Natürlich die längste der Welt, wo nix mehr geht. Der Opi weiter vorn hat die Pin 3 x eingegeben. Klar, 3 x die falsche und das Bargeld reicht nicht. Wird noch ’ne Weile dauern. Da schubst mich die Schnecke von hinten. Ich dreh mich um … in Zeitlupe, lasziv sozusagen. Sie, wasserstoffblond, Russin, stark geschminkt und so weiter, sieht Mann auf den ersten Blick. Zwei Flaschen Wodka Gorbatschow hat sie mir gnadenlos in den Rücken gerammt.
„Ey, Alda, lass mir vorbei!“, bellt sie in gepflegtem Russisch-Deutsch.
Ich will „нет“ sagen und sage stattdessen: „Schon gewusst, Wasserstoffperoxid verwenden sie in Amerika als Raketentreibstoff.“ Quasi ein Kompliment. Sie versteht den Joke nicht und lacht trotzdem. Russin eben. Im positiven Sinn.
Der Deal“, sag ich, „Gluck, Gluck, Gluck und du darfst vor.“ Ich unterstreiche mein Angebot mit einer Trinkbewegung. Das versteht sie und reicht mir eine Flasche. „Na dann, Urbi et Gorbi“, proste ich ihr zwinkernd zu. Das ist die hohe Kunst der Konversation an der ALDI-Kasse: entweder du machst es geistreich oder lässt es bleiben. Dazwischen gibt es nix.
Sie müsse zum Begräbnis, sagt sie und spricht das Müsse wie Müssen aus. „Funeral“, sagt sie. Keine Ahnung, was Begräbnis auf Russisch heißt und vielleicht ist das der Grund, warum sie es auf Englisch sagt. Sie sagt Funeral, ein paar Mal sagt sie Funeral, damit ich verstehe, worum es geht. Onkelchen Michail Michailowitsch ist im Kaukasus in einen Hinterhalt geraten. Wurde erschossen. Jetzt Funeral. Zuerst die Geldübergabe abgeschlossen, dann der Hinterhalt.
Peng! Peng! Peng! Sie tippt mir an die Brust, an den Kopf, auf den Bauch, auf die Hände, auf die Beine, praktisch überall hin. Na ja, fast.
„Kalaschnikow?“, frage ich. Sie nickt. Das Onkelchen, sag ich, muss durchlöchert gewesen sein wie ein Nudelsieb.
„Nudelsieb?“, fragt sie. Ich nicke. Mir ist auf einmal klar, dass sie eine Oligarchennichte ist. Warum? Die Kalaschnikow kennt sie, ein Nudelsieb nicht. Noch Fragen?
Hinter uns Tumult. Die Menge tobt erbost. Okay, wir sind an der Reihe und blockieren das Laufband. „Wisst ihr, wen ihr vor euch habt?“, frage ich den Pöbel hinter uns.
„Ludmilla!“, sagt die Russin selbstbewusst. Ich wiederhole ihren Namen bedeutungsschwanger. Der Pöbel tobt weiter. Will nicht warten, will endlich sein Zeug bezahlen und nach Hause. Wir ignorieren ihn.
„Zu mir oder zu dir?“, frag ich.
„Funeral“,  sagt sie.
„Macht das Onkelchen auch nicht wieder lebendig“, sag ich und freu mich über meine Schlagfertigkeit.
Nun wird der Pöbel noch handgreiflich. Ludmilla teilt Fußtritte an die Umstehenden aus, bis einer zu Boden geht. Ich bin beeindruckt. „Gehen wir“, sagen wir gleichzeitig wie aus der Kalaschnikow geschossen. Und wir gehen.

Auf dem ALDI-Parkplatz eine schwarze Limousine. Die Scheiben abgedunkelt. Panzerglas-Verglasung, so viel ist sicher. Ludmilla macht winke winke. Vom Fahrer keine Reaktion. Die Scheiben bleiben geschlossen. Ich denke an das Onkelchen. Wie hieß der noch?
„Michail Michailowitsch“, sagt Ludmilla als hätte sie meine Gedanken erraten.
„Da lang“, sag ich und zeig ihr den Weg.
Die Limousine folgt uns im Schritttempo. Tausend Gedanken jagen mir durch den Kopf und – Fuck! – das Nudelsieb immer dabei. Musst du dir so vorstellen: ein Gedanke, Nudelsieb, nächster Gedanke, Nudelsieb und so weiter. Hätte ich die Oligarchennichte ohne Widerrede vorbei gelassen, wäre nix passiert. Aber das „Ey, Alda“ hat mich gewurmt. Jetzt die Limou im Nacken, der V12 säuselt unter der Haube, kann ihn deutlich hören obwohl fast nicht zu hören. Zwinge mich, mich nicht umzuschauen. „Drah di ned um, schau, schau, der Kommissar geht um.“ Ich spiele die mir verbleibenden Möglichkeiten durch. Sind nicht viele. Durchstarten und abhauen? Ich verwerfe diese nicht wirklich männliche Option. „Er hot die Kroft und wia san klan und dumm.“
Dann der Geistesblitz. Mir fällt dieser Survival Scheiß auf YouTube ein. Folge 1. Was zu tun ist, wenn am 14.1.2020 in Deutschland der Strom ausfällt. Nein, nicht für ein paar Stunden, sondern wochenlang. Ist im Augenblick kein Thema. Folge 8, der Gullideckel, eher schon. Oder war’s Folge 7? Egal. Unter der Straßendecke ist deine Stadt längst nicht zu Ende. Im Gegenteil. Das Werkzeug, einen Gullideckel anzuheben und beiseite zu schieben, solltest du bei dir haben. Hab ich und mach es.
„Nach dir, mein Engel“, sag ich und lass ihr den Vortritt.
Sie schaut verdattert in das Loch. Merke: Oligarchennichten erwarten eine Extra-Einladung, wenn sie aus heiterem Himmel einen engen Schacht runterklettern sollen. Also, ein Bitte Bitte und den ganze Kram. Dafür haben wir keine Zeit. Ich mach ein paar Kletterbewegungen mit Händen und Füßen wie ein Affe, damit sie kapiert, wie’s weitergeht, weil auf Russisch hätt‘ ich es nicht sagen können. Klar, mit dem Google Translator, wirst du einwenden, eine Kleinigkeit. Bloß die Zeit haben wir nicht. Der V12 im Rücken säuselt nicht mehr, er brummt bedrohlich. Endlich kapiert sie’s und steigt die Leiter hinab. Ich folge. Schließe den Gullideckel über mir. Wetten, der Fahrer und oder die Doofmänner in der Limou sind nun richtig angepisst.

Blöderweise wird es schlagartig zappenduster, wenn du den Gullideckel über dir schießt. Im YouTube-Survival-Video natürlich kein Sterbenswörtchen davon. Wer will sein Publikum schon vergraulen? Ich fluche wie ein Rohrspatz beim Runterklettern in der Dunkelheit. Und Ludmilla? Ja … Ludmilla. Jetzt kommt der große Moment der Oligarchennichte. Ein Licht geht an. Aus dem Nichts. Ich perplex. Aus ein paar Stofffetzen, dem Wodka und was weiß ich, hat sie eine Fackel konstruiert. Onkelchen Michail Michailowitsch hat ganze Arbeit geleistet.
„Onkelchen Michail Michailowitsch hat …“, sagt sie.
„… ganze Arbeit geleistet“, ergänze ich.
Der Oligarch im Kaukasus, denk ich, ist den ganzen lieben Tag schwer beschäftigt. Mit Geldübergaben, mit Kalaschnikows, aufpassen, nicht in den Hinterhalt zu geraten et cetera. Zu guter Letzt: die Erziehung der Nichte. Wer, wenn nicht er, soll sich um das Mädel kümmern? Da hast du’s. Für uns im Westen ist der Oligarch einer mit einer möglichst dicken Yacht. Füße im Wasser. Geld um sich werfend. Ab und an ein Deal: Erdöl, Waffen, Drogen, was halt grad anfällt. Aber, weit gefehlt! Die Nichte hast du vergessen. Er muss sich um die Nichte kümmern. Müssen vielleicht nicht. Dennoch: er tut es. Was lernt er der Kleinen? Kochen etwa? Nö. Wird die nie brauchen. Schießen? Na klar. Was die handelsübliche Hausfrau hierzulande höchstens aus dem Fernsehen kennt, damit sind keine harmlosen Kochshows gemeint, sondern knallharte Actionkrimis, das muss die Oligarchennichte aus dem Effeff beherrschen. Reiten, schießen, vergiften, jagen, überleben, wenn’s drauf ankommt, den Nahkampf, kurz: alles, was die verwöhnten Weibsen hierzulande niemals lernen, weil niemals brauchen. Da kommt vor, dass das Onkelchen mal vergisst auf Kleinigkeiten hinzuweisen: „Die Fußnägel immer sauber halten, niemals dreckig. Verstehst du?“ Der Oligarch ist eben auch nur ein Mann. Gewieften Oligarchennichten ist es gelungen, selbst mit dreckigsten Fußnägel die Männer rumzukriegen. Die Herren haben zwar gewittert, wie das Reh den Jäger wittert, da ist was faul, vor Geilheit aber im entscheidenden Moment die Witterung verloren. Danach den Job verloren. In der Folge eine höchst miserable Presse eingefahren. Üble Nachrede. Eben das ganze Programm, das du dir einfängst, wenn du einmal nicht aufpasst.
„Wohin?“, fragt Ludmilla.
Ich muss mich erst orientieren. Oben ist’s ein Kinderspiel. Hier aber …
„Da lang“, sag ich leicht verunsichert. „Google Maps kannst du hier nämlich knicken.“

Das Kanalisationssystem der Stadt. Der reinste Wahnsinn, wenn du niemals unten warst. Wir waten knöcheltief durchs Wasser. Der Gestank bestialisch. Mäuse, Ratten, Spinnen, das ganze Zeug. Die handelsübliche Hausfrau würde vor Panik schreien, sofort auf einen Stuhl klettern. Wenn es einen gäbe. Gibt es aber nicht. Die handelsübliche Hausfrau zum Glück auch nicht. Und Ludmilla? Ist in ihrem Element. Schnappt sich eine Kakerlake, wirft den Kopf in den Nacken, lässt da Tier in den Rachen gleiten. Das weltweite Ernährungsproblem, sagt sie auf Russisch, lasse sich nur durch den Verzehr von Insekten lösen. Wegen dem Eiweiß. Schmatzend doziert sie über Proteine und unkontrolliertes Bevölkerungswachstum, das an allem schuld sei. Ich versteh kein Wort, wegen dem Russisch, versteht sich. Gut möglich, dass ihr Thema ein völlig anderes ist. Versteh ja nichts, vermute nur. Interessant, dass du Unterirdisch nicht nur die Orientierung verlierst, sondern auch das Gefühl für Zeit. Deshalb kürze ich ab. Erstens den Weg, zweitens die Beschreibung. Irgendwann landen wir in einem immens hohen Raum, mit hunderten, eng beieinander stehenden Leitern. Die Kathedrale. Beschriftete Pfeile an den Leitern weisen den Weg nach oben. ALDI steht auf dem einen. Daneben eine Leiter mit Beschriftung XXX. Die nehme ich. Rauf geht’s. Ludmilla klettert hinter mir. Oben angekommen der obligate Gullideckel. Ich öffne ihn und stehe plötzlich in meiner Wohnung. Ludmilla schicke ich erstmal unter die Dusche. Kann nie schaden. In der Zwischenzeit google ich im Internet den Begriff Oligarchennichten. Und werde fündig.

Workshop: Oligarchennichten leicht erkannt & durchschaut – Fotos Herr Ösi

Diese Oligarchennichte ist echt. Sie trägt Trauerflor

Mitnichten eine Oligarchennichte. Sie hat dreckige Fußnägel

 

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32 Gedanken zu “Oligarchennichten

  1. Sofort und spontan habe ich beschlossen, viel öfter bei ALDI einzukaufen, denn bei meinem Discounter ist mir so etwas Spannendes noch nie passiert. Vielleicht habe ich es aber einfach auch nur überhört, wenn mich jemand von hinten angepöbelt hat oder von vorn gebremst, so dass ich leicht ungehalten wurde. Das Leben ist so vielfältig – vor allem das unterirdische – ich habe verstanden. Jetzt müsste ich es noch auf russisch schreiben: Я понял.

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    • Ich finde auch, dass die Billigdiscounter wirklich unterschätzt werden. Spannende Krimiserien und tragische Kassenschlangensoaps könnten hier gedreht werden und so manch einem Kunden zu Ruhm und Ehre verhelfen. 🙂

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    • Hihi, und „Herr Ösi“ hat Dein Programm auch ein klein wenig modifiziert 🙂
      Ja, ein Unterweltthriller, der beim Aldi seinen Anfang nimmt, klingt wirklich vielversprechend. Und bei den Dreharbeiten hätte man gleich ausreichend Futtereralien parat 🙂

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    • @ Clara

      Liebe Clara,
      bei ALDI kann man was erleben, das muss ich schon sagen. Bei mir manifestiert sich das in meinen Beiträgen. Soviel habe ich verstanden. Und dieser ist ziemlich unterirdisch … 😉
      Gruß
      Herr Ösi

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  2. Lieber Herr Ösi,
    eine wundervolle Geschichte. Ich bin ein klein wenig neidisch, was Sie so alles erleben.
    Ich war heute beim Aldi.
    Nichts!
    Rein gar nichts in der Art und auch sonst nichst!
    Ich wernd nicht einmal angerempelt. 😦
    Es muss eben doch an Ihrem Charme liegen.
    Gruß Heinrich

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    • Lieber Herr Heinrich!
      Vielleicht sollten Sie sich einfach mal demonstrativ vor das Spriritousenregal stellen, Schild um den Hals hängen „bitte anrempeln“. Dann MUSS es doch klappen. … andererseits erspart man sich natürlich auch die ein oder andere Unannehmlichkeit.
      An Ihrem Charme kann es jedenfalls nicht liegen. da bin ich mir sicher 🙂

      Herzliche Grüße
      Mallybeau

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    • @ Herr Heinrich

      Lieber Herr Heinrich,
      sagen Sie es bitte nicht weiter, aber das Spannendste, das mir bei ALDI je passierte, war, dass der Apparat, in dem man die Plastikflaschen zurück gibt und der dann einen entsprechenden Zettel fürs Leergut druckt, letzte Woche eine Panne hatte. Wäre – zugegeben – auch einen Beitrag wert gewesen, kommt aber gegen eine waschechte Oligarchennichte nicht im geringsten an … 😉
      Gruß
      Herr Ösi

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  3. Ringring. Der Wecker klingelt. Die normale Hausfrau schält sich aus Bett. Tee kochen. Brotreste an Raben verfüttern. Hausanzug kann anbehalten werden, der nächste Gang in die Stadt folgt erst in zwei Wochen. Und warum sollte eine normale Hausfrau rumlaufen wie eine aufgebrezelte Oligarchennichte? Nur um beim Aldi Wodka zu holen? Nein. Um bei Männern Eindruck zu schinden? Nein. Um zu zeigen, dass hinter einer geschönten Fassade kein Kern …? Nun ja, diese Gedankengänge nötigen der normalen Hausfrau zu viel Zeit ab. Sie hat schließlich dafür zu sorgen, dass der Haushalt auf Touren kommt und kann nicht wie eine Oligarchennichte Zehennägel lackierend im Designer-Bad in der Goldrandwanne sitzen und sich den Rücken massieren lassen. Vom Wodka trinken ganz zu schweigen. Die normale Hausfrau benötigt ihre Gehirnwindungen für wichtigere Tätigkeiten und kann sich nicht dem Suff anheim fallen lassen. Also. Dreckwäsche einsammeln und in den Keller gehen. Anschließend müssen die Fenster geputzt werden, dann wartet die Küche, …
    … doch was ist das? Ein verdächtiges Poltern. Ein Rascheln. Ein Rumpeln ist aus dem Waschkeller zu vernehmen. Die normale Hausfrau ist hellhörig. Sie rollt mit den Augen. Oh nein, es wird doch nicht etwa wieder eine verirrte Oligarchennichte im Untergrund unterwegs sein? Wäre nicht das erste Mal, dass plötzlich eine überschminkte Ludmilla oder Svetlana neben ihrer Waschmaschine auftaucht und fragt, wo das nächste Schnapsschränkchen steht oder „wo gehen Weg zum ALDI“. Typisch. Immer hat man Ärger mit den Damen und Herren, die nichts besseres mit ihrer Zeit anzufangen wissen, als sich um ihre Fassade zu kümmern und zu saufen. Die normale Hausfrau darf es dann ausbaden. Aber sie kennt es schon. Und hat vor der Türe zum Waschraum bereits eine Klobürste gebunkert. Das ideale Handwerkszeug, um eine pingelige Oligarchennichte zu vertreiben. Langsam öffnet die normale Hausfrau die Kellertüre. Licht an. Keine Oligarchennichte. Nur die Waschmaschine und jede Menge Gerümpel. Doch das kennt sie schon. Oligarchennichten fallen paradoxerweise in derlei Räumlichkeiten kaum auf. Zu schön geschminkt ist bekanntlich schon wieder häßlich und passt somit bestens in die Unordnung der Waschküche einer normalen Hausfrau.
    Diese steigt samt Klobürste auf einen Stuhl, dreht sich langsam im Kreis und versucht die verpeilte Wodkadame zu erspähen. Nichts. Da auch nichts. Doch da, ein kurzer Aufschrei. Mein Gott, welch eine verunstaltete Visage. Die normale Hausfrau könnte eine Sammlung all der gruseligen Oligarchennichten anlegen, die sich bereits in ihrem Keller verirrt haben. Nein, lieber nicht. Sie hat nicht viel übrig für Horror. Also Augen zu und durch. Sie erhebt die Klobürste, lässt einen lauten Schrei erklingen (die Nachbarschaft ist gewarnt, dass erneut promillegetränkte Russinnen die Kanalisation und Kellergewölbe unsicher machen), die Oligarchennichte zuckt aus ihrem Suff zusammen, murmelt etwas von „ALDI“, prostet der normalen Hausfrau zu und streckt ihr stolz ihre schwarz lackierten Zehennägel hin. Das musste ja sein, denkt sich die normale Hausfrau und kippt der Dame eine Flasche Aceton über die Füße. Diese kichert bloß und lässt sich widerstandslos von der normalen Hausfrau mit der Klobürste ins Freie befördern. Dort steht sie einen Moment lang orientierungslos vor einem Gullideckel, bis ein Getränkelaster aus Russland angerauscht kommt und sie überfährt. Wieder ein Problem weniger.
    Die normale Hausfrau schüttelt den Kopf, nimmt Wischlappen und Eimer und wischt die ganze Sauerei von der Straße. So. Wieder sauber. Jetzt noch schnell die Wäsche machen, dann einen Tee trinken und mit den Zehen durch das Tulpenbeet waten … damit sie schön dreckig werden … natürlicher Dreck 🙂

    Lieber Herr Ösi!
    Ihre Erlebnisse an der Aldi-Kasse sind absolut grandios.
    Wenn das nicht neuer Filmstoff für Herrn Tarantino ist.
    Die lebensnahe Schilderung lässt einem beinahe die Fußnägel senkrecht auftstellen. Das Ösiblog-Readktionsteam zeigt dem Leser einmal mehr, dass Oligarchennichten, und mögen sie auch noch so betrunken sein, nicht zu unterschätzen sind. Ein wenig beruhigt es mich, dass die Damen auch in Städten für Unheil sorgen und nicht nur bei uns normalen Hausfrauen auf dem Land für Ärgernis sorgen. An Ihrer Stelle würde ich die Dame unter der Dusche nun gar nicht mehr aus dem Bad lassen. Eine Klobürste in die Hand gedrückt, Wischlappen dazu und Frau Saftschubse hat ein wenig Entlastung. Für irgend etwas müssen die Damen schließlich gut sein 🙂

    Herzliche Grüße und eine entspannte Woche
    Mallybeau
    PS.: Und wenn sich die Dame doch nicht als Putzfrau eignet, einfach wieder ab mit ihr in die Kanalisation… ich warte mit der Klobürste in meinem Waschkeller 🙂

    Gefällt 3 Personen

    • Oligarchennichten im Waschraum sind eigentlich gar nicht so grandios. Man hat einen unglaublich großen Verschleiß an Klobürsten. Vom reinigen der Straße ganz zu schweigen.
      Da bin ich wirklich froh, dass ich genau wie Sie bei ALDi bisher unspannende Erlebnisse hatte. Sonst wäre man ständig damit beschäftigt, Abenteuer zu erleben und könnte gar keine Blogbeiträge mehr schreiben 🙂

      Gefällt 2 Personen

    • Fräulein Saftschubse streicht mit dem Finger über die Fliesen.

      Saftschubse: Was ist das?
      Ludmilla: Äh?
      Saftschubse: Was ist das?
      Ludmilla: Schmutz?
      Saftschubse: Wie Schmutz?
      Ludmilla: Das ist Schmutz.
      Saftschubse: Was??
      Ludmilla: Das ist Schmutz, Mylady.
      Saftschubse: Mylady, was?
      Ludmilla: Das ist Schmutz. Mylady! Sir!
      Saftschubse: Na also, geht doch.
      Fräulein Saftschubse streicht mit dem Finger über den Fußboden.
      Saftschubse: Und das?
      Ludmilla: Auch Schmutz.
      Saftschubse: Auch Schmutz, was?
      Ludmilla: Das ist auch Schmutz. Mylady! Sir!
      Herr Ösi betritt das Badezimmer.
      Herr Ösi: Donnerwetter, wie es hier glänzt!
      Saftschubse: Loben sie bloß Ludmilla nicht.
      Herr Ösi: Hat sie etwa … ?
      Saftschubse: Du musst noch viel lernen, Ludmilla.
      Ludmilla: Jawohl. Muss ich.
      Saftschubse: Jawohl, was??
      Ludmilla: Jawohl. Ich muss noch viel lernen. Ay ay Mylady! Sir!
      Herr Ösi: Mylady? Sir? Was soll das?
      Saftschubse: Kennen sie nicht den Film Full Metal Jacket von Stanley Kubrick?
      Herr Ösi: Klar kenn ich den.
      Saftschubse: Eine kleine Anspielung drauf.

      Saftschubse (reicht Ludmilla einen Zettel): Hier der Plan für die kommende Woche.
      Herr Ösi: Ist das nicht etwas übertrieben?
      Saftschubse: Keineswegs. Morgen lasse ich sie die Toilette mit einer Zahnbürste reinigen.
      Herr Ösi: Na, hoffentlich nicht mir der meinen …

      Liebe Frau Mallybeau,

      grandios, kann ich nur sagen, einfach grandios. Starfotograf Helmut Newton hätte die Fotos der ganz normalen Hausfrau nicht besser inszenieren können.
      1. Zuerst die leere Waschküche mit dem TANDIL aus dem ALDI. Auch die Ösi-Redaktion TANDILt, wenngleich mit wesentlich kleinerer Packung, sozusagen Mogelpackung. Im Hintergrund ist das Totem – für Banausen ein Ofenrohr – eindeutig zu erkennen.
      2. das vorsichtige Anschleichen mit der Klobürste
      3. Halt!, da war doch was!
      4. die Oligarchennichte ist enttarnt
      5. jetzt gibt’s Saures

      Geschäftsidee: Diese Karte ließe sich – wohlgemerkt mit anderem Text – auch für spät nachts aus der Kneipe heimkehrende Männer verwenden …

      Herzliche Grüße zur Wochenmitte 🙂
      Herr Ösi

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    • Eine prima Idee. Ich ändere meinen Namen in „MMM – Männerschreck Mallybeau Mauswohn“ und verteile die Karten mit Androhung brutaler Klobürstenschläge an sämtliche Haushalte, die sich mit dem von Ihnen beschriebenen Problem herumärgern müssen. Ob es hilft, werden dann die ersten Testläufe zeigen 🙂
      Ich hoffe, Ihre Ludmilla spurt mittlerweile. Wenn nicht, vielleicht können Sie sie ja bei der Pfandflaschenrückgabe bei ALDI wieder abgeben 🙂

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    • Hallo, Frau Filmregisseurin, ich wusste doch, dass du in das Drehbuchgeschäft mit Herrn Ösi eingreifst – du KANNST gar nicht anders als kreativ sein.
      Zu meinem Beitrag weiter oben, als das Sprechprogramm „Heim Öl Sie“ schrieb, wollte ich nur sagen, dass es auch recht kreativ ist, dieses Schreibprogramm. 🙂

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    • Stimmt. Herr Ösi, oder Heim Öl Sie wie Dein Sprachprogramm sagen würde, stupst immer sehr geschickt die Assoziationsketten in Gang. Und dann MUSS man eben kreativ sein, ob man will oder nicht. … aber es gibt schlimmeres 🙂

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    • Das Wort „Oligarchennichte“ sagt es schon. „Oli“ steht für Olivenöl, „gar“ für gar und „Nichte“ als Synonym für importiertes russisches Rindfleisch, dass dort keiner haben will 🙂

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  4. Wow. Und eben fällt mir mal wieder die schreiende Ungerechtigkeit auf: Der gelernte Ösi braucht bloß die Bekanntschaft einer zu allem bereiten Oligarchin, um zu surviven. Die gelernte Ösin hingegen muss neben Rattendomestizierung mindestens Russisch und sämtliche Kanalnetze auswendig können, um sich im Allerweltsdschungel zu behaupten. Wie sollen wir da auf ein einheitliches Niveau zwischen Männern und Frauen kommen, wenn es sich bereits am Vergleich der Weibsen untereinander spießt. Da nützen auch sauber manikürte Fußnägel niente … seufz. Was einen Mann beeindruckt, hängt ja doch immer wieder nur von seinen Hormonen ab … 😉

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    • Hormone? Ja und Nein. Einer Oligarchennichte kannst du als Mann nicht so einfach gegenübertreten. Die hat ein Ego wie eine … äh Damensynchronschwimmerinnenstaffel zusammen. Da gehst du als Mann unter, wenn du der nicht Paroli bieten kannst und nicht entsprechend auf den Putz haust … 😉

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  5. Ich kenne Ludmilla – hab sie letzte Woche am Gardasee gesehen! Spitzen-Hemdchen mit Lochmuster und Rüschchen sowie knappes Höschen verdeckten nur notdürftig das Allerschlimmste, H2O2-Blondschopf wie Urban Priol nur in lockig und dichter, nur auf die Zehnägel hab ich nicht so genau geschaut… Dort fällt sie übrigens kaum auf – gehört ja inzwischen alles den Oligarchennichten und -neffen…

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    • Genau. Sie ist am Gardasee und in Kitzbühel zu Hause. Dort feiert sie Partys und säuft bis zum Erbrechen. Vorteil natürlich für den Gardasee. Die Gezeiten reißen die Sauereien mit sich. In Kitzbühel müssen sie bis zum ersten Schneefall warten, der die Schweinerei überdeckt … 😉

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  6. Lieber Herr Ösi ich kann Ihnen gar nicht sagen wie froh ich bin, dass ich trotz meiner Italien Auszeit hier im Reader ein wenig zurück geblättert habe. Diese Geschichte ist fantastisch. Die ist noch viel besser, als alles was ich überall die erlebt habe. Wobei, das wird ihre Erzählung nicht gerecht, denn ich erlebe bei Aldi grundsätzlich gar nichts.
    Herzliche Grüße

    Gefällt 2 Personen

    • Vielen Dank, liebe Mitzi. Aber Ihre wunderbaren Geschichten von zu Hause, von Paul, Frau Obst und den anderen Bewohnern entschädigen Sie und Ihre Leser – mich eingeschlossen – für all die Dinge, die man höchstens in absoluten Ausnahmesituationen bei Aldi erleben kann … 😉
      Herzliche Grüße
      Herr Ösi

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